Herbstsaison auf der Kippe

Das Coronavirus bleibt in den USA auf dem Vormarsch.

War Corona in den ersten Monaten vor allem ein Phänomen in den demokratisch dominierten Staaten, so hat das Virus in den letzten Wochen verstärkt die Trump-Regionen in den Rednecks befallen:

Mittlerweile soll auch der mittlere Westen stärker befallen sein – die Zone der Big 12 Conference. Heute Nacht verkündete Donald Trump auf einer furchtbar schief gelaufenen Wahlversammlung in Tulsa auch freimütig, wer an dem Debakel schuld ist:

Auch mindestens acht NFL-Mannschaften haben in den letzten Wochen Infektionen in ihrer Organisation – entweder Spieler, Coaches oder Angestellte – bekannt gegeben, zuletzt die Tampa Bay Buccaneers, ein paar Tage davor auch die Cowboys mit Zeke Elliott.

Nach Theorie von Dr. Fauci ist die NFL-Saison nur durchführbar, wenn Angestellte wie Coaches und Spieler praktisch in einer Blase leben und arbeiten. Die NFL arbeitet seit Wochen an der Verfeinerung ihres Sicherheits-Protokolls, das vor allem die Abhaltung von Trainingseinheiten und den Spieltag betrifft.

Gedanken und Vertiefung von Pro-Football Doc David Chao dazu hier auf Twitter:

Die Spielergewerkschaft NFL Players-Association hat nach den jüngsten Vorfällen ihre Spieler bereits gewarnt, vorerst auf gemeinsame Trainingseinheiten zu verzichten – und das rund einen Monat bevor die offiziellen Trainingslager beginnen sollen:

Wie sieht es im College Football aus?

Vor ein paar Tagen hatte Ed Feng vom „Power Rank“ einen Podcast mit dem Statistiker Paul Schultz, in dem der Forecast auf die Herbstsaison nicht überaus optimistisch klang: NFL-Saison wird recht sicher erwartet, doch eher ohne Zuschauer als mit – doch im College Football wartet die Bombe nur darauf hochzugehen: Schultz gab einer vollen College-Football Saison mit regulärem Saisonstart nur eine sehr geringe Chance.

Wo die NFL als zentrale Instanz recht schnell einheitliche Regeln zu schaffen imstande sei, ist College Football viel kleinteiliger. Kleine Universitäten, die auf Zuschauer-Einnahmen angewiesen seien, könnten sich eine Saison vielleicht gar nicht leisten – und das habe dann natürlich auch Auswirkungen auf die non-Conference Spiele. Ergo ist ein reiner Conference-Spielplan wahrscheinlicher als eine volle Saison.

Wenn es aber überhaupt dazu kommt. Große Sportprogramme wie Texas oder USC tendierten in den letzten Wochen dazu, ihre Spieler auf den Campus zu holen um dort unter abgeschotteten Umständen anstatt in den öffentlichen Fitnessstudios zu trainieren – und sie dort auch zu testen. Das klingt alles nach einer vernünftigen Idee, doch dann führte das Testen in den letzten Tagen z.B. bei den Mannschaften der beiden College-Football Finalisten Clemson und LSU zum Bekanntwerden von Masseninfektionen bzw. direktem Kontakt mit Infizierten.

Das Problem liegt weniger in der Zusammenkunft der Sportler. Amerikaner lassen sich qua Selbstverständnis bekanntlich nicht gerne sagen was sie zu tun haben und – für uns in Europa noch immer undenkbar – feiern in diesen Zeiten munter weiter: Das Virus grassiert scheinbar vor allem in den noch immer stark frequentierten US-Nachtclubs.

Stand jetzt kann man also recht sicher von einer verkürzten, verschobenen oder komplett ausfallenden, aber fast sicher keiner vollen College-Football Saison ausgehen. Doch mit dem nicht genug, denn wenn es so weitergeht, wackelt auch die NFL.

