Was treiben die New England Patriots?

Gestern gesehen: Die New England Patriots sind bisher einer der größten Verlierer der laufenden Free Agency. Eigentlich kennen wir das bereits: New England machte in der Ära Belichick mehr Schlagzeilen im Herbst und Winter als im Frühling. Doch diesmal ist vielleicht alles anders…

Tom Bradys Abgang ist zweifellos das Ende einer Ära, und man kann den Impact seines Abgangs aus New England kaum abschätzen. Fraglos ist: Brady hat in den letzten zwei Jahren deutlich abgebaut und war letzte Saison anders als manchmal früher auch nicht mehr in der Lage, einen kaputten Receiving-Corps durchzuschleifen.

Wenn wir den Gerüchten glauben, dann haben die Patriots Bradys Abgang billigend in Kauf genommen. Ihr Angebot an ihren epochalen QB war nicht so, dass dieser nicht ablehnen konnte. Es war eher: Schau, wir bieten die x, aber wenn du was besseres findest, dann sind wir dir auch ned böse.

Die spannende Frage ist jetzt die Richtung, die New England einschlägt. Gestern wurde Brian Hoyer für billige Kohle in die QB-Rotation geworfen, aber ernsthaftes Startermaterial ist er trotz anders lautender Andeutungen nicht. Ob die Patriots sich solches noch holen, ist maximalst ungewiss.

Eine Verpflichtung eines bekannteren QBs wie Jameis Winston oder Cam Newton gilt als eher unwahrscheinlich und ist auch finanziell kaum tragbar (die Patriots sind recht knapp bei Salary-Cap Space). Als mögliche Szenarien werden hie und da noch ein Trade für einen Mittelklasse-QB à la Dalton aus Cincinnati diskutiert – oder eben tatsächlich der Gang in die Saison mit Hoyer und einem total unerprobten QB wie Jarrett Stidham, 2019 in der 4ten Runde gedraftet.

Jener Move, also Stidham auf QB, klingt erstmal nach Holy Shit!, ist aber gleichzeitig eindeutiges Indiz für das Einschlagen des vor ein paar Tagen angesprochenen „Patriots-Tankings“: Das Ende der Brady-Ära nicht zwingend darauf verwenden um mit einem Durchschnitts-QB einen Angriff auf 8-8 oder 9-7 zu nehmen, sondern lieber schauen, was der Grünschnabel drauf hat – und wenn es total schiefläuft, dann eben #1 Pick 2020 und Picken von Super-Prospect Trevor Lawrence.

Diese „Weitsicht“ kann natürlich schiefgehen. Nicht bloß weiß heute noch keiner, ob die Saison 2020 mit Coronakrise in einem von Trump regierten Land überhaupt stattfinden wird und alle meine nun folgenden Spekulationen ad absurdum geführt werden.

Viel mehr noch: Selbst wenn die Saison gespielt wird, ein Jahr ist eine lange Zeit. Wer heute als künftiger Weltstar angepriesen wird, kann morgen schon vergessen sein und umgekehrt. In einem Jahr Football ändert sich oft alles. Die letzten Top-QBs im Draft wie 2017 Trubisky/Mahomes, 2018 Baker Mayfield, 2019 Kyler Murray bzw. 2020 Joe Burrow waren ein Jahr im Vorfeld des Drafts nicht einmal Experten geläufige Namen als mögliche NFL-Stars, und auch das scheinbar absichtliche Abstinken à la Dolphins kann schnell dazu führen, dass man nicht mehr an #1, sondern nur noch an #5 fernab der „Elite-QB Range“ operiert.

Doch theoretisch wären die Patriots nahezu ideal aufgestellt für einen ein- bis zweijährigen Umbau und eine Neuausrichtung der Franchise: Belichick genießt fast uneingeschränkte Autorität. Er muss nicht wie ein Ryan Pace in Chicago („Ich bin der beste und sehe genau, welche Prospects gut sind!“) oder ein Duo Spielman/Zimmer in Minnesota (brauchen aufs Verrecken 10-6 um nicht gefeuert zu werden) schnelle sportliche Ergebnisse liefern um den Job zu behalten.

Belichick könnte einen Umbau also mit der notwendigen Ruhe angehen. Er hat natürlich eine Patriots-Anhängerschaft im Nacken, die seit 20 Jahren verwöhnt ist wie sonst nur die Fans der größten europäischen Fußballclubs und wahrscheinlich beim Gedanken an drei Niederlagen in Folge schon die Spießrute auspacken – doch was sind mit Belichicks Leistungsnachweis im Rücken schon eine oder zwei schlechte Spielzeiten, wenn man dabei langfristig Draftkapital und die Chance auf einen nächsten Franchise-QB bekommt?

Es ist natürlich möglich, dass die von New England gedrafteten Spieler sofort einschlagen und Stidham gut genug sind um von McDaniels gecoacht und von der Belichick-Defense assistiert zu einem neuerlichen Divisionsgewinn in der AFC East zu tragen und Belichick schon allein damit ein weiteres Denkmal setzen – die Division ist trotz Verbesserungen in Buffalo und Miami fragwürdig genug besetzt um auch ein solches Szenario nicht komplett auszuschließen.

Doch wesentlich wahrscheinlicher ist eine einstweilige Staffelübergabe an die Konkurrenz – und das weiß auch Belichick. Der ist kein Träumer. Belichick ist realistisch genug um zu sehen was abgeht. Er ist keiner der Offiziellen, die ihrem Owner ihre eigene Genialität à la Pace verkaufen. Vielmehr sind Belichicks permanente Down-Trades im Draft und sein starkes mittelfristiges Denken die Qualitäten, die es auch für einen NFL-Rebuild braucht.

Und damit bleibt die große Frage, ob Belichick sich auf sowas einlassen würde. Er wird 68 – ein Alter, in dem die meisten Leute schon in Pension sind. Wie lange tut er sich diesen Stress noch an? Will er es noch einmal allen zeigen dass es zu ganz Großem reicht oder „reicht“ es ihm, noch einmal ohne Brady eine Playoffqualifikation herauszuwringen, ehe er sich in den Ruhestand verabschiedet? Ist ihm die „Rivalität“ zu Brady wichtig genug, dass er überhaupt solche Gedanken anstellen würde, oder ist Belichick längst auf den Rebuild mit Fokus 2022 getrimmt? Ist die Rivalität mit Brady überhaupt ein Thema?

