Tua

Der Draftstatus von Tua Tagovailoa scheint in diesen Tagen vor dem NFL-Draft 2020 mehr denn je in der Schwebe zu sein, doch rein sportlich gilt Tua weithin als das beste oder zweitbeste Quarterback-Prospect der Draftklasse.

Ausführliche Analysen muss man zu ihm gar nicht mehr schreiben – die meisten Eckdaten seiner Karriere und seines NFL-Profils dürften bekannt sein. Für den Unwissenden: Rodger Sherman hat beim Ringer die entsprechende Ode geschrieben. Die Sequenz im National Championship Game 2018, abgeschlossen mit Tuas Pass, der die Erde zum Beben brachte, allein ist es wert, Footballfan zu sein:

Tua war zwei Jahre lang ein grandioser College-QB und fühlte sich letztlich doch wie ein Unvollendeter an: Er gewann keine Heisman-Trophy, seine National Championship holte er als eingewechselter Backup im Landesmeisterschaftsfinale – und danach scheiterte er zweimal angeschlagen, und dann ging seine College-Karriere sang- und klanglos mit einer schweren Hüftverletzung einfach zu Ende.

Tua, der Spieler

Wer es sehr genau wissen will, der kann sich bei SPOX die wie immer lesenswerte, sehr ausführliche Analyse von Adrian Franke geben.

Lass uns an dieser Stelle nur noch auf ein paar Aspekte in Tuas Spiel fokussieren, die mir persönlich besonders interessant erscheinen. Ich empfehle hierfür dieses lehrreiche Videostudium von Matt Waldman, das Tuas Stärken und dann sehr fein Tuas Schwächen zerbröselt, aufzeigt und gute Schlussfolgerungen zeigt:

Keine Zeit für eine Stunde Detailstudium? Nun, hier sind die wesentlichen Erkenntnisse:

Wenn Tua saubere Pocket hat, ist er ein tödlicher QB. Seine ganze Wurfbewegung ist total makellos, lehrbuchmäßig. Alabama spielte viele dieser quick hit-Plays, schnelle Pässe, aber Tua ist auch ein präziser Downfield-Passer, wenn er entweder Zeit in der Pocket hat oder „fühlt“, dass er genug Platz zum Navigieren hat.

Tua navigiert hervorragend in einer solchen Pocket. Er nutzt seine Beweglichkeit aber nicht nur um sich Platz für Wurfbahnen (für einen eher kleinen QB wie ihn auch wichtig) zu verschaffen, sondern in Kombination mit seinen Blicken auch um Verteidiger auf die falsche Fährte zu locken. Tua spielt in solchen Momenten furchtlos, mit herausragender Antizipation und ist ein Meister der Manipulation: Häufig werden Safetys mit seinen Augen versetzt.

Weil ich es grad parat habe, nochmal obiger Championship-Pass gegen Georgia. Er zeigt exemplarisch, was Tua so oft machte: Safety auf die falsche Fährte schicken, Pass in die andere Richtung werfen. „No look pass“ auf US-Football:

Diese ganze Kombination aus dem Element der Beweglichkeit, seiner kompakten Wurftechnik und der Verarsche von Defensive Backs ist das, was die ganzen Vergleiche mit Drew Brees und Russell Wilson heraufbeschwört. Tua bekräftigte in der Combine ganz offen, sein Spiel nach diesen beiden QBs zu modellieren.

Der Vergleich mit Brees ist auch für einen relativen Tape-Laien recht einfach zu sehen, doch bei Wilson musste ich nochmal nachhaken. Ich habe bei oben eingeführtem Matt Waldman angefragt, der in seinem Rookie Scouting Portfolio ebenso den Vergleich angestrebt hat. Waldman verweist mich u.a. auf seine Tape-Studie als Wilson 2012 als Rookie in die NFL kam. Er schreibt dort mit Bildern untermalt:

Like Wilson, Drew Brees’ game is about manipulation of the pocket and the secondary with the help of movement: play action, short drops, bootlegs, partial rolls, and misdirection.

