Über die bevorstehende Namensänderung der Washington Redskins

Die Organisation der Washington Redskins hat gestern ein Statement veröffentlicht, in dem sie einen „internen Review“ des seit langem umstrittenen Team-Namens ankündigte. Die Interpretation in den einschlägigen US-Medien dazu ist eindeutig: Owner Dan Snyder wird den Namen seiner Franchise ändern.

Beziehungsweise: Ändern müssen.

Für einen Europäer ist die Kontroverse um den Teamnamen Redskins gar nicht so einfach nachzuvollziehen, daher hier in kurzen Stichpunkten ein paar Anhaltspunkte:

  • Die Redskins wurden 1932 als Boston Braves gegründet. NFL-Teams waren zu jener Zeit erpicht darauf, irgendwie Aufmerksamkeit zu erzielen, und weil die Mannschaft im ersten Jahr im Braves Field spielte, war der Name greifbar. Braves steht in den USA für einen Indianerstamm.
  • Besitzer George Preston Marshall zerstritt sich mit dem Stadionvermieter aber schon nach einem Jahr und wechselte in den Fenway Park – dort wo auch die Boston Red Sox aus der MLB spielten. Marshall hatte bereits die Indianer-Logos gedruckt hatte und weil Geld für ein Re-Branding in Zeiten der Great Depression eher knapp war und Marshall aufs Verrecken nicht dem Stadionvermieter mit „seinem“ Namen Braves helfen wollte, sah sich Marshall zum Improvisieren gezwungen.
  • Er änderte den Team-Namen in „Redskins“ – angeblich auch um den Headcoach seiner Mannschaft zu ehren, William Dietz, der sich als Angehöriger des Sioux-Stammes ausgab (spätere Untersuchungen des FBI legten nahe, dass Dietz allen mit seiner Geschichte einen Bären aufgebunden hatte – in Wahrheit war seine Story erfunden um vom Wehrdienst entbunden zu werden). Doch der Komplex Red Sox, Redskins und der unmittelbare Bezug zum Thema Indianer war auch ohne Dietz unübersehbar.
  • Die Boston Redskins wechselten 1936 nach Washington.
  • Das ursprüngliche Hauptproblem an den Redskins: Owner Marshall war durch und durch Rassist. Er wehrte sich sehr lange dagegen, schwarze Spieler unter Vertrag zu nehmen – als er 1961 schließlich den ersten Farbigen verpflichtete, war Washington das letzte integrierte NFL-Team – ausgerechnet in der Hauptstadt. Der politische Druck war zu groß geworden.
  • Das heute berühmte Logo wurde in den frühen 1970ern gemeinsam mit einem Stamm in South Dakota entworfen, doch die Kontroverse um den Team-Namen gibt es schon seit Mitte der 1960er.
  • Mehrfach sind über die Jahrzehnte Versuche einzelner Stämme, den Namen zu ändern, gescheitert. Immer wieder wurden Umfragen auch unter Stämmen der Ureinwohner durchgeführt, die immer wieder klar bis „eher“ zustimmende Werte zum Namen „Redskins“ Einigen dieser Umfragen wurden nicht ganz astreine Methoden nachgesagt.
  • Zuletzt verkündete der heutige Owner Dan Snyder 2013, den Namen NIEMALS („und ihr könnt NEVER ruhig in Großbuchstaben schreiben“) zu ändern.
  • Die Redskins-Franchise spielt seit 1997 gar nicht mehr in der Hauptstadt, sondern in Landover im Bundestaat Maryland vor den Toren der Stadt. Sie will jedoch aus dem ungeliebten FedEx Field ausziehen und nach D.C. zurückkehren. Doch eine der Bedingungen seitens der Stadtverwaltung soll die Änderung des Teamnamens sein.
  • Im Zuge der seit Wochen aufkeimenden Black Lives Matter-Proteste scheint das Klima nun so günstig wie nie zu sein, einen Namenswechsel zu provozieren: Die seit Jahren kämpfenden Oneida-Stämme aus dem Nordosten schafften es in den letzten Wochen, genug Druck auf große NFL-Sponsoren wie Nike, Pepsi oder FedEx auszuüben, dass diese nun mit einem Rückzug drohen, weil sie ihrerseits wirtschaftliche Einbußen befürchten, wenn sie mit offenbar als rassistisch wahrgenommenen Termini in Verbindung gebracht werden.

