Dak Prescott und Quarterback-Verträge

Gestern geisterte ein Statement von Cowboys-„Jerry Sohn“ Stephen Jones durch Twitter, das eine interessante Auffassung von Analytics und Vertragsgestaltung zeigt:

In mean at the end of the day I know everybody’s out there “how have you not paid Dak”? At the same time, Dak has to, we’ve tried to pay him, and he has to accept what we want to pay him. But the deal’s got to be right for Dak. It’s got to right for us. As you know the salary cap makes this a zero-sum game of owners. This is not something where Jerry and myself are trying to save money so the Cowboys can make more money for the Jones family.

We’re just trying to do our very best working with Mike, working with Will McClay, to really divide up the pie in the best way possible to win a Super Bowl. There’s all sorts of analytics out there that show if your quarterback takes too big a percentage of your salary cap, that it decreases your chances to win. We’re just trying to figure out the right fit.

No one wants to sign Dak to a longer-term more than Jerry and myself, we’re on the record time and time again of what we think of him as a leader. He has the it factor. He’s a fierce competitor. He wants to win as well. It’s just got to be right for him and right for us. We’ll continue to work to a conclusion on that”

Das sagt der Präsident jenes Teams, das RB Ezekiel Elliott erst letztes Jahr 15 Mio/Jahr gab – einen Vertrag, der 145% über jenem des 10t-teuersten Runningbacks in der NFL liegt und 44% über dem Durchschnitt der zehn teuersten Runningbacks in der NFL.

Der Fall Prescott ist durchaus nicht so eindeutig wie man denken würde – und erst letztes Jahr hat z.B. PFF einen Case dafür geliefert, Dak nicht die ganz fette Vertragsverlängerung zu geben. Die Ausgangslage hat sich IMHO gar nicht so großartig verändert, auch wenn Prescott 2019 groß aufspielte.

Prescott ist kein Superstar-QB. Er ist ein sehr guter QB, der in den richtigen Umständen Top-5 Effizienz nach den wesentlichsten Kategorien wie EPA/Play, WAR oder DVOA liefern kann. In zwei seiner vier Jahre war er außerhalb der Top-15 klassiert (z.B. 2018), doch in den beiden anderen – 2016 als Rookie und eben 2019 – war er in den Top-10 bzw. Top-5.

Ich lehne mehr und mehr zu dem Punkt, an dem ich denke, ich würde lieber einen guten QB wie Dak überbezahlen als einem schlechten wenig zu bezahlen. Die NFL ist dermaßen stark eine Passing-Liga und es gibt Mittel und Wege, den Quarterbacks ein möglichst freundlichen Ambiente zu geben, dass sich auch ein 35 Mio/Jahr Vertrag nicht mehr wie jenseits von Gut und Böse anhört.

Dallas z.B. hat so ein Ambiente: Sensationeller Receiving-Corps, gute Offense Line, gute Play-Caller – auch wenn Dak individuelle längst nicht an einen Mahomes, Watson oder Drew Brees heranreicht, so ist er doch locker stark genug um die Vorzüge einer solchen Ausgangslage optimal auszuschlachten und die entsprechenden Zahlen aufzulegen. Er ist vor allem eine sichere Tüte als perspektivisch irgendeinen Rookie als Ersatz einzustellen.

Man kann einen Vertrag um die 35 Mio/Jahr auch anders auslegen: Es wäre nur 25% über dem aktuell 10t-teuersten QB-Vertrag und nur 9% über dem Durchschnitt der zehn teuersten QBs.

Anders: Quarterback ist bereits eine Premium-bezahlte Position! Das, was Stephen Jones hier meint – „teure Quarterbacks sind ein Nachteil“ – ist v.a. getriggert von den Rookie-Vertragsstrukturen, doch diese sind ein Wettbewerbsvorteil fern des freien Markts, den jedes Jahr ca. 10-15 Teams für jeweils vier Jahre ausschlachten können! Sie sollten kein Bestandteil der Diskussion sein.

