Atlanta Falcons Draft 2020: Für einmal konservativ

Ein Blick auf den NFL Draft 2020 der Atlanta Falcons.

Du kannst es erahnen: Sehr grauer Draft. Ich habe der Klasse die Note = C gegeben, u.a. weil ich nicht so recht weiß was mit ihr anzufangen.

Die Falcons sind seit vielen Jahren ein Team auf der Suche nach einer Defense, während gleichzeitig ungelöste Protection-Probleme die Offense behindern. Unter diesem Gesichtspunkt kann der Draft 2020 recht klar als „Need-Draft“ eingeordnet werden:

  • Cornerback und Defensive Liner in den ersten zwei Runden
  • Dann Center in der 3ten Runde

Die Prospects waren okay. 1st-Round CB A.J. Terrell aus Clemson galt als einer der besten verfügbaren Cornerbacks auf dem Tablett, ein physisch imposanter Corner, lang und athletisch, genau nach dem Wunschbild von Falcons-Headcoach Dan Quinn gebaut.

Terrell bekam im Scouting-Prozess einige Kritik dafür, dass er sich im National Championship Game von LSU-Superstar J’Marr Chase ausspielen ließ, aber er ist ein physischer Corner, der sich gut bewegt und mit zwei Jahren Starter-Erfahrung auch schon gut eingespielt. In einer Division, in der Tom Brady und Drew Brees auf dem letzten Halali unterwegs sind, ist jede Coverage-Hilfe höchst willkommen.

In Runde 2 draftete man DL Marlon Davidson, ein Hybrid zwischen Defensive Tackle und Edge-Rusher. Davidson gilt als vielseitiger Spielertyp, der am College viel End spielte, in der NFL in Standard-Downs aber v.a. innen projected, nur in Jumbo-Packages ruhig an die Flanke gestellt wird.

3rd Round-Center Matt Hennessy ist auf den ersten Blick eine komische Einberufung, wohl eine Art Versicherung gegen das nahende Karriereende des langjährigen Starters Alex Mack. Center ist keine der wichtigen Positionen in einer Offense, doch einen 3rd Rounder kannste schonmal opfern – und gerade in der Offense Line gilt das Motto: Lieber ein Jahr zu früh draften als zu spät.

Soweit, so verständlich das alles.

Doch man kann den Falcons-Draft nicht analysieren ohne nicht zumindest anzusprechen was hätte sein können: An #16, als man Terrell zog, war mit WR CeeDee Lamb noch einer der „Blue-Chipper“ auf dem Board, ein potenzieller Super-Prospect für die Passing-Offense.

Es ist verständlich, dass Atlanta mit einem WR Julio Jones und einem WR Calvin Ridley, den man erst vor zwei Jahren in der 1ten Runde gedraftet hat, nicht schon wieder Receiver ziehen kann, doch im Sinne von „Stärke zu gigantischer Stärke machen“ wäre eine Lamb-Einberufung vertretbar gewesen.

Natürlich hilft Cornerback beim Stoppen einer Passing-Offense, doch die Bradys und Breeses dieser Welt kann man genauso gut mit massiver Offense unter Druck setzen. Ich denke, Atlanta hätte ruhig darüber nachdenken können, hier einen „three deep“ nach dem Mid-Season Verkauf von WR Sanu nach New England anzugehen – auch mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass Jones schon in seine zehnte Saison geht und vielleicht nicht mehr ewig durchhalten wird.

GM Thomas Dimitroff war in den letzten Jahren nie um einen riskanten 1st-Round Pick verlegen – durchaus interessant, dass er just diesmal eher konservativ draftete.

2 Kommentare zu “Atlanta Falcons Draft 2020: Für einmal konservativ

  1. Die Notenvergabe mit C ist hier ein bisschen seltsam, vor allem wenn man es mit dem Draft der Jets gestern vergleicht. Die Picks der ersten drei Runden sind alle sehr solide, keine Reaches, aber auch keine Steals (soweit man das bis jetzt sagen kann). Klar kann man über den Value der Wahl von IOL diskutieren aber, wie du schon sagst ist da 3. Runde doch völlig oke.
    Da finde ich es etwas komisch dann den Nichtpick von CeeDee Lamb als starken Kritikpunkt zu sehen. Auf WR ist man auf 1 und 2 echt gut aufgestellt und die Defensive hatte (bzw. hat noch immer) Lücken ohne Ende (S vllt mal ausgenommen). Die Versuchung eines starken WR-Corps kann ich absolut nachvollziehen, aber ist es das Wert dafür die Löcher in der Defensive zu lassen?
    Meiner Meinung nach schwer zu sagen. Evtl. wird man es bei den Cowboys sehen, die eine ähnliche Situation hatten, auch wenn hier die Defensive insgesamt weniger Lücken hatte und allgemein auf einem besseren Niveau ist.

    Kritischer finde ich dagegen, das man in diesem Draft gar keinen Receiver genommen hat (historische Klasse und so) und auch nicht mehr Picks generiert hat.

    Grundsätzlich ist auch die Note C oke, aber nicht wenn die Jets auch ein C bekommen. Die gehen wesentlich mehr Risiko mit all ihren Picks und verzichten „noch mehr“ auf Lamb und Jeudy.

  2. Danke für die ausführliche Rückmeldung.

    Pool = C ist ein bisschen ein Sammeltopf für die Drafts, deren Plan erkennbar ist, deren Umsetzung ich aber entweder nicht zustimme oder die ich für nicht wirklich geglückt empfinde.

    Falcons sind in einem bitteren Zwischenzustand zwischen „gut genug, aber es muss ein bisschen was zusammenkommen, dass alles klickt“ und „zu instabil für ganz oben“.

    Ich denke, Lamb wäre in Atlanta noch ein besserer Fit gewesen als in New York, weil er die #2 oder #3 gewesen wäre. Jones macht vielleicht noch 1-2 Jahre auf dem Niveau, aber dann ist er auch schon um die 33 und wird abbauen. Die Chance hätte man nutzen sollen.

    In der NFC North kann man natürlich auf zwei Arten mithalten: Pass-Coverage oder einfach selbst wild scoren.

    Der Terrell-Pick zeigt halt ein bissl, dass Atlanta mit einem zu klaffenden Need in den Draft gegangen ist und daher gezwungen war, den schwächeren Prospect auf einer Lücken-Position zu ziehen anstatt sein Potenzial zu maximieren. Diesbezüglich ist man in einem ähnlichen Boot wie die Jets auf OL und WR.

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