Jets traden Superstar-Safety Jamal Adams nach Seattle

Es ist der nächste fette Offseason-Trade! Die New York Jets verschiffen ihren wertvollsten, aber auch unzufriedensten Verteidiger S Jamal Adams zu den Seattle Seahawks. Der Preis ist heftig – wie auch die Auswirkungen. Ein kurzer Überblick.

Die Ausgangslage

Adams war 2017 als 1st-Rounder von den Jets gedraftet worden und hatte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem All-Pro entwickelt. Er galt in den letzten zwei Jahren als einer der besten Allrounder in der NFL – ein Safety, der hervorragend blitzt, ein harter Hitter und ein sehr guter Deckungsspieler.

Doch mit den Jets hatte er seit Monaten im Clinch gelegen, weil er die versprochene Vertragsverlängerung nicht bekam und stattdessen erstmal auf der 5th-Year Tag sitzen blieb, die ihn bis Ende der Saison 2021 an die Jets gebunden hätte.

Adams machte in den letzten Monaten nicht mehr den Eindruck als hätte er überhaupt noch ein Interesse an einer möglichen Vertragsverlängerung gehabt; vielmehr schien es sich für ihn um ein persönliches Problem mit den Verantwortlichen in New York zu handeln – er forderte schon vor Wochen lautstark einen Trade und listete bereits seine möglichen Wunsch-Teams auf. Es waren alles Team, denen man eine Chance gibt um Lärm in den Playoffs zu machen.

Eines davon waren die Seahawks.

Der Trade

Die Jets verkaufen Adams nun im Paket mit ihrem 4th Rounder im Jahr 2022 an die Seahawks und erhalten:

  • den 1st Rounder 2021
  • den 1st Rounder 2022
  • den 3rd Rounder 2021
  • S Bradley McDougald

Es ist ein heftiger Preis! Mehr als einen 1st Rounder für jeden non-QB zu zahlen ist ziemlich krass, und auch wenn Adams einer der besten Spieler auf einer der wichtigsten non-QB Positionen ist (PFF WAR schätzt Safety als massiv unterbewertete Position ein), so ist es dennoch am Ende ein Preis, den Jets-GM Joe Douglas nicht ablehnen konnte.

Die Jets-Sicht

Bei der Bewertung der Figur Douglas muss man aufpassen: Er ist erst seit letztem Sommer der GM in New York, und vielfach galt er als Marionette vom unbeliebten GM Adam Gase. Er sei nur mit Gases Wohlwollen zum GM geworden, und er lasse sich vom selben Agenten vertreten wie Gase.

Doch Douglas ist nicht der Allein-Schuldige daran, dass der Vertragspoker um Adams so eskaliert ist. Douglas ist in eine miese Situation gekommen – in eine Mannschaft, die in der Offseason 2019 unter seinem Vorgänger GM Mike Maccagnan Dutzende Millionen zum Fenster hinausgeworfen hatte um sich Spieler zu holen, die weder Headcoach Gase wollte, noch die in der Offense dem jungen QB Sam Darnold helfen.

Und der wahre Trumpf in New York ist in der aktuelle Situation nicht, einen Superstar wie Adams zu halten, sondern endlich die Passing-Offense in Gang zu bekommen. Da muss man Ressourcen reinstecken.

Adams konnte man eh nicht mehr verlängern. Insofern ist der erzielte Verkaufspreis für Adams ein grandioser Gewinn für Douglas. Adams‘ Abgang schwächt zwar die Defense kurzfristig immens, doch die beiden 1st Rounder geben den Jets nun die notwendige Munition um…

  1. …nächste Offseason Sam Darnold in einem Wide-Receiver lastigen Draft endlich die notwendigen Waffen zu geben, wenn er denn diese Saison endlich Zeichen von Fortschritt andeutet
  2. …oder eben um sich in Position zu bringen um das nächste Franchise-QB Talent selbst zu draften, wenn Darnold wieder enttäuscht.

Wie sich die Jets in die Situation gebracht haben, Adams quasi loswerden „zu müssen“, war natürlich mies. Doch was sie dann noch herausgeschlagen haben (es hätte ja auch bloß ein Mid-Rounder sein können, weil man all die Unruhe endlich loswerden wollte), ist wirklich stark.

Die Seahawks-Sicht

Die andere Sicht betrifft die Seahawks. Sie galten lange als Kandidat für einen Adams-Einkauf, weil ihre Defense ziemlich merkwürdig gebaut ist: Seattle spielt in den letzten Jahren extrem hohe „Base-Defense Quote“ (um die 70%, #2 in der Liste ist Arizona mit ca. 35%), weil sie nicht mehr über entsprechendes Personal in der Secondary verfügten. Es ist eine Art Defense zu spielen, die ziemlich aus der Mode gekommen ist – mit entsprechenden Problemen der Hawks gegen Offense-Sets mit vielen Receivern.

Schon in den letzten Monaten schienen GM John Schneider und Headcoach Pete Carroll die seit langem verwaiste Secondary mit Einkäufen von interessanten Cornerbacks wie Quandre Diggs (auch Detroit) oder Quinton Dunbar (aus Washington) zu revitalisieren. Nun kommt mit Adams der finale Baustein um den Zauber der Vergangenheit mit der „Legion of Boom“ wieder aufzuerwecken.

