Detroit Lions vs. Kansas City Chiefs 2019 in der Analyse

Ein Rückblick auf eines der verrückteren Spiele in der ersten Phase der Regular Season 2019/20: Detroit Lions vs. Kansas City Chiefs. Die Chiefs gewannen knapp 34-30 im Ford Field, aber es war eine Partie auf Messers Schneide.

Das Spiel gibt es hier in voller Länge for free bei Youtube. Highlights sind hier.

Die Ausgangslage

Die Chiefs hatten in den ersten drei Wochen ihre Gegner regelrecht zertrümmert…

  • @Jacksonville 40-26
  • @Oakland 28-10 mit 4 TD in einem Viertel
  • vs Ravens 33-28 (eine von nur zwei Ravens-Niederlagen)

…traten aber ohne den verletzten Tyreek Hill an.

Detroit war 2-0-1. Die Lions hatten gegen Arizona eine klare Führung verspielt und danach knapp die Chargers und Eagles geschlagen. Gegen die Mahomes-Offense gab es aber viele Zweifel – v.a. weil in CB Darius Slay und S Diggs zwei wesentliche Coverage-Starter fehlten.

Der Spielverlauf

Es war eine wilde Partie. Detroit kam aggressiv mit bildhübschen tiefen Pässen raus und führte schnell 10-0…

…aber die Chiefs glichen alsbald aus. Die Lions verpassten dann eine Minute vor Halbzeit die Chance, ein 4th&1 auszuspielen, weil der Center ins Abseits sprang und mussten ein langes Fieldgoal schießen – ließen aber genug Zeit für Mahomes auf der Uhr um noch einmal auszugleichen: 13-13 zur Pause.

Im dritten Viertel dann brach die Hölle herein: Chiefs fumbeln den Opening-Kickoff, aber die Lions verschenken die Punkte, weil zuerst ein Touchdown-Catch von Kenny Golladay zurückgepfiffen wird und dann QB Matthew Stafford den Ball in der Redzone wegfumbelt:

Nächster Drive der Chiefs, und wieder ein Fumble – diesmal schlägt der bärenstarke EDGE Trey Flowers dem Runningback den Ball aus der Hand, aber nicht dem laxen Ballträger Shady McCoy (meine Nichte hält ihre Puppe wie McCoy seinen Ball), sondern dem späteren Starter Damien Williams!

Wieder verpassen die Lions, Kapital daraus zu schlagen – und diesmal kommt es noch schlimmer: Fumble Kerryon Johnson an der Goal Line und ein 99-yds Return zum Chiefs-Touchdown. Eine kuriose Situation, in der die Refs mehr oder weniger beliebig weiterspielen ließen und dann aus Mangel an Beweisen den Call nicht mehr zurücknehmen konnten:

20-13 Chiefs, doch im nach dem Anschluss-Fieldgoal zum 20-16 erneut ein Fumble der Chiefs, diesmal von WR Watkins beim Aufstehen. Der sehr aufmerksame, aggressive CB Justin Coleman schlägt den Ball frei – jener Coleman, der schon in der ersten Halbzeit mit einer famosen Pass-Defense einen Chiefs-Touchdown verhindert hatte!

Diesmal versenken die Lions – ein atemberaubender Stafford-Pass in eine unmögliche Lücke:

23-20, und die Chiefs kontern mit einem Scoring-Drive, in dem Mahomes beginnt eine zunehmend passive Lions-Defense auseinanderzunehmen. Ganz ohne Wunder-Plays geht es dabei nicht.

Die Lions kontern noch einmal 2:31 Minuten vor Schluss mit einem nicht unumstrittenen Golladay-TD zum 30-27.

Aber 151 Sekunden sind für Mahomes eine Ewigkeit – und Mahomes führt die Chiefs dann doch noch zum Erfolg. Ein 4th&8 als die kritischste Situation, doch Mahomes holt per Scramble das 1st Down und danach hat Kansas City an der Goal Line sogar genug Zeit um noch per Laufspielzügen zum TD einzulochen.

Staffords Hail-Marys fallen am Ende flach. Chiefs 4-0, Lions nach der ersten Niederlage 2-1-1.

Die Takeaways

Zum ersten: Stafford war Anfang der Saison 2019 Augenweide. Detroit mit vielen tiefen Shots schon im Play-Calling sehr aufregend, aber Stafford war auch seinerseits mit fulminanten Pässen in engste Deckung zum Knuddeln – so wie dieser hier:

Mit Verlaub: Solche Dinger sind einfach geil.