Es sind faszinierende Fragen, und sie machen die Patriots 2020 aus völlig anderen Gründen als sonst so spannend. Persönlich finde ich den Gedanken an einen echten, „harten“ Umbau in New England ziemlich sexy. Ich möchte Belichick bei dieser Aufgabe sehen – so schwer es vorstellbar ist, dass Belichick eine 3-13 Saison mit sich selbst in Einklang bringen würde. Außer Bradys Abgang deutet auch noch gar nicht so viel auf ein mögliches Tanking hin – die besten möglichen Trade-Objekte OG Thuney auf Franchise-Tag und CB Gilmore sind noch im Kader. Aber das heißt nicht zwingend was.

„Heiß“ ist dabei insgesamt die richtige Vokabel für New England. Denn selbiges bin ich auf das, was dieses Front-Office in den nächsten Wochen und Monaten veranstalten wird…

53 Kommentare zu “Was treiben die New England Patriots?

  1. Wenn Newton oder Winston unbedingt als Starting QB spielen wollen, da könnte es doch möglich sein, dass sie sich mit weniger Geld zufrieden geben (müssen). Gibt sonst ja kein Team mehr, dass einen haben will. Abgesehen von Miami, wobei da die Frage ist ob die einen der beiden haben wollen.

  2. Ich bin auch mehr als gespannt wie der tatsächliche Ansatz der Patriots dann aussieht. Tanking und Bill Belichick will für mich zwar irgendwie (noch) nicht zusammenpassen, aber wem ist eine mögliche Strategie dahinter zuzutrauen – wenn nicht ihm. Dann würde ich aber z.B. auch einen Gilmore-Trade ins Auge fassen.

    Auf QB würde ich momentan schon eher von Stidham als Starter ausgehen, ich würde ihm auf jeden Fall eine Chance geben und nicht mit Hoyer starten. Eine weitere Veteran-Lösung sehe ich nicht, einen möglichen Mid-Round Draftpick schon eher.

    In jedem Fall bleibt New England, wenn auch nun aus völlig anderen Gründen, eines der spannendsten Teams in der NFL.

  3. Was spricht eigentlich gegen Winston? Er hat offensichtlich keinen Markt. Dem wird ja mittlerweile von einigen sogar der Backup-Posten bei den Steelers angedichtet. Und da kann er nicht viel bekommen. In meinen Augen bringt er viel Upside mit. Und ich glaube nicht, dass er bei seiner Interception-Rate von Bruce Arians immer sinnvoll eingesetzt wurde.

  4. Winston war ja schon vor seiner legendären Saison ein Fehler und Interception König 🙂

    Coaches hassen es, wenn Spieler rücksichtslos mit dem Ball umgehen, daher hat Winston mit seinem Free Lancing wohl kein gutes Standing. Und ihm eilt schon von College Zeiten aus nicht der beste Ruf voraus, was den Off Field Stuff angeht.

  5. Wie spielt eigentlich in diese ganze Gleichung Winstons Augen-OP mit rein? Er wird ja deshalb nicht plötzlich 10 INTs weniger werfen, nur weil er jetzt plötzlich die Underneath-Verteilger sieht…

    Wobei es schon lustig wäre, wenn ein billig eingekaufter Winston plötzlich zum heißesten Schreiß neben Mahomes wird, nur – weil er wie hier bereits beschrieben – mal Interception-Glück hat.

  6. Wenn Belichick aus einem Brady (2000; 6te Runde) eine Legende gemacht hat, dann könnte er es auch aus einem Jarrett Stidham (2019; 4te Runde) machen.
    Er hat immer wieder ein funktionierendes System für seine Mannschaft gefunden.
    Ich finde, Bradys Abgang wird nicht mal halb so schlimm für NE wie alle vermuten.
    Der wahre Held ist Belichick (Trainer), aber wie in jedem Sport gibt man dem Spieler mehr Kredit für das, was auf dem Feld passiert als man sollte und es in Wirklichkeit ist.

  7. Eine steile, sehr steile These!

    Man kann den positiven Einfluss von Belichick auf Brady durchaus hervorheben, aber zu glauben, dass Brady ein reines Produkt Belichicks ist, geht schon sehr an den Tatsachen vorbei.

  8. Ganz ehrlich glaube ich manchmal, dass es sogar umgekehrt ist: Brady ist so grandios, daß er Belichick viele Free shots erlaubt hat und damit den entscheidenderen Beitrag geleistet hat.

  9. „Eine steile, sehr steile These! Man kann den positiven Einfluss von Belichick auf Brady durchaus hervorheben, aber zu glauben, dass Brady ein reines Produkt Belichicks ist, geht schon sehr an den Tatsachen vorbei.“

    Meine These ist das der Einfluss des Spielers allgemein meistens für das Spiel überbewertet wird. Der Einfluss des Trainers wird meistens unterschätzt.

    Zur klarstellung ich sage nicht, dass Brady ein reines Produkt Belichicks ist. Nur sein Einfluss auf das Spiel wird überschätzt, Belichick sagt Brady was er zu tun hat.
    Ausführen tut es dann natürlich der Spieler, aber wohin kommt vom Trainer.

  10. Ist zwar vielleicht langweilig, aber vermutlich liegt die Wahrheit eher wieder einmal in der Mitte. Ich denke die beiden haben es verstanden einen Weg zu finden um maximal voneinander zu profitieren; auf einer professionellen Ebene.

    Den Ehrgeiz zukünftig, ohne den jeweils anderen, auf dem höchsten Level erfolgreich zu sein, würde ich beiden attestieren.
    Doch weder Belichick noch Brady haben etwas zu beweisen!

  11. „Ganz ehrlich glaube ich manchmal, dass es sogar umgekehrt ist: Brady ist so grandios, daß er Belichick viele Free shots erlaubt hat und damit den entscheidenderen Beitrag geleistet hat.“

    Zum Nachdenken:
    Wäre Brady von sich selbst aus grandios wäre er nicht an 199 gedraftet worden.
    Meiner Meinung nach ist der Schüler meistens nicht besser als der Lehrer.

