Die Detroit Lions hatten den besten Draft aller Zeiten und jeder der was anderes behauptet ist ein Idiot!

Bob Quinn ist der beste GM der NFL!

Der Lions-Draft war mit Sicherheit Top-3, Bob Quinn hat damit sein ganzes Narrativ neu geschrieben. Jeff Okudah war der zweitbeste non QB Prospect im ganzen Draft, Julian Okwara war ein 1st Round Talent, Jonah Jackson ist ein Top-3 Guard in dem Draft und D‘andre Swift war der consensus #1 Runningback auf dem Board.

Es gibt keine Zweifel, dass BQ in diesem Draft mindestens drei 1st Round Values bekommen hat, und Jackson ist mindestens 2nd Round (er hat ihn in der 3ten bekommen). Du musst einfach manchmal ein paar Spots hochgehen um „deinen“ Guy zu bekommen, das war sehr gut von Bob.

Die Lions waren schon 2019 eines der besten Teams in der NFL bevor sich Matt Stafford verletzt hat. Klar, sie waren nur 3-4-1 als Stafford down ging, aber zwei dieser Niederlagen kamen gegen den Superbowl Champ und den NFC Finalisten, und beide Male hatten die Lions sehr viel Pech bzw. wurden von den Refs verarscht! Der richtige Rekord wäre 5-2-1 gewesen! Matty ist auch ein super Typ, der die schwere Erkrankung seiner Frau Kelly mit unglaublicher Klasse gemeistert hat, er wird daraus gestärkt hervorgehen, da habe ich keine Zweifel!!!

Jetzt ist Matty wieder fit, und die Offense wird besser als jemals zuvor. Das Running Game von OffCoord Darrell Bevell bekommt zum Arbeitstier Kerryon Johnson, der leider sehr oft verletzt ist, mit Swift eine zweite großartige Waffe, die auch zwischen 50 und 100 Catches machen wird und damit die Wide Receiver entlasten kann. Der einzige Grund, dass Swift vielleicht nicht die 100 crackt, ist die Präsenz von unserem neuen Late Round WR Quintez Cephus, der von Wisconsin rüberkommt und damit auch schon die Mentalität der Region kennt und zwischen 60 und 80 Catches und 1000 Yards projected.

Falls bei Mattys Schulter noch nicht alles ganz in Ordnung ist, kann Chase Daniel einspringen, der wie ein Starter bezahlt wird und mit seiner Erfahrung besser ist als ein Drittel der NFL Starter. Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich Tape von 2019 zu schauen, als er mit dem #2 Overall QB Mitchell Trubisky einen fraglos sehr talentierten QB erfolgreich ersetzte.

In der Defense bekommen wir mit Okudah, der schon jetzt viel besser ist als Darius Slay, und Trufant zwei neue #1 Corner und die Präsenz von Okwara als neuer Star-Passrusher (Prognose: mindestens 15 Sacks als Rookie) wird auch Trey Flowers entlasten. Das schafft Freiräume für Jamie Collins und Jarrad Davis für viele geile Hits gegen den Run! Kurz: Es gibt keinen Grund mehr, dass die vom Defense-Genie Matt Patricia gecoachte Unit 2020 eine der besten sein wird.

Klar hat auch die Konkurrenz in der NFC North stark aufgerüstet, aber die Lions sind mit diesem Draft-Haul ein klarer Mitfavorit auf einen NFC Playoffspot, vielleicht sogar den #1 Seed.

Noch da?

Dann kommen wir jetzt zum Thema. Es fühlt sich schon saucool an, diese Zeilen zu schreiben, ich wollte einfach mal mein Team mit der Vehemenz eines Hardcore-Fans gegen jede Kritik verteidigen.

Der Psychologe Max Wendkos hat nämlich zu dem Thema einen ganz interessanten Artikel geschrieben (H/T Evan Silva): Warum verteidigen Hardcore-Fans jeden noch so großen Bullshit ihres Teams aufs Blut?

Die Antwort findet sich auf diesen zwei Gebieten der Psychologie:

#1 Selbstkategorisierung: Der Mensch ist ein Herdentier, wir fühlen uns am wohlsten als Mitglieder einer Gruppe. Wir identifizieren uns mit Gruppen, die ähnliche Attribute oder Interessen (für mich z.B. Blogger, Internetexperte, Footballfan, Bergmensch, Musikant usw.) teilen.

#2 Theorie des sozialen Vergleichs: Wir projizieren die positiven Eigenschaften dieser sozialen Gruppen auf uns selbst um unser Selbstwertgefühl zu stärken. Alles, was diese soziale Gruppe angreift, greift auch uns und somit unser Selbstwertgefühl an. Je stärker unsere Bindung mit einer dieser Kategorien ist, umso stärker greift der Selbstverteidigungsmechanismus.

Nach Wendkos tendieren gerade Sportfans zu starker Bindung an ihre Teams. An genau der Stelle kann ich nicht für mich sprechen – ich bin da eher kühl, doch wenn ich an einige andere meiner Tätigkeiten z.B. in der Musikkapelle oder sogar im Job denke, dann gibt es dort definitiv ähnliche Momente, in denen man als Team (Gruppe) coole Projekte mit großem Einsatz macht und an manchen Stellen empfindlich auf jede Kritik reagiert, die Berechtigung der Kritik im ersten Moment elegant verdrängend.

