Rückblick auf den zweiten Tag im NFL-Draft 2020

Tag 2 im NFL-Draft von 2020 ist geschlagen. Ein quicker Rückblick.

Wie erwartet gingen die Meinungen zu den in den Runden 2 und 3 getätigten Picks recht stark auseinander. Das Big-Board von PFF z.B. sah haufenweise potenzielle 1st Rounder erst in Runde 3 vom Board gehen – Beispiele EDGE Julian Okwara (#67 nach Detroit), OT Josh Jones (#72 nach Arizona) oder DT Jordan Elliott (#88 nach Cleveland) – wohingegen erst an #191 aufscheinende Leute wie TE Josiah Deguara in Runde 3 (Packers) oder nicht einmal auf dem Big-Board aufscheinende Leute wie RB A.J. Dillon (an #62, ebenso Packers) ganz woanders als erwartet gedraftet wurden.

Es ging nur 1 Quarterback in den beiden Runden: Jalen Hurts nach Philadelphia.

Dafür wurden 9 Runningbacks, 10 Wide Receiver, 13 Passrusher (!!), 10 Safetys, 5 Cornerbacks und 7 Defensive Tackles gezogen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Edge-Rusher Klasse, überall als desaströs in der Tiefe gegeißelt, sieht 13 Stück (wenn man Uche und Baun dazuzählt) in den mittleren Runden gehen.

Positionen

Die 5 Cornerbacks scheinen mir dagegen eher wenig zu sein dafür wie stark die Klasse gelobt wurde.

Meine persönlichen Favoriten

Ich habe gerade nicht viel Zeit und daher gehe ich vorerst nur auf ein paar Picks ein, die ich besonders gut finde:

WR Michael Pittman an #34 zu den Colts: Die Colts hatten keinen 1st Rounder, brauchten aber Receiver. Prinzipiell sind diese großen Receiver ja nicht mehr so in Mode. Aber QB Rivers liebt diese großen WR-Hünen, und weil bei den Colts jeder Platz hinter WR1 Hilton offen ist, dürfte Pittman schnell auch zum Einsatz kommen.

RB D’Andre Swift an #35 zu den Lions. Just kiddin‘. Den Pick hatte ich natürlich nicht gemeint mit „Lions haben erstmal einen Freibrief“… was für ein Bullshit. Und weiter mit den realen Picks.


WR Laviska Shenault an #42 zu den Jaguars. Ich hatte eigentlich erwartet, dass Shenault zu den Patriots geht. Doch fünf Picks später schlagen die Jags zu. Shenault klingt wie eine sehr coole Kurzpass-Waffe für den Air-Raid QB Gardner Minshew, mit dem Jacksonville nun offenbar fix in die Saison gehen will.

Shenault ist ein exzellenter After-the-Catch Ballträger. Ich hoffe, dass John DeFilippo Jay Gruden (H/T Fabian Sommer) und Co. wissen wie man ihn einsetzt. Der Jaguars-WR Corps mit Chark, Westbrook und Shenault klingt jetzt im ersten Anzug ziemlich sexy.


Grant Delpit an #44 zu den Cleveland Browns… oder Cleveland Tigers? Unglaublich, wieviele renommierte ex-LSU Spieler sich jetzt in Cleveland tummeln – Beckham, Landy, Williams, jetzt auch noch Delpit (und später hat man noch LSU-LB Phillips gezogen). Delpit ist auch deshalb interessant, weil er wie der letztes Jahr gedraftete CB Greedy Williams als superber Athlet mit fragwürdigen Tackling-Skills gilt. Williams hatte ein mäßiges Jahr zum Einstand. Bei Delpit wird sein Tackling als Safety stärker ins Gewicht fallen, wenn er es nicht hinkriegt.

Aber der Pick ist „Value“. Mit gefällt der Fit auch noch eine Spur besser als Safety-Kollege Xavier McKinney auf #36 zu den Giants.

Die Browns haben in Runde 3 mit DT Jordan Elliott noch nachgelegt. Elliott, ein exzellenter Pass-Rusher von Missouri, war auf dem Big-Board von PFF ein 1st Rounder. Er gilt nicht als kompletter Spieler und soll in Run-Defense eine Sollbruchstelle sein – aber neben einem Sheldon Richardson oder Larry Ogunjobi als 1-tech kannst du Elliott situativ als 3-tech bringen und guten interior-Rush kreieren… auf dem Blatt zumindest.