  12. @FloJo.
    Zum Nachdenken: Wäre Brady so grandios wäre er wahrscheinlich nicht erst an Stelle 199 gezogen worden. Und meistens lernt der Schüler vom Lehrer und nicht andersherum. Ausnahme Lionel Messi ;))))

  13. Natürlich liegt die Wahrheit in der Mitte und der Einfluss vom Zufall wird natürlich gern übersehen. Klar könnte Brady heute in einem Call-Center sitzen, wenn er einen Trainerstab gehabt hätte, der ihn nicht entdeckt hätte.

    Aber das ist alles müßig. Brady *ist* seit mehr als 15 Jahren absolute Spitzenklasse und hat verschiedenste Offenses alle erfolgreich gespielt. Das ist mit Coaching allein nicht zu erklären.

    Es ist also ein Geben und Nehmen. Brady war ein Zufallspick, der sich glücklicherweise als fantastischer Spieler herausgestellt hat. Belichick hat ihm die Rahmenbedingungen gegeben, aber Belichick konnte sich auch Freiheiten erlauben, die anderswo schnell zur Entlassung führen – weil er sich auf die Maschine Brady verlassen konnte.

    Und überdies haben die beiden, bei denen es über so lange Zeit sicherlich auch deutliche Reibereien gegeben hat, immer Wege gefunden, auch nach dem dritten, vierten, fünften, sechsten Superbowl volle Pulle weiterzumachen.

    Zu glauben, dass sich so etwas mir nichts, dir nichts mit einem nächsten Mid-Rounder replizieren lässt, ist maximales Träumen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich so etwas mit *Trevor Lawrence* auch nur annähernd replizieren lässt, ist verschwindend.

  14. Bill Barnwell hat zum Thema wer mehr Einfluss hatte vor 2 Jahren einen ganz ausführlichen Artikel geschrieben und kommt zum Ergebnis, dass BRADY ganz knapp der wichtigere war.

    https://www.espn.com/nfl/story/_/page/Barnwellx18029/bill-belichick-tom-brady-contributed-more-new-england-patriots-dynasty-2017-nfl-playoffs-super-bowl-lii

    Kann man so oder so sehen. Dass Brady allein von Belichick hoch gecoacht wurde, ist auch ein Gerücht. Man hat hinterher viele Fehler in der Draft Bewertung gefunden. Brady war schon am College ein guter QB mit guten Siegen, hatte halt das Pech, dass 2 andere spätere NFL QB zur gleichen Zeit auch dort waren und ihm Spielzeit genommen haben, die vor der Draft dann zu Zweifeln an Brady geführt haben.

  15. @Korsakoff

    Ich bin hier anderer Meinung, außer dass der Einfluss von Zufall im Sport allgemein eine große Bedeutung hat.
    NE ist seit mehr als 15 Jahren erfolgreich und hat mit „verschiedenste Offenses“ erfolgreich gespielt und das ist hauptsächlich mit Coaching erklärbar. Oder meinst du nicht?
    Die Implementierung eines Spielsysteme nach Stärken und Schwächen des Teams ist die Aufgabe des Coachs und nicht des QB. Die Spieler vor allem im FB führen die Anweisungen wenn möglich gezielt aus aber sie entwickeln sie nicht.

    Falles es darum geht: Ich möchte Bradys Beitrag überhaupt nicht schmälern.

    Und ja, „zu glauben, dass sich so etwas mir nichts, dir nichts mit einem nächsten Mid-Rounder replizieren lässt, ist maximales Träumen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich so etwas mit *Trevor Lawrence* auch nur annähernd replizieren lässt, ist verschwindend.“ Aber das habe ich auch nie behauptet.

  16. Die Implementierung eines Spielsysteme nach Stärken und Schwächen des Teams ist die Aufgabe des Coachs und nicht des QB. Die Spieler vor allem im FB führen die Anweisungen wenn möglich gezielt aus aber sie entwickeln sie nicht.

    Die Implementierung vielleicht nicht, aber die *Umsetzung* ist Spielersache.

    Und ja, „zu glauben, dass sich so etwas mir nichts, dir nichts mit einem nächsten Mid-Rounder replizieren lässt, ist maximales Träumen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich so etwas mit *Trevor Lawrence* auch nur annähernd replizieren lässt, ist verschwindend.“ Aber das habe ich auch nie behauptet.

    Nein, aber dein ursprünglicher Post deutete erhöhte Wahrscheinlichkeit an, dass es mit Stidham (einem wesentlich schwächeren Prospect als Lawrence) annähernd so weitergehen kann wie mit Brady. Und es wäre schon mit Lawrence kaum denkbar…

  17. My take: Wenn man Belichicks Contributions als Coach UND GM zusammenrechnet, kann man über 50/50 Credit nachdenken. Wenn man nur das Coaching anschaut, ist es Brady der den meisten Credit bekommen muss, und es ist nicht knapp.

  18. @Korsakoff
    Ich hab geschrieben er könnte es vielleicht, aber nicht das es wahrscheinlich so passiert.
    Wie geschrieben wird der Zufall eine große Rolle spielen und der Plan von Coach B.
    Aber in der ganzen Diskussion fällt mir auf des es nur um die Zwei geht. Als ob die anderen Spieler Garnichts zu Erfolg beigetragen haben?

    @Karl
    Wie viele haben Edelman oder die D dazu beigetragen, wenn man Coach/QB 50/50 gibt?

  19. @Spiro
    Es geht ja eben vor allem darum, dass das System Brady/Belichick mit jeder Defense und mit den unterschiedlichsten Receivern über 20 Jahre funktioniert hat.
    Also stellt sich die Frage nach Edelman und der Defense nicht wirklich, da Edelman erst später dazugekommen ist und die Defense aus dem Jahr 2003 nichts mit derer aus 2017 zu tun hat.

  20. @Thompson

    Hi Thompson,
    mir geht es nicht um Edelman oder die D. Die waren jetzt nur als Beispiel angeführt.
    Ich glaube es gibt keine System Brady/Belichick sondern nur ein System Belichick. Es kann halt nur einen General geben und deswegen werden sie sich auch in der Vergangenheit gestritten haben.