7 Kommentare zu “Herbstsaison auf der Kippe

  1. Meiner Meinung nach wird eine Saison nur stattfinden, wenn sich die Teams für die Spielzeit völlig Isolieren und die Spieler wie in einer Kaserne völlig von der Außenwelt abgeschottet sind. Wenn sie weiterhin Kontakt mit ihren Familien haben, wird es denke ich zu diversen Fällen kommen und wie soll dann die Liga dann noch einen geregelten Spielplan schaffen? Dass sich die Fallzahlen wie in Europa entwickeln, wo jetzt ja auch professioneller Sport möglich ist, halte ich mit dem Präsidenten für ausgeschlossen. Ist bloss die Frage, ob die Spieler dass mit sich machen lassen. Es bleibt wirklich spannend, aber da so viel Geld auf dem Spiel steht, wird es irgendeine Lösung geben müssen. Für die College Saison wird es noch schwieriger, da die Spieler ja auch noch zu ihren Kursen müssen (oder weiterhin nur Online Unterricht?) . Es bleibt leider spannend.

  2. Ich weiß nicht wie man es realistisch durchführen will.
    Ohne Fans in den Rängen? Kann ich mir nicht vorstellen. Da es ja sogar teils mit in den Taktiken eine Rolle spielt.
    Mit Fans wäre aber noch schlimmer.

    Zehntausende die Woche für Woche durch die Staaten pilgern und stundenlang laut brüllend aufeinder hocken. Ja…wenn es da nicht zu Infektionen kommt dann wird es nirgendwo zu welchen kommen. Und die Infizierten bleiben dann ja auch nicht in der Stadt sondern fahren wieder nach Hause. Besser und schneller über das gesamte Land verbreiten geht fast nicht.

    Auch dürfte es interessant sein wie sehr die NFL das Leben der Spieler riskieren kann/will.
    Verletzungen durch den Kontaktsport selbst geraten schon in die Kritik, aber man stelle sich vor ein namenhafte Spieler wird krank und stirbt weil er langsam an seinen eigenen Körperflüssigkeiten erstickt ist…daaaaammmmn. Die Liga würde auseinander genommen werden. Da würden etliche Köpfe rollen und wahrscheinlich noch in fünf Jahren Klagen laufen. Das wäre eine Katastrophe sondergleichen für die Liga.

    Auch darf man nicht vergessen das so ziemlich jeder auf dem Feld teils mehrfacher Millionär ist. Und so arschig es klingt…wenn ein Reicher stirbt ist eine ganz andere Sache als wenn Sicherheitsmann Bob, der mit dem Mindestlohn, über die Klippe geschubst wird.

    Ich bin gespannt, in Amerika läuft gerade ja vieles nicht wie es soll. Und ein gewisser oranger Affe hat sich scheinbar entschieden so viele wie möglich noch mitzunehmen.

  3. Ich glaube kaum dass der Großteil der NFL Spieler mehrfache Millionäre sind. Da die durchschnittliche Karriere nur 3 Jahre dauert und das Gehalt da nicht so hoch ist. Die wollen aufs jeden Spielen um das Geld zu haben, daher wird die NFL Saison stattfinden.

    Zumal UFC, Boxen, NHL und NBA aktuell auch wieder anfangen da ist auch Kontakt dabei. Da ist der Sprung zur NFL nicht so weit.
    Anders sieht es beim CFB aus.

  4. Ich glaube auch dass die Saison stattfinden wird, allerdings sicher mit Einschränkungen. Zu groß ist die Diversität der Teams bzw. Owner und der Regionen in den USA, als dass man da ohne Wettbewerbsnachteile einfach jeden das tun lassen könnte, was dort gerade erlaubt ist. Außerdem brauchen die Teams – jetzt ganz unabhängig wo ihre Owner politisch stehen – ja auch Planungssicherheit.

    George und Eric haben das im PFF Forecast recht gut analysiert die letzten Wochen: Die NFL hat seit Corona ein Thema wurde konsistent die Strategie gefahren, dass sie planen alles wie immer zu machen – und erst wenn es wirklich nicht mehr anders geht wird im letzten Moment etwas geändert (die Kontingenzpläne dafür liegen natürlich nicht erst einen Tag vorher auf – es wird halt nur öffentlich so kommuniziert). Damit ist die NFL, gerade im Vergleich zur MLB, die es gerade grob schleudert, bislang aus meiner Sicht gut bis sehr gut gefahren – der Draft z.B. war ein voller Erfolg und auch jetzt läuft die Berichterstattung quasi normal durch, obwohl die NFL die BLM-Bewegung bis heuer ignoriert bis torpediert hat und erst jetzt eine komplette Kehrtwende vollzogen hat. Selbst das haben sie angesichts der Umstände gut hinbekommen. Die junge Generation an Superstars um Mahomes haben sich eindeutig zu BLM, aber nicht gegen die NFL bekannt. Wie aktiv die NFL das gesteuert hat kann ich nicht sagen, aber das Ergebnis ist aus Sicht der NFL gut. Sie steht relativ neutral da, obwohl ihre Handlungen in den letzten Jahren alles andere als neutral waren – und wenn man nun vielleicht noch Kaepernick wieder zurück in die Liga holt und das gut verkauft, steht die NFL – natürlich auch durch den krassen Kontrast zu Trump und seinen eingefleischten Anhängern – am Ende sogar noch als progressiver ‚good guy‘ da, obwohl sie (neben der MLB) zu den konservativsten Ligen gehört.

