Browns-Mission 2020: Bieg Baker – und die ersten Schritte sind schon gemacht

Eines der aktiveren Teams in den ersten Tagen der Free-Agency waren die Cleveland Browns. Sie verfolgen mit ihren Moves ein eindeutiges Ziel.

Und das ist simpel („Hilf Baker Mayfield“) und besteht aus zwei Komponenten:

  1. Verstärke die Offensive Line
  2. Gib Coach Stefanski das Personal um die 12-Personnel Offense spielen zu können

Letzte Saison waren die Browns eine der enttäuschendsten Offenses in der ganzen NFL. Mayfield, vor einem Jahr (auch an dieser Stelle hier!) noch als angehender Superstar-QB gehandelt, spielte eine ziemlich horrende Saison, und niemand konnte so recht sagen, woran es genau lag.

Browns-Offense 2019

Die Bilder, wie Mayfield aus einer an sich sauberen Pocket aus freien Stücken nach hinten rechts driftet, sind symbolträchtig für die ganze Browns-Saison 2019. Mayfield lud die QB-Pressure förmlich ein – aber er musste auch hinter einer vor allem an den Flanken miesen Offense Line spielen. Das brachte offensichtlich die ganze interne Uhr für Mayfield durcheinander.

Wenn man sich Mayfields Tape von 2019 anschaut, dann fallen ein paar Dinge selbst für einen Laien wie mich auf:

  • Mayfield tendierte sich nach dem Snap auf einen ersten Read zu fixieren. Er hatte Anzeichen eines „one read QBs“, die dann aufgeschmissen sind, wenn sie die Progressions durchgehen müssen. Man sieht das auch an Mayfields Stats: Musste er einmal vom ersten Read weitergehen, war er einer der ineffizientesten QBs in der NFL.
  • Er lud Pressure ein. Er driftete oft aus freien Stücken nach hinten bzw. hinten rechts.
  • Die Offense war auch nicht ideal designt. Beim All-22 Tape Studium findet man recht wenige dieser „auf 3 Levels attackierenden“ Routen-Kombinationen. Es war schlicht kein „Flow“ drin.
  • Viele unpräzise Würfe von Mayfield: Überworfen, unterworfen, nach hinten geworfen… alles mit dabei. Nicht immer klar, ob es am Wurf selbst lag oder daran, dass er ihn nicht richtig „vorbereiten“ konnte.

Interessant war z.B. auch Woche 3 gegen die Rams, die beide Defensive Tackles in 3-tech aufstellten und Mayfield damit im Prinzip in der Pocket einfroren. Der kleine Mayfield hatte die Sicht zu beiden Seitenlinien blockiert und war hoffnungslos aufgeschmissen.

Aber es war nicht immer Mayfield allein. Im Prinzip war die ganze Offense fürn Arsch: Mal Bullshit-Moment von Baker, dann Wide-Receiver Drop, dann lässt sich der Guard überpowern, dann wird der Offense Tackle am Edge geschlagen, dann versagt der Runningback im Blitz-Pickup, dazu das bizarre Play-Design und Play-Calling. It way one of these years…

Gegen Saisonmitte/-ende wirkte das alles ein bissl stabiler, aber im Prinzip scheinen auch bessere Experten als ich das Gefühl zu teilen: Hier lief ziemlich viel schief. Statistisch besonders Besorgnis erregend: Mayfield war ohne Druck in der Pocket brutal schlecht. Das ist für gewöhnlich ein ganz schlechtes Zeichen.

Browns-Offense 2020

Vorteil aber: Mayfield hatte vor 2019 schon Phasen, in denen er ohne Druck in der Pocket fantastisch war. Mit etwas besserer Protection, so der Plan, sollte Mayfield wieder statt 33% Pressure Rate vielleicht 28% Pressure-Rate haben – und damit 30-40 Pässe pro Saison mehr ohne Druck.

Und just dafür hat man jetzt OT Jack Conklin aus Tennessee geholt. Conklin kommt für 3 Jahre, 42 Mio. Das ist billiger als gedacht, auch, weil Conklin nur einen kurzen Vertrag wollte um in drei Jahren mit höherer Salary-Cap mit 29 Jahren noch einmal richtig abcashen zu können.

Conklin ist kein überwältigender Pass-Protector, aber ein deutlich besserer als alles, was Cleveland letztes Jahr hatte. Er ist Fixstarter und dürfte ein verlässlicher Mann an der rechten Flanke der Offense Line sein. Die Browns haben mit seiner Verpflichtung Teil 1 vom Offense-Line Re-shaping hinter sich. An der linken Flanke wird man noch etwas machen müssen – hier dürfte dann wohl der Draft herhalten, wo Cleveland aktuell den #10 Pick hält.