  21. Klar, geht es nicht spezifisch um Edelman oder die Defense.

    Aber es gibt eben genau 2 Konstante über 20 Jahre: Brady & Belichick.
    Und wenn ein QB mit verschiedensten Systemen, Spielphilosophien, Receivern, usw. derart erfolgreich ist und diese perfekt immer wieder perfekt umsetzen kann, kann man glaub ich schon davon ausgehen, dass es vor allem am QB selbst liegt.
    Natürlich hat es perfekt gepasst mit Belichick und die verschiedene Systeme und Spielertypen zu implementieren kann Belichick wie kein zweiter.
    Dennoch würde ich schon auch Brady den größeren Anteil zuschreiben..

  22. @Spiro: Null.

    Brady und Belichick haben alles allein gewonnen, die anderen waren nur Statisten. 😉

    Im Ernst: Nicht ablenken, es ist allen klar dass wir über die Contributions der zwei Figuren reden und nicht über die anderen.

  23. „Es ist nur das System Belichick, nicht Brady/Belichick“

    Wohin hat das System Belichick ohne Brady geführt? In Cleveland ins gute Mittelmaß, in New England in 18 Jahren Brady 17x in die Post Season, in den anderen 2 Jahren nicht in die Post Season 🙂 und das trotz des 18-1 Kaders und einfachsten Schedules der NFL in 2008…

    Nimmt nix von Belichicks Größe weg, aber Coach und QB so auseinanderzudividieren wie Spiro, wird diesem genialen Duo nicht gerecht.

  24. @Spiro:

    Sorry, dann habe die beiden Aussagen im selben Kommentar nebst deinem eindeutigen Fokus auf die Tatsache, dass Brady vor allem Belichicks Produkt ist, wohl fehlinterpretiert 🙂

    Wenn Belichick aus einem Brady (2000; 6te Runde) eine Legende gemacht hat, dann könnte er es auch aus einem Jarrett Stidham (2019; 4te Runde) machen.

    Ich finde, Bradys Abgang wird nicht mal halb so schlimm für NE wie alle vermuten.

    Wenn wir bei deiner Aussage dem Wörtchen „vielleicht“ = 5% Wahrscheinlichkeit beimessen, dass Stidham was Brady-ähnliches wird, dann bin ich bei dir. Die Frage bleibt, ob man damit langfristig planen sollte.

  25. @Gregor/Karl/thompson.
    Wir können nicht wissen wo uns ein anderes System hingeführt hätte.
    Es hätte auch ein System Belichick/Chad Pennington, Giovanni Carmazzi, Chris Redman, Tee Martin, Marc Bulger oder Spergon Wynn geben können. Alle vor TB12 gezogen 2000.
    Es ist mir durchaus bewusst, hat es nicht gegeben, als auch nutzlos drüber zu denken.
    Ich will sie auch gar nicht auseinander dividieren. Für mich, wenn wir schon nur von diesen zwei sprechen, ist es nicht 50/50% sondern eher wenn schon in % ausgedrückt ~ 70/30% pro Coach.

    Also sind wir uns einig das wir hierzu uneinig sind. ;)))

  26. @Korsakoff
    Ich würde dem nicht mal 5% Wahrscheinlichkeit beimessen. Aber selbst bei 1% könnte es doch passieren. Du oder Ich würden es von hieraus vielleicht nicht tun mit Stidham in die Saison gehen.

    Welche Option würdest du wählen als GM/C von NE?

  27. @Spiro: Ich denke du unterschätzt zwei Dinge:

    1) Wieviel ein echter Elite QB wie Brady wert ist
    2) Wie viele von Belichicks Genius Moves im Kern darauf basieren, dass die Coach/GM Konkurrenz dumm ist

    Belichick hat genug Böcke geschossen. Er ist dennoch der beste von allen, weil er sich nicht für den Größten hält. Belichick ist revolutionär wie er seine Assets managt. Sicher auch der insgesamt beste Coach in der NFL. Aber der beste Coach und der beste GM führt nirgendwo hin wenn man nicht den einen QB bekommt. Insofern hatte Belichick das Glück dass ihm Brady gleich im ersten Jahr in den Schoß gefallen ist. Gemeinsam haben sie alles maximiert, aber zu behaupten, dass der Anteil von Belichick an dem Erfolg MEHR ALS DOPPELT so hoch ist wie jener vom vielleicht besten QB ever in der am meisten von QB dominierten Ära aller Zeiten, ist ein Take der schwer zu verteidigen ist.

  28. Du sagst, dass New England ohne Brady nur halb so schlimm ist auf Basis von einem Prozent Wahrscheinlichkeit, dass der Coach es schafft den Nachfolger adäquat heranzuzüchten?

    Worüber diskutieren wir hier dann überhaupt noch über Wert von QB / Coach?

  29. @Gregor
    Mit 11-5 bist du nur die meisten Jahre in der PO. Gibt nur 1 anderes Team das ebenso gescheitert ist.
    Das jetzt auf das fehlen von Brady zu schieben ist etwas.

  30. Ich denke das Auseinanderdividieren ist ein wenig müßig. Brady hatte in den 20 Jahren viele miese Momente und oft richtig viel Glück, genauso aber auch richtig viel Pech und ebenso trifft das auf Belichick zu, wo mir auf der negativen Seite ganz spontan sein unfassbar schlechter Record an 2nd-Round Draft Picks, WR-Draft Picks oder seine Unfähigkeit defensive Konzepte gegen mobile QBs konsistent umzusetzen einfällt.

    Ich finde ein zentraler Punkt der zu kurz kommt ist, dass wenn man nur die beiden betrachtet meistens einer da war um den anderen raus zu ziehen, wenn man sich in die Scheiße manövriert hatte. Als Brady das Ding rein von seinen Fähigkeiten (aber auch von den Regeln der NFL her) noch nicht selbst schmeißen konnte, brachte Belichick eine der konstant besten Ds auf das Feld. Als Belichicks Defense Ende der 2000er begann abzufallen und schließlich richtig schlecht wurde, war Brady in seiner Blüte was das Passspiel betraf und konnte so viele Lücken zudecken. Als dann Brady begann etwas schwächer zu werden, hat Belichick wieder die Defense langsam in den Griff bekommen (es wird mir viel zu oft vergessen, wie mies diese Defense über Jahre hinweg bis circa zur Seattle-SB war, von wo an es dann wieder bergauf ging).

