Der neutrale Denker: Russell Wilson

Vor kurzem war Russell Wilson beim TED Talk zu Gast. Thema: Das Geheimnis, unter Druck ruhig zu bleiben.

Wilson hat schon vieles durchgemacht – auf dem Feld und daneben: Er hat eine Superbowl gewonnen und ein Jahr später die entscheidende Interception an der Goal-Line zur Superbowl-Niederlage geworfen. Er verlor seinen Vater einen Tag nach dem ersten großen Höhepunkt seines Lebens – der Einberufung als Baseball-Profi in der MLB. Er heiratete, ließ sich scheiden, heiratete wieder.

Wilson spricht hier 6 Minuten lang darüber, wie man sich unter Druck oder auch in einer Krise nicht verrückt machen lässt:

Ein paar Takeaways:

  • Mindset sei eine Fähigkeit („skill“), die sich erlernen und trainieren lasse.
  • Wilson ist ein Verfechter des „neutralen Denkens“. Es ist eine Denkweise, die versucht, Optimismus und Pessismismus so gut es geht auszuklammern.
  • Optimismus würde im besten Fall ablenken vom Wesentlichen und sei im schlechtesten Fall gefährlich.
  • Pessismismus dagegen sei vor allem deshalb problematisch, weil es dich immer runterzieht und unnötig ins Grübeln bringt.
  • Neutrales Denken dagegen ist die Fähigkeit, die Situation zu akzeptieren und daraus das beste zu machen. Schlüsselaussage hier: „You have a choice, right now in the middle of the storm, to decide to overcome”
  • Das ist das so oft beschworene „Vergessen von Fehlern“B. von Interceptions im bisherigen Spiel. Aber es ist laut Wilson so viel mehr: Die Situation ist wie sie ist, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, es gilt den Fokus auf den nächsten Task zu richten – und nur auf den nächsten Task. Alles andere könne man in dem Moment eh nicht beeinflussen.
  • Im Prinzip versucht das neutrale Denken, Emotionalität / die Hitze des Gefechts auszuklammern. Wilson betont, dass er trotzdem Emotion fühle. Aber es sei ein Unterschied, Emotionen zu fühlen oder emotional zu sein bzw. emotional zu handeln („you have to stay focused on the moment. It’s OK to have emotions, but don’t be emotional“)
  • Ein zentrales Element vom neutralen Denken ist die Akzeptanz, dass sich die Vergangenheit nicht ändern lässt. Es killt jeden Versuch, sich unnötiger Illusionen hinzugeben. Es unterdrückt möglichst viele jener fehlerhaften Denkmuster („biases“), von denen die Welt voll ist – Selbstüberschätzung, Recency Bias, Confirmation Bias, Optimismus, Pessismus.
  • Die Realität so zu erfassen wie sie ist, ist also oberstes Ziel. Das ständig aktive Unterbewusstsein (bei Kahneman „System 1“) ist dabei nur hinderlich.

Neutrales Denken sei nicht auf Situationen mit hohem Druck beschränkt. Es sei vielmehr ein way of life und tauge zur Lebenseinstellung. Du setzt dich hin, schreibst auf wohin dein Leben gehen soll, dann denkst nach wo du jetzt bist. Und dann setzt du die notwendigen Schritte um das Ziel zu erreichen. Wichtig – nicht alles auf einmal, sondern Schritt für Schritt.

Wilson trainiert diese Denkmuster schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Sie seien unumgänglich für Top-Leistung in kritischen Momenten.


PS Der schwarte Quarterback Wilson hat in den letzten Tagen auch eine sehr intelligente Pressekonferenz zu den Rassenprotesten gegeben, das in den nationalen Medien und auf Twitter relativ wenig Resonanz gefunden hat. Daher hier der Verweis für die Interessierten.

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