Ärgernis in der Lions-Offense: Obwohl die Passing-Offense in 1st und 2nd Downs satte 0.39 EPA/Dropback fabrizierte, blieb OffCoord Darrell Bevell bei einer 50% Run-Quote. Da ist dann „retardiert“ die richtige Vokabel. Selbst den tödlichen Johnson-Fumble zum Chiefs-Touchdown herausgerechnet machte die Rushing-Offense nur 0.00 EPA/Run. Was besser ist als eine gewöhnliche Rushing-Offense. Aber eben dennoch nicht genug.


Die Story des Spiels war aber nach dem Spiel die Lions-Defense. Ich hatte das im September in der Eile des Gefechts gar nicht mehr so sehr verfolgt, doch die Reaktionen nach dem Spiel gingen in etwa in diese Richtung:

  1. Die Lions haben was Ultra-Geiles aufgeführt um Mahomes einzubremsen
  2. Mahomes, weil eben Mahomes, machte dennoch 300+ Pass Yards und den entscheidenden TD-Drive

Zu Punkt 1: Ich bin mir nach All-22 nicht mehr so sicher, ob die Lions wirklich schematisch so viel Besonderes gemacht haben. Es wirkte alles eher wie simple Kost, was die Defense anstellte:

  • TE Kelce schien sehr oft gedoppelt zu werden, manchmal sogar sehr auffällig in einem klassischem Double-Team an der Anspiellinie
  • Hohe Manndeckungs-Quote, aber das ist nicht ungewöhnlich für eine Matt-Patricia-Defense.
  • Viel Cover-1 mit einem sehr tief stehenden Safety (oft 20 Yards downfield beim Snap) und eingestreut Cover-2 Man mit zwei tiefen Safetys und vorne Manndeckung.
  • Viel Betrieb an der Anspiellinie: Meistens 6 Mann zum Snap, und irgendwann lösen sich 1-2 Defender und droppen nach angetäuschtem Passrush in Coverage; das verwirrte Mahomes eine zeitlang sichtlich
  • Letztlich also viel 3-Man Rush (1/3 der Snaps) auf den Quarterback

Aber das ist alles Patricia-Alltagskost. Schematisch fand ich das Spiel eher Standard. Die Defense spielte schlicht sehr sauber, machte kaum Fehler – und das war eindrucksvoll gemessen daran, dass auf Outside-CB mit Melvin und Ford zwei unbeschriebene Blätter gegen die Chiefs-Granden ranmussten.

Die Defense war sehr gut vorbereitet. Solche Spiele sind ein Grund, warum ich immer wieder zwischendrin an Patricia als „Defense-Meister“ glaube. Lichtblicke, nach denen ich glaube, dass es doch noch was werden könnte in Detroit – nur kommen nach solchen brillant eingestellten Spielen immer wieder absurde Stinker, die einen zurück in den Modus „Patricia = Flachpfeife“ versetzen.

Im Schlussviertel brach die Defense dann doch noch ein. Cover-1 und Cover-2 Man als die einzigen beiden Konzepte waren wahrscheinlich alles, was das Personal hergab, aber es wurde dann wohl doch zu vorhersehbar. Die Chiefs schienen im Schluss-Drive sehr genau zu wissen was sie erwartet, und Mahomes hatte keine Probleme mehr, die Abwehr zu zerpflücken.

Der einzige kritische Moment, das 4th&8, löste sich per Scramble: Kelce mal wieder gedoppelt, alles hinten in Coverage und kein Spy, und Mahomes ist als Athlet viel zu gut um solch eine Situation nicht zu nutzen.


Zu Punkt 2 Chiefs-Offense: Sie hatte definitiv nicht ihren besten Tag. Mahomes bohrte lange an dem Brett und hatte einige ungewöhnliche Pässe ins Nichts. Aber dann waren auch wieder solche brillante Konzepte mit drin, die man erst dann wirklich zu schätzen lernt, wenn der große J.T. O’Sullivan sie im Video-Breakdown zerlegt:

In Summe eine bittere Niederlage für Detroit, aber eine Vorstellung, die auch für 2020 Hoffnung macht. Mit QB Stafford war das ein richtig wettbewerbsfähiges Team, und die Defense kann auf solchen Performances wie von Trey Flowers oder Slot-CB Coleman (der war danach auch lange verletzt) auch aufbauen und geht personell verbessert, vor allem tiefer, in die neue Saison.

Ein Kommentar zu “Detroit Lions vs. Kansas City Chiefs 2019 in der Analyse

  1. Schöner Artikel! Hab mir das Spiel auch nochmal angeschaut – in einer eher weniger von Football geprägten Zeit mal ne schöne Unterhaltung zwischendurch. Was für ein Turnover Spektakel das war 😀 Denke auch, dass die Lions Defense großteil solide gespielt hat und bei den Chiefs bisschen Sand im Getriebe war. Auf der anderen Seite konnte die Lions Offense das Tempo in weiten Teilen mitgehen, ziemlich beeindruckend!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.