    Diese Geschichte funktioniert nur so in dieser Wechselwirkung weil beide anscheinend in der Lage waren gut genug zu analysieren worauf zu einem gewissen Zeitpunkt der Fokus gelegt werden muss und vor allem ihre Differenzen – von denen es charakterlich genügend gab, man braucht sich ja nur anzuschauen, dass Brady schon seit langer Zeit neben dem Spielfeld de facto nicht mit Belichick interagiert; diese klare Auftrennung der Kompetenzen (das machte immer der OC, ich erinnere mich an das legendäre Schreiduell von Brady und Bill O’Brien) war klares Kalkül, damit hier niemals auch nur der Anschein von Problemen zwischen Brady und Belichick aufkommt – immer so weit beiseite legen konnten, dass am Ende gearbeitet werden konnte.

    Leicht zynisch betrachtet könnte man sagen, dass es sehr schwaches Teambuilding von Belichick in den mittleren Jahren des Duos war, dass er über Jahre hinweg keine vernünftige Defense auf das Feld bekommen hat, obwohl es meistens wurscht war, was er Brady an Receivern und RBs hingestellt hat, er quasi nur die halbe Mannschaft bauen musste. Das würde allerdings darüber hinweg sehen, dass es eine dritte Konstante neben Brady und Belichick gab, nämlich die O-Line. Die LTs die für Brady (als etatmäßige Starter, nicht aushilfsmäßig) geblockt haben, kann man an einer Hand abzählen (Matt Light, Nate Solder, Trent Brown, Isaiah Wynn) und auch die restliche O-Line ist in den letzten 20 Jahren von Konstanz und auch – für die Patriots unter Belichick ja an sich unüblich – großes finanzielles Commitment geprägt. Dazu noch Scarnecchia als Coach. Und auf dieser Position hat Belichick im Gegensatz zu seinen vielen suspekten WRs und DBs auch immer super gedraftet (da fallen mir spontan quasi die ganze jetzige Line, dazu Light, Vollmer, Mankins oder Koppen, und umgekehrt nicht ein einziger echter Bust aus den frühen Runden, ein) und in der FA eingekauft.

    Insgesamt: es wird super spannend im Herbst und es ist alles möglich. Von Stidham vs. Brady in der Super Bowl bis zu Tom Brady in Frühpension und ein Match zwischen den Bucs und Pats um den 1st Pick.

  31. @Klappflügel: Verstehe natürlich worauf du hinauswillst und habe den Einwand direkt nach dem Versenden des Comments eigentlich schon befürchtet 🙂 doch dann sieh es mal anders:

    Die beiden Saisons ohne Brady ranken im Record von Belichick in NE
    2000 mit 5-11 an #20 von 20
    2008 mit 11-5 an #16 von 20
    obwohl die Pats 2008 den wirklich miesesten Schedule der NFL hatten. Nur gegen die mauen Fins und unmotivierte Cards im Schneetreiben gewonnen. Das war kein Playoff Caliber Team ohne Brady.

  32. @Karl
    Zu Punkt 1.) Hier gewichten wir sicher nicht gleich.
    Zu Punkt 2.) Die Moves musst du erst mal machen egal ob die andern so gut sind wie du oder nicht. Aber der Kommentar gefällt mir :))) 
    Ich bin mir nicht sicher ob du oder ich so genau bestimmen können ob sie das gemeinsam maximiert haben oder eben nicht. Ich würde vermuten als Außenstehender, dass der eine es bestmöglich vor gibt und der andere führt es bestmöglich ausführt.
    Und ich gewichte den Kopf über die Hand um bildlich zu sprechen. Sicher hat TB12 auch bei der Plannung mitgeholfen, aber die Entscheidungen hat er nicht getroffen glaube ich.

  33. @korsakoff

    „Du sagst, dass New England ohne Brady nur halb so schlimm ist auf Basis von einem Prozent Wahrscheinlichkeit, dass der Coach es schafft den Nachfolger adäquat heranzuzüchten?“

    Ich sage 1% Wahrscheinlichkeit das Stidham wie Brady wird. Aber auch Stidham wird eine Leistung bringen und dann liegt es am Coach diese zu verbessern.
    Aber ich glaube nicht das er mit Stidham in die Saison geht.

  34. Zu Punkt 1) Denn denkst du zu kurz 🙂 Unter den Teams mit Elite QBs (über viele Jahre sprechen wir jetzt mal über die Kategorie Peyton, Brady, Brees, Rodgers in der Blütezeit) ffallen nur die Saints mit ihren absurden Defenses aus.

    Wo aber sind die extrem gut geführten Organisationen ohne den Top QB? Ravens nach dem kurzen Flacco Peak jahrelang unter ferner Liefen und davor nach dem ersten SB im besten Fall guter Durchschnitt. Andy Reids Teams ohne TopQB auch meistens oberer Durchschnitt, zwischendrin immer wieder mit totalen Ausfällen. Aber kein Top Material und ein ganzes Stück entfernt vom Ring.

    Hast du einen Elite QB hast du gewonnen, weil die so viel andere Probleme überdecken. Hast du dann dazu einen GM Mickey Loomis, Pech gehabt 😉 Hast du aber oben drauf Belichick, Gratulation. Sie haben 6 Super Bowls gewonnen. Oder mit Peyton 10 Jahre lang 12-4 Seasons am Fließband. Oder mit Rodgers ein Abo aufs Championship Game, obwohl alles andere im Kader stinkt.

    Elite QB gibt es aber nur wenige. Muss man diese QB kultivieren? Klaro. Aber das ist ein Henne-oder-Ei Spiel und die Daten die es gibt, zeigen dass im Zweifelsfall der QB wichtiger ist als die Organisation/Coach. So gut dein Plan auch ist: Er ist nie so wichtig wie die Umsetzung.

  35. Ich unterbreche eure sehr interessante und angeregte Diskussion nur ungern, aber hier my 2 cents zur Eingangsfrage: Ich denke, New England sollte tanken, mit Stidham in die Saison gehen, versuchen für Gilmore/Thuney #1 oder #2 Rounder zu bekommen und sie ansonsten zu halten und eventuell den #1 Pick dieses mit Mehrwert in 2021 hinein zu traden.

    Dann 2021 entweder durch Tanking oder Trade Up einen der Top QBs nehmen und mit Belichick so lange weitermachen wie er Lust und Laune hat. Ich bin kein Patriots Fan, aber ich möchte mal ein Beispiel sehen wie man richtig tankt, und das traue ich niemandem anders als BB zu.

