Das Paradoxe am Draft der Cincinnati Bengals

Die Cincinnati Bengals haben natürlich QB Joe Burrow an #1 und später WR Tee Higgins gedraftet. Es ist eine Kombination, die an einer Stelle in der Argumentationskette äußerst kurios ist.

Wir hatten es schon im Pre-Draft Prozess diskutiert: Burrows Arm ist nicht der beste und wird ihn auf einigen Würfen wie z.B. Comebacks/Deep-Comeback Routes limitieren. Und just jetzt bringt Josh Hermsmeyer bei Five Thirty Eight die Infos, dass

  1. … Burrow am College bei Würfen an die Seitenlinie in der Range von 7-15 Yards nach CPOE (completion percentage over expected) nur durchschnittlich gut war, und
  2. …die Bengals unter Zac Taylor die fünftmeisten solcher Würfe im Playbook haben

Taylor ist mit diesen Play-Designs kein Einzelfall: Sein Mentor Sean McVay in Los Angeles hat die zweitmeisten und in Matt LaFleur hatte ein weiterer ex-McVay Lehrling die drittmeisten dieser Würfe (auch wenn LaFleur nun offensichtlich eine Shanahan-Kopie anstrebt, und die hatten die wenigsten solcher Würfe).

An der Zahl waren es 104 Stück solcher Pässe 7-15 Yards tief Richtung Seitenlinie. Da stellt sich die Frage ob die Bengals an dieser Stelle ein Adjustment vornehmen müssen um eine der explizitesten Schwächen in Burrows Spiel zu umgehen?

Just an der Stelle ist die Einberufung von Clemsons WR Tee Higgins ziemlich kurios, denn der #33 Overall Pick Higgins ist nicht bloß gebaut wie ein prototypischer Outside-WR, sondern er wurde am College auch noch sehr stark just auf Out-Routes eingesetzt bzw. hielt sich zum Zeitpunkt des Wurfs genau in der gefährlichen Zone auf, wie wir unschwer aus dieser großartigen Heat-Map von Timo Riske (@PFF_Moo) ablesen können (mit freundlicher Genehmigung):

Higgins hat 16% Out-Routes und 32% Go-Routes genau in der für Burrow so gefährlichen Distanz zu beiden Seiten des Spielfelds gelaufen – und dort auch sehr viele Targets geholt.

Grundsätzlich passt Higgins mit seinem Profil als deep receiver (aDOT = 16.6 Yards!) mit einer unerhörten Anzahl an Targets (32% der Clemson-Anspiele gingen auf ihn, trotz der vielen tiefen Routen) natürlich sehr gut zu den Stärken Burrows und auch Taylors. Doch dieser auffällige Mix aus Stärke/Schwäche zwischen Receiver, Playcaller und Quarterback bleibt zu beobachten.

Es ist noch nicht ganz klar, wie solche Routen/Target-Verteilungen sich vom College auf die NFL übertragen. Bekannt ist, dass sie in der NFL für Receiver durchaus recht stabil bleiben.

Wir haben also:

  1. Eine Offense, die offensichtlich sehr viele solcher nach außen designten Routen und damit auch Würfe in der Intermediate-Distanz prominent in Szene zu setzen versucht
  2. Einen Receiver, der genau dort am meisten und erfolgreichsten eingesetzt wurde
  3. Aber einen QB, der genau damit die meisten Schwierigkeiten hatte

Mit dieser Konstellation ist die Bengals-Offense 2020 eine der spannenden: Wird bzw. wie wird Taylor seine Offense 2020 adjusten: Gar nicht, an den Receiver oder an seinen QB?

2 Kommentare zu “Das Paradoxe am Draft der Cincinnati Bengals

  1. Spannend! Wobei ich naives Land-Ei nach wie vor den Glauben in die Menschheit noch nicht verloren habe und fest davon ausgehe, dass Coaches ihr Playbook auf ihre Erstrundenpicks anpassen. Cincy ebenso wie Arizona. Ich bin halt ein unverbesserlicher blauäugiger Idealist. Zumindest bis mich die ersten Saisonwochen eines besseren belehren. Wann auch immer die sein mögen.
    Apropos: Hat die NFL eigentlich schon was zur Preseason gesagt? Da hätte Corona ja einen positiven Effekt, wenn die ausfiele. 🙂

  2. Pingback: All-32: Cincinnati Bengals 2020 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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