Jets-Draft 2020: No risk, no reward?

Der Jets-Draft 2020 stand eindeutig unter diesem Motto.

Die ersten beiden Picks der Jets im Draft waren Louisville-OT Mekhi Becton an #11 und Baylor-WR Denzel Mims an #59. Tackle und Receiver sind beides klare Needs der Jets und sind gerade mit Positionswert im Hinterkopf schwer zu kritisieren. Doch die ausgewählten Prospects lesen sich gerade unter den Umständen der Jets eher mau.

Die Jets gehen ins dritte Jahr mit QB Sam Darnold, der heuer sein „Franchise-QB“ Potenzial zeigen muss, nachdem er zwei Jahre in einer leblosen Offense ohne jegliche Unterstützung durch Coaching und Mitspieler versauerte.

Vor zwei Jahren verkaufte New York gleich drei 2nd Round Picks an die Colts um Darnold zu ziehen, ohne dieses immense Kapital jemals wieder reinzuholen. Letztes Jahr kaufte man extrem teure Verteidiger wie LB Moseley oder zweite-Reihe Waffen wie WR Crowder und RB Leveon Bell und draftete DT Quinnen Williams an #3 anstatt die Offense personell aufzubessern.

Dieses Jahr dann ließ man den wichtigsten Deep-threat WR Robby Anderson gehen und replizierte in der Offensive Line die Bills-Strategie von wegen „kaufe jeden Blocker, der bei drei nicht auffm Baum ist auf“, in der Hoffnung, damit 2020 eine einigermaßen funktionale Offensive Line auf die Beine zu stellen.

Becton und Mims

Bloß: Becton klingt wie der denkbar ungünstigste der ganzen Top-Tackle Prospects um in dieser Mannschaft zu funktionieren. Ein sehr ungeschliffener, wenn auch athletisch extrem talentierter Tackle, kaum Erfahrung in Pass-Protection.

Solche Prospects brauchen meistens vor allem eines: Zeit. Oder solide Nebenmänner, an die es sich anlehnen lässt – doch beides gibt es in New York nicht. Becton wird gefragt sein schnell abzuliefern. Da sind viele Zutaten für eine Enttäuschung dabei.

Mims auf der anderen Seite ist ein athletisch extrem talentierter Pass-Catcher mit einem surrealen Highlight-Tape. Mims galt als einer der letzten echten „X-Receiver“ Talente auf dem Board, als New York Ende der 2ten Runde draftete – doch obwohl Mims eine starke Senior-Bowl spielte und hervorragende Combine-Werte lieferte, ist er ein besonders riskanter Receiver-Prospect: Sein College-Tape ist nämlich ziemlich durchschnittlich.

Mims wird wie Becton früh eine tragende Rolle spielen müssen, weil es kaum etablierte „Veterans“-Optionen im Kader gibt. Das geht meistens schief. Ich denke, die Jets sind ein denkbar ungünstiger Landing-Spot für Mims, den man am liebsten als #3 langsam in eine Offense eingeführt hätte. Dass er nun wenn es dumm läuft vielleicht von Tag 1 an Press-Coverage sieht, ist unschön.

Darnold

Remember: Für Darnold ist 2020 schon fast make or break. Zwei Jahre lang hatte man in New York komplett verschlafen, ihm adäquate Umstände zu verschaffen – mit dem Nebeneffekt, dass man sehr dazu verleitet ist, ihn durch die Umstände zu entschuldigen.

Doch diese Entschuldigungen sind nicht ungefährlich. Sie verleiten dazu, Darnold als Opfer der Umstände zu bemitleiden. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass die Jets wie einst bei Mark Sanchez jahrelang an einem schlechten QB festhalten, weil man ihm erst die notwendige Infrastruktur bauen muss.

Bei Sanchez mussten sie es einsehen, als seine Leistungen auch nach den Einkäufen schlecht blieben. Es ist ein Grund mehr, Darnold jetzt die Mitspieler zu liefern um ihm und den Verantwortlichen alle Entschuldigungen zu nehmen. Lieber schnell wissen, dass er nicht gut ist. Beziehungsweise im optimistischen Fall: Lieber schnell die notwendige Production aus ihm herauspressen um die letzten zwei Jahre Rookievertrag noch auszuschlachten.

Bloß: Ich bin ziemlich skeptisch, ob die Offseason 2020 unter diesem Gesichtspunkt ein Erfolg war. Die Offense Line bleibt ein großes Fragezeichen und der Receiving-Corps ist noch immer eine Ansammlung aus JAGs.

Die 3rd Rounder

Das Thema „super Athleten“ setzte sich auch in Runde 3 fort: S Ashtyn Davis und EDGE Jabari Zuniga sind beides Freak-Athleten.

Davis ist ein ehemaliger Walk-on im Cal-Footballteam, der eigentlich nur aus Jux von den Leichtathleten rüber wechselte. Auf vielen Boards war er höher eingestuft als auf #68 wo ihn die Jets zogen. Davis gilt dem Profil nach als klassischer tiefer Center-Fielder, womit er allerdings kein 1:1 Ersatz für Jamal Adams wäre, sollte der noch abgegeben werden.

Zuniga ist bei aller Athletik ein wesentlich größeres Fragezeichen. Seine Advanced-Stats wie Pressure-Rate war ziemlich mies. Er gilt als Projection, doch Pass-Rush wird bei den Jets noch eine Weile lang ein Thema bleiben.

Die größte Kritik an den 3rd Roundern ist aber, dass es sich um Defense-Prospects handelt. Ich hatte wirklich erwartet, dass New York noch ein paar Scheit Offense nachlegt. Ist nicht passiert.


So ist der ganze Draft für mich nur Note = C, mit Tendenz eher nach unten als nach oben. Es ist ein riskanter Draft mit riskanten Prospects. Die Jets-Offense hätte aber genau was anderes gebraucht:

  • Mehr Prospects
  • Möglichst „sichere“ Prospects, die möglichst schnell abliefern können

Wenn sich Darnold 2020 nicht wie gewünscht entwickelt, stehen wir in einem Jahr wieder da und hören allseits die Stimmen von wegen „gebt ihm doch noch ein Jahr, er hatte bis jetzt keine Waffen“. Also Murmeltiertag.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.