[…] pass attempts feature movement by the quarterback in order to manipulate the defense. The purpose of this movement is not just to fool the secondary, but also to create wide passing lanes. When a team can consistently create these types of passing lanes, height isn’t as much of an issue for the quarterback. If Wilson can develop the same feel for pressure and build on his read and recognition skills, then the things Brees displays below are well within Wilson’s capability as a passer.

Diese Pocket-Navigation ist bei Russell Wilson hinter all den horrenden Offensive Lines in Seattle mittlerweile verschollen, weil Wilson dort gezwungenermaßen Snap für Snap zum freelancenden Hoodini wird, aber zurückdenkend an Wilsons erste Jahre in der NFL trifft der Vergleich den Nagel auf den Kopf.

Dieses Spiel aus sauberer Pocket macht jetzt Tua zu einem Top-Prospect für eine Offense, die sowohl schnelle Pässe als auch lange in der Entwicklung brauchende Pässe (z.B. Play-Action deep shots) spielt…

…aber eben erstmal nur solange es in der Pocket ruhig zugeht.

Denn Tua ist ein bisschen wackelig, wenn Ungemach droht. Obwohl er mobil genug ist um auch mal 10 Yards für ein 1st Down zu laufen, bringt er sich unter Druck oft genug selbst in die Bredouille – und zwar, weil seine ganze Mechanics zusammenklappen und er beginnt, aus skurrilen Körperhaltungen zu werfen – Jump-Pässe, Pässe vom hinteren Standbein aus, Pässe aus verdrehter Haltung.

Tua ist keiner dieser QBs à la Mahomes, die aus kruden Positionen heraus Super-Pässe werfen können – er wird aus diesen unkonventionellen „off platform“ Wurfhaltungen heraus schnell unpräzise, überwirft seine Targets. Zu dem Thema Wurfhaltungen hatte ich vor zwei Wochen einen eigenen Artikel spendiert.

Tua reitet sich also in die eigene Scheiße rein – aber weniger, weil er den Ball zu lange hält oder Pressure nicht gut antizipieren kann – sondern vielmehr, weil er eine Art „Klaustrophobie“ in der Pocket entwickelt: Ohne Platz zum Operieren fühlt er sich nicht wohl. Ohne die Möglichkeit, sich per Brees/Wilson-Movement Platz zu verschaffen verliert Tua einen Teil seiner Aura.

Er kriegt dann „flotte Füße“, hat nicht die Ruhe, einfach Brady-like zwei Tippelschritte nach vorn oder zur Seite zu machen, nochmal den Fuß in den Boden zu setzen um dann den Ball sauber zu werfen. Im Gegenteil: Tua beginnt dann zu oft, im Laufen oder in der Vorwärts- oder Rückwärtsbewegung zu werfen usw. – für ihn mit seinem „non-Elite Wurfarm“ nicht ideal: Sind die Füße nicht in Top-Haltung, verliert der Wurf Präzision. Das führt nicht immer direkt zu Incompletions, aber auch Kleinigkeiten wie verpasste Chancen auf Yards nach dem Catch durch unpräzisere Bälle sind ein versteckter Schaden für die Offense.

Trotzdem versucht Tua, immer zuerst aus der Pocket heraus Plays zu machen anstatt links und rechts zu scrambeln. Grundsätzlich gilt das als Plus.

Weitere Kleinigkeit: Tua war manchmal zu viel auf Selbstschutz bedacht. Sich kurz vor dem Wurf abzudrehen um nicht die volle Ladung Hit zu kassieren, kostet Präzision – doch wie soll man es ihm, der mit so vielen Zipperlein zu kämpfen hatte, verdenken?

Tua hat bessere improvisatorische Fähigkeiten als man gemeinhin annimmt. Tua hat „konzeptionell“ keine Probleme damit, wenn der Spielzug nicht wie geplant läuft. Er kann gedanklich umschalten und mitgehen, er hält seine Augen dann downfield anstatt auf dem Pass-Rush. Eigentlich alles okay – er verliert nur zu häufig seine Technik, was in suboptimaler Präzision mündet.

