Carolina Panthers 2020 in der Fragerunde

Guten Morgen.

Heute geht es in einem Interview mit Tom Maron (@tommausb) vom deutschen Panthers-Fanclub German-Riot um die Carolina Panthers, die nach der Übernahme von Head Coach Matt Rhule in eine neue Ära starten wollten – und auch extrem viele Moves gemacht haben. Aber welchen Impact haben sie wirklich – und wie ist die Franchise nach den Abgängen der Ikonen Cam Newton und LB Luke Kuechly aufgestellt?

Fragen und Antworten nach dem Sprung.

#1 Dein Zwischenfazit nach der ersten Offseason unter der neuen sportlichen Leitung um Headcoach Matt Rhule?

Tom Maron: In der Offseason ist extrem viel passiert, gerade was den Kader betrifft. Die Offense wurde eigentlich auf jeder Positionsgruppe verändert und wie ich finde bis auf den Quarterback auch verstärkt. Dann kam allerdings die Verlängerung McCaffreys, die das gute Gesamtbild der Kaderplanung in der Offense ein bisschen relativiert. Er ist zwar definitiv für mich der beste Spieler in der Offense mit einem wahnsinnigen Skillst, doch wurde die Offense durch ihn die letzten Jahre nicht wirklich besser. Gerade wenn man dann noch sieht, dass alle großen Verträge für  Running Backs in der nahen Vergangenheit sich nicht wirklich auszahlten, war dieser Move nicht wirklich nötig.

Trotzdem sollte der eine Move das ansonsten spannend zusammengestellte Team in der Offense nicht überschatten. Selbst ein negativer Karriereverlauf McCaffreys könnte vielleicht dann gar nicht so ins Gewicht fallen. Viel kritischer steh ich deshalb zur Kaderzusammenstellung in der Defense. Der Fokus lag hier ganz klar auf die Stabilisierung der Laufverteidigung. Dabei wurde aber die in der zweiten Saisonhälfte eh schon ganz schwache Passverteidigung personell geschwächt. Man verlor drei wichtige Pass Rusher, den All-Pro Linebacker und den Cornerback Nummer 1 und ersetzte diese nicht. Zwar zogen die Panthers mit ihren ersten beiden Picks im Draft mit Brown und Gross-Matos gleich zwei Leute für die DLine, doch beide hatten im College ihre Schwächen eher im Pass Rush. Natürlich muss man bei der Bewertung immer beachten, dass das Team eine Umstrukturierung macht und dass es bei so vielen jungen Spielern immer Spots geben wird, die schwach besetzt sind. Die Panthers haben sich allerdings nun so aufgestellt, dass die Passverteidigung fast gänzlich vernachlässigt wurde.

Matt Rhule sollte man dafür aber nicht unbedingt einen Vorwurf machen, sondern eher dem GM Marty Hurney. Von ihm kam auch der Satz, dass eine Defense von der Front aufgebaut werden sollte, womit ich heute auch nicht mehr vollständig übereinstimmen würde. Es kann sein, dass es das letzte Jahr von Hurney wird. Ich hätte sogar schon eine Entlassung nach der letzten Saison erwartet, doch er überstand den Neuanfang. Nun sitzt er aber auf dem heißen Stuhl. Ganz anders sieht es dagegen für Rhule aus. Auf ihn kann man als Fan nach den Erfolgen bei Temple und Baylor gespannt sein.

#2 Was löst Cam Newtons Abgang im Fan-Herz eines Panthers-Anhängers aus?

Tom Maron: Für das Fan-Herz war das echt sehr hart, gerade wenn man sich die Verabschiedung der Panthers anguckt, die auf jeden Fall besser hätte laufen können. Auch wenn er unter anderem durch Verletzungen nach dem MVP-Jahr nicht mehr wirklich konstant war und so die Trennung nicht  überraschend kam, war die Veröffentlichung unglaublich traurig. Das Team hat Cam Newton so viel zu verdanken, beinahe sogar einen Super Bowl Sieg, da hätte man im Vorfeld mit ihm besser kommunizieren können, dass der neue Weg ohne ihn stattfinden wird. Zum Glück hat er aber nun mit den Patriots ein neues Team gefunden, bei dem er neu angreifen kann. Ein Sieg im Super Bowl nach so einer Karriere im College und in der NFL würden ihm wohl fast alle Panthers Fans trotz der nun unterschiedlichen Farben wünschen.

