Buffalo Bills NFL Draft 2020: Es zählt die Tiefe

Die Buffalo Bills hatten nach dem Trade für WR Stefon Diggs keinen 1st Rounder im Draft mehr, aber mit den restlichen Picks im NFL Draft 2020 haben sie sehr viel, wenn auch nicht nur Gutes angestellt.

Schauen wir uns die Draftklasse einmal genauer an:

2nd #54 EDGE A.J. Epenesa
3rd #86 RB Zack Moss
4th #128 WR Gabriel Davis
5th #167 QB Jake Fromm
6th #188 K Tyler Bass
6th #207 WR Isaiah Hodgins
7th #239 CB Dane Jackson

Ich habe dem Prozess hinter der Klasse die Note = B gegeben, eine der besseren Bewertungen in der heurigen Draftklasse. Das Haupt-Thema war „Value mitnehmen“ bzw. einige Positionsgruppen in der Tiefe stärken. Es gab aber auch zwei mäßige Picks.

RB Zack Moss Mitte/Ende der dritten Runde. Moss war einer der umstritteneren Backs in der Klasse – Portale wie PFF sahen ihn eher höher, weil er viele Tackles bricht und sich ganz gut im Passspiel als Catcher einbinden lässt. Andere verweisen v.a. auf seine Verletzungsanfälligkeit.

Ich würde in erster Linie auf die Position selbst hinweisen – Runningback je später, desto besser. Mein Gefühl sagt mir, irgendwo Ende der 3ten Runde beginnt die Position interessant zu werden.

Für die Bills fühlt sich der Moss-Pick auch deshalb merkwürdig an, weil man erst letztes Jahr den agilen Devin Singletary in den mittleren Runden gezogen hat. Kann man den Pick als Misstrauensvotum gegenüber Singletary einstufen?

Wo man Runningbacks zu spät wie möglich draften sollte, lautet bei Kickern die Prämisse, sie gar nicht zu ziehen. Die Base-Rate sagt uns ganz einfach: Es ist un nicht möglich, Kicker-Erfolg zu projecten. Der Schuss ins Blaue bei einem Kicker ist den Gegenwert eines Vertrags bei einer „regulären“ Starter-Position in Offense und Defense nicht wert.

Anders: Weil man Kicker quasi nicht projecten kann, sollte man ihn auch nicht draften. Andere Positionen sind in den späteren Runden natürlich auch Glücksspiel, doch man hat im Erfolgsfall immerhin einen potenziell extrem wertvollen Vertrag im Kader.

Die anderen Picks haben mir uneingeschränkt gefallen – wie überhaupt das ganze Kadermanagement von GM Brandon Beane, der nach der Einberufung von QB Josh Allen in nur zwei Offseasons eine komplette Infrastruktur um seinen jungen QB herum aufgebaut hat.

Defensive Line Depth

Epenesa als Mitte 2nd Rounder muss man als extrem guten Value verbuchen, nachdem Epenesa bis Februar fast überall als sicherer 1st Rounder durchging und durch die mäßige Combine ein wenig durchgefallen ist.

Epenesa ist keiner dieser auffälligen Edge-Rusher. Vielmehr ist er ein grundsolider, in allen Aspekten des Spiels brauchbarer, beweglicher Line-Spieler, den man innen und außen einsetzen kann. Epenesa galt v.a. als Inside-Passrusher in klaren Passsituationen als extrem gefährlich.

Er ist ein Spieler vom Schlage des ehemaligen Pats- und jetzigen Lions-Ends Trey Flowers: Disziplinierter Edge-Setter, sehr gut gegen den Run, guter Pass-Rusher und exzellent darin, einen Gameplan eines Coaches 1:1 umzusetzen.

Dieses Profil läse sich „overdraftet“ für einen #15 Overall Pick, doch Mitte zweite Runde wirst du nicht mehr viel besseres bekommen. Die Bills ergänzen mit Epenesa eine eh schon tief besetzte Line um einen weiteren guten Ergänzungsspieler mit langfristigem 700-Snaps/Saison Potenzial: Jerry Hughes, Trent Murphy, Mario Addison, Epenesa außen, Ed Oliver, Harrison Phillips, Star Lotulelei, Vern Butler, Vince Taylor und Quinton Jefferson innen.