Sportfans sind nach Wendkos jedoch noch einmal eine ganz andere Kategorie. Er schreibt u.a.:

  • […] If someone says something negative about the [team] — true or not — he perceives it as a personal attack and a threat to his own sense of self worth.

  • In order to preserve his sense of self worth, the fan defends the [team] when he believes that others are attacking the team by a) fighting back and/or b) discrediting the attacker. Even if he knows that the other person is right in his criticism of the [team], he’ll defend the team anyway because accepting that the other person is right would require him to accept that the [team] aren’t as great as he believes they are (and, consequently, neither is he since the [team] are a key part of his identity).

Resultat: Kritische Argumentation triggert einen Selbstverteidigungsmechanismus. Wir gegen die anderen. Du kritisierst mein Team: Du kritisierst mich. Also wundere dich nicht, wenn ich zurückschieße.


[Und Spoiler: Nein, es war nicht der beste Draft der Lions. Höchstens der beste in der „Ära“ von Bob Quinn – was in einer Klasse, in der sie auf dem 35sten Pick einen Runningback (sic!) zogen, einiges über den GM aussagt]

15 Kommentare zu “Die Detroit Lions hatten den besten Draft aller Zeiten und jeder der was anderes behauptet ist ein Idiot!

  1. Ich hab die Überschrift gelesen
    erster Gedanke: wtf…?!?
    zweiter Gedanke: er spiegelt das Verhalten eines ‚typischen‘ Fans

    Ich musste arg schmunzeln.
    Auf Footballfans kann ich es nicht beziehen, aber gerade auch hier in NRW gibt es ja genug Fans, die nichts auf ihren Verein kommen lassen und alle Spieler, die das Team verlassen sind entweder zu schlecht oder Söldner oder A***löcher.

  2. @Martin: Wer diesen Blog länger verfolgt weiß, dass die Überschrift mit puren Sarkasmus geschrieben ist.

    Ich bin meistens peinlich berührt, wenn jemand sein Team/Partei, was auch immer ohne jegliche Reflektion verteidigt. Das spricht meiner Meinung nach nicht gerade für Intelligenz.

  3. Das schöne an der NFL ist, dass sie so viel Zufall beinhaltet, dass der Fan am Ende doch Recht haben kann 🙂

  4. Ich gebe dir teilweise Recht. Es gibt viele Fans, die um jeden Preis alls verteidigen, was ihr Team veranstaltet, egal wie bekloppt es auch ist. Aber es gibt auch die andere Art von Fans: Diejenigen, die alles kritisieren, egal was das Team macht. Und beide Sorten sind oft extrem irrational.

  5. @ Napoleon: Deswegen ja auch das was ich geschrieben habe, der erste Gedanke bei der Überschrift war dennoch „?????“…
    Ich fand es sehr amüsant. 🙂

  6. Spitzeneinstieg! Selten so gelacht hier… („Okudah, der schon jetzt viel besser ist als Darius Slay“? Aber klar doch, der wurde schon besser geboren!)
    Wobei ich überhaupt kein Problem damit habe, wenn jemand sagt, die Lions haben drei First-rounder bekommen. Diese subjektiven Beurteilungen rund um Draft und FA finde ich genial. Solange andere nicht beleidigt werden, kann hochspannend sein, wie bewertet wird.

    Wenn doch beleidigt wird…
    … ist es faszinierend, zu sehen, dass Europäer es schaffen, sich mit einem NFL-team so stark zu identifizieren, dass sie ausrasten, wenn man das Team kritisiert.
    Das ist ja für gewöhnlich nicht das Team der eigenen Geburtsstadt. Man hat es sich halt ausgesucht. „Geiles Spiel. Ab heute bin ich Lionsfan!“ Kann man schon machen, aber dann sein Selbstwertgefühl darauf basieren? Diesen Leuten kann man nur Glück wünschen. Auch die längste Dynastie findet ein brutales Ende.

  7. Tja ist wohl die Frage, ob der Effekt bei Europäern nicht noch stärker zu Tage tritt, weil sie sich das Team viel mehr aussuchen als die Amis. Natürlich rein spekulativ

  8. Pingback: Mitchell Trubisky und der Zyklus des Quarterback-Flops | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. Ich glaube nicht, dass es da einen grundsätzlichen Unterschied zwischen Europäern und Amis gibt. Gibt dort wie dort solche und solche. Bei der von korsakoff zitierten Psychologie macht es so weit ich weiß auch keinen Unterschied, ob man sich die Gruppe aktiv („Ich bin ab jetzt Fan von…“) oder passiv (Geburtsort, etc…) aussucht – wenn man mal drinnen ist, dann ist man Teil davon, wurscht wie man dorthin gekommen ist.