Es gibt an der Stelle zwei Projections, die auf Basis des Tapes nicht eindeutig lösbar sind: Wie gut ist Tua, wenn sein erster Read nicht da ist? Waldmans obige Filmstudie klingt positiv, aber die Momente waren eher selten? Und wie gut ist Tua, wenn er enge Fenster treffen muss? In der NFL landet für gewöhnlich jeder 5. Pass in einem engen Fenster. Tua hatte in Alabama den Luxus, auf solche Pässe fast verzichten zu können. 2018 hatte er nur 43% Completion-Rate in solchen Momenten.

Tua wirkt wie ein QB, der wie gemacht ist für eine auf Timing basierte Offense mit Abwechslung zwischen sehr schnellen Kurzpässen mit Slants, Dig-Routes und Swing-Pässen, und tiefen Bomben aus Play-Action.

Tua ist zwar eigentlich Rechtshänder, wirft aber mit der linken Hand. Die NFL hatte seit Jahren keinen Linkshänder mehr auf QB. Wird das Umstellungen im Play-Book bedeuten, oder betrifft es „nur“ die Offensive Line, weil deren Blind-Side nun spiegelverkehrt ist?

Sein Arm ist nicht spektakulär, vor allem längere Pässe fliegen eine Bogenlampe, doch er gilt als gut genug für die allermeisten Passkonzepte und wie schon gesehen auch für tiefes Passspiel: Tuas Haltung bei tiefen Bällen ist in lichten Momenten so perfekt synchron, dass das jede mögliche Schwäche des Arms kompensiert: Der Ball landet dennoch punktgenau dort wo er hingehört – auch 40 Yards downfield.

Das Fazit zum Spieler

Fazit also: Tua braucht die saubere Wurfhaltung. Ohne ist er zwar keine Schrotflinte, aber eben auch nicht mehr „Ball auf die Brust gelegt“ oder wie der Amerikaner sagt „pin-point accuracy“, und dann müssen die Receiver plötzlich für ihre Catches arbeiten.

Die wichtige Erkenntnis aus dem ganzen: Tua hat ein gutes Gefühl für die Pocket. Er ist geduldig, wenn man ihm Zeit gibt. Er ist souverän, strahlt die Autorität eines Top-QB Prospects aus, versteht es mit Feinheiten die Defense zu versetzen und ist ohne Druck ein fast fehlerloser Roboter.

Die Probleme beginnen, wenn es Druck auf die Pocket gibt. Dann wird er zu unruhig und seine ansonsten makellose Technik bricht dann ein wenig auseinander und die Pässe beginnen ein klein bisschen zu streuen.

Verletzungen

Was ist mit den Verletzungen? Tua war schon vor der Hüftverletzung ein wandelndes Verletzungsproblem mit Knöchel- und Knieproblemen. So schlimm, dass ich schon vor einem Jahr über meine Wette schrieb, Tua werden ihrentwegen die College Football Playoffs aussetzen. Schon im Championship-Game vor einem Jahr gegen Clemson entschuldigte man seine maue Vorstellung mit den Verletzungssorgen. Letzte Saison verpasste er schon im Oktober einen Start (Sprunggelenk), bevor er sich Mitte November die Hüfte brach.

Das Hüftproblem gilt in einigen Kreisen weitestgehend als kuriert und zumindest kurzfristig nicht als Deal-Breaker. Tua scheint sich auch schon wieder voll bewegen zu können:

Ein paar Restzweifel bleiben dennoch. Hüftbruch ist kein Kindergeburtstag – und weil es in Coronazeiten nur eingeschränkte Möglichkeiten für medizinische Tests gibt, sollen manche Teams kalte Füße kriegen. Was davon genau ernst zu nehmen ist und was Smoke-Screen der NFL-Lügenpresse ist, ist nicht ganz klar. Aber der für gewöhnlich gut vernetzte Charles Robinson hat im Ringer-Draft vor ein paar Tagen noch einmal betont, dass man ein Auge auf Tuas Aktien halten muss – Stichwort „er könnte aus den Top-10 fallen, ich sag’s euch nur“.