Wide Receiver Depth

WR Gabriel Davis ist ein weiterer Body für einen Receiving-Corps, den man in den letzten beiden Offseasons massiv aufgebolstert hat. Davis hat ein sehr eindimensionales Game-Tape bei UCF: Er ist quasi nur Go und Post Routen gelaufen. Diese tiefe Dimension matcht nicht überwältigend mit QB Josh Allen, der bei allem Mega-Arm streut wie eine Schröte – doch du kannst nie genug gute Receiver haben, und in Runde 4 in einem eh schon guten Kader ein solches Talent zu ergänzen klingt wie guter Value.

Die Bills haben später in WR Isaiah Hodgins sogar noch einmal nachgelegt: Hodgins war total umstritten, aber Eric Cocker hatte ihn als #8 Receiver auf dem Board.

Für die Bills war 2019 das Jahr, in dem sie die Offense Line zugebolstert haben. 2020 war das „Jahr der Receiver“: Erst Stefon Diggs via (zugegeben etwas teuren) Trade, jetzt noch zwei interessante Mid/Late Rounder.

Receiver-Depth in Buffalo ist nun extrem – nicht alle werden den Roster schaffen, aber Diggs, Cole Beasley, John Brown, Davis, Hodgins, Andre Roberts und Isaiah McKenzie: Da geht sich ein gutes Quartett oder gar Quintett aus!

Quarterback-Depth

Und dann natürlich QB Jake Fromm in Runde 5. Die Absicherung gegen Starting-QB Allen? Oder nur ein „Value-Pick“?

Fromm liest sich wie ein crazy Pick, wenn man ihn stilistisch mit Allen vergleicht: Allen ist der große weiße Rocket-Arm ohne Spielverständnis mit mieser Downfield-Accuracy. Fromm dagegen ist der eher unspektakuläre Präzisions-Passer, dessen Arm so schwach ist, dass ohne perfektes Timing nix geht und Incompletions und Interceptions drohen.

Derrik Klassen hat das in jenem famosen Podcast schon erklärt: Fromms Arm ist so schwach, dass er sich keinen Fetzen Zögern beim Werfen erlauben kann. Er muss p-e-r-f-e-k-t im Timing sein um die Bälle in enge Fenster zu bekommen. Klassen ist sicherlich einer jener Analysten, die Fromm mit der meisten Skepsis gegenübergetreten sind.

Doch Fromm gilt als sehr spielintelligenter Typ. Ist es völlig verrückt zu glauben, dass Fromm, der im Draft-Vorfeld immer mal wieder als 3rd Rounder genannt wurde, vielleicht irgendwann Druck auf Allen ausübt?

Allen liest sich wie Trubisky 2.0: Überhypter junger Starting-QB, der von einer starken Mannschaft zu einer Playoff-Qualifikation getragen wurde. Man hat ihm nun viele Waffen gegeben und alle Ausreden genommen – aber viele Waffen nützen nur was, wenn der QB auch den notwendigen „eigenen“ qualitativen Sprung macht. Viel optimaleres Playcalling als das bereits 2019 sehr passlastige in Early-Downs wird er nicht mehr bekommen können.

Allen hat insofern noch Hoffnung, als dass er wohl erst seit 1-2 Jahren wirklich gutes Grundlagen-Coaching bekommt: Ich habe erst vor einigen Wochen ein Statement von ihm gelesen, dass er viele Trainings-Möglichkeiten und Feinmechanik-Tipps, die es für die Quarterback-Position braucht, erst seit seinem Eintritt in die NFL bekam – für sein College in Wyoming kein flammender Appell. Wieviel davon nur Durchhalteparolen sind und wie viel wirklich dran ist, werden wir sehen.

Fromm derweil bietet zumindest Upside und einen Backup-Plan, sollte Allen es nicht raffen. Die Bills haben einen Kader beisammen, der gut genug ist um für eine Playoff-Qualifikation mit Möglichkeit auf den einen oder anderen Sieg zu competen! Sie waren gut darin beraten, ihre Jetons nicht allein auf eine einzige QB-Option zu beschränken.

3 Kommentare zu “Buffalo Bills NFL Draft 2020: Es zählt die Tiefe

  1. Hier vertiefend GM Beane in einem Interview mit Pat McAfee über seinen Plan als Buffalo-GM, u.a. auch warum man Josh Allen gezogen hat:

  2. BTW Oliver ist heute Nacht auch festgenommen worden, das kann den Epenesa Pick noch wichtiger machen.

    Was haben die denn alle in der Offseason? Man sollte die NFL Pros noch ein paar Monate in Quarantäne stecken, dann is Ruhe.

  3. Eigentlich müssten die Teams ihren Spielern durchgehend Aufpasser an die Seite stellen, so blöde wie einige der Spieler teilweise sind.

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