  10. Als ich könnte auch wieder ein ganzes Buch zur gelebten Objektivität beim FANtum verfassen, aber die vorherigen Kommentare treffen den Nagel bereits gut auf den Kopf. Ich kann nur hinzufügen, dass ich lange Jahre meiner Kindheit und Jugend Fan des TSV 1860 München war. Als man in der Saison 2004/05 die Chance zum Wiederaufstieg hatte, brauchte man (wenn ich mich recht entsinne) auf Platz 2 stehend in den letzten Spieltagen noch fünf Punkte aus 5 Spielen und spielte u.a. gegen die zwei Tabellen letzten, sowie den auf Platz 13 oder 14 stehenden. Man verlor aber genau gegen diese Teams bzw. schaffte glaube ich noch ein Remis – unterm Strich fehlte ein Punkt und man kam in den Jahren danach nie mehr nahe an Liga 1 ran. Meine damalige Reaktion war, dass ich ohne Eut im Bauch der Überzeugung war, dass man den Aufstieg nicht verdient hatte, wenn man gegen die Schluslichter der zweiten Liga bereits nicht bestehen konnte – wie sollte es dann im Folgejahr in Liga 1 laufen… klar man hätte eine offseason Zeit such zu verbessern und neue Spieler einzukaufen … zudem höhere Werbeeinnahmen, etc. ich weiß – aber unterm Strich will ich sagen – Jungspund der ich war – stand für mich das Team nicht über allem erhaben. Sie hatten den Aufstieg vergeigt und das in meinen Augen zu Recht.

    Ebenso ärgert mich an der Personalie Brady bei den Pats nur eine Sache – das TB12 seine glorreiche Karriere nicht bei dem Verein beendet, wo er zwei Dekaden erfolgreich und ausschließlich verbracht hat.

    Aber auch hier bin ich nostalgisch-sentimental berührt und mit der Unterschrift bei Tampa wird dieser Fakt auch für immer in TB12 Wikipedia Profil stehen bleiben, auch wenn er zum Retirement mit 60 dann evtl. wieder in Foxborough von Mr. Kraft Junior geehrt wird.

    Hier geht es mir weder darum, dass man sich bei der Personalie Brady nicht einigen konnte oder er zu einem anderen Team abwandert, sondern, dass die Geschichte einfach schöner erzählt wäre, wenn die einzigartige Karriere dort ein Ende findet, wo sie begann. Auch wenn TB12 nun wohl das erste Mal die Chance hat in seinem Heimstadion einen SB zu bestreiten.

  11. @philpp:
    Wie brauchen doch aber nicht darüber diskutieren, dass es verschiedene Ausprägungen des Fanatismus gibt. Ich bin sicherlich intensiver gelebter Panthersfan als der Hausherr Lionsanhänger. Und im Schnitt sind die Amerikaner längst nicht solche Die Hards NFL fans, wie beispielsweise die Deutschen Bundesliga Ultras. Daraus dann sie Hypothese: Umso stärkerer Fan ich bin umso höher RSA’s Zugehörigkeitsgefühl umso wahrscheinlicher entsprechendes Abwehrverhalten; umso wichtiger das Fansein für meine Identität ist, umso mehr fühle ich mich potentiell angegriffen.

  12. Wenn ich das Collegeteam der Alma Mater kritisiere durfte ich mehr Reaktion bekommen als beim NFL Team – zumindest im Schnitt.
    So zumindest meine Erfahrungen

  13. @alexanderbrink: Klar, die Unterschiede im Fanatismus gibt es – aber ich denke eher, dass sie von Person zu Person liegen, als im Vergleich von Nationen. Jedenfalls was American Football betrifft. Meine Erfahrung aus dem Auslandssemester im Herzen der USA (mitten in Kansas) ist, dass die Leute dort teils genauso wahnsinnig (eher positiv gemeint) und fanatisch sind, was „ihre“ Teams betrifft. Das waren bei den Leuten die ich kennen lernte primär die Broncos, die Chiefs und die KC Royals (Baseball), aber auch Fußball-Teams aus England, vor allem ManU. Die Diskussionen und das Niveau in diesen Diskussionen waren die gleichen, wie ich sie aus Europa kenne. Mit manchen konnte man gut reden und schön bantern, andere waren komplette Fanatiker, die inhaltlich nichts zu bieten hatten als Troy Aikman und Phil Simms nachzuplappern.

    Und der Fanatismus in Bezug auf die College-Teams war meiner Erfahrung nach primär Party-Fanatismus. Das sind gerade im Herzen der USA die einzigen gesellschaftlich sanktionierten kollektiven Besäufnisse im Freien – etwas wofür du sonst in den meisten der Bible Belt Staaten eingesperrt wirst. Die sportlicher orientierten Fans waren dann meistens ältere Absolventen wie z.B. der Opa einer Studienkollegin bei der ich Thanksgiving verbracht habe. Mit dem hab ich dann Jayhawks-Basketball und Football über die Feiertage geschaut. Die Kinder hat das im Fernsehen abseits des Campuslebens eigentlich nicht interessiert.

    Ist natürlich ein sehr individuelles Bild meiner Erfahrung, das mag anderswo und bei anderen Personen völlig anders aussehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.