Unverzeihlich: Rams-Draft 2020

Gestern hatte ich die Draftklasse der New England Patriots im Review. Sie haben vor eineinhalb Jahren Superbowl 53 gegen die Los Angeles Rams gewonnen. Deren Klasse von 2020 schauen wir uns heute an.

Die Rams befinden sich in einem sehr merkwürdigen Zustand. Die Superbowl fühlt sich, obwohl keine 16 Monate her, wie eine ferne Erinnerung an. Seitdem man gegen die Pats nur erbärmliche 3 Punkte zustande brachte, haben die Rams u.a.

  • QB Jared Goff eine fette Vertragsverlängerung gegeben
  • Leistungsträger wie DB Lamarcus Joyner, DT Ndamukong Suh oder OG Rodger Saffold abgegeben
  • Eine extrem harzige Saison 2019 mit vielen Offense-Problemen und enttäuschendem 9-7 Record gespielt
  • Ihre beiden 1st Rounder 2020 und 2021 für CB Jalen Ramsey verkauft
  • Sich von DefCoord Wade Phillips und RB Todd Gurleys Monstervertrag getrennt
  • WR Brandin Cooks an die Texans verkauft

Der Kader, damals noch eines der Symbole für viel Tiefe dank Rookie-QB Vertrag, ist heute ziemlich ausgeblutet und an einigen Stellen geradezu dünn besetzt. Da verblüfft es, dass die ohne einen 1st Rounder operierenden Rams mit ihrem ersten Pick, der #59 in der zweiten Runde, mit Cam Akers einen Runningback drafteten!

Der Akers-Pick gehört zur Kategorie derjenigen, die mich depressiv machen. Er zeigt erbarmungslos auf, wie die Entscheidungsträger der Rams Probleme analysieren und zu welchen Schlüssen sie kommen:

  1. Gurley war nicht wegen der Austauschbarkeit von Runningbacks ein Bust, sondern wegen seiner Verletzung
  2. Runningback ist der Treiber von Laufspiel, nicht Scheme oder Offense Line
  3. Laufspiel ist essenziell um die Offense und Play-Action in Schwung zu kriegen

Alle Schlüsse gehen an sämtlichen Erkenntnissen von Analytics in den letzten 10 Jahren vorbei. Nicht knapp vorbei. Sie sind das diametrale Gegenteil dessen, was Analytics seit langem predigt.

Man kann argumentieren, dass es „nur“ der #59 Pick war. Verstanden. Doch es war der erste Pick jener Rams, die in kaum hohe Picks in den nächsten zwei Jahren haben, und er zeichnet kein progressives Bild.

Sean McVay ist unbestritten ein sehr guter, innovativer Coach. Seine Play-Designs haben Offenses in Washington und Los Angeles in kürzester Zeit besser gemacht. Doch es ist nicht das erste Mal, dass er unter den ganz Konservativsten seiner Zunft rausläuft. Dass er und GM Les Snead offenbar die Runningback-Position als das Problem herauskristallisiert haben und nicht die zuletzt so verheerende Offensive Line, ist erstaunlich.

Man kann natürlich argumentieren, dass jene O-Line für Regression zur Mitte prädestiniert ist: Sie hatte in LG Saffold nur einen wesentlichen Abgang und stürzte im PFF-Ranking dennoch von Top-5 auf #31 ab. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass gerade RT Havenstein wieder zu sich findet, und dass der junge OG Blythe einen Sprung nach vorn macht.

Aber dann reden wir immer noch über eine Line, deren Aushängeschild LT Andrew Withworth in Kürze 39 wird. Zukunftsplan erkennbar = nada. Der Akers-Pick deutet „win now“-Denke an in einem Kader, der eher mit Perspektive zwei Jahre umgebaut werden sollte. Wenn Withworth einen Schritt zurück macht, dann tschüss gute Nacht.

Sonst so

Der andere 2nd Rounder war WR Van Jefferson, der wohl als WR3 eingeplant ist. Jefferson bietet athletisch nicht viel an und ist mit 24 Lenzen recht alt. Nur mal so als Nugget: Jefferson ist vor A.J. Brown und DK Metcalf (beide Draftpicks 2018) zu den Ole Miss Rebels gekommen, wurde dann von diesen beiden dort verdrängt, und transferierte rüber nach Florida. Er ist ein recht schmaler Receiver, gilt zumindest als spielintelligent.

3r-Round Passrusher Terrell Lewis ist eine willkommene Ergänzung für den komplett ausgebluteten Edge-Rush, wo sich zuletzt der einzige End von Format, Dante Fowler, nach Atlanta verabschiedet hat.

Der beste Rams-Pick ist S Terrell Burgess Ende von Runde 3. Burgess kann Slot spielen und bringt einiges Potenzial in das Defensive Backfield der Rams, das sich mit Jungspunden wie den beiden 2019 gedrafteten CB David Long und Tyler Rapp sowie Burgess jetzt recht nice liest.

Ich habe Note = D vergeben. Der erste Pick ist einfach zu grausam. Er lässt sich nicht schönreden. Eine Einrechnung des Cooks-Verkaufs würde mich zu einer Note Upgrade verleiten, doch wir tun das nicht. Wir bewerten hier ganz einfach die Draftklasse und den Prozess der Rams. Und dort ist die Denke hinter dem allerersten Pick so unverzeihlich, dass ich daran nicht vorbeischauen kann.

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