Adams projected ziemlich genau wie eine Art „neuer Kam Chancellor“ und ist zudem mutmaßlich schon jetzt einer der besten Pass-Rusher der Hawks. Es is sehr gut denkbar, dass die Seahawks mit Adams im Line-Up nun wieder eine Defense nach den Ideen und Träumen Carrolls spielen können – und auch, dass sie weniger Spielzüge mit 3 Linebackern auf dem Feld brauchen.

Kurzfristig scheint der Deal auch deswegen Sinn zu machen, weil man mit Russell Wilson schon den QB hat um ganz oben anzugreifen; letztes Jahr ging man 11-5, war wenige Zentimeter vom #1 Seed der NFC entfernt und scheiterte in den Playoffs letztlich relativ knapp in Green Bay.

Doch andererseits ist der Preis natürlich heftig; in der Schneider/Carroll Ära hatten die Seahawks nur selten Scheu davor, 1st Rounder für Spieler zu verkaufen (man denke an den Percy-Harvin Trade) und der Zyniker in mir denkt, die Hawks draften mit ihren 1st Roundern eh nur Müll.

Und trotzdem. Die Optionen der Seahawks in den nächsten zwei Offseasons sind mit diesem Einkauf begrenzt. Immerhin haben sie sich einen veritablen Superstar geholt – auch wenn er nach der Vertragsverlängerung nicht billig sein wird.

Doch Seattle ist schon seit Jahren ein „Superstar-Team“ und die Achse Wilson/Bobby Wagner/Adams wird nun auch in den nächsten Jahren noch dafür sorgen, dass Seattle in der NFC West ganz laut mitredet. Das allein macht den Trade schon zu einem, den ich aus Seahawks-Sicht nicht verdammen kann. Ob er für Luftsprünge reicht, steht auf einem anderen Blatt.

Wirklich helfen tut er eh nur, wenn Carroll nun auch endlich zulässt, dass Wilson schon von der Leine gelassen wird bevor den Hawks das Wasser zum Hals steht.

10 Kommentare zu “Jets traden Superstar-Safety Jamal Adams nach Seattle

  1. Ich finde den Preis ehrlich gesagt zu heftig, auch wenn Adams ein toller Spieler ist.

    Nur zum Vergleich, weil es hier mMn passt: Die Steelers haben für Minkah Fitzpatrick (ebenfalls jung und All-Pro) lediglich einen First-Rounder bezahlt.

    Die Seahawks zahlen nun weit mehr als das Doppelte und bekommen in Adams einen super vielseitigen Safety, der aber nicht den allgemein etwas höher eingeschätzten Free-Safety Prototypen (wie z.B. Ed Reed, E.Thomas oder eben Fitzpatrick) verkörpert.

  2. Der Preis ist teurer als der Khalil Mack Trade, und den bereuen die Bears schon jetzt obwohl Mack sportlich alles gehalten hat.
    Der große Unterschied ist, daß die Hawks den QB haben den die Bears nicht hatten.

    Aber Adams hat jetzt alle Leverage der Welt um einen Monster Deal zu fordern und dann haben die Hawks mit Wilson, Wagner und Adams drei dicke Deals und einen sinkenden Salary Cap in den nächsten Jahren.

    Das schmeckt alles nicht so besonders. All in 2020, danach komme was wolle.

  3. Vielleicht gabs ja ein Wettbieten mit den 49ers bspw. Bei zwei 1sts stieg man dann wohl aus.

  4. Ich bin auch sehr skeptisch. Auf den ersten Blick sieht mir das sehr sehr teuer aus. Das Argument, man würde ohnehin nur Müll draften, finde ich schwierig.
    Die Jets sind damit in der recht komfortablen Situation, eine eventuell Corona-bedingte Chaos-Saison aussitzen zu können und im nächsten Draft dann aus den Vollen schöpfen zu dürfen. Für mich sind sie klar ein Gewinner.
    Seattle ist mit dieser Nummer am Ende nur rückblickend bewertbar. Wenn sie in den nächsten zwei Jahren in Richtung Super Bowl schielen und die Defense altes Nieau erreicht, okay. Aber wenn nicht, ist es herausgeschmissenes Geld. Zumal Defense-Leistungen ja laut dir schwieriger stabil sind als Offense. Das schreit für mich eigentlich eher danach, in eine ordentliche, aber nicht in eine überragende Defense zu investieren. Seattle hat hier nun zwei Topstars sitzen, in der Offense aber nur Wilson und… ja wen eigentlich. Ich bin gespannt, fürchte aber, dass sie den Trade noch bereuen werden.

  5. Sollte die Saison coronabedingt irgendwie den Bach runtergehen und die Hawks Jamal Adams nicht verlängert bekommen, haben sie einfach so zwei First-rounder pulverisiert.
    Sie *müssen* eigentlich schon mit ihm die Verlängerung ausgehandelt haben. Alles andere wäre braindead. Oder das Eingeständnis, dass sie nicht einen einzigen fähigen Scout haben, der Firstround-talent erkennt.

  6. Ziemlich laie, aber trotzdem:
    Finde Kritik zt etwas hart. Immerhin hat Wilson mit lockett & metcalf ein überdurchschnittliches wr duo. Dürfte rodgers begeistert nehmen. Clowney ist weg? Dann stecken sie sein Geld jetzt ins backfield statt in den passrush. Entspricht doch der Stimmung hier? Nur mal so als advocatus diaboli 😉

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