Nach diversen Metriken wie WAR liegt bereits der Schluss nahe, dass Top-Quarterbacks im gegenwärtigen Liga-Ambiente auch mit 35 Mio/Jahr bereits unterbezahlt sind, doch solange Rookie-Cap und Franchise-Tag die Preise niedrig halten, haben Teams keinen massiven Sprung der Gehälter zu befürchten.

Im Gegenteil: Selbst ein Jacoby Brissett läuft auf einem Vertrag, der 28 Mio/Jahr zahlt! Das Delta zwischen den Superstar-QBs (wie Russell Wilson), den „guten“ (wie Dak) und den meh-QBs (wie Brissett) ist auf der Gehaltsliste wesentlich geringer als man denken würde.

Ich habe meine Einstellung zu diesen Mega-Verträgen über die Jahre auch geändert. Früher dachte ich: Es ist beschissen, einen mittelmäßigen bis guten QB zu haben, denn er kassiert nach dem Rookievertrag praktisch gleich viel wie ein Elite-QB.

Heute denke ich eher – „lieber zahle ich einem mittelmäßigen bis guten QB seine Kohle und investiere in die Infrastruktur als mich mit einer billigen Graupe wie Josh Allen herumzuschlagen“. Ein mittelmäßiger QB bietet immerhin die Chance, einmal in vier Jahren eine Top-Saison unter den richtigen Umständen aufzulegen, und das gibt mir die Titel-Chance.

Freilich: Sicher bin ich mir dessen noch nicht.

Aber ziemlich sicher bin ich mir, dass Stephen Jones und die Cowboys eine hinterfragenswürdige Analytics anwenden, wenn sie bereits waren den gerade in Relation zu Positionswert und Positionsbezahlung f-e-t-t-e-n Zeke-Vertrag auszuschütten, während sie nun mit Verweis auf Cap-Verantwortung und Team-Building die Moneten für einen vergleichsweise billigeren Vertrag auf einer viel wichtigeren Position im Verhandlungspoker zurückhalten.

Wenn die Cowboys-Analytics in den letzten vier Jahren wirklich zum Schluss gekommen sind, dass es klüger ist Zeke 45% über Runningback-Top-10-Durchschnitt zu zahlen als Prescott 9%-oder-mehr über dem QB-Top-10-Durchschnitt, dann ist meine sicherste Schlussfolgerung, dass die Analytics-Abteilung ausgetauscht gehört.

11 Kommentare zu “Dak Prescott und Quarterback-Verträge

  1. Aber ist das eigentlich nicht nur das wahrscheinlich generationenalte Argument bei Verhandlungen mit Quarterbacks? Akzeptiere ein paar Mio weniger pro Jahr und wir können Dir bessere Receiver / OLine / D hinstellen? Siehe Argumente aus Zeiten vor Analytics Durchbruch, dass NE auch so erfolgreich war, weil TB Unterbezahlung akzeptiert hat. So wird wahrscheinlich seit dem Tag der ersten Salary-Cap argumentiert.
    Analytics sagt doch „nur“: Pos 1 wichtiger als Pos 2; im Extremfall Pos 1 x% wichtiger als Pos 2, deshalb sollte tendenziell im Kader für Pos 1 x% mehr ausgegeben werden als für Pos 2.
    Verweis auf „Analytics“ von Jones ist doch nur buzzword bullshit bingo.

  2. Jones‘ Verweis auf Analytics macht keinen Sinn, denn kein Analytics-Department bei klarem Verstand würde die Kombination der Zeke/Dak-Situation zulassen.

    Analytics ist durchaus gespalten beim Thema wie hoch man solche QBs wie Dak zahlen sollte. Es gibt gute Argumente für beide Seiten, mit Tendenz zu „zahl Dak Top-Money“, denn die QB-Position ist eh unterbezahlt und jeder QB in der Range von 1-20 ist ungefähr gleich bezahlt, wenn er einmal raus aus dem Rookie-Fenster ist (klar +/-10 Mio, aber das hängt auf der QB-Position v.a. vom Zeitpunkt des Vertrags ab und ist im Vergleich zur Bedeutung der Position recht marginal).

    Analytics ist aber sehr eindeutig gegen das, was Dallas mit Zeke gemacht hat.

