Informationen zum Coronavirus und der NFL

Ein paar Splittern aus dem jüngsten ESPN-Daily Podcast von Mina Kimes, die heute ESPNs Dan Graziano zu Gast hatte:

  • NFL und NFLPA haben jüngst eine Einigung getroffen, die zumindest einen regulären Start in die Trainingslager ermöglicht. Die Einigung beinhalte auch Punkte um einen regulären Saisonstart so „sicher“ (im Sinne von „machbar“) wie möglich zu machen. Alle sind sich einig, dass sich sämtliche Maßnahmen ganz eng um das Thema Risikominimierung Dass Spieler bei Infektionen Regress-Forderungen stellen könnten, gilt als ausgeschlossen.

  • Die NFL stellt ihren Spielern frei ob sie die Saison bestreiten wollen. Es gibt dabei zwei Gruppen von „Opt-Outs“:
  • #1 Risikogruppen: Spieler, denen Doktoren bescheinigen, besonders betroffen zu sein. Sie bekommen 350.000 USD für die Saison als Entschädigung gezahlt.
  • #2 Freiwillige: Diese Spieler entscheiden sich aus freien Stücken, nicht an der Saison teilzunehmen. Sie bekommen nur 000 USD als Entschädigung für die Nicht-Ausübung ihrer Arbeit ausbezahlt. Bislang hat sich dabei nur ein Spieler gemeldet: Chiefs-OG Laurent Duvernay-Tardif, der wohl aktuell einzige Profi mit abgeschlossenem Medizinstudium; er folgt dem Ruf des Hippokrates. Eine Story über ihn gibt es in der Süddeutschen.

  • Es gibt bekanntlich keine Preseason. Im Trainingslager erscheinen die Spieler und werden an den ersten 5 Tagen zuerst 2x getestet. Danach gibt es 18 Tage lang Fitness- und Aufbautraining, wo sich die Spieler physisch wieder NFL-fit machen können. Diese lange Periode erklärt man damit, dass es in der Offseason heuer so unterschiedliche Bedingungen für die einzelnen Spieler gab – längst nicht alle fanden optimale Trainingsbedingungen wieder und so will man sicherstellen, dass alle Profis im September in NFL-fittem Zustand sind.
  • Danach gibt es Padded-Practices mit und ohne Kontakt. Die täglichen Tests werden zwei Wochen lang durchgeführt; wenn die Infektionsquote im Kader dann unter 5% liegt (also 4-5 Spieler), wird die Anzahl der Tests heruntergeschraubt.
  • Es gibt „so viel wie möglich“ Contact-Tracing während der gesamten Aufenthaltsdauer in der Team-Facility um mögliche unentdeckte Infizierte aufzuspüren:

  • Thema Saisonstart: Stand jetzt plant die NFL fix mit Saisonstart 10.
  • Thema Saisonabbruch: Die Million-Dollar-Frage. Das Szenario, das zum Saisonabbruch führen könnte, ist momentan nicht schwarz auf weiß definiert. Es kursieren Meinungen, dass die Saison abgebrochen wird, wenn „das Virus außer Kontrolle gerät“ – entweder innerhalb der Mannschaften durch zu viele Infektionen oder aber in der Gesellschaft (z.B. durch einen erneuten Lock-Down). Doch „außer Kontrolle“ ist erstmal nicht näher spezifiziert.
  • Infizieren sich Spieler, gibt es erstmal Quarantäne für den Spielers; dann werden die engeren Kontakte der letzten Tage mittels Contact-Tracing ermittelt und entschieden, ob diese Spieler ebenso in Quarantäne geschickt werden.
  • Gespielt wird also laut aktuell kommuniziertem Plan so lange wie oben geschrieben – bis wie von „außer Kontrolle“ sprechen – auch, wenn Superstars der Güteklasse Lamar Jackson betroffen sind!

Mal eingeschoben: Graziano klingt beim ganzen Thema weit weniger optimistisch wie die NFL-Veranwortlichen. Er spricht von „sieben ungewissen Wochen“ zwischen jetzt und Saisonstart, und alles was danach kommt, sei völlig in der Schwebe – auch der Abbruch und/oder Unterbrechung der Saison nach wenigen Spieltagen sei durchaus realistisch.