Tuas Supporting-Cast

Tua mag durch seine Verletzung und Burrows Rekordsaison ein wenig in Vergessenheit geraten sein, aber Tuas beide Spielzeiten als Starting-QB in Alabama waren fast komplett durchgehend dominant. Er hat im Prinzip nie schlecht gespielt. Seine einzigen echten „Aussetzer“ waren das SEC-Finale gegen Georgia 2018 und das Championship-Game gegen Clemson ein paar Wochen später. Tua war in beiden Spielen aber auch nicht fit.

Tua hat die SEC dominiert. Dort spielen die besten Defenses des Landes. Er hat die Alabama-Offense zu einem Powerhouse gemacht – man sollte sich nicht in die Illusion begeben, dass Alabams schon immer offensive Gewalt war.

Tua hat in Jalen Hurts einen der besten College-Quarterbacks der letzten Jahre ganz einfach aus der Startelf verdrängtohne QB-Controversy. Und er hat nie mehr auch nur einen leisen Zweifel dran gelassen, wer in Alabama startet.

Erst mit Tua stellte sogar der eher konservative Nick Saban bedenkenlos auf radikale Spread-Offense um und spielte ohne Rücksicht auf Verluste volle Kanne Passing-Offense von Minute 1 an.

Alabama mag mit Leuten wie Jeudy, Devonta Smith, Waddle oder Ruggs die besten Receiver im Land gehabt haben – aber sie hatten schon vor Tua Granaten wie Julio Jones, Amari Cooper oder Calvin Ridley – und das Passspiel war dann dennoch nur Beiwerk. Seit Tua ist das anders. Starke Offense Liner? Schickt Alabama seit Jahren in die NFL. Top-Runningbacks? Idem. Aber erst seit Tua ist Alabama ein offensiver Juggernaut.

Burrow ist, wenn auch seinerseits nicht ganz ohne Fragezeichen, nach seiner famosen Saison 2019 wahrscheinlich zu Recht vor Tua – gerade unter Berücksichtigung von Tagovailoas Verletzungsproblemen. Vielleicht waren auch Kyler Murray oder Dwayne Haskins letztes Jahr bessere Prospects – zumindest haben beide vielleicht erstmal mit ihren besseren Wurfarmen das höhere Potenzial.

Advanced-Stats: Der Vergleich mit Burrow

Doch der Gap zwischen Burrow und Tua – Verletzungen mal ausgeklammert – ist kleiner als man denken würde. Wir haben schon gelernt, dass Quarterbacking aus Pocket mit Pressure nicht zu den stabilsten Metriken gehört, und wo Burrow 2019 darin fantastisch war (der beste von allen), war Tua bei PFF nur Durchschnitt. Aus sauberer Pocket dagegen fast Augenhöhe: Tua mit Note 92.6, Burrow mit 94.9.

Doch 2018 war Tua bei Passspiel gegen Pressure oberhalb des 90ten Perzentils (aber deutlich unterhalb von Burrows unvergleichlicher 2019 Performance) – und ohne Pressure mit Note 91.3 fast ebenso stabil.

Burrow war auf Pässen in der Intermediate-Range (11-15 Yards) besser, weil Tua dort ein paar Wackler mehr hatte als man sich wünschen würde:

Burrow war nach CPOE besser, war minimal effizienter im deep ball, ist ein etwas besserer Scrambler. Doch dafür haben wir von Tua zwei Jahre auf hohem Niveau, von Burrow nur eins – und eine ungelöste Frage, wie wir dessen Performance vor dem Durchbruch bewerten sollen.

Die Unterschiede sind letztlich fast marginal – und ein Waldman sieht einen gesunden Tua sogar als den leicht besseren Prospect als Burrow! Unsere momentane Wahrnehmung der beiden Top-Prospects ist ein wenig durch Burrows außerirdische Performance unter Druck gegenüber Tuas relativ durchschnittlicher geblendet – von der wir aber wissen, dass sie nicht stabil ist.

Ausblick

Die Hüfte ist jetzt das Damoklesschwert: Dass sie physisch fürs erste hält, gilt wohl als gesichert. Doch wie sieht es mit Blick auf ein paar Jahre in die Zukunft auf? Wie reell ist die Gefahr von Knochennekrose? Wie sieht es auch mit Tuas Hinterkopf aus? Das sind entscheidende Fragen, die wohl dank Coronavirus jetzt nicht mehr rechtzeitig beantwortet werden können.

Unabhängig davon wird es auch für einen gesunden Tua – wie im Übrigen für Burrow auch – natürlich drauf ankommen, welchen Support er in der NFL bekommt.

Tua ist vielleicht nicht spielerisch spektakulär, sondern in seiner ganzen Funktionsweise. Er ist wahrscheinlich kein QB für Jedermann und braucht etwas Anleitung und ein paar schematische Anpassungen, aber in Summe ist er auch ohne letztlich die abstrusen Erwartungen zur Gänze erfüllt zu haben bestimmt einer dieser QB-Prospects, für die sich ein Top-3 Pick und eventuell der oft diskutierte Up-Trade lohnt.

Ob er nun mit dem Fragezeichen Hüfte im Draft tatsächlich durchs Draftboard nach unten fällt, wird sich nächste Woche zeigen. In diesem Fall öffnet sich die Tür für einen eventuell ganz spektakulären Draft-Steal, denn Tua ist ein Prospect, für das ich auch mit einem solchen Fragezeichen einen 1st Rounder investieren würde. Die Position ist es wert – und der Spieler auch.

26 Kommentare zu “Tua

  1. So schön diese Videos nach der auskurierten Hüftverletzung, zeigen sie am Ende immer nur ein kleinen Ausschnitt in einem sehr kontrollierten und sicheren Beteuch. Erst die Langzeitprobe über eine ganze Saison wo Spiel für Spiel Hits einprasseln und er paar mal umgeschmissen wird, wird zeigen ob es wirklich wieder bei 100% ist. Ich kenne es von mir selbst mit einem schweren Armbruch (offen + mehrere Stellen). Auf kurze Kraftanstrengung wird keiner merken das es ein Problem gibt, lass mich aber eine Woche lang mal schwere Sachen hin und her schleppen und ich stehe kurz davor in die Tischkante zu beißen da die Schmerzen in dem Arm Tag für Tag stärker werden. Und bei ihm wäre es keine Sache von einer Woche sondern Monaten. Ich hoffe er ist wieder gesund, aber wie im Text schon steht…Hüftverletzungen sind nicht witzig und können teils üble Folgen haben.

  2. Toller Artikel und danke Gorash für die Info. Man würde meinen, dass die Ärzte da durchaus auch was zur Belastungsfähigkeit der Hüfte sagen können, aber wahrscheinlich gibt es nicht so viele Hüftbrüche die nachher ähnlich belastet werden wie bei Footballspielern.

    Tua wird ein top spannender Case Study!

  3. Tuas Hüfte ist halt schon etwas außergewöhnlich für NFL-Standards. Das ist eine Verletzung, wo es bei Weitem nicht so viele Erfahrungswerte gibt, wie bei den „üblichen“ ACLs & Co. Und die Hüfte ist halt einfach extrem wichtig für den kompletten Rest des Körpers. Probleme dort beeinflussen alles. Mobilität, (Wurf-)Haltung, Stabilität, die Bewegung allgemein; das hängt alles mehr oder weniger direkt an der Hüfte und nachhaltige Schädigungen in der Hüfte können den kompletten Bewegungsapparat NFL-untauglich machen. Das ist halt schon ein großer Risikofaktor. Ich halte es aktuell auch für nicht unwahrscheinlich, dass Tua im Draft fällt.

  4. Gerüchte ob Tuas Abfallen im Draft sind mittlerweile so dicht und kommen von so vielen auch respektierten Leuten, dass es überhaupt keine Überraschung mehr wäre, wenn Tua zumindest mal nicht nach Miami geht oder einen massiven Up-Trade provoziert.

    Stand jetzt wäre es fast schon eher eine Überraschung, wenn Miami Tua draftet als Herbert. Oder Miami fährt eine nahezu perfekte Tarnstrategie.

  5. Vielleicht ist es für Tua auch garnicht schlimm ein paar Plätze tiefer zu fallen, denn dann ist die Chance höher auf ne kompetente Organisation zu treffen.

  6. @blub: Sehe ich ähnlich.