K.J. Hamler an #46 zu den Broncos. Hamler ist ja durchaus nicht unumstritten als Prospect, und wenn er Probleme hat sich gegen Press-Coverage durchzusetzen, könnte sein Value langfristig leiden. Aber die Broncos stellen mit dem Pick erstmal quasi sicher, dass das mit Press vorerst kein Problem sein wird – sie draften ihn in eine Mannschaft mit einem aufreizend klingenden jungen Receiver-Corps:

  • WR Courtland Sutton (geht ins 3te Jahr, ist ein Star)
  • WR Jerry Jeudy (#1 WR auf vielen Boards, in der 1ten Runde gedraftet)
  • TE Noah Fant (1st Rounder 2019)

Hamler wird erstmal kein Press spielen und kann gemeinsam mit Jeudy im Slot wuseln und mit Crossing-Routen und Slants die Defense aufmischen. Das klingt alles wie ein Traumszenario für den jungen QB Drew Lock. Wenn Lock es jetzt nicht hinkriegt, wird die Leine in Denver schnell kurz…


WR Jaylon Johnson an #50 zu den Bears. Die Bears hatten keinen 1st Rounder und haben den „anderen“ ihrer 2nd Rounder für einen drölfzigsten Tight End im Kader (Cole Kmet) verwendet, doch Johnson klingt wie eine tolle Ergänzung für die Zone-Defense in Chicago. Johnson könnte schnell Einsatzzeit bekommen, denn die CB2 und CB3 Optionen lauten aktuell Artie Burns und Buster Skrine.


EDGE/LB John Uche an #60 nach New England. Bei Uche bin ich gespalten. Seine Effizienz ist herausragend, aber über sein Einsatzgebiet gibt es viele verschiedene Meinungen. Mit solchen Voraussetzungen ist die Location New England der beste Ort eine NFL-Karriere zu beginnen.


OT Josh Jones an #72 nach Arizona. Jones war bei PFF ein 1st Rounder. Das muss nix heißen, denn sein Credo gründete dort vor allem auf starken Pass-Block Grades in einer schwachen College-Conference und weniger auf detailliertem Traits-Scouting für die NFL-Ambitionen.


CB Kristian Fulton an #61 nach Tennessee. Fulton, lange Zeit und auf vielen Boards bis zuletzt als fixer 1st Rounder gefeiert, fiel bis zum Ende der 2ten Runde durch. Die Titans mit ihrer gut klingenden, aber in Praxis oft suspekten Secondary um Adoree Jackson, Malcolm Butler und Amani Hooker (Rookie 2019) kriegen einen möglicherweise schnell brauchbaren, weil bereits recht erfahrenen Ergänzungsspieler.

Blick auf einzelne Teams

Die Raiders waren scharf auf Receiver! Schon in Runde 1 mit Henry Ruggs den geschwindigsten Receiver im Draft geholt, in Runde 3 mit Lynn Bowden (#80) und Bryan Edwards (#81) nachgelegt! Alle drei Receiver-Typen sind völlig unterschiedlich:

  • Ruggs ist der Speedster, der aber nicht nur deep threat kann, sondern auf vielen Routen angespielt wird. Er sollte ganz gut in die Gruden-Offense passen.
  • Bowden ist so eine Art Slot-Wusler, der noch zu formen ist.
  • Edwards ist mehr der WR1 X-Typ. Sein Prospect war im Vorfeld extrem umstritten, aber in einem Kader mit nunmehr 5-6 Receiving-Optionen muss Edwards auf keinen Fall von Tag 1 an ein fettes Playbook spielen.

Dazu ein Safety in Tanner Muse zum Abschluss von Runde 3, das ist alles sehr gut im Value von den Raiders: 5 Picks, 3x WR, 1x CB (wenn auch ein fragwürdiger), 1x S.


Bei den Packers… nicht so euphorisch: Die oben angesprochenen RB Dillon an #62 und TE Deguara an #94 waren die einzigen beiden 2nd-Day Picks der Packers. Damit haben die Packers, die eigentlich Waffen für Aaron Rodgers hätten draften sollen, in einem Wide-Receiver lastigen Jahrgang nicht einen einzigen Receiver in den ersten drei Runden gezogen!

Dillon war auf wenigen Big-Boards, wenn er auch als echtes Arbeitstier am College nachgewiesen hat, eine Workload tragen zu können. Das sollte in der NFL 2020 nicht so erstrebenswert sein um in Runde 2 gezogen zu werden.