Wenn die Saison stattfindet, dann werde sie sich zwischen „weird“, unvorhersehbar und schlicht unfair bewegen. Momentan gelte es viel zu lernen, auch von der MLB.

Dort, im Baseball, z.B. ist bereits das erste Spiel wegen Covid abgesagt worden – nach nur wenigen Tagen:

Paar weitere interessante Punkte:

  • Thema Salary-Cap: Die NFL wird durch die Corona-Situation Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, die in die Dutzenden Millionen beziffert werden; die Salary-Cap wird aber für die Saison 2021 auf maximal 175 Mio. Dollar herabgesetzt (2020 sind es knapp 200 Mio) – alle weiteren möglichen Abschläge werden dann in den Folgejahren „verrechnet“. Damit soll maximal mögliche Planungssicherheit für die Teams sowie einigermaßen Fairness für die Free-Agents gewährleistet werden.
  • Schubser in den Verhaltensregeln für die Spieler: Es gibt keine Bezahlung für Spieler, wenn sie sich bei „gefährlichen Aktivitäten“ infizieren. Interessant, dass die NFLPA diesen Paragraphen durchgewunken hat, aber aus Sichtweise von Eigenverantwortung begrüßenswert.

  • Thema Zuschauer: Stand jetzt könnte es einige Teams geben, die vor leeren Rängen spielen müssen und andere, bei denen eine kleine Anzahl Zuschauer zugelassen ist. Aus finanzieller Sicht gibt es dabei aber keine Benachteiligungen einzelner Mannschaften, weil die NFL eh „Revenue-Sharing“ betreibt und der größte Brocken der Zuschauer-Einnahmen auf die 32 Mannschaften verteilt wird.
  • Thema Draft 2021: Im College Football ist eine reguläre Saison-Abhaltung längst passé; selbst ein Conference-Schedule im Herbst gilt momentan als eher unwahrscheinlich. Wie genau der Draft aussehen wird, ist damit momentan völlig unklar – es gilt aber als möglich, dass Teams die Draftpicks 2021 eher niedriger wertschätzen, und dass wir vielleicht noch den einen oder anderen aggressiven Trade sehen werden.

Und noch eine erfreuliche Nachricht am Ende: Alex Smith – ja, der Alex Smith – ist medizinisch ab sofort vollständig für Football-Aktivitäten freigegeben worden. Es grenzt an ein Wunder, wenn man den Fuß gesehen hat. Die Doktorin, die in Stephania Bells Dokumentation ins Schluchzen gekommen ist, dürfte damit nächste Kandidatin auf Seligsprechung sein.

15 Kommentare zu “Informationen zum Coronavirus und der NFL

  1. Wie im Artikel angedeutet, wirkt das Ganze auch auf mich bewusst lose formuliert:
    – Was ist „high-risk conduct“? Trump-Wahlkampfparty mit 10.000 maskenfreien Hillbillies? Oder reicht schon ein Restaurantbesuch?
    – Was wenn ein Spieler sagt, er habe sich beim Training infiziert, aber das Team nachweist, dass er unter der Woche im Walmart war und sich auch dort infiziert haben könnte? Beweisführung unmöglich.
    – Was, wenn ein einziges Team dezimiert wird, alle anderen Teams aber kerngesund sind?
    Die NFL-Verantwortlichen geben hier nicht das beste Bild ab, um es milde auszudrücken: Entweder sie machen Wischi-waschi Regeln, weil sie es nicht besser hinbekommen oder sie halten es bewusst offen um am Ende die Regeln so hindrehen zu können, wie es ihnen am meisten nutzt.

    So einen Arbeitgeber wünsche ich niemandem.

  2. Es wird keine neue season geben, sieht man an der MLB es ist unmöglich mit Corona infizierten zu Ende zu spielen.

  3. @Dizzy
    Die Punkte was High Risk Conduct ist, sind im Tweet von Dan Graziano aufgeführt.

    Aber ich denke die sind eher sogar zu lasch weil es auf „indoor“ begrenzt ist.