#3 Und was löst Luke Kuechlys Rücktritt aus?

Tom Maron: Dieser Rücktritt war in vielerlei Hinsicht sehr schwer. Er kam so urplötzlich, denn damit rechnete kaum ein Fan. Deshalb traf er einen auch umso härter. Kuechly hatte in seiner Karriere keine Skandale und zeigte auf dem Feld immer tolle Leistungen. Dieser Spieler wurde nicht nur von den eigenen, sondern teilweise auch von den gegnerischen Fans geehrt.

Sportlich ist der Rücktritt natürlich schon fast ein Super-Gau. Hatte man vor zwei Jahren mit Kuechly und Davis noch eines der besten Linebacker-Duos der Liga, ist man nun mit Shaq Thompson und Tahir Whitehead ganz schwach aufgestellt.

#4 Wie könnte die neue Joe-Brady-Offense im ersten Jahr aussehen?

Tom Maron: Es wird wahrscheinlich viele Sets mit drei Receivern geben. Dabei kann es dann vorkommen, dass es teilweise auch Empty Backfields gibt. Dies würde die Rolle von McCaffrey verändern. Auch  die bisher in der NFL schwer zu verteidigen RPOs könnten ein wichtiger Bestandteil werden.

Ein spannender Punkt könnte die Target-Tiefe der Offense werden. Es wird bestimmt viele vertikale Routen in den Passkonzepten geben, doch hat Carolina mit Bridgewater einen Quarterback, der zwar durchaus weit werfen kann, oft aber das Risiko gescheut hat und lieber kürzere Pässe angebrachte.

Brady war zuvor Passing-Game Coordinator bei LSU. Demzufolge ist es möglich, dass die Offense in Carolina nun auch um das Passspiel aufgebaut wird. Das wäre natürlich eine spannende Veränderung, denn in der letzten Saison gab es meiner Meinung nach zu viele Spiele, wo man aus Angst vor Fehler zu viel auf McCaffrey gebaut hat.

#5 Ist Teddy Bridgewater mehr als ein Übergangs-QB für diese neue Offense?

Tom Maron: Das könnte der Plan A sein. Bridgewater arbeitete bereits vor zwei Jahren mit Brady bei den Saints zusammen und war dessen Wunschspieler. Bisher hat er 41 Spiele in der NFL gemacht, wo er auch oft sein Potenzial zeigen konnte. Allerdings waren die Leistungen auch nicht auf dem Level für ein All Pro Team. Die Sample Size ist nun auch nicht mehr so klein, dass zu erwarten ist, dass er sich so steigert und Jahr für Jahr auf dem allerhöchsten Niveau spielen wird. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass er in der richtigen Umgebung einzelne Saisons haben wird, in denen er auch das Team in die Playoffs führen kann. Hat er solch eine Saison schon innerhalb der ersten beiden Jahre, wird sich der Vertrag höchstwahrscheinlich auch verlängern.

#6 Carolinas Receiving-Corps 2020: Der beste seit wie vielen Jahren?

Tom Maron: In den 2000er Jahren hatte Carolina mit Muhammad und natürlich Steve Smith ein extrem gutes Receiver Duo. Auf diesem Niveau sind die heutigen Receiver meiner Meinung noch nicht, denn bei Spielern wie Curtis Samuel oder Robby Anderson sollte man erstmal abwarten, ob sie ihr Potenzial im Panthers Trikot auch zeigen werden. Was bei dem Kader aber auffällt, ist die Tiefe an Spielern, die den Ball fangen können. Neben Anderson, Samuel und Moore bin ich sehr gespannt auf Tight End Ian Thomas. Er stand immer im Schatten von Greg Olsen, konnte aber als Receiving Tight oft überzeugen, wenn er auf dem Platz stand. Zudem hat das Team noch Christian McCaffrey, der auch einen großen Anteil in dieser Offense haben wird.