    Für Colleges, da sehe ich in der Tat auch eher schwarz. Dafür fehlt den Colleges, NCAA zum Trotz, einfach der zentrale Verhandlungsführer, den es bei den hunderten an einzelnen Unis einfach nicht gibt und auch nicht geben wird. Ich glaube z.B. schon, dass die SEC spielen wird – da steht auch viel zu viel TV-Geld dahinter, als dass man da komplett drauf verzichten wird – aber so als USA-weites, zusammenhängendes Event kann ich mir College Football 2020 nicht vorstellen. Es könnte gut sein, dass alles etwas kleiner, etwas regionaler und damit besser überwachbar wird – und das verkauft man dann halt als ‚local heroes‘ Narrativ. Da fällt den PR-Abteilungen schon was ein für eine Saison.

  5. Ich bezweifle immer mehr, dass die NFL-saison stattfindet.
    Ein Roster sind allein über 50 Spieler. Dazu Trainerstab, Kabelträger, Deflators, Schiris, Sicherheitspersonal, Aufbauer, Abbauer, Technikleute, TV-fuzzis, medizinisches Personal, Fahrer, …
    Selbst wenn man das komplette Publikum ausschließt, treffen da hunderte von Menschen aufeinander. In 16 Stadien gleichzeitig. Wenn nur ein einziger positiv ist, kann Mahomes/Brady/Wilson infiziert werden und Wochen ausfallen oder längerfristig krank werden. Oder Schlimmeres.
    „Die werden einfach alle vor jedem Spiel getestet“. Hmh. Abgesehen davon, dass man in der ersten Zeit symptomfrei ist, möchte ich an dieser Stelle an das deutsche Krankenhaus erinnern, wo sie vergessen haben, die wild hustende Putzfrau zu testen. Das Ergebnis waren mehrere Tote. Und das war das penible, bürokratische Germany.

    Dazu kommt die unaufhaltsame Naturgewalt in orange: Trump gibt ja wirklich alles, damit sich Corona möglichst lang hält.

  6. #Zynismus an# STARTEN wird die NFL Saison bestimmt. Dafür ist zu viel Geld via FErnsehvertrag unterwegs. Ich vermute, dass die EInnahmen am Spieltag (Ticket, Wurst, Bier) nur das Extra ist, im Kern ist PRofi-Sport heute TV-Sport.
    Auch die Laxheit unter Trump hilft: wenn generell Großveranstaltungen (siehe Trump-Wahlkampf-Veranstaltungen) stattfinden können, dann kann auch Profi-Sport stattfinden.
    Ob die Saison zu Ende gespielt werden kann, hängt dann vom Verlauf der GRippe-Saison 20/21 ab. #Zynismus aus#
    #Ernsthaft, aber Küchenpsychologie#: ich glaube, dass es ein menschliches Grundbedürfnis nach GEmeinschaft und Gruppengefühl gibt. Von Typ zu Typ unterschiedlich ausgeprägt, aber viele brauchen ab und zu mal große Emotion in großer Gruppe. Ich glaube, dass so etwas wie die Randale in Stuttgart auch begründet ist in Mangel an solchen Erlebnissen in den letzten MOnaten. Vielleicht ist es irgendwann eine politische Abwägung auch in D: wir öffnen wieder Clubs und Stadien, bevor die besonders testosteron-hochdotierten Mitbürger zurück in die 1950er JAhre gehen: jedes Wochenende Kloppen auf einem anderen Dorfplatz.

  7. Erstaunlich, dass die Menschheit nach tausenden Jahren Entwicklung nicht über „Brot und Spiele“ hinausgekommen ist.
    Nicht umsonst werden umstrittende Gesetze gern während der Fußball-WM verabschiedet.

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