    Da muss man sich nur div. Partystraßen anschauen die teils rappelvoll sind. Hey…ist ja nicht „indoor“.
    Da kann man mit der Masse schon mal eine feuchtfröhliche Party mit paar hundert Leuten schieben.
    Und das wird wohl nicht besser werden wenn man die Chance hat einen berühmten Footballspieler zu treffen.

    Ernsthaft, wer gerade in Amiland jetzt noch eine Bar besuchen muss (und sei es nur mit 15 Leuten), vor allem in div. Hotspots wo die Spiele stattfinden…der gehört einfach in den Arsch getreten. Mit Anlauf.

    Denn eine bessere Möglichkeit sich zu infizieren gibt es beinahe nicht.

    Selbst wenn wir von dem total blöden Gedankenspiel ausgehen das du nun die Kneipe für einen Abend anmietest – hey die sind Millionäre, die machen halt blöde Sachen – und du sowie deine 10 Kumpels vielleicht wirklich nicht krank sind…dann kann der Kellner oder Inhaber, der in den Tagen davor nonstop Durchgangsverkehr mit Hunderten teils rumgröhlenden Idioten in seiner Kneipe hatte, nicht krank sein…weil?

    Und ein Kirchenbesuch geht?
    Dort wo sich nachweislich massig Leute angesteckt haben? Sei es in Deutschland, Korea oder direkt in Amerika.

    Wo gerade viele Leute zu finden sind die sich WEIGERN Masken zu tragen, weil Gott sie ja vor Infektionen schützen wird – im speziellen im südlichen Teil Amerikas.

  4. Was wäre eigentlich eine Minimalgröße eines Kaders? Roster 53 PLätze + Practice Squad 12 = 65. Wieviele dürfen krank werden oder in Quaratäne kommen, damit ein Team nicht mehr spielfähig ist? Ob es fair ist, mit Rumpf-Kader zu spielen, mal völlig ausgeblendet. Wenn über alle Mannschaftsteile gleichmäßig Leute ausfallen: ist ein Team mit z.B. 44 einsatzfähigen Spielern „nur“ stark benachteiligt oder wird es abgeschossen? 44 wären immerhin 2 pro Position – allerdings gibt es ja noch die Spezialisten wie Kicker…

  5. Bei den Patriots sind es inzwischen bereits vier Spieler die vom Opt-out Gebrauch machen wollen/werden; darunter u.a. Marcus Cannon und Dont’a Hightower.

  6. in Anbetracht der sinkenden Salary Cap für 2021 (und wahrscheinlich folgende) ist der Mahones Vertrag natürlich plötzlich wieder wesentlich Spielerfreundlicher.
    Wenn die in deinem damaligen Artikel erwähnte Steigerung der Salary Cap nicht kommt, könnte er den letzten großen Deal gezogen haben.
    25 Mio bzw. 12,5% weniger Cap kann man nicht bei den Spieler ab Kaderplatz 25 einsparen. Hier werden ein paar Verträge dürftiger ausfallen als bis vor ein paar Wochen/Monaten gedacht.
    Dak Prescott könnte das erste „Opfer“ werden. Gleichzeitig könnte es spannend sein, ob statt Rookies mehr auf Veteranen gesetzt wird, deren Mindesgehalt über dem von College-Abgängern liegt (wenn mich meine Erinnerungen an Vertragsstrukturen nicht ganz täuschen).
    Nem Veteranen mit 7+ Jahren Erfahrung (Auch wenn davon nur als Rotation Spieler oder mit 2 Jahre Pratice Squat) wird man 2021 besser einschätzen als nen Studenten ohne Spielpraxis in dieem Herbst

  7. Er und Chung hatten ja schon vor paar Wochen Andeutungen gemacht nicht wirklich für eine Saison 2020 unter diesen Bedingungen zu sein. Mal sehen ob Chung auch noch aussteigt.

  8. @Ahmser: IMHO sind das offene Punkte. Was heuer neu ist: Zwischen Team und Practice Squad darf 2020 ausnahmsweise ohne Waiver-Wire hin- und hergeschoben werden, was die Kader de facto zu 67er Kadern macht.