Betrachtet man nur die Anzahl an potenziellen Breakout-Kandidaten, ist das Team so stark wie noch nie aufgestellt, doch muss bei der Euphorie auch aufgepasst werden. Die Last im Team wird von vielen Spielern getragen, bei denen das Potenzial klar zu erkennen ist, doch gibt es nicht wirklich viele Spieler im Kader, die in der Vergangenheit über einen längeren Zeitraum auf einem Top-Niveau waren. Leistungsschwankungen könnten demnach auch im nächsten Jahr auftreten

#7 Was muss passieren, damit sich RB Christian McCaffreys Vertragsverlängerung sportlich rechtfertigen lässt?

Tom Maron: Er muss zu diesem Gamechanger werden, zu dem er von einigen ja schon gemacht wird. Bisher war allerdings zu beobachten, dass er genau das nicht ist. Ob er 200 oder 80 Total Yards im Spiel hatte, auf die Leistung der Offense hatte das wenig Einfluss. Im Receiving Game war in seiner NFL-Karriere sogar ein umgedrehter Trend erkennbar. Je mehr Targets er bekam und je mehr Receiving Yards von ihm ausgingen, desto größer war die Wahrscheinlichkeit einer Panthers-Niederlage. Das muss sich nun ändern. McCaffrey muss in der Lage sein das Team zu Siegen zu führen, selbst wenn das Spiel extrem auf ihn ausgelegt ist. Das ist natürlich sehr schwer, denn er spielt vielleicht auf der Position, die am meisten vom Umfeld abhängig ist, aber anders wäre der Vertrag für mich nicht zu rechtfertigen.

#8 Viele Abgänge, dafür siebenmal Defense im NFL-Draft und damit viele Jungspunde, die schnell gefordert sein werden. Gibt es irgendeine Chance, dass die Panthers-Verteidigung 2020 nicht zu den schlechtesten der NFL gehört?

Tom Maron: Das sieht leider sehr schlecht aus. Die Schwächen im Pass Rush und gerade in der Coverage sind schon sehr groß, wenn man nur auf das Personal schaut. Allerdings kann man natürlich immer hoffen, dass die individuellen Leistungen der Spieler sich verbessern. Nach dem Rücktritt von Kuechly und dem Abgang Riveras wird es unter Defensive Coordinator Phil Snow wohl auch schematisch eine ganz neue Defense geben. Das könnte für Spieler wie Tre Boston oder Donte Jackson eine Unterstützung sein. Trotzdem wird Carolina aber wohl auch wegen eines schwierigen Spielplans viele Punkte kassieren. Im Fokus sollte deshalb eher die Entwicklung und nicht die Gesamtleistung sein.

#9 Carolinas Weg scheint nicht der des radikalen Umbruchs inklusive „Quarterback-Tank“ zu sein. Ist das die richtige Grundausrichtung für die mittelfristige Zukunft der Panthers?

Tom Maron: Persönlich bin ich kein Fan von diesem Weg. Die Quarterback-Position ist so wichtig und viele Teams hatten in der Vergangenheit Probleme, wenn sie keinen Quarterback auf Top-Niveau hatten. Im diesjährigen Draft war Carolina in der Lage mit einem Uptrade Tua Tagovailoa zu ziehen. Das hätte natürlich einen kompletten Neuaufbau begünstigt. Stattdessen holte man sich aber Defensive Tackle Derrick Brown und tradete nicht nach oben.

Bei all der Kritik muss aber auch die Coaching-Situation betrachtet werden. Auf der Position des Head Coaches und des Offensive Coordinators befinden sich zwei Rookies. Ein zusätzlicher Rookie auf der Quarterback-Position würde das erste Jahr nicht leichter gestalten. Da Teddy Bridgewater zudem auch ein Wunschspieler war, ist die Entscheidung verständlich.

#10 Was ist der plausibelste Saisonverlauf für Carolina 2020?