Zu Deguara habe ich keine Meinung. Aber ein 6th-round TE in Runde 3 wenn es eigentlich Receiver braucht? Klingt nicht danach als ob Packers-Fans einen Tag nach der umstrittenen Einberufung von QB Jordan Love mit großer Freude in den Mai gehen.


Patriots mit fünf Picks in Runden 2 und 3:

  • S Kyle Dugger an #37: Small-School Prospect, der viel Hype bekommen hat. Belichick hat eine eher unglückliche Mid-Round Historie bei Defensive Backs.
  • EDGE Uche und Afernee Jennings an #60 und #87: Zwei vielseitig einsetzbare Front-Seven Spieler. Uche ist mehr der Edge-Rusher/Blitzer, Jennings kann das weniger, ist aber solider gegen den Lauf. Das klingt sehr Belichick-isch.
  • Dann zwei Tight Ends zum Ausklang: Devin Asiasi an #91 und Dalton Keene an #101. Über die Spieler muss ich mich erst informieren, ich bin aber überrascht, dass Belichick keinen Receiver gezogen hat.

Und: Kein QB für Belichick.


Baltimore in den mittleren Runden mit:

  • RB J.K. Dobbins an #55. Ravens ziehen einen weiteren Runningback für ihre Freak-Offense. Dobbins ist insofern überraschend, weil er am College als reiner Zone-Runner in Erscheinung getreten ist, die Ravens aber viel Power-Running betreiben.
  • DI Justin Madubuike: Body für die DL-Rotation, das klingt sehr nach Ravens.
  • WR Devin Duvernay: Slot-Receiver, der durchaus umstritten war. Er ist der bislang einzige von den Ravens investierte Pick auf Receiver. Mit Hollywood Brown als Field-Stretcher, dem letztes Jahr gedrafteten WR1-Typus Myles Boykin und jetzt dem Slot-Typen Duvernay hat man aber immerhin einen blutjungen Receiver-Corps mit unterschiedlichem Skill-Set.
  • LB Malik Harrison an #98: Noch ein Linebacker nach Patrick Queen in Runde 1. Die Ravens bauen an ihrer „positionslosen“ Defense, denn auch Harrison gilt als vielseitig einsetzbar.
  • OG Tyre Phillips an #106: Ich kenne den Spieler nicht. Bei PFF war er die #136 auf dem Big-Board. Baltimore hat OG Yanda durch Rücktritt verloren und mit Bozeman/Powers ein völlig unbekanntes Guard-Duo in der gedachten Starterformation, daher nicht auszuschließen, dass Phillips mit einem starken Camp schnell spielt.

Also eine nicht unspannende Gruppe. Unabhängig wie begeistert oder antibegeistert ich mit so einem Pick schon Mitte der 2ten Runde bin, ist vor allem der Run-Fit interessant und könnte eventuell darauf hindeuten, dass Baltimore sein Portfolio an Run-Plays erweitern möchte… wobei: Du willst dem Gegner ja auch nicht qua Spieler im Backfield schon ansagen was als nächstes kommen wird, insofern: Abwarten und Tee trinken.


Detroit? In Runde 1 war ich happy, weil sie es nicht vergeigt haben.

Jetzt Swift an #35 zu draften ist eher meh. Swift war für die allermeisten Draftniks der #1 Runningback der Klasse. Nachdem der vor zwei Jahren gedraftete Kerryon Johnson immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hat, kann ich irgendwo verstehen, dass sie Johnson ersetzen wollen, aber die schiere Masse an Mid-Round Runningbacks in Detroit geht mir langsam auf den Zeiger.

[Sie können an dieser Stelle selbst weiterdenken. Ich gehe weiter zum nächsten Pick um nicht justiziabel zu werden]

EDGE Okwara ist spannend. Ein Edge-Rusher so eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot, aber ein Passrusher vor dem Herrn. Das passt eigentlich gar nicht zu dem Typ Front-Seven Spieler, den Matt Patricia so liebt: Vielseitig, Edge-Setter, Space-Eater. Aber Okwara ist mehr 3-4 OLB als 4-3 DE und das wiederum passt wunderprächtig zu der Defense, die rein zufällig auch noch jede Art von Passrush brauchen kann.

OG Jonah Jackson in Runde 3 klingt wie ein weiterer dieser Guard-Bodys in einer Lions-Line, die seit gefühlten Jahrzehnten daran scheitert, einmal eine stabile Interior-Line zu basteln. Wie viele iOL hat man in Detroit schon teuer gekauft und gedraftet? Ich kann sie nicht mehr an zwei Händen abzählen. Vielleicht ist PFF-Liebling Jackson es wert, aber wie Dobbins kommt er von Ohio State und ist wahrscheinlich noch etwas unerfahren was Power-Blocking Schemes angeht.