  36. Tanken funktioniert in der NFL einfach nicht so wie in den anderen Ligen teilweise. Das hat mehrere Gründe, die wesentlichen sind:

    – Die Hit-Rate, selbst bei First Picks, ist nicht sehr hoch, bei First Round Picks allgemein geht sie so in Richtung 50 %. Man braucht sich nur die aktuellen Starting QBs anschauen um zu sehen, dass es keineswegs einen 1st Pick braucht, um einen guten oder sogar großartigen QB zu draften. Und wenn du ins Klo greifst hat dir das ganze tanken erst Recht gar nix gebracht. Ganz ehrlich, es ist jedes Jahr die selbe Leier – korsakoff hat das im Text eh super dargebracht. Ziemlich genau um diese Zeit des Jahres reden sich alle den Mund wässrig, dass ja nächstes Jahr der über-Prospect auf #1 nur wartet, und dass man jetzt einfach tanken muss. Letztes Jahr um diese Zeit war das Tua Tagovailoa, das Jahr davor Sam Darnold und das Jahr davor DeShone Kizer. Und dann ist ein ganz ein anderer, so wie es auch dieses Jahr passieren wird, wenn Burrow vor Tua vom Tablett geht.

    – Ein oder zwei Siege sind eventuell schon zu viel und selbst ein Team, das wie das schlechteste aller Zeiten aussieht – siehe Miami heuer – kann und will sich fangen. Denn die Spieler wollen ja allesamt beweisen, dass sie was können und der Coach will auch Entwicklung vorweisen können.

    – Die „Tanks“ (oder das was nahe hinkommt) der letzten Jahre zeigen, wie schwierig das ist. Siehe Cleveland Browns, die das – wenn man es so sehen möchte – jahrelang probiert haben. Es hilft alles nichts, wenn du die falschen Spieler ziehst und statistisch gesehen triffst du eben auch nicht mehr als alle anderen in der Liga.

    – Die Logik warum man Spieler weg traden sollte für Draftpicks ist oft seltsam. Wenn das aus Cap-Gründen geschieht, wie meist in der NFL, macht es Sinn, weil man sich Flexibilität und größeren Draft-Chancen erkauft. Aber, beispielsweise, für einen CB wie Gilmore einen 1st Round Pick zu bekommen ist netto im Normalfall kein gutes Geschäft, weil man erstmal einen CB finden muss, der auf dem Niveau spielt. Und da liegt die Wahrscheinlichkeit im Draft nicht sehr hoch, auch nicht in der ersten Runde.

    Alles in allem: die Logik passt für eine so kurze Liga wie die NFL einfach nicht. Es gibt einen Grund, warum es in der NFL im Gegensatz zu den anderen großen Ligen noch immer keine Lottery gibt im Draft – einfach weil alle wissen, dass tanken an sich nicht so funktioniert.

    Das heißt natürlich nicht, dass NE nicht gut und gerne in die Saison gehen kann mit Stidham als QB um sich den mal anzuschauen und im Negativfall eine bessere Draftposition zu haben. Das ist aber etwas ganz anderes als tanken, weil man rein vom Team drumherum die Möglichkeit hat, auch durchaus wieder in die SB zu kommen, wenn der QB entsprechend spielt.

  37. Offizieller Twitter-Account von Deshaun Watson:

  38. Interessante Diskussion hier.
    Und mal so nebenbei :
    Es ist sehr s hön daß hier ein angenehmer Ton herrscht, auch wenn die Meinungen auseinander gehen.

    Zum Thema :
    Wenn ich eines weiß : Niemals gg die Patriots wetten.
    Wie wahrscheinlich ist ein SB zwischen Patriots und Tampa?

  39. Alter Falter… mal 12 Stunden nicht reingeschaut und die Diskussion des Jahres verpasst. 😀

  40. Ich glaube, es wurden jetzt alle Hottakes zum Thema BB vs. Brady abgefeuert. Aber bei BB vs. the Tank ist noch einiges drin 🙂

    Ich sehe es auch wie Rice Up und möchte NE tanken sehen – einfach mal um zu sehen, wie es richtig geht. Philipp S. hat ja schon die Gründe benannt, warum tanking oft nicht klappt. Hauptgrund ist, dass Front Offices tanken, Spieler und Trainer aber nicht. Genau diese widerstreitenden Interessen gäbe es aber nicht, wenn BB mit harter Hand daran arbeitet, vorne die Null stehen zu haben. Und wenn er merkt, dass sich NE einen Sieg erlauben kann, werden kurz die Steelers oder so verprügelt, um die Laune der Fans/Spieler zu heben.

    Ich halte das Szenario zwar auch für extrem unwahrscheinlich, hätte aber richtig Lust drauf.

  41. Ich finde, diese „Hot Takes“ waren aber schon sehr gut und angenehm ausdiskutiert 😉 Stell dir mal vor, so eine Diskussion würde auf Twitter geführt. Man müsste Diskussion und geführt in Anführungszeichen setzen 🙂

    Im Ernst: @Philipp, kommt IMO auch drauf an wie man Tanking definiert. Es ist ja nicht immer nur allein das aufs Verrecken alle Spiele verlieren wollen à la Cleveland Browns oder Miami. Es ist auch das Abgeben von unnützen Verträgen oder Altstars um Draft Capitcal zu bekommen und im nächsten Draft Moves zu machen.

    Wenn man so will, dann tanken jetzt auch die Jaguars: QB abgegeben, alle CBs getradet, Campbell getraded. Da ist nicht mehr viel von dem großen 2017 Roster da. Jetzt hat man aber Draft Munition um Moves zu machen, eventuell sogar für Tua, ansonsten halt das Long Game spielen. Aber momentan kann es sicher noch nicht ein echter Long Term Plan sein, mit Minshew zu gehen. Wenn er sich nächste Saison beweist, dann vielleicht schon.

    Pats könnten ähnlich ticken. Es muss ja nicht gleich ein totaler Fire Sale sein, doch was bringt Gilmore, wenn man keine Sicherheit auf QB hat und vielleicht erst in zwei Jahren wieder richtig gut aufgestllt ist? Es dauert manchmal 2 Jahre bis alles wieder im Lot ist, besonders ohne QB… 2020 kann nur ein Probejahr sein, schauen was Stidham drauf hat, dann ist man im Prinzip drauf wie die Jags, außer dass man viele der besseren Spieler noch im Roster hat.