Tom Maron: Der Schedule ist natürlich sehr schwer. Mit Washington treffen die Panthers eigentlich nur auf einen Gegner, der jetzt schwächer eingeschätzt werden könnte. Die Spiele in der NFL sind aber oft eng und mit der Offense sind definitiv einige Siege möglich. Es wird sicherlich einige Überraschungen geben, aber die Playoffs sollten nicht erreichbar sein. Eine Verbesserung des Records aus 2019 mit fünf Siegen könnte sicherlich schon als Erfolg betrachtet werden.

7 Kommentare zu “Carolina Panthers 2020 in der Fragerunde

  1. Generell denke ich, dass auf Grund der verkürzten Vorbereitungszeit und den fehlenden Preseasongames, Teams mit einer größeren Fluktuation von Spielern auf Schlüsselpositionen eher Probleme kriegen werden. Hatten wir in der Vergangenheit oft beobachtet, dass es zwei, drei Spiele brauchte, bis eine Maschinerie ins Laufen kam, kann das in der kommenden Saison dann ev. für einige bereits zu spät passieren. Überraschungen traue ich deshalb Mannschaften zu, die keinen Trainerwechsel hatten und den Kader weitestgehend zusammen halten konnten.

  2. Die Antwort zu Frage 7 wirkt ein bisschen wie ein Logikfehler.
    Natürlich hat McCaffrey mehr catches wenn Carolina verliert, denn wenn sie hinten liegen passen sie häufiger und damit bekommt McCaffrey mehr catches und gleichzeitig werden seine carries reduziert.

  3. Ich fand die Aussage zu Frage 7 auch hochspannend: „Jedesmal, wenn das Team CMC vermehrt den Ball gibt, verliert es.“ Das wäre ja verheerend, wenn da ein echter Zusammenhang besteht. Vielleicht gibt es da ja noch andere Erklärungsansätze?

  4. Mccaffrey hat wie alle RBS unterdurchschnittliche yards per route und das ein Game ist bekanntermaßen eh nicht wirklich effektiv- also nicht wirklich ein Wunder, das man verliert, wenn man ineffektive Spieler füttert. Auffällig war, wie oft Mccaffrey den Ball bekommen hat – das war zum Ende hin sicherlich auch Füttern für den Record (damit man dann einengenden Vertrag bezahlen darf🤔) ansonsten muss man sich mal das tape anschauen, ob es am Qb lag, der zu oft den sicherheitsball zu ihm gespielt hat, am scheme oder ob sich die Receiver einfach nicht frei gelaufen haben.
    Ob er neu eingesetzt wird ist wohl ein wichtiger Faktor für die Zukunft.

    Ansonsten vieles dem ich beipflichten möchte, insbesondere dem Kommentar zur Newton Situation… Shaq Thompson sehe ich positiver…

    Nur beim Kommentar zur RPO habe ich noch mal gestutzt. Die waren doch schon 2015 essentieller Bestandteil der Panthers offense und sind 2020 nicht mehr der heiße scheiß und auch nicht mehr so effektiv.

  5. RBs mit vielen carrys werden meinem Gefühl nach auch selten effizienter.
    Auch und gerade deshalb sind die RBBC (RB by committee) Ansätze imho erfolgsversprechender. In jedem down fitte RBs und man kann sie günstig sinen und geht kein Risiko, wenn man mal mit der evaluation daneben liegt.
    Gerade für die passcatching RBs müsste die Belastung ja ungleich höher sein. Gibt’s wohl dazu Untersuchungen? (Effizienz hinsichtlich verschiedener Belastungsarten (#carryanzahl, %blocking, %running, %catching)

  6. Aus dem Kopf von dieser Seite:
    Anzahl der passing routes ist ziemlich egal
    Bei carry’s gibt es jenseits der 350(?) ein Kliff, das die rbs herunterfallen, was die Verletzungsanfälligkeit angeh; sprich: ballcarier, die massiv belastet werden kannst du die folgende Saison abschreiben.“

  7. Pingback: All-32: Carolina Panthers 2020 Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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