Die Lions haben an Pick #90 offensichtlich auch noch einen weiteren Spieler ziehen wollen, aber ein bereits mündlich eingefädelter Trade mit einem anderen ex-Patriot Bill O’Brien fiel flach – was O’Brien nicht so witzig fand:

Er musste dann EDGE Jon Greenard draften. Für die Texans blieb gestern der beste Move, dass man LT Laremy Tunsil mit einem alle Rekorde sprengenden 3 Jahr, 22 Mio/Jahr teuren Vertrag für fast 58 Mio. guaranteed Money gehalten hat: Der Vertrag ist ca. vier Millionen (!) pro Jahr (!!!) teurer als der bisherige Rekord für Offense Tackles. Er wurde von Tunsil ohne Agent verhandelt.

Tunsil ist ein besserer Spieleragent als BOB ein GM.

Und dennoch fühlt sich der Move für BOB wie ein Gewinn an: Immerhin kein Verkauf für einen 5th Rounder für jenen Mann, den er im September noch für zwei 1st Rounder plus x geholt hatte.

Cardinals: In Runde 1 mit Simmons den Value genommen. Den Offense Tackle hat man mit dem einzigen Pick an Tag 2 gezogen – eben Jones, wie schon oben erwähnt. Das klingt wie cooler Value für Arizona, die ja schon in den Top-10 überlegt haben sollen, Tackle zu draften. Die Offensive Line nimmt Gestalt an.


Colts: Pittman an #36 habe ich schon oben gelobt, S Julian Blackmon in Runde 3 klingt wie Absicherung für den Fall, dass man Malik Hooker (1st Rounder 2017) noch verkauft, aber mitten drin mit RB Jonathan Taylor an #41 ein verrückter Pick, der so gar nicht dazu passt was GM Chris Ballard macht.

Ballard ist eigentlich ein Top-GM. Aber heuer einen 1st Rounder plus 20 Mio/Jahr Vertrag für einen Defensive Tackle getradet und jetzt Runningback in Runde 2: Ein Strafpunkt. Beim nächsten geht es in die Strafbank.


Bengals: An #33 hat man Tee Higgins gezogen. Nicht Josh Jones und damit Offense Tackle wie erwartet. Higgins ist ein weiterer Receiver für einen eigentlich schon gut klingenden WR-Corps in Cincinnati:

  • WR1 A.J. Green
  • WR2 Tyler Boyd
  • WR3 John Ross

Mir gefällt der Pick dennoch nicht so schlecht. Green spielt unter Franchise-Tag und könnte nächstes Jahr weg sein. Ross ist ein Speedster und quasi der Henry-Ruggs Vorläufer (#9 Overall Pick 2017), hat aber nie eingeschlagen und spielt 2020 sein Jahr der letzten Chance. Higgins ist sicher kein Ross-Ersatz – dafür ist er als Spielertyp natürlich zu verschieden, aber Higgins hat den Körper um zumindest wie Green langfristig eine Rolle als WR1 X zu übernehmen.

Das Gute: Er muss es noch nicht 2020. Das noch bessere: Sollte sich Higgins schnell als X-fähig erweisen, können die Bengals Green zur Trade Deadline verkaufen und einen Mid-Rounder für 2021 mitnehmen. Wenn nicht, dann kann er langsam und ohne Stress eingebaut werden.

Letztlich haben die Bengals aber in der Offense Line nix gemacht. Das überrascht; OT Josh Jones wäre an #65 noch da gewesen, doch man ließ ihn auch dann unberührt und zog LB Logan Wilson.


Die Rams, Baby: RB Cam Akers mit dem #52 Pick. Es war ihr erster Pick. Dann ein Receiver in Van „Ich bin nicht Justin“ Jefferson auf #57. Dann EDGE Terrell Lewis und S Terrell Burgess in Runde 3. Ein paar Moves klingen in der Theorie gut, aber dass Sean McVay bei der Offense, die er spielen will und bei allen Problemen, die man in der interior Line hat, weiterhin die Position konsequent ignoriert und Runningbacks (!!) draftet, bleibt einfach erstaunlich.


Dolphins nach der spektakulären 1ten Runde mit nur einer „Value-Position“ (S Brandon Jones an #70) und zweimal Trenches: OG Robert Hunt an #39 und DT Raekwon Davis an #56. Offense Line ist in Miami natürlich immer willkommen und Davis kommt in die Rotation mit einer Offense Line, in der letztes Jahr DT Christian Wilkins als 1st Rounder gezogen wurde.