Wir sind weit gekommen, doch im Kern ist die Debatte auch hier simpel: Geld, die einzige Religion an die alle glauben, regiert die Welt. In dem Moment, in dem die großen Sponsoren begannen abzuspringen, kam plötzlich Bewegung in einen seit Jahrzehnten immer wieder aufkeimenden, aber letztlich rasch stagnierenden Fall.

Wie entwürdigend der Begriff „Redskins“ für die Nachkommen von US-Ureinwohnern wirklich ist, bleibt in der Wissenschaft umstritten.

Den klarsten Grund, solche mit der Indianer-Kultur assoziierbaren Namen und Logos auszutauschen, liefert eine Studie aus dem Jahr 2008, die die schiere reichweitenstarke Präsenz von Namen wie Redskins, Indians, Chiefs oder Braves in der Öffentlichkeit als potent genug dafür charakterisierte, dass junge „Natives“-Nachkommen mit Benachteiligungen im Ausbildungswesen zu kämpfen haben – zu simplifiziert wird diese mit Alkoholismus, Drogen und Spielcasinos stigmatisierte Bevölkerungsgruppe in den USA noch immer wahrgenommen.

Der andere wirklich unmittelbar greifbare Grund liegt beim Täufer selbst: George Preston Marshall war Rassist durch und durch, und allein die Tatsache, dass er einen heute umstrittenen Namen gewählt hat, sieht im Jahr 2020 schwer vermittelbar aus.

Die Redskins sind nicht das erste Team, das seinen Namen aus solchen Bedenken austauschen muss, und werden nicht das letzte sein – doch sie sind das bislang berühmteste: Sie sind eine der profitabelsten Sport-Organisationen in den USA, trotz jahrelanger sportlicher Misere.

In den 1990ern hat die University of Miami/Ohio ihren Namen von Redskins auf RedHawks geändert. Die Florida State Seminoles einigten sich erst nach langen Jahren der Streitereien mit dem Seminole-Stamm auf eine Art „Wirtschaftsbündnis“ und durften ihren Namen behalten. Die Cleveland Indians aus der MLB verzichten seit kurzem auf ihr Logo von Chief Wahoo.

Das Statement der Redskins war dann auch ein wenig bezeichnend für die ganze Kontroverse: Du kannst dir den Schrieb geben und du wirst in diesem Abgesang gut zehnmal auf den Namen „Redskins“ im Header und in den knappen Zeilen stoßen, und der ebenso von einem Ureinwohner-Volk abstammende Headcoach Ron Rivera brachte es zustande, auch noch das Militär in die Angelegenheit mit reinzuziehen – USA galore:

Die Geschichte um den Namen der Redskins geht also tiefer als das auch in den letzten Tagen immer wieder auf Twitter kommunizierte „Redskins ist rassistisch!“. Es ist durchaus nicht so eindeutig wie es in den letzten Jahren wirkt – doch die Stimmung für Veränderung scheint nun gekommen. Eine Namensänderung ist fast unausweichlich.

Weiterführende Infos zu dieser ganzen nicht immer einfach zu durchblickenden Thematik hier:

21 Kommentare zu “Über die bevorstehende Namensänderung der Washington Redskins

  1. Bei Chiefs bekommt man irgendwie keine Kontroverse um den Namen mit.
    Nur bei den Blackhawks (NHL), Braves und Indians (MLB). Wobei es da oft mehr um das Logo geht.
    Mal schauen in was WAS den Namen ändert, angeblich kann das noch vor Saisonbeginn passieren.

  2. @Klappflügel: Die Chiefs verwenden (jedenfalls inzwischen nicht mehr) auch keine degradierende Symbolik und der Begriff ‚chief‘ selbst ist erstmal bei Weitem nicht so aufgeladen wie ‚redskin‘, das nach sämtlichen gängigen Lexika ein racial slur ist. Und im Stadion bei den Chiefs sind auch keine Indianerkopfschmücke (die ebenfalls von vielen als sehr beleidigend empfunden werden) präsent.