    Wie Free Agents genau ins Team geholt werden dürfen und welche Tests sie durchlaufen müssen bis sie einsatzfähig sind, weiß ich nicht.

    Wie viele gesunde Spieler es braucht, dass ein Team noch auflaufen kann, ist bislang zumindest auch noch nicht geklärt. Wenn wir bei solchen Rechnereien sind, glaube ich aber ehrlich gesagt an einen Saisonabbruch / Unterbrechung.

  9. @Nesro: Der Mahomes-Vertrag wurde ausgehandelt, als längst klar war, dass sich die Salary-Cap massiv verringern würde. Es war vor einigen Wochen noch von 70-80 Mio die Rede, aber prinzipiell ist man immer davon ausgegangen, dass die NFL schon aus praktischen Gründen nicht alles in ein Jahr stopft (zahlreiche Kader wären 2021 wären quasi nicht mehr zu managen).

    Insofern glaube ich nicht, dass es an der Bewertung von Mahomes‘ Vertrag etwas ändert.

    Ich glaube auch nicht, dass Prescott merklich betroffen sein wird. Wenn sich eines in den letzten 15 Jahren gezeigt hat, dann, dass sich Quarterback-Gehälter vergleichsweise unabhängig von der Salary-Cap entwickeln.

    Außerdem zeigt Analytics, dass QBs noch relativ zu ihrem Anteil am Erfolg unterbezahlt sind.

  10. @Garosh: Danke für den Hinweis. Die „high risk conduct“ Liste ist tatsächlich verdammt kurz. Und der Hit: Das Team(!) muss beweisen(!), dass der Spieler sich auf so einer Veranstaltung infiziert(!) hat. Nicht nur, dass er dort war.
    Das dreht zwar meine schöne Schimpftirade auf die Teamfreundlichkeit der Regeln um, aber mein Fazit behalte ich bei: So richtig durchdacht, praxisnah umsetzbar und erfolgversprechend erscheinen sie mir nicht.

    Den Chung opt out halte ich für einen schweren Schlag für New England. Verübeln kann ich es ihm freilich nicht.

    Man fühlt sich erinnert an Zeiten, wo NFL-stars gestreikt haben und die Liga Hinz und Kunz angeheuert hat um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Natürlich eine völlig andere Situation, aber der Gedanke, dass weißbärtiger Brett Favre für einen Opt-out-Rodgers einspringt? Das würde ich mir ansehen. 😀

  11. Fun fact: Es gibt eine relativ große Zahl an Situationen, wo COVID-infizierte negativ getestet werden. Das reicht von schlampigem Abstrich bis zu früh getestet. (Quellen: u.a. Süddeutsche und ZDF-website) Ein einziges falsches Negativ in der NFL und das Training wird zum Superspreader-event.

  12. @Dizzy
    „So richtig durchdacht, praxisnah umsetzbar und erfolgversprechend erscheinen sie mir nicht.“

    Ne wirklich nicht.
    Und bei der NBA sieht man auch gleich wie weit es mit der Eigenverantwortung geht.
    Lou Williams der Clippers musste unbedingt aus „persönlichen Gründen“ aus der Bubble raus…war ganz dringend…so dringend das er erstmal in einen Stripclub geht.

    Und es kam nur raus weil ein Rapper ihn fotografierte. Das danach schnell wieder gelöscht wurde.
    Und statt es dann zuzugeben war es natürlich ein ganz altes Foto…das ihn zufällig mit der Gesichtsmaske zeigt die er beim Eintritt in die Bubble von der NBA bekam.

    Mal ehrlich…wie scheiße dämlich muss man sein?
    Was wäre wenn er sich infiziert hätte?
    Er bringt sich in Gefahr, er bringt sein Team – einschl. der Coaches – in Gefahr, er bringt Spieler des anderen Teams ins Gefahr. Er bringt die komplette Planung und Investition der NBA in Gefahr. Und das bei einer Liga die versucht sich so gut wie möglich abzuschirmen. Ja wie das bei der NFL endet kann man sich bei solchen Persönlichkeiten doch vorstellen.

  13. Pingback: NFL Corona-Update am Mittwoch, 29.07.2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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