Vikings bleiben auch aufregend: CB Dantzler in Runde 3 als ein weiterer Deckungsspieler für eine ausgeblutete Secondary. Dazu einige Trades, womit man heute noch sagenhafte 13 Picks hat:

  • 3x Runde 4
  • 3x Runde 5
  • 3x Runde 6
  • 4x Runde 7

So viele Spieler kannst du eigentlich gar nicht in einem Jahr in einem Kader unterbringen, weswegen man von Minnesota heute weiter Aktivität auf dem Tauschmarkt erwarten kann: Entweder Trades nach oben um höhere Picks zu bekommen, oder Trades ins nächste Jahr um dann dort höheren Value zu bekommen (z.B 7th für 6th 2021 umwandeln) oder aber Late-Rounder für erprobte Veterans ausgeben!


Die Jets könnte man noch ansprechen: WR Denzel Mims in Runde 2, dann FS Ashtyn Davis und EDGE Jabari Zuniga in Runde 3. Dass man nicht mehr auf Receiver gemacht hat, bleibt erstaunlich. Der ganze Jets-Draft ist irgendwo meh: Alles Value-Positionen, aber die Prospects selbst sind bis auf Davis mehr Potenzial als Production. Alles Dinger, die man schleifen muss.

Mims als WR1 vom ersten Tag an in dieser Offense macht mir Angst. Er hätte gefühlt besser in eine Offense mit bereits erprobten Receivern gepasst. Kann er ähnlich wie der letztjährige Senior-Bowl Star Terry McLaurin trotzdem sofort Impact zeigen oder bleibt die Jets-Offense unansehnliche Scheiße?

Trades

Ich habe mich mit den Trades noch nicht intensiv auseinandergesetzt. Hier mal eine schnelle Aufstellung was die Teams seit gestern vor Beginn der ersten Runde bis Stand jetzt an Value dazugewonnen bzw. verloren haben.

Die Tabelle liest sich so: OTC, AV und JJ sind die drei verschiedenen Value-Charts. In der letzten Spalte habe ich das Äquivalent eines OTC-Picks reingepackt. Die Vikings haben 1456 Punkte nach OTC Chart dazugewonnen. Das entspricht dem #21 Overall Pick.

Die nicht aufgeführten Teams haben keine Trades gemacht.

DraftValue+-2020

Offenbar haben Teams in diesem Draft wider Erwarten weniger Trades gemacht als gewohnt. Das könnte ein Zeichen von Intelligenz sein – je weniger Trades, desto weniger GM, die sich von anderen ausziehen lassen. Wir wissen schließlich: Trade-Downs sind das versteckte Wundermittel in der Draft-Saga, aber wenn du keinen Dummen findest um ihn über den Tisch zu ziehen, dann ist dieses Wundermittel wirkungslos.

Die Zeit wird es zeigen. Vielleicht komme ich heute nochmal auf den einen oder anderen Aspekt zurück. Vielleicht auch nicht. Ich muss jetzt erstmal wallfahrten gehen.

12 Kommentare zu “Rückblick auf den zweiten Tag im NFL-Draft 2020

  1. Gemessen am Big Board von PFF sind noch einige Spieler mit hohem Value zu haben:

    #26 EDGE Curtis Weaver
    #37 iOL Netane Muti
    #48 WR Tyler Johnson
    #49 CB Bryce Hall
    #53 S Geno Stone
    #56 OL Ben Bartch
    #59 LB Troy Dye
    #60 S K’von Wallace
    #61 CB Troy Pride
    #67 LB Austin Davis-Gaither
    #69 QB Jake Fromm
    #70 WR Jauan Jennings
    #73 WR KJ Hill
    #75 CB Amik Robertson
    #78 OT Jack Driscoll
    #79 TE Hunter Bryant
    #82 QB Anthony Gordon
    #83 EDGE Kenny Willekes
    #86 CB Darnay Holmes
    #87 iOL Tyler Biadasz
    #90 S Kenny Robinson

  2. Zum Lions Draft.

    BQ wollte unbedingt einen 2. RB um Kerryon zu entlasten und dachte schon daran in Runde 1 zurückzugehen um Swift sicher zu bekommen. Jetzt wird Kerryon entlastet und hoffentlich weniger verletzt.

    Jonah Jackson ist wichtig für die OL Depth.