    Oder sich schon jetzt soft dafür entscheiden, sich grundsätzlich 21 oder 22 sich nach einem neuen QB umzuschauen, und nur von dem Plan wegzugehen wenn Stidham überraschend richtig einschlägt. In so einem Fall müsste man Trades der bessere älteren Spieler in Erwägung ziehen, weil sie in 2-3 Jahren nix mehr bringen.

    Ich glaube ehrlicherweise nicht an so was. Belichik ist 68 und wird nicht mehr ewig weitermachen. Wenn er noch 5 Jahre macht, wäre ich schon überrascht, ich kann es mir einfach nicht vorstellen, und daher glaube ich nicht an einen radikalen Umbau, sondern mehr an „Soft Tanking“, 2020 schauen was geht und nächstes Jahr noch einmal aggressiv in der Off Season einen QB finden.

  42. @FloBlogs: Bin ganz bei dir, die Frage der Definition hätten wir vielleicht vor der Diskussion klären sollen 😀 Ich hab mich primär auf Tanking für den 1st Pick bezogen. Das ist das, was in den letzten Jahrzenten in den anderen großen US-Sportligen passiert ist, wo man dann versucht hat mit Lotteries das ganz extreme Ausmaß dessen zu unterbinden. Außer halt in der NFL. Die besten NFL-Äquivalente die mir einfallen sind Miami letztes Jahr und Cleveland in den letzten Jahren. Aber beide diese Teams zeigen auch: es reicht wenn du einen kompetenten QB hast (selbst wenn der nicht konstant kompetent ist) und du wirst in der NFL Spiele gewinnen. Und dann bist du ganz schnell in Draftregionen von 6-10, wo du das Heft des Handelns in Bezug auf QB im Draft einfach nicht mehr selber in der Hand hast.

    Insofern ist die Frage für mich bei diesen „Tanks“ (da plappere ich glaub ich dem PFF Podcast viel nach; kann mich aber nicht mehr genau erinnern, weil ich seit circa November nicht mehr gehört hab), dass du dich in eine Position bringst wo du, sobald du einen passenden QB gefunden hast in der Lage bist, sofort zum Contender zu werden und halt nicht erst 1-2 Jahre dafür zu brauchen. Das ist in den letzten Jahren zentral gewesen: KC war ein borderline Playoffteam auch ohne Mahomes, mit ihm sind sie der Champ. Indy kratzt auch ohne Luck an den Playoffs. Tennessee kommt mit einem mittelmäßigen QB ins Conference Championship.

    Anders formuliert: es ist glaube ich sinnvoller, du hast ein Playoffteam am Start, für den Fall, dass du den passenden QB findest, als du hast eine komplette Baustelle und dafür prozentuell höhere Chance auf den QB im Draft. Diese Vereinfachung ist natürlich rein auf den QB bezogen, in diesem Kontext macht Tanking in meinen Augen wenig Sinn.

    Im Sinne von „Draftkapital und flexible Verträge anhäufen“ macht Tanking schon Sinn. Aber das kann man halt auch (natürlich nicht in jeder Situation!) machen, ohne dass man 0-16 als Zielsetzung in der Franchise ausgibt.

    Noch ein Punkt, den man bedenken sollte (auch basierend auf, ich glaube wieder, PFF Podcast): es gibt die großen Rebuilds, so ausgelegt auf mehrere Jahre, in der NFL nicht mehr. Jedes einzelne Team ist im Prinzip so aufgestellt, dass mit dem richtigen QB und Coach innerhalb von einem Jahr zu einem Contender werden kann, wenn die Ressourcen und vorhandenen Spieler genutzt werden. Etwas überspitzt, aber den Kern der Sache treffend: Der Unterschied zwischen Chiefs und Bengals sind primär Mahomes und Reid, nicht die restlichen 50 Spieler in den Rostern.

  43. Ernsthafte Frage:
    Gibt es eigentlich Beispiele in der Geschichte der NFL, wo ein extremes Tanking, a la Dolphins und Browns in den letzten Jahren, wirklich erfolgreich war?
    Im Sinne von 1-2 Jahre „komplett hergeschenkt“, dafür danach richtig erfolgreich gewesen. Sprich Super Bowl gewonnen oder über mehrere Jahre fixes Play Off Team oder dergleichen.
    Ich befasse mich dafür noch zu kurz wirklich intensiver mit der NFL, mir kommt nur vor, dass zumindest in den letzten Jahren dieser Ansatz nicht wirklich erfolgreich war, oder?

  44. @Philipp S: Zustimmung in den allermeisten Punkten – siehe unten meine weiteren Gedanken zu dem Thema.
    @thompson: Eher nein, weil dieses Thema erst in den letzten Jahren aufgekommen ist. Es gab auch Zeiten wie die 70er, in denen reihenweise Top-Picks für Veterans verkauft wurden, weil man dem Draft nicht traute.
    Ansonsten hat z.B. Jimmy Johnson am Anfang seiner Dallas-Zeit im Tanking-Modus operiert: 1-2 Jahre prinzipiell hergeschenkt und haufenweise Top-Picks gesammelt. Aber er hatte prinzipiell schon einen kaputten Kader übernommen.

    Zum Thema Draft / Wertigkeit der Picks gibt es morgen einen ausführlichen Artikel.

    Ich kann vorwegnehmen, dass die Top-Picks vergleichsweise weniger „Mehrwert“ haben als man allgemein denkt. Aber, und es ist ein großes ABER: Die Chance einen Top-QB zu bekommen, ist mit den höchsten Picks schlicht extrem viel höher als mit den anderen Picks.

    Das macht Team-Building so tricky: Der QB ist (noch mehr als der Coach) der entscheidende Faktor. Hast du einen Elite-QB, bist du auf Jahre gerettet, aber es gibt nur ganz wenige von denen. Die meisten auch unter den #1 QBs sind nicht Elite.

    Sie brauchen einen entsprechenden Kader. Man hat nun aus Vogelperspektive 2 Optionen:

    1. Komplett abstinken und auf #1 QB tanken und dann nimmt man das durchaus hohe Risiko in Kauf, dass man eben nicht den Elite-QB bekommt und zudem einen kaputten Kader neu aufbauen muss.