    Wie ich vorhin auf Twitter schrieb: Was sind die wahrscheinlichsten / besten Landing-Spots, wenn er hinter #6 fällt:

    New Orleans wäre gerade mit dem Brees-Vergleich und dem eigentlich schon kompletten Kader dort vielleicht *das* Traumszenario schlechthin.

  7. Das muss dir schwer fallen mit anzuschauen wie Tua an Value verliert 😉

    Kann es sein, daß die die Liga bei Tua schon wieder ins Overthinking verfällt? Die offiziell bekannten Prognosen der Ärzte sind ja gar nicht so verheerend, sie können (wie so oft) einfach nicht 100% Garantie geben.

    Aber die Phins sollen ja unabhängig vom Injury Status nicht an Tua interessiert sein, wie man jetzt auch aus College Kreisen hört, wo sie sich angeblich nie wirklich um Tua interessiert haben. Das kann logisch ein Smokescreen sein, aber es wäre schon einer der besten in den letzten Jahren!

  8. Unabhängig von der Verletzung nicht an Tua interessiert zu sein halte ich schon für sehr abenteuerlich. Wenn du die Zipperlein außen vor lässt, ist er auf Burrows Niveau und zeigt dieses Potential außerdem auch schon länger.

    Dass Miami tatsächlich nicht an ihm interessiert ist bzw. nicht daran hochzutraden erscheint mir im Lichte aller Infos schon einigermaßen realistisch, weil 5 auf 2 halt schon einiges kosten dürfte. Da willst du dir dann schon sehr sicher sein und nicht die Verletzung ständig im Hinterkopf haben.

    Einen Slide bis in die 20er halte ich nicht für sehr wahrscheinlich, einfach weil dann Miami, Las Vegas oder die Jags spätestens mit ihrem zweiten Pick zuschlagen dürften, oder dann halt jemand in die Teens tradet um ihn zu holen.

  9. Miami mit dem zweiten Pick würde aber nur funktionieren, wenn sie gar nicht mit dem Plan einen QB zu ziehen in den Draft gehen und dann halt den zufälligen Value mitnehmen. In den momentan gemalten Szenarien draftet Miami mit dem ersten Pick ja auf alle Fälle einen QB, meistens Herbert.

  10. Sicher, das ist ein wesentlicher Faktor. Ich kann mir ja auch kaum vorstellen, dass die Chargers bei Tua passen, sollte er zu ihnen fallen. Aber das Herdendenken in der NFL funktioniert im Draft oft komisch.

  11. Könnte mir auch Carolina vorstellen; wenn Brady einen saints Klon bauen darf, könnte das durchaus ein fit sein und man hätte den Bridgewaterquaterback schon…

  12. Ja, Carolina ist eines der kompletten Dark-Horses, das man in die Liste aufnehmen könnte. Könnte Sinn machen, aber man weiß halt überhaupt noch nicht wie die dort ticken.

  13. Also, in dieser QB-versessenen Liga kann ich mir nicht vorstellen, dass Tua aus den Top10 fällt. Wenn ich auf z.B. #15 sitze und dringend einen QB brauche, dann trade ich ein paar Plätze hoch, weil da einfach noch zuviele Teams sind, die ein ganz offensichtliches Interesse haben. Aaron Rodgers würde mich für diese Worte vermutlich schlagen. 😀
    Aber selbst wenn: soll Tua ruhig fallen. Er ist ein sympathischer Typ und verdient es in ein funktionierendes Team zu kommen.

  14. So viele Teams sind es aber nicht, die aktuell einen Starting QB brauchen. Schnell drüber geschaut fehlt aktuell nur folgenden Teams ein Starter:

    Miami
    New England
    Cincinnati
    LA Chargers

    Natürlich kann man jetzt den Kreis ein bisschen erweitern und Teams wie Carolina, Chicago oder Jacksonville dazunehmen, bei denen die aktuellen Starter wohl kaum mehr als Notlösungen sind. Aber selbst dann sind das nicht so viele Teams. Selbst wenn man dann noch Teams wie Indy oder Pittsburgh dazunimmt, die sich um Nachfolge für ihre alten Superstars bemühen könnten, sind das erst 9 Mannschaften. Und Cincinnati kann man aus der Liste ja quasi schonmal streichen, weil Burrow nach allem was man so liest fix sein dürfte.

