CBA und Bromance-Podcast

Corona-Shutdown treibt seltsame Blüten, und so habe ich gestern beim Training mal wieder einen alten Bekannten im Ohr gehabt – den Football Bromance Podcast mit Patrick Esume und Björn Werner. Das Thema: CBA. Meine Erwartungen wurden gesprengt – im positiven Sinne.

Hier der Spotify-Link zu Podcast.

Ich kann nicht mit 100%iger Gewissheit sagen, ob jedes kleine Detail, das Esume und Werner aus dem neuen CBA zitieren, faktisch wasserdicht ist, aber das ist auch gar nicht der Punkt, denn dieser Podcast ist ein gutes Beispiel wie man ein komplexes Thema auch einem relativ unbedarften Zuhörer nahebringen kann – zu dem ich mich beim Thema CBA trotz mehrerer ausführlicher Blogeinträge weiterhin zähle.

Esume/Werner-Vulgo ist manchmal natürlich Geschmackssache (Stichwort: freie deutsche Übersetzung von „download“), aber es hielt sich eh in Grenzen. Viel bedeutender ist das Inhaltliche.

Sie diskutieren das Wahlverhalten der Spieler – mit Blick auf beide Seiten. Und wo ich beide Seiten verstehen kann, würde ich Esume in seiner Haltung (frei übertragen „Nicht wählen zu gehen ist irgendwo zwischen bekloppt bis respektlos“) fast vollumfänglich beipflichten.

Sie diskutieren die Rolle der NFLPA und wie die Spieler zu ihrer Gewerkschaft stehen. Sie diskutieren den Disconnect zwischen den finanziell gut situierten Spielern und denen am unteren Ende der Nahrungskette – warum das so entscheidend in der Abstimmung war und warum die NFLPA im Vorfeld der Abstimmung wahrscheinlich an einigen Stellen versagt hat.

Sie diskutieren über die finanzielle Seite hinaus die Neuerungen in der Drogenpolitik (Werner: „Ich bin kein Pothead, aber in der Kabine sind >50% Grasraucher und die haben Luftsprünge gemacht wenn sie nicht erwischt wurden“) und bei den neuen reduzierten Trainingsumfängen, und warum und wie das insbesondere für Coaches eine Herausforderung wird (Esume: „Weniger tough-Guy Gehabe, mehr Analytics (sic!!) und Mental-Coaching. Wer keine Innovation macht, bleibt auf der Strecke“).

Der Podcast zeigt auch: Wenn Esume/Werner keine unhaltbaren Aussagen zum Laufspiel treffen, ist dieses Plaudern aus dem Nähkästchen dieser beiden NFL-Erfahrenen nicht nur unterhaltsam, sondern sogar sehr aufschlussreich. Werners Sichtweise auf die Umkleidekabine, ja auch auf seinen ex-Beruf als Sportler selbst („Warum verdienen wir eigentlich so viel Geld? Aber man vergleicht dann trotzdem mit dem was andere kriegen.“), ist erfrischend, und Esume ist kontrovers genug, dass mit seinen Einwürfen auch eine echte Diskussion unter verschiedenen Gesichtspunkten entsteht.

In dieser Form ist der Bromance-Podcast hörenswert auch für die NFL Hardcore-Szene, und daher würde ich durchaus empfehlen, sich diese Folge zumindest mal zu geben. Esume ist bei mir mit dieser Folge erstmal rehabilitiert.

9 Kommentare zu “CBA und Bromance-Podcast

  1. Ich bin mir nicht mehr sicher ob Ross tucker oder pff nfl show, aber dort hieß es, dass bei den Nichtwählern ein gewisser Teil an Leuten ist, die garnicht mehr in der nfl sind; sie also die Stichtags Voraussetzungen erfüllen, für die eine Nfl Karriere aber nicht mehr realistisch ist – damit wäre das zwar unsozial aber nicht mehr unbedingt Selbstschädigend

  2. „in der Kabine sind >50% Grasraucher“. Wow. Mir war bewusst, dass Cannabis als Schmerzmittel populär ist. Aber sooo populär? Hätte ich nicht gedacht.
    Schade, dass das Potential von Cannabis auf legalem Wege nicht viel mehr genutzt wird.

  3. Ja, die Zahl hat mich auch überrascht. Eine von vielen interessanten Einblicken von Werner.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann deutete Werner auch an, dass die verschriebenen Mittel der Ärzte in den Dosierungen locker auch als „Drogen“ durchgehen.

    Kenne mich bei dem ganzen Themenblock allerdings null aus, daher Angaben ohne Gewähr.

  4. ich glaube bei the ringer stand mal was zum Stand der Betäubingsmittel in der NFL.
    Und das legale zeug das die ausgeben führt im Prinzip dazu das du auch mit nem gebrochenen Mittelfuß laufen könntest.
    Und während der Saison geben die das aus wie Petz.
    Und der shit macht abhängig.
    Da versteh ich schon das den leuten Weed lieber ist.

  5. Guter Punkt.

    Ich habe hier vor ein paar Tagen auf die famose ARTE-Trilogie zum weltweiten Drogenproblem verlinkt:

    https://sidelinereporter.wordpress.com/2020/03/29/quarterback-im-fokus-daniel-jones-new-york-giants/

    Im letzten Teil wird dort angedeutet, dass die USA ein massives Problem über den Football hinaus haben, was verschreibungspflichtige „Opiate“ angeht: Konzern-Lobbys, die brutal hinter der Politik her sind und Ärzten Druck machen, dieses Zeug massiv und in hohen Mengen an viele Leute zu verschreiben.

    Ein hoher Prozentsatz der Amerikaner sind komplett abhängig von diesen Dingern, sozusagen legal „drauf“ den ganzen Tag.

    Es wird nicht direkt gesagt, aber indirekt angedeutet, dass Weed „nicht schlimmer“ wäre als dieses legale, ich glaube man kann sagen, Teufelszeug.

  6. In den USA hat man um die 2000er Schmerz selbst als medizinisches Problem definiert anstatt als Signal das etwas anderes nicht stimmt und ergo versucht ihnen mit Medikamenten bei zu kommen. Daher die fette Opiate industrie. und natürlich auch lobbying und unregulierter Medikamentenverkauf, da kriegste Dinge im Supermarkt die bekommt man in Deutschland nichtmal verschrieben. Nick Alfieri (GFL Spieler und YT )hat sich letztes Jahr den Zeh gebrochen und den unterschied ein bisschen erklärt.

    Weed macht halt nicht körperlich abhängig, Opiate durchaus.
    Und NFL Spieler kriegen nochmal ganz andere Dosen als Durchschnittsmenschen und die brauchen das auch um überhaupt trainieren zu können. Wenns nur um die Spiele ginge wäre ja noch alles in Ordnung.

  7. Pingback: Meine American Football Podcast-Hitliste | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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