    2. Nicht komplett abstinken, Kader halbwegs intakt halten und dann QB draften, mit dem Risiko, dass man eventuell viele Picks in die Hand nehmen muss um diesen QB zu bekommen und dann immer noch nicht den Elite-QB hat.

    Das ganze führt uns immer wieder zurück zum Punkt: Wenn du einer der Glücklichen bist, der den richtigen QB zieht, dann bist du das Genie, das alle bewundern. Dann bist zu Reid/Belichick/Carroll, denn diese QBs müssen natürlich entwickelt werden, aber sie decken vor allem viel andere Scheiße zu!

    Hätte Ryan Pace in Trubisky den richtigen QB gezogen – und damals war Konsens, dass Trubisky der etwas bessere Prospect als Mahomes oder Watson sei – kein Mensch würde sich darüber lamentieren, dass Pace einen Mid-Rounder nach dem anderen für unwichtige Positionen oder schlechte Routiniers verhökert oder Jimmy Graham einen ziemlichen Monstervertrag nachschmeißt. Im Gegenteil: Er wäre jetzt vielleicht schon Superbowl-Champ und das Bauen der Bear-Defense von 2018 wäre der Master-Move schlechthin.

    Das heißt alles nicht, dass man sich auf den Zufall verlassen sollte. Man kann immer seine Chancen verbessern einen guten Kader zu bauen. Und man kann auch mit einem „zweite Reihe QB“ gewinnen. Diese QBs haben immer wieder eines dieser Top-Jahre wie Wentz 2017 oder Goff 2018 usw. Man muss diese Jahre halt ideal nutzen und am besten dann gleich die Trophäe abstauben.

  45. Kleine Anmerkung zu dem Verweis auf die 70er-Jahre, gerade weil thompson gemeint hat, dass er noch recht neu dabei ist: da gab es auch noch keine Free Agency, also das war auch von dem Aspekt des Teambuildings her eine komplett andere Zeit.

    Ansonsten vielleicht noch zur Frage von thompson: kommt auch darauf an, wie du „erfolgreich“ definierst. Wenn man damit nur einen SB-Gewinn meint, dann fällt mir da kein aktuelles Beispiel ein. Wenn man es etwas weiter definiert und die Relevanz des Teams als Contender zum Maßstab nimmt, dann am ehesten noch Indy in der Saison nach Peyton Manning, die direkt zu Luck geführt hat. Dieser Tankjob hat funktioniert (bis zum überraschenden Rücktritt von Luck letztes Jahr) und es ist relativ gesichert, dass man die eine 3-13 Saison schon sehr bewusst in Kauf genommen hat, um die Chance auf Luck zu haben. Der wiederum, muss man auch sagen, galt aber auch als Generational Prospect. Er wurde insgesamt als wesentlich sicherer eingestuft, als alles was in den letzten Jahren so als 1st (& 1st Round) QB gedraftet wurde.

    Die anderen groben Tankjobs der letzten Jahre sind in meinen Augen allesamt weniger erfolgreich als andere Rebuild-Methoden. Dafür ist, glaube ich, der Draft einfach ein viel zu großes Crapshoot, als dass man sich drauf verlassen könnte. Ein Beispiel aus dem aktuellen PFF-Podcast (den ich gerade wieder anfange zu hören – Corona sei Dank hab ich jetzt jeden Tag 90 Minuten Fußweg zur Arbeit, wo das super geht 🙂 ) zum Diggs-Trade: Wenn du Buffalo bist, würdest du lieber den besten Receiver der aktuellen Draft Class mit dem 1st Rounder ziehen, oder einen 1st Rounder für Diggs investieren? Solange der Vertrag von Diggs nicht ein kompletter Schwachsinn ist, wird die Antwort immer auf ihn fallen, einfach weil du genau weißt was du bekommst und dass es unter NFL-Bedingungen funktioniert, im Gegensatz zu den ~50 % Hitrate von 1st Roundern. Die bessere Vertragssituation des Rookies wiegt das einfach nicht auf. Man sollte vielleicht viele Trades eher aus diesem Blickwinkel betrachten.

  46. @thompson: Ich möchte noch ergänzen, dass zumindest in der jüngeren Geschichte nur ohnehin schlechte Teams auf Tanking gesetzt haben. Teams, die wenn sie Win-now gehen, vielleicht 7 Siege schaffen. Die Probleme, die diese Teams dahin gebracht haben (z.B. schlechtes Management) gehen durch Tanking ja nicht weg.

    Beispiel Cleveland: Extrem instabile Organisation, ständige Wechsel auf GM, keine langfristige Strategie erkennbar. Sashi Brown setzt auf Tanking, sammelt Draft-Picks ein. Dann kommt Dorsey darf das ganze Draft-Kapital und Cap-Space auf einen Schlag raushauen. Einige seiner Moves zünden, viele nicht – Cleveland ist wieder im Mittelfeld.

    Dass eine Franchise mit gutem Kader, aber mittelmäßigem QB gezielt eine(!) Saison abschenkt, um sich den besten QB aus dem Draft als Schlussstein zu holen, haben wir afaik noch nie gesehen. Wäre wahrscheinlich auch schwierig durchzusetzen.

  47. Danke euch beiden für die ausführlichen Antworten!

    Stimmt, das Indy Beispiel könnte man noch am ehesten so sehen in den letzten Jahren!

  48. Das Sashi-Tanking würde ich noch nicht ganz abschreiben. Die Browns haben einen guten, jungen Kader und einen nach wie vor vielversprechenden QB. Baker ist vielleicht nicht oben angesprochene Elite, aber wenn er Kategorie 2 der QBs ist, dann ist ein Top-10 Jahr durchaus drin, gerade mit diesen Waffen und gerade so, wie die Browns sich in dieser Offseason verstärken.

    Zündet Baker im neuen System, kann das schnell nach ganz oben gehen. Man darf auch nicht vergessen, wie katastrophal der ganze Kader in den letzten 4 Jahren gecoacht war. (Womit wir den Bogen zurück zum Coaching wieder gesponnen hätten)

  49. Pingback: Wie die Quarterback-Geilheit den NFL-Draft 2020 dominiert | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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