    Ich sehe im Gegensatz zu vielen anderen Jahren heuer das Potential, dass da absolut kein Run auf die QBs einsetzt, weil einfach so viele Teams aktuell da keinen großen Need haben. Klar, sollte – Konjunktiv! – Tua oder Justin Herbert fallen, dann ändert sich die Situation gleich mal und Teams werden Interesse bekommen – und irgendwann wird dann einfach auf Grund von Value jemand zugreifen.

    Aber: TB wird den Teufel tun und jetzt einen 1st Rounder in einen QB investieren, einfach weil man Brady damit sicher nicht vergraulen möchte. Gleiches gilt für New Orleans oder wahrscheinlich auch GB. Das heißt, da sind auch einige Teams, für die ein QB in der ersten Runde – egal unter welchen Bedingungen – sicher nicht in Frage kommt. Das gilt natürlich auch für alle, die bereits jüngere Starter haben.

  15. Das NO, wo klar ist dass es für Brees zum TV geht keinen QB zieht um ihn nicht zu verärgern glaube ich nicht. Colts brauchen auch einen.
    GB hat Rodgers trotz Favre, auch wenn es da dauernd Gerüchte um einen Rücktritt gab geholt. Bei Big Ben klang es öfters schonmal an.
    Da halte ich einen QB durchaus für möglich, wenn er ohne Up-Trade da ist.
    Und was TB ist definitiv im Win-now Modus auch wegen dem Coach.
    Sicher streichen können wir nur die Bengals, da die Burrow nehmen und die Chiefs, da Mahomes zu gut und zu jung ist. Ziemlich sicher auch Seattle und Dallas. Bei Houston halte ich alles für möglich, wobei Watson eigentlich zu gut ist, aber bei BoB weiß man es nie.
    Wenn er fällt dann ist prinzipiell der Großteil der Liga möglich. Das man zwei 1st nacheinander für einen QB ausgibt hatten wir ja erst.
    Und die Chiefs haben trotz Alex Smith, der zumindest Durchschnitt ist/war (oder?) für Mahomes getradet.
    Was damals wohl ziemlich überraschend war, sowas kann wieder passieren.

  16. Wenn wir von 1st Round QB sprechen (also wirklich mit der vollen Absicht, den Starter innerhalb von max. 1-2 Jahren abzulösen), dann würde ich aber Green Bay rausnehmen. Rodgers‘ Vertrag bindet ihn sicher 2, wahrscheinlich 3 Jahre ans Team ohne echte Chance auf Release. Die Situation halte ich noch nicht für vergleichbar mit 2005, als Favre schon jahrein, jahraus mit Rücktritt kokettierte und ihnen dann zudem noch Rodgers quasi in den Schoß gefallen ist.

    Dann fallen auch viele andere Teams wie Atlanta (Matt Ryan ist gut und hat noch ein paar Jährchen), Rams/Eagles (QBs nicht überragend, aber Vertragssituation mit Blick auf 1st Rd QB blockierend), Titans (Tannehill-Vertrag) und etliche raus.

  17. Genau darum (was du im Beitrag grade eben schreibst @korsakoff) geht es mir ja: In der ersten Runde sind das nicht so viele Teams – gerade im Verhältnis zu den letzten Jahren. Was danach passiert ist dann sowieso derartig spekulativ, da kann eh immer alles passieren. In den ca. 10 Jahren seit ich Drafts genauer verfolge gab es – das ist allerdings rein anekdotisch, mag also auch faktisch falsch sein – für mein Dafürhalten noch nie so wenige Teams denen ich einen First Round QB zutraue wie heuer.

    Zumal man eines nicht vergessen sollte: der FA Markt ist ja keineswegs leer. Da sind nicht nur abgehalfterte Veteranen vom Schlage eines Joe Flacco, sondern auch legitime Starter wie Cam Newton oder Jameis Winston zu haben – und niemand hat zugeschlagen. Das alleine gibt schon einen Hinweis darauf, dass der Markt da echt schon gut saturiert ist.