  3. Bei den von dir genannten Werten (Vergleiche mit den Top 10 auf der Position) sollte man aber schon auch die absoluten Werte bedenken, oder nicht? Das Salary Cap ist ja auch ein absoluter Wert. Was ich meine am Beispiel der Cowboys: Zeke grob 50 % mehr als dem Positionsdurchschnitt Top 10 zu geben, bindet „nur“ ca. 5 Millionen pro Jahr. Dak 10 % mehr zu zahlen bindet über 3 Millionen pro Jahr. Die höhere Baseline sollte da in der Bewertung schon eine Rolle spielen, weil in beiden Fällen wird ja ein absoluter Wert gebunden, der dann nicht mehr verfügbar ist in deinem Cap.

  4. @Philipp S: Dein Punkt ist berechtigt, aber ein sehr guter QB bringt dir im vergleich zu einem mäßigen so viel mehr als der beste Runningback der NFL im Vergleich zu einem austauschbaren.

  5. @Philipp S: für mich ist das ein Argument zur „Milde mit GM-Fehlern“. Bsp. SF: die Zahlen einem Full Back (Juszek) und einem Running Back (McCinnon) auch viel zu viel. Das macht die Entscheidung an sich nicht besser, kostet aber immerhin nicht unendlich viel. Besser als einem DT einen Buckner-Vertrag zu geben (wobei ich fürchte, dass sie auch auf die Idee kommen könnten).

    Gleiches in San Francisco mit dem Building from the line approach: ich denke mit genialem offensivem head coach, kann man in der offense mehr durch sceeming herhausholen als in der defensive und d-line ist stabiler als d-backfield. Gehe ich also zusätzlich von mehr turnover im D-coaching-staff aus, ist es eine noch-verständliche-sichtweise, die auch vorteile hat (defensive ist stärker abhängiger von talent als vom scheme, kontinuität > spitzenleistung in der d, weil offense wertvoller ist und den erfolg trägt). Das ändert aber die Tatsache nicht, dass es generell WR und DB wertvoller sind als die lines, sondern macht nur etwaige Fehlentscheisungen tragbarer.

  6. Mein Problem mit den teuren Runningback-Verträgen ist v.a., dass wir mit fast 100% Sicherheit wissen, dass das Geld zum Fenster rausgeschmissen ist. Es ist einfach im Grundsatz falsch – ob sie dann „nur“ 3 Mio oder 10 Mio rauswerfen, ist fast zweitrangig.

    Die QB-Position und andere wichtige Positionen bringen immerhin Upside. Die kostet. Aber Runningback kostet, und bringt kaum Gegenwert.

  7. Eure Meinung. Inwieweit (also in welchem Maß) sollte man Verletzungswahrscheinlichkeiten für den Top QB mit einrechnen ? Oder wird das bereits mit Zahlen gemacht?

    Fällt mein Top QB aus kann ich die Saison einstampfen. Habe ich einen ausgeglichenern Kader, eine gute DEF, eine gute OL und die OFF funktioniert dann auch evt. mit dem Ersatz QB ( Bsp. Foles beim SB Run).

    Ich habe es nun nicht im Kopf aber gab es nicht Jahre in denen die NFL selbst auch die hohen season ending Verletzungszahlen der Top Qbs in einem Jahr beklagt haben ( Marketing).
    Inwieweit greift die neuen Regeln um die QBs zu schützen ?

    Mir fallen ein Bradys Verletzung vor ein paar Jahren, Wentz ( ok, das war noch zu Rookie Vertrag), Alex Smith, SF vor einer Saison, Big Ben letztes Jahr….

    Es ist doch auch eine Frage der Abwägungen und Wahrscheinlichkeiten.
    Parameter gäbe es statistisch ja genung.
    Kann man das in Zahlen fassen wieviele der 10 teuersten QBs heftigste Verletzungen hatten?
    Ebenso wie gesund und erfolgreich kamen sie zurück ?
    Wie waren die Vertragslaufzeiten ( lang = gut, kurz = schlecht) )

    Ich würde unngern „zu“ viel auf eine einzige Karte setzen, sehe aber natürlich auch den sehr wichtigen und überproportionalen Einfluss, den ein QB auf den Erfolg hat.

