Denver Broncos Draft 2020 ist das Traumszenario für Drew Lock

Für die Denver Broncos stand der NFL-Draft 2020 ganz im Zeichen ihres jungen Quarterbacks Drew Lock.

Gestern habe ich dem Draft die Bewertung „A“ gegeben und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es der beste Draft des Jahres war – zum Sternchen kommen wir dann weiter unten:

Denver hatte vielleicht den besten Draft von allen, weil es die Passing-Offense und damit ihrem jungen QB Drew Lock alle notwendigen Waffen gegeben hat die man geben konnte: WR Jeudy am #15 Pick war ein unerhoffter Segen, doch GM Elway ließ nicht von Receiver ab und legte Irrwisch Hamler in Runde 2 und TE Albert O in Runde 4 nach – Denvers Offense ist nun so besetzt, dass man Lock ohne Umschweife bewerten kann, und die Broncos haben nun Playoff-Potenzial. In Runde 6 bekam man mit OG Muti einen 2nd-Round Value nach PFF-Board – ein Spieler mit Verletzungsproblemen, aber sowas draftest du mit diesen späten Picks gern.

Die Broncos befinden sich in einer klar definierten Lage: Letztes Jahr waren sie mit 7-9 Bilanz nicht Fisch, nicht Fleisch, doch man konnte sich die Saison immerhin schönreden, weil der junge QB Drew Lock nach der hässlichen ersten Saisonhälfte mit Joe Flacco auf QB einen okayen Einstand hatte.

Lock spielte nicht viel, aber in den wenigen Einsätzen machte er schnell Sprünge, zeigte sogar ein paar Anflüge von Antizipation in seinem Spiel und war bei aller Aggressivität nicht völlig rücksichtslos mit dem Ball. Hier ein schöner Thread dazu:

Lock war aber vor einem Jahr ein QB-Prospect mit massiven Flauseln, der nicht ohne Grund bis in die 2te Runde fiel und bei dem man durchaus Argumente aufbringen konnte, besser die Hände von ihm zu lassen.

Die Broncos wechselten nach der Saison den OffCoord (Pat Shurmur ersetzt Rich Scangarello) und machten im jetzigen Draft genau das, was man tun muss um solche jungen Quarterbacks so schnell wie möglich in die NFL hineinzuführen und sie zu bewerten: Sie gaben ihm Waffen. Und zwar nicht nur eine.

Wirklich jeder hatte vor dem Draft auf #15 einen Receiver in die Hände der Broncos fallen sehen, und so wie der Draft lief, war es eine Traumkonstellation für Denver, als an #15 nicht nur einer, sondern gleich beide der weithin als Top-Receiver bezeichneten Jerry Jeudy und CD Lamb auf dem Präsentierteller lagen.

Denver zog Jeudy, den etwas besseren, weil reiferen Route-Runner und damit die wahrscheinlich schneller einsetzbare Waffe. Jeudy ist ein kleiner Irrwisch mit gutem Antritt und grandioser Beweglichkeit nach dem Catch. Es gab vor dem Draft ein paar Fragezeichen ob er als WR1 wirklich taugt oder besser in einer komplementären Rolle eingesetzt wird – in Denver haben wir nun ein perfektes Szenario: Jeudy und WR Courtland Sutton in derselben Aufstellung!

Damit kann Jeudy auf dem Papier das machen, wo ihn auch Nick Saban am besten sieht: Viel innen im Slot spielen:

Doch die Broncos beließen es nicht bei Jeudy, sondern legten in Runde 2 noch Penn States noch kleineren, wuseligeren K.J. Hamler nach – einen brutal explosiven Spieler, dessen Profiaussichten mit seinem Körperbau aber letztlich doch recht stark dran hängen, wie man ihn in der NFL einsetzt.

Die meisten Gedanken vor dem Draft gingen in die Richtung: Hamler ist am besten, wenn man ihn nicht direkt an die Anspiellinie setzt, sondern per Motion herumschieben kann und etwas Anlauf und Freiraum zur Line of Scrimmage gibt.

Doch dafür braucht man eine ideale Situation – und Denver hat diese mit den Präsenzen von Sutton, Jeudy und TE Noah Fant! Hamler, der z.B. bei den New York Jets eine deutlich unsicherere Option gewesen wäre, kann in Denver eine echte WR3 Option geben, für einen kreativen Play-Designer ein traumhaftes Szenario!

Also:

Sutton außen
Jeudy meistens innen
Hamler als Slot/Motion Irrwisch
Fant auf Tight End

Klingt nach einem fantastischen und sehr geschwindigen Receiving-Corps, in dem die Last auf verschiedene Schultern abgewälzt werden kann und sich die Individualtalente auf dem Papier gut ergänzen! Weil Denver in der vierten Runde in TE Albert Okwuegbunam (Kurzfassung: „Albert O“) noch Drew Locks College-Teamkollege von Mizzou holte und Albert O in der Combine eine fantastische Sprintzeit unter 4.5 Sekunden hinlegte, hat Denver nun auch in der Tiefe das, was im hiesigen Draft eines der Themen schlechthin war: Speed.

Hört man Analytics zu, so ist genau das der beste Weg um schnelle einen jungen Quarterback wie Lock zu bewerten: Ihm alle Waffen der Welt geben und wenn er es dann nicht bald rafft, weitergehen zum nächsten. Checkt es er, super. Du kannst dir recht sicher sein, einen guten Quarterback für die nächsten Jahre im Kader zu haben. Schafft er es nicht, kannst du bedenkenlos zum nächsten weitergehen und hast für den dann schon eine Infrastruktur bei der Hand.

Ob man in 2020 Wunderdinge erwarten sollte? Weiß nicht. Sutton ist superb und von Fant kann man im zweiten Jahr einen Sprung erwarten, doch Rookies wie Jeudy/Hamler sind nie ganz sichere Tüten. Ihre Wetten stehen wohl besser, weil sie in einem Top-Ambiente gelandet sind, aber für gewöhnlich braucht es einige Eingewöhnungszeit und der ganz große Ertrag kann erst 2021 erwartet werden.

Doch das ändert nichts daran, dass die Strategie eine gute war

…womit wir zum Sternchen kommen, denn es ist nicht ganz klar ob „double-up“ auf Receiver wirklich der Plan der Broncos war, oder nur ein Notfallplan, der zufällig aufging: Es gibt sehr deutliche Hinweise darauf, dass Denver ursprünglich plante, per Trade noch einmal ans Ende der ersten Runde zurückzukommen um sich LB Patrick Queen zu holen. Der ging letztlich nach Baltimore, weil Denver offensichtlich in der Range vor den Ravens (pickten an #28) keinen Trade-Partner mehr fanden.

Wäre der Trade gelungen, Hamler wäre wohl keine Option mehr gewesen. Und so könnte es am Ende auch pures Glück gewesen sein, dass die Broncos überhaupt am zweiten Tag die Chance hatten es so zu machen wie es am Ende passiert ist.

So geht es beim Draften: Du siehst was, und es sieht super aus. Aber ein Teil davon kann auch nur reines Glück sein und der eigentliche Plan kann ganz anders ausgeschaut haben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Denver noch einmal ein A geben würde, wenn wir alle Hintergrundinformationen hätten (und Peter Kings Artikel deutet darauf hin, dass es wesentlich mehr Trade-Angebote gibt als wir jemals an der Oberfläche mitkriegen; Trade-Downs sind also nicht nur theoretisch möglich, sondern die Angebote schwirren nur so durch die NFL).

Doch auch ohne den Trade: Du musst erstmal die Eier haben, zweimal en suite Receiver zu draften. Ich bin ein Fan dieser Strategie. Es erhöht die Chance maximal, dass mindestens einer von ihnen einschlägt, und wenn aus dem oben genannten Quintett am Ende drei Spieler Langzeitstarter von 4 Jahren oder mehr werden, war der Draft ein Erfolg.

Jetzt liegt es an Drew Lock.

4 Kommentare zu “Denver Broncos Draft 2020 ist das Traumszenario für Drew Lock

  1. Haben denn Elway und Shurmur eine Affinität zu Analytics? Wenn ich da in der Vergangenheit rumwühle habe ich eher den Eindruck dass das wohl nicht der Fall war/ist. Klar, wenn man dann die Optionen hat, und reiflich überlegt, pickt man entsprechend, aber ich werde das Gefühl nicht los, das hier der Zufall eine nicht unbeträchtliche Rolle gespielt hat. In dieselbe Richtung habe ich auch bei den Drafts der Giants und der Cowboys gedacht.

  2. Man muss ja nicht nur Analytics denken um erfolgreich zu sein 😉

    Bei Elway deutet wenig auf Analytics-Affinität hin.

    Bei Shurmur bin ich mir nicht sicher. Shurmur kommt aus der Philly-Schule, er hat seine Offenses in Vergangenheit auch immer wieder sehr passlastig designt.

    Man muss halt sagen, dass Jeudy auf #15 ein ziemlicher no brainer war und nachdem der Queen-Trade flachgefallen ist, war Hamler halt sehr attraktiv.

    Gettleman ist das Gegenteil von Analytics. Er denkt nicht „Draft ist Schuss ins Blaue, da hole ich mir mal lieber so viele Chancen wie möglich“. Er hat in 8 Drafts nicht ein einziges Mal einen Trade nach unten eingefädelt! Er denkt „ich kann Prospects besser als ihr bewerten, ich nehmen meine Guys“.
    Hatte 2020 wohl eher zufällig einen Draft, der mit Analytics ganz gut einhergeht, wobei die PFF-Schule bestimmt an #4 auch WR statt OT gefordert hätte.

    Cowboys sind IMHO nur sehr am Rande Analytics. Der Zeke Vertrag und Byron Jones gehen zu lassen dominieren alles. Sie haben in diesem Draft gewartet und gewonnen.

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