Coronavirus in der NFL: Druck ist ein guter Ratgeber

Wenn es nur wichtig ist, interessiert es noch lange nicht jeden. Spannend wird es erst, wenn etwas wichtig und dringend wird.

So wie NFL, NFL-Spielergewerkschaft und das leidige Thema Corona-Tests.

Gestern hatte ich noch über das pathetische NFL-Management geschrieben, doch in letzter Sekunde wurde gestern noch eine Einigung getroffen um erstmal den Start der Trainingslager zu ermöglichen:

Für die Spieler gibt es zwei Covid-Tests an den ersten vier Tagen nach Aufschlagen in der Stadt, in der das Trainingslager abgehalten wird (also in der Team-Facility). Ab Tag 5 soll es für zwei Wochen tägliche Tests geben – und sollte dann die Infektionsrate unter 5% liegen, werden die Tests auf jeden zweiten Tag reduziert.

Wir reden in der Preseason von ca. 90 Spielern pro Team, was rund 2.900 Tests pro Tag nur für die Spieler in der NFL gleichkommt – Begleitpersonal, Coaches und Manager noch gar nicht eingerechnet.

Die Tests sollen in ein zentrales Labor geflogen und dort für alle Teams getestet werden um lokale Stationen nicht zusätzlich zu belasten – und dennoch will man Testergebnisse innerhalb von 24 Stunden garantieren.

Weitere Informationen zur Testprozedur sowie dem Umgang mit positiven Fällen gibt es bei NFL.com.

Liga und Spieler feiern diese „Errungenschaft“ als großen Schritt in Richtung Football, doch Punkt bleibt: Die Einrichtung von hohen Testkapazitäten war schon immer das Minimum und hätte längst geklärt sein müssen. Das Vorgehen der NFL behält einen schalen Beigeschmack, der weiterhin wenig Vertrauen in das Management in der Corona-Sache erweckt.

Jetzt bleiben noch zwei Knackpunkte offen: Die Aufteilung der Trainingseinheiten in Akklimatisierung/Padded/non-Padded Pratices, und die Anzahl der zu spielenden Preseason-Spiele. Bei letzterem Punkt schien die Liga gestern noch auf deren zwei zu pochen, die Spieler wollten keins, und so schien eine Preseason mit nur einem Spiel ein plausibler Schnittpunkt…

…doch über Nacht sollen sich die Spieler wohl durchgesetzt haben – es gilt als wahrscheinlich, dass heuer kein Preseason-Spiel stattfindet. Das freut die Stars, aber die ungedrafteten Rookies und jene aus den späteren Runden verlieren damit eine ganz große Chance sich zumindest kurz zu beweisen.

Doch das Argument steht: Keine unnötigen Risiken eingehen und so wenig wie möglich spielen um am Ende so lange wie möglich spielen zu können.

Zur Erinnerung: Die NFL will ihre Teams nicht wie andere Sportarten in eine „Bubble“ einschließen. Sie plädiert vielmehr an die Eigenverantwortung ihrer Spieler auch abseits der Facilities. Anders wird man solche Riesen-Kader eh nicht in den Griff bekommen.

7 Kommentare zu “Coronavirus in der NFL: Druck ist ein guter Ratgeber

  1. „Sie plädiert vielmehr an die Eigenverantwortung ihrer Spieler auch abseits der Facilities.“

    Rein aus Erfahrungswerten … das wird ohne Bubble krachend scheitern.

    An die Eigenverantwortung von NFL-Profis zu appellieren ist in etwa so, als würde der Referendar seiner pubertierenden Problemklasse auf dem Schulausflug in die nächste Großstadt erzählen, sie sollen aber alle brav eigenverantwortlich nur die Sehenswürdigkeiten betrachten und Abstand halten.

    Das klappt einfach nicht.

  2. Bubble ist bei solchen Kadergrößen und konstantem Personalwechsel aber schon a priori zum Scheitern verurteilt… die Optionen sind also beschränkt.

  3. Keine Preseason-Spiele finde ich jetzt nicht so schlimm. Nicht-eingespielte Teams und ins kalte Wasser geworfene Rookies, das provoziert Fehler und damit die Chance zu spektakulären Spielen und kleinen Überraschungen.

  4. @JoffreyG
    Ich muss mich nur in meiner Stadt umschauen um zu wissen das es kein NFL Spieler Problem ist sondern eher ein menschliches. Was für mich als jemand aus der Risikogruppe (Herzfehler) einfach „super“ ist.

    Aber ja…das wird nicht klappen. Da muss nur ein bekloppter Spieler eine Party für seine Kumpels (also 200+ wildfremde) schmeißen und schon hat es sich erledigt. Oder irgendwelchen privaten Trainingseinheiten obwohl jemand in Quarantäne sein müsste usw.

    Allgemein denke ich hat Amerika aber auch einfach aufgegeben. Bei dem Infektionsaufkommen sind selbst 13.000 Leute wie z. B. im Gillette Stadium zu viele Menschen. Vor allem Leute die dann Woche für Woche zwischen den Bundesstaaten pilgern. Und wie willst du da die Security schützen? Die Verkäufer? Selbst Reinigungskräfte?

    Aber hey…die 200k bekommen sie so wohl noch locker zusammen, außer Trump lässt die Zahlen nun extrem schönigen…was mich nicht mal mehr überraschen würde.

  5. Wow. Die NFL will tatsächlich einfach so ohne spezielles Facemask spielen lassen? In Zeiten, wo erwiesen ist, dass Corona nicht nur die Lunge (schlimm genug) und etliche Organe auf weitgehend unverstandene Weise schwer nachhaltig schädigt. Von Hirnschädigung schon bei leichtem Verlauf ganz zu schweigen.
    Und das in den USA, wo man auf Schadensersatz achtstellig verklagt.
    Trumps Dilettantismus, Arroganz und Rücksichtslosigkeit färben offenbar ab.

    Die sollten sich darum kümmern die Ansteckung zu vermeiden. Nicht nach der Ansteckung zu testen.

  6. Preseason-Ausfall ist wohl beschlossene Sache:

  7. Scheinbar sind beim MLB nun div. Spieler und Coaches bei den Marlins infiziert worden, so das sie nun den Heim Opener absagen müssen. Klappt ja bereits super…wie viele Tage spielt die MLB nun „schon“? 4-5 Tage? Nicht mal eine Woche!

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