    Das Publikum ist halt auch ganz ein anderes. Viel mehr Heartland als Kansas wird es dort nach meiner Erfahrung nicht ganz so hinterwäldlerisch ist, wie man annehmen möchte (okay, viel Landschaft gibts schon 😉 ) ist es doch kein Vergleich mit Washington oder Boston, oder eben auch Chicago, was den Druck der öffentlichen Meinung betrifft. Alle drei genannten Städte sind für amerikanische Geschichte symbolträchtig und damit wird natürlich auch so eine Diskussion viel symbolhafter – und letztlich geht es genau darum, um Symbole und die Hegemonie über deren kulturelle Verwendung und Interpretation. Dass da KC eher durch den Rost fällt, auch weil es eben grundsätzlich in der Verwendung schon weniger Stein zum Anstoß bietet, ist nicht so verwunderlich.

  3. @ Philipp S.
    Stimmt. Mir ist aber vorhin entfallen, dass es beim Arrowhead Stadion Kritik gibt/gab.
    An die Bedeutung der Städte hab ich gar nicht gedacht. Wobei Atlanta jetzt auch nicht so bedeutend sein sollte, aber da ist die Symbolik halt da.

  4. Wenn die angedachten Alternativen nur nicht so brutal phantasielos wären…
    – Washington Warriors
    – Washington F.C.
    – Washington Skins, Pigskins, Braves, Senators, Renegades, Federals

    Das sind so unauffällige Namen, wie sie ein Computerspiel hernimmt, das die offizielle Lizenz nicht hat (Bandits, Riders, Aces, … ).

    „Washington Redhawks“ (wie Miamis Uni) wäre definitiv mein Favorit.
    Wobei ich gerade sehe, dass „NFL Blitz“ 1997 bereits die „Washington Redhawks“ aus der Taufe gehoben hat. Die alten Hellseher. 🙂

    Sicher scheint nur zu sein, dass der neue Name auf „s“ enden muss. Das ist in der NFL offensichtlich ein ungeschriebenes Gesetz. Schade eigentlich.

  5. Riveras Vater war beim Militär kann eine Rolle spielen.
    @Dizzy
    NHL auch alles auf S, in der MLB bis auf die Sox(2x) auch alles auf S. Nur in der NBA mit Heat, Magic, Thunder und Jazz was ohne S.
    Aber wirken alle nicht so auffällig.

    Washington Senators hätte wenig minimal Tradition, da gab es einige Teams mit dem Namen.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Washington_Senators
    Könnte man also am ehesten aus der Liste nehmen.

  6. NHL alle auf S?

    Minnesota Wild
    Canadiens de Montreal
    Tampa Bay Lightning
    Colorado Avalanche

  7. „Redtails“ ist noch im Gespräch nach den ersten schwarzen Kampfpiloten der USA und einem Bussard in DC. Dürfte gute Chancen haben. Erfüllt sogar den Military-honor Punkt.

    Ansonsten hätte ich noch „Washington Orangeskins“ zu bieten gehabt.

  8. @Dudel
    Es ging um die NFL-Namen. Alle enden auf „s“, schöner Fun Fact, kannte ich noch nicht (oder war dem nicht gewahr)

  9. @NoBlackhat: Ich weiß. Aber Klappflügel hatte es im Kommentar vor meinem auf die anderen Major Leagues erweitert und dort geschrieben, dass es in der NHL auch so wäre.

  10. @Dudel
    Ich hab nur den Namen Montreal Canadienes gesehen und der endet auf s.
    Beim Rest hast du komplett recht, die hab ich übersehen.

  11. Der angebliche Favorit „Washington Warriors“ wäre ja so ziemlich das fadeste…

  12. Der neue Diskrimierungsskandal um DeSean Jackson der NFL ist auch furchtbar. 2020 ist eine PR-Katastrophe für die NFL. Das past.

  13. Ja ist lustig ein schwarzer wie DeSean Jackson
    Ist ein Bewunderer von Adolf Hitler 😀😀😀😀

  14. Pingback: Washington gibt Teamnamen auf - Österreichs Football Portal

  15. Pingback: Washington Harassers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  16. Pingback: All-32: Washington 2020 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.