  18. Vernünftige Starter gibt es mit Winston und Cam aber nur zwei.

    Drei 1st Rounder sind ziemlich sicher, was schonmal eine gute Quote ist.

    Dann ist natürlich möglich, dass der vierte QB wie letztes Jahr Drew Lock rausfällt. Aber vielleicht auch nicht. Love kriegt genug Hype ab.

  19. Also ich hab mir jetzt die Zahlen für die letzten 10 Jahre mal schnell rausgesucht, das schaut in Bezug auf 1st Round QBs folgendermaßen aus:

    2019: 3
    2018: 5
    2017: 3
    2016: 3
    2015: 2
    2014: 3
    2013: 1
    2012: 4
    2011: 4
    2010: 2

    Bis auf den Ausreißer 2018 ist das für mich überraschend uniform. Ich würd mich gar zu der Aussage hinreißen lassen, dass 3 QBs (plus minus 1) gepickt werden, ziemlich unabhängig davon, was es an QBs wirklich gibt – denn die individuelle Qualität in diesen Jahren war schon sehr unterschiedlich.

    Die Hit-Rate in diesen Jahren (hab ich mir nur grade so nebenbei jetzt noch angeschaut) liegt übrigens bei satten 30 %, bewertet wie folgt:

    Hit (9): Bradford (Da kann sicher drüber diskutieren und ihn genauso gut zu „Bust“ packen; aber er hat immerhin noch einige satte Verträge und Trade-Value gehabt, deshalb hier, auch wenn er für die Rams sicher kein Slam Dunk war), Newton, Luck, Goff, Wentz, Mahomes, Watson, Mayfield (könnte man genauso gut in die „TBD“ Kategorie packen), Jackson
    Bust (16): Tebow, Locker, Gabbert, Ponder, Griffin III, Tannehill, Weeden, Manuel, Bortles, Bridgewater (für ihn gilt Ähnliches wie für Bradford, aber mir kommt vor er gilt in NFL-Zirkeln eher als Bust), Manziel, Winston (steht deshalb in dieser Kategorie, weil er es als 1st Pick nichtmal zum zweiten Vertrag geschafft hat und jetzt in der FA auch noch ohne Arbeitgeber dasteht), Mariota, Lynch, Trubisky, Rosen
    TBD (5): Allen, Darnold, Murray, Jones, Haskins

    Das ist dann alles zusammen doch ziemlich unterirdisch, weil man bei 1st Roundern üblicherweise doch wenigstens von 50 % Hitrate ausgeht.

  20. Winston hat nach WAR die Erwartung an einen 1st Overall QB aber übertroffen.

    Das Problem ist, dass die Erwartungen an einen 1st Rounder, sei es QB oder andere Positionen, viel zu hoch angesetzt sind. Die Leute überschätzen massiv wie gut sie Spieler projecten können.

    Es versagen also nicht nur die Spieler, sondern auch die Projections.

  21. Absolut, das ist für mich auch die primäre Aussage aus der kleinen Aufstellung von mir vorhin. Die niedrige Hit-Rate liegt glaube ich oft nichtmal primär an den Spielern selber, sondern viel häufiger an den Erwartungen welche an sie gestellt werden.

    Winston ist ein gutes Beispiel: Im Prinzip hat sich seine Projection vom College ja ganz gut erfüllt. Viele Big Plays, viel Swagger, viele negative Big Plays. Mit dem Wissen über ihn wurde er gedraftet und das hat er auch in der NFL dann gezeigt. Und trotzdem kriegt er nichtmal einen zweiten Vertrag und ein QB-needy Team wird wahrscheinlich eher in der ersten Runde Justin Herbert draften, als Jameis noch ne Chance zu geben, obwohl rein von dem was man in der NFL an Daten hat Jameis die sicherere Bank ist.

  22. Pingback: Die Risikoquarterbacks 2020: Justin Herbert und Jordan Love | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  23. Der Doc sieht Tua nicht als besonderes Verletzungsrisiko:

    Hier der ausführliche Thread zur Verletzungsanfälligkeit:

  24. Pingback: NFL Draft 2020 für Gelegenheitszuschauer | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  25. Pingback: Tua und Komparsen: Der Dolphins-Draft 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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