Doch das zentralste Ziel war: Zumindest eine Flanke verlässlich zumachen um nicht schon wieder eine Saison zu riskieren nach der man sich fragt, ob Mayfields „aufgescheuchte-Huhn-Pocket Präsenz“ an seinem grundsätzlichen Misstrauen in die Offense Line liegt.

Scheitert Mayfield auch mit guter Protection, wissen die Browns immerhin, dass es Zeit ist, sich auf dem QB-Markt neu zu orientieren. (Nein, der für doch teure Kohle geholte QB-Backup Keenum ist diese Lösung nicht)

Der zweite Weg Mayfield zu biegen ist das neue Scheme. Der neue Headcoach Stefanski spielt die Kubiak-Offense mit viel Wide-Zone Running mit eingebautem tiefen Play-Action Passing. Die Browns kennen die Basics dieser Offense bereits aus dem einen Jahr mit Kyle Shanahan als OffCoord (2014), und haben jetzt das bessere Personal.

Stefanski wird mit mehr 12-Personnel spielen als letztes Jahr Freddie Kitchens (11-Personnel Fetischist). Unter dieser Prämisse ist der Einkauf von TE Austin Hooper nur logisch. Der Preis für Hooper ist zwar fett – 11 Mio/Jahr und durchaus hohe Garantien und Hooper gilt mehr als „System-Tight End“ denn als echte Matchup-Waffe.

Doch Hooper ist auf jeden Fall ein wichtiges Upgrade im Tight-End Depth Chart mit dem bislang enttäuschenden ex-1st Rounder Njoku und Carlson bzw. vor allem gegenüber dem vor einem Monat entlassenen Demetrius Harris. Die Hooper-Verpflichtung muss man unter der Prämisse des erhöhten Fokus auf 12-Personnel betrachten – und kann sie damit auch ganz gut erklären.

Sidenote: Wenn ich das richtig sehe, dann haben die Browns sogar für einen Fullback getradet – Denvers Andy Janovich! Das ist maximale Shanahan/Kubiak-Affinität. Der Preis: Ein 7th Rounder. Der wahrscheinlich noch notwendige dritte Receiver für die 3-WR Formationen könnte dann noch via Draft kommen.

Ich habe schon einmal kurz darüber geschrieben: Die neue Offense sollte Mayfield konzeptionell entgegenkommen. Sie riskiert zwar einen Tick zu lauflastig zu werden, doch sie passt in ihren Kernelementen gut zu dem was Mayfield kann:

  1. Es ist eine erwiesen Quarterback-freundliche Offense und Stefanski hat sie schon erfolgreich mit einem weniger talentierten QB (Cousins) implementiert.
  2. Sie hat hohe Play-Action Raten und klar definierte Reads, was dem manchmal zögerlichen Mayfield entgegen kommt und ihm nach dem Horror 2019 wie eine neue Welt vorkommen wird
  3. Sie geht immer wieder tief, was Mayfield liebt.
  4. Sie hat ein schön designtes Screen-Game, was Mayfield an Oklahoma erinnern wird.
  5. Rhythmus ist eines ihrer wichtigsten Elemente. Mayfield braucht nach dem desaströsen 2019 genau das.

Mit OT Conklin und TE Hooper sind schon zwei wesentliche Starter für 2020 gekommen. Der Left-Tackle und ein dritter Wide Receiver hinter Beckham/Landry fehlen noch, aber noch ist durchaus Zeit dafür.

5 Kommentare zu “Browns-Mission 2020: Bieg Baker – und die ersten Schritte sind schon gemacht

  1. Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wie die Browns an den Ravens und Steelers vorbeikommen wollen.

    Ravens sind sowieso klar zu favorisieren und auch die Steelers (wenn man denn von einem fitten Big Ben ausgeht) sollten besser aufgestellt sein.

  2. Der Weg ist ganz „einfach“:

    1. Mayfield biegen.
    2. Ravens kriegen Probleme mit ihrer Offense, wenn sie nicht genug weiterentwickelt wird.
    3. Roethlisberger ist nicht mehr der Alte.

    Klar muss das zusammenkommen, aber wir sehen jedes Jahr größere „Season-to-Season“ Änderungen als diese. Und Browns-Offense ist für einen mächtigen Schritt nach vorne prädestiniert.

  3. Ja, daran musste ich auch denken, aber auf der anderen Seite gibt es auf diesem Blog ja auch keine In-Depth Spielzug Analysen zu lesen. Da sind wir irgendwie alle Laien…

  4. Möglichkeit 4, wie Browns an Ravens und/oder Steelers vorbeiziehen:
    Verletzungen.
    Big Ben kann ein Lied davon singen und LJ ist ein mobiler QB, der den ein oder anderen brutalen Hit kassieren wird.

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