Wie man Gegenwert maximiert: Arizona-Cardinals Draft 2020

Ein Blick auf den Draft der Arizona Cardinals, dem ich vor zwei Wochen Note A gegeben hatte.

Im Prinzip ist es für Arizona eine Draftklasse, die von zwei Picks definiert wird – LB/S Isaiah Simmons an #8 und OT Josh Jones an #72 – und die dennoch kaum vom alles dominierenden Nuk-Hopkins-Trade aus dem März zu trennen ist.

Der Hopkins-Trade, oder „Hopkins-Raid”, machte es möglich, dass die Cardinals ohne Verlust von wirklich krassem Draftkapital (Hopkins kostete nur einen 2nd Rounder) nicht bloß ihre wichtigste Schwachstelle adressierten, sondern den Draft auch losgelöst vom reinem Fokus auf Kader-Needs angehen konnten.


Nur so wurde an #8 Simmons‘ Einberufung möglich. Nicht wirklich viele hatten den Clemson-Alleskönner nach Arizona gehen sehen, doch ohne eine richtig krasse Baustelle konnte es sich GM Steve Keim diesen Pick leisten ohne lästige Fragen beantworten zu müssen.

Das heißt nicht, dass man diese Fragen nicht hintenrum trotzdem stellt: Wie zum Beispiel gedenkt man Simmons in der Cardinals-Defense einzusetzen? DefCoord Vance Joseph galt nie als größter Defense-Innovator unter der Sonne – doch genau das, nämlich out of the box Denken, braucht es, wenn man Simmons maximal effektiv als Waffe zum Einsatz bringen will.

Als Simmons‘ größte Stärke gilt nämlich seine Vielseitigkeit. Sie definierte nicht nur Simmons als College-Footballer, sondern vor allem auch die komplette Clemson-Defense als Unit. Solche Waffen für individualisierte Defense-Matchup-Pläne gehören heute mit zum Wertvollsten, was man an Verteidigern in die NFL holt.

Doch wenn ich nun die Aussagen der Cardinals-Verantwortlichen um Headcoach Kingsbury höre, dann frage ich mich wie gut ich den Pick mit ein paar Tagen Abstand noch finde:

Simmons played all over the field in Clemson’s defense and Cardinals head coach Kliff Kingsbury said on a Monday conference call that Simmons’ versatility was part of the team’s “fascination” with adding him in the first round. The initial plan for Simmons in Arizona isn’t designed to mimic what he did at Clemson, however.

Kingsbury said that team has wondered what Simmons will look like if they “really focus on one position” as he enters the NFL.

“His ability to play so many positions and not really having a chance to focus on one, we just think the sky could be the limit for what he can be if we really lock him in one position for the majority of the time,” Kingsbury said.

Wenn er auf so vielen Positionen schon so gut war ohne sich zu spezialisieren, wie gut kann er dann auf einer einzigen werden, wenn er sich spezialisiert? Nicht die Schlussfolgerung, die ich nach so einem Pick ziehen würde.

Besorgnis erregend: Die Aussage kommt nicht von DefCoord Joseph, dem man ohnehin keine lange Halbwertszeit bescheinigt, sondern vom Messias höchstpersönlich. Kingsbury hat zwar erwiesenermaßen weder Ahnung von noch Interesse an Defense – doch wenn er als Chef diese Richtung vorgibt, dann wohl bekomm’s. Bei mir springen die Bullshit-Detektoren an.

Oder ist die Kaffeesatzleserei an dieser Stelle mal wieder zu deutlich und wir können uns auf Josephs Hinweise verlassen, dass man einen „Einlernplan“ für Simmons habe: Viel Linebacker mit Tight-End Coverage und Blitzing zum Beginn, mit der Idee, das Aufgabengebiet mittelfristig zu erweitern?


Arizonas zweiter Pick im Draft war ihr 3rd Rounder – und dort zogen sie OT Josh Jones aus Houston. Der Pick ist nach dem PFF-Board einer der fettesten Steals im ganzen Draft: Jones hatte dort als 1st Rounder gegolten. Arizona hatte Jones mehreren Berichten zufolge als #21 auf dem team-eigenen Board sitzen. Wie Jones so weit durch den Draft fallen konnte, ist nicht ganz klar – doch er war nicht der einzige ambitionierte Prospect: Auch WR Mims oder CB Fulton blieben lange Zeit vereinslos.

Fix ist: Jones war einer der „fertigsten“ Pass-Blocker im ganzen Draft, und damit ein wertvolles Asset in der Königsdisziplin der Offensive Line. Jones ist kein athletischer Freak und seine Gegner am College waren eher zweitklassig, doch sein Ruf gründete weniger auf körperlicher Dominanz, sondern auf Spielintelligenz und feiner Technik.

Gut möglich, dass höher gedraftete Tackles wie ein Mekhi Becton oder Austin Jackson zu größeren Stars werden – doch wenn Jones schnell einen vernünftigen Starting-Right Tackle geben kann, dann hat sich der Pick als 3rd Rounder mehr als gelohnt.


Simmons und Jones checken beide Boxen: Sie spielen auf wichtigen Positionen und sind gemessen am common sense in den gedrafteten Spots auch qualitativ echte Value-Picks. Sie allein machen den Draft schon zu einem Erfolg – doch wirklich großartig wird das gesamte Offseason-Paket der Cards nur wenn man Hopkins als Ertrag mit reinrechnet. Der Hopkins-Trade war ein 7:1, ein Sieg auf ganzer Linie. Er triggerte auch alles was Arizona in diesem Draft machte.

An Tag 3 folgten noch Defensive Tackles, Linebacker und ein Runningback – alles Picks für Kadertiefe und spezielle Spielsituationen. Sie machen den Braten nicht dünn oder fett – aber Simmons und Jones sind in Kombination mit Hopkins vielleicht abseits der Quarterbacks der sensationellste Ertrag, den eine Mannschaft in der laufenden Offseason aus ihrem Draftkapital geschlagen hat. Nun dürfen es die Coaches nur nicht verscheißen.

3 Kommentare zu “Wie man Gegenwert maximiert: Arizona-Cardinals Draft 2020

  1. Vance Joeph hat auch gemeint er wird sich nur auf eine Position spezialisieren und zwar LB.
    ABER warum sollten der DC und der HC vor dem Beginn der neuen Season (ohne ein Training absolviert zu haben) die Rolle von Simmons preisgeben? Damit würden sie doch nur den gegnerischen OC in die Karten spielen.
    Ich denke die werden jetzt über die Zeit schauen wie er reinpasst und von snap zu snap seine Rolle anpassen. Vor allem 1:1 mit TEs z.B Kittel.
    Ansonsten ein schöner Artikel 🙂

  2. „Der Hopkins-Trade war ein 7:1“
    Wenn „7:1“ ein fester Ausdruck geworden ist, thumbs up. Das haben die Jungs sich verdient.

    On Topic: Wenn DC Joseph eh angezählt ist, wird man wohl abwarten müssen, wer dort mittelfristig am Drücker sein wird. Es ist also selbst im worst case noch nicht alles verloren.

  3. Hab grad dieses Video zum Cardinals Draft gesehen, vielleicht interessiert es ja noch jemanden:

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