    Oder ist das Risiko der Verletzung in einer Saison für den Top QB nicht als signifikant bei der Gehaltsdiskussion zu betrachten ? Oder gilt das Motto shit happens….

  8. @alexander: Ich wage mal zu behaupten, dass du das Risiko immer mitnehmen musst. Philadelphia hat ja damals nicht die SB gewonnen, weil das Team so stark war und Foles getragen hat. Die Defense war (genauso wie jene der Pats) – gelinde gesagt – mies in der SB. Foles war in diesem Playoff-Run und dann speziell in der SB grandios. Natürlich war auch der Gameplan in der Offense unglaublich und auch die restliche Offense hat super gespielt. Aber Foles hat eine historische SB-Performance von Brady gekontert, das war der Schlüssel zum Sieg. Dass ein Backup-QB eine solche Leistung zeigt, damit kannst du nicht rechnen. Würdest du damit rechnen, dann wäre er nicht dein Backup. Insofern: Eine längerfristige Verletzung deines Starters ist idR erstmal „Saison abgehakt“. (Etwas anderes ist es natürlich, wenn der QB mal ein oder zwei Spiele ausfällt).

    Ganz generell ist „Verletzungsanfälligkeit“ ein Thema wo in meinen Augen viel zu viel mit „Bauchgefühl“ argumentiert wird. Von der reinen Datenbasis gibt es so weit ich weiß sehr wenige Hinweise darauf, dass das gerne ausgeteilte Label „injury prone“ berechtigt ist. Auch medizinisch gibt es dazu kaum oder gar keine Belege. Sprich: wenn man mal die wirklichen Glasknochen wie Sam Bradford – und solche Spieler sind eh nicht lange in der NFL, Bradford als QB war da ja schon eine große Ausnahme – außen vor lässt, dann ist die zukünftige Projektion von Verletzungen sehr schwammig. Das einzige was hier Sinn macht in meinen Augen ist, dass einige Spieler auf Grund ihres Spielstils eher zu Verletzungen neigen – Cam Newtons Saltos sagen hallo! Ebenso können ganz allgemein Ballträger recht gut manche Kontakte vermeiden, indem sie out of bounds gehen. Aber die meisten Verletzungen kommen anders zu Stande, oft auch komplett kontaktlos. Wenn ein Spieler sich bei einem Cut das Kreuzband reißt, sagt das nichts darüber aus, ob das nocheinmal passiert. Wenn der Lineman einem auf dem Fuß stiegt und ein Band reißt oder der Knöchel bricht ebenso. Et cetera.

    Bottom Line: Die Verletzungsanfälligkeit als messbarer Faktor ist nicht so messbar wie man glaubt. Viele Verletzungen sind rein zufällig. Natürlich kann man die Faktoren welche zu Verletzungen führen beeinflussen, aber auf die Zukunft projecten? Das funktioniert in der NFL nicht so gut, wie man glauben möchte. Das Label „injury prone“ ist oft Bogus.

  9. Zum Thema Verletzungen verweise ich auf die beiden Twitter-Threads/Diskussionen: Unterschied zwischen „Verletzungsanfälligkeit“ und „Anfälligkeit für Verletzungen“.

    Einmal der Pro Football Doc David Chao:

    Und einmal Sam Monsen mit Dr Chao:

    Ich bin beim Thema Investition in einen Backup-QB gerade auf dem Trip, dass der Backup v.a. wegen dieser beiden Effekte wertvoll ist:

    1. Kann den Starting-QB für ein paar Spiele ersetzen, sodass die Saison nicht komplett in die Binsen geht, nur weil der Starter mal vier Wochen mit einem kaputten Körperteil ausfällt (zB letzte Saison Chiefs / Saints).

    2. Bietet das Potenzial für ein Upgrade auf der Starter-Position. Bis auf eine Handvoll Erlesene kann man bei allen Starting-QBs öfters auf ein Upgrade schielen; die Upside den „richtigen“ zu finden ist es wert.

    Bei Punkt 2 spricht allerdings mehr dafür, einen Rookie zu ziehen, als einen der langjährigen durchschnittlichen zweite-Reihe-QBs.

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