    Okwara wichtig für den Pass Rush und jetzt vereint mit seinem Bruder, das tut der Entwicklung der beiden hoffentlich gut. Mit Okudah und Okwara hat man zwei Top Defense Prospects abgesahnt, das ist ein guter Haul wie ich finde 🙂

    Bester Draft von BQ seit langem.

  3. Denke das die wenigen Trades mit dennoch durchgeführten prodays & team Meetings Zusammenhängen. Wenn ich die Leute nicht mit eigenen Augen sehe, bin ich nicht so überzeugt davon den Spieler richtig einzuschätzen und traue mich weniger bold moves zu machen.

    Bei den Seahawks frage ich mich manchmal, ob die nicht ihre day one & two picks anderweitig verwerten sollten, die würden an Tag drei immer nich 80% ihrer picks bekommen.

    Das pff big board ist ganz nett; aber ich bin dann doch dieses Jahr eher am positional Value interessiert. Ehrlicherweise hat pff jetzt auch nicht unbedingt eine überragende Hit rate was den einzelnen Prospect angeht. Wenn team x eben einen anderen Receiver favorisiert, will ich das erstmal nicht ankreiden; nur wenn es eben dann ein rb ist.

    Denver finde ich ganz spannend, weil die zweimal Receiver gehen und was Dallas in den Schoß fällt ist natürlich ein Witz. Auch Dave Gettleman mit einem überraschend soliden draft. Klar ot aber immerhin auch einen Safety gezogen und keine rb.

    Ich frage mich, ob es sich die Teams leisten können in diesem Jahr auf Receiver zu verzichten. Bzw. ob Teams nicht die spezifischen Stärken einer Draftklasse stärker berücksichtigen sollten. Man kennt das ja aus der Schule: in jeder Klasse sind die Noten annähernd gleich verteilt obwohl das statistisch Quark ist.

    Und: nach Gewichtung Offense/Defense sollten die Teams wohl mehr offense player in den oberen Runden draften.

  4. Kein vehementer Widerspruch zum PFF-Board. Interessanter sind dort auch die Positionen die noch da sind, denn sie gewichten den Positionswert wesentlich höher als die normalen Big Boards.

  5. Bin grundsätzlich ganz zufrieden mit dem Draft von Bill Belichick, 3 variable Verteidiger (S Dugger, ED Uche und Jennings) um die ganzen Abgänge (Van Noy, Collins, Harmon) abzufangen. Dazu zwei TEs, die eine non-existente TE-Gruppe verbessern sollten. Bin etwas verwundert, dass man für diese TEs ganze zwei Mal hoch getraded hat – vllt hätte man die Spieler auch mit den späteren Picks noch bekommen… Naja, im Nachhinein ist man immer schlauer. Empfinde die Nicht-Einberufung eines QBs als sehr positiv, man kann auch noch in Runde 5 oder 6 ein Developmental QB Prospect draften.
    Re: Vikings mit weiteren 13 Picks in den letzten drei Runden: absolut krass, wieviele Picks die angehäuft haben. 😀 und auch trotzdem sinnvolle Leute gedrafted, um die DB Abgänge abzufangen.
    Dass Clemson S Tanner Muse in Runde 3 gedrafted wurde, hat mich auch dezent geschockt. Klar ist er ein high-character guy und hat bei einem guten Team gespielt, aber ich sehe in dem maximal einen Special Teams Spieler, da muss man sich nur kurz das Highlight von Justin Jefferson anschauen und bekommt einen Lachkrampf 😀

    Ese momento en el que Justin Jefferson asesinó a Tanner Muse… 🤫#GeauxTigers pic.twitter.com/1GlJhysJn9— Néstor Con Tilde (@NestorConTilde) April 15, 2020

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  6. @alexanderbrink: Nein, zum Rest nur Zustimmung 🙂

    Ich habe die übrigen PFF Leute in den Top 90 v.a. deshalb angeführt um zu zeigen wie viele bessere WR und DB noch am Board sind.

  7. Wie steht es eigentlich um die Möglichkeit, dass Aaron Rodgers das Team wechselt? Der Vertrag ist brutal teuer, aber es gibt bestimmt ein Team, das den Capspace hat und einen Top-QB brauchen kann.
    Und ich bin sicher, Aaron wäre nicht völlig abgeneigt, sofern er dadurch zu fitten WRs kommt.

    @Patrick: Hast Du eigentlich die 100$ bekommen, die Dir „Tfue“ bei Twitter für einen Chiefs-Superbowl-sieg versprochen hat?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.