NFL Corona-Update am Mittwoch, 29.07.2020

Vor zwei Tagen war Chiefs-Guard Duvernay-Tardif der einzige Spieler, der freiwillig auf eine NFL-Saison verzichtet. Jetzt sind wir schon bei über 20.

Die genaue Liste der „Opt-Outs“ wird im Corona-Tracker von Touchdown-Wire zeitnah aktualisiert. Vor allem die New England Patriots waren gestern mit gleich sechs Spielern betroffen – u.a. in LB Dont’a Hightower, S Patrick Chung und OT Marcus Cannon mit gleich drei geplanten Startern. Da waren die Verschwörungstheorien von wegen geplanter Coup von Bill Belichick für einen Tank-Job natürlich nicht weit – was man von der Theorie halten soll, wissen wir erst in einigen Tagen.

Denn es ist durchaus möglich, dass diese Opt-Outs eine gewisse Kettenreaktion nach sich rufen: Ziehen sich erstmal einige Big-Names zurück, trauen sich auch andere nachzuziehen. Doch fürs erste ist natürlich die Masse an Rückziehern in New England schon auffällig.

Ich schrieb am Montag schon über die Kompensierung seitens der NFL:

  • 150.000 USD für die Saison für die freiwilligen Verzichte
  • 350.000 USD für die Saison für die Risikogruppen (z.B. Minnesota-DT Pierce)

Gestern stellte sich dann heraus, dass es sich dabei nicht um effektiven Lohn, sondern um eine Art „Lohn-Vorschuss“ handelt – die Verträge der aussetzenden Spieler werden einfach um ein Jahr nach hinten geschoben, und der ausbezahlte Gehaltsanteil von 2020 wird dann nächstes Jahr entweder verrechnet oder muss zurückgezahlt werden.

Hätte ein Spieler für diese Saison 4.75 Mio. bekommen, setzt nun aber aus und ist keine Risikogruppe, erhält er heuer 150k und nächstes Jahr entweder 4.6 Mio., oder er muss dann 150k zurückzahlen, wenn er gar nicht mehr spielt oder gecuttet wird. 

Ein paar weitere bekannte Spieler, die sich gegen eine Saison entschieden: Bills-DT Star Lotulelei, Eagles-WR Marquise Goodwin (erst im April via Draft aus San Francisco gekommen), Free Agent OG Larry Warford, Bears-DT Eddie Goldman und Packers-WR Devin Funchess.

Jener Funchess-Opt Out hinterlässt einen umso dezimierteren Receiving-Corps in Green Bay. On a quick note: Aaron Rodgers war gestern beim Ringer zu Gast und hat über den Draft der Packers gesprochen – was es ihm bedeutete, dass anstelle von Receiver-Waffen sein Nachfolger gedraftet wurde. Bitte ansehen und sich selber ein Bild machen – nur so viel: Der Stachel sitzt tief. Sehr tief. 

Unklarheit herrscht noch über die Deadline der Opt-Outs: In den letzten Tagen wurde immer wieder der 03.08. genannt als letztmöglicher Termin, an dem Spieler ihren Rückzieher einreichen können ohne dass ihr Fernbleiben trotz negativer Tests als Streik eingeordnet wird. Doch tatsächlich scheint die Deadline „frühestens“ der 04.08. zu sein – ein weiteres kleines Detail, bei dem in der NFL/Corona-Sache Unklarheit herrscht.

Die Entscheidung soll auf jeden Fall unumkehrbar sein und wir können in den nächsten Tagen nach ESPNs Tom Pelissero noch „Dutzende“ weitere Opt-Outs erwarten: 

Man darf gespannt sein ob es auch Quarterbacks betrifft – bzw. dann: Welche. Gestern kursierte kurzzeitig das Gerücht, dass Nick Foles ernsthaft darüber nachdenkt, aber das wurde dann schnell dementiert. Aber es gibt noch größere potenzielle Kandidaten: Ein Russell Wilson ist vor wenigen Wochen Vater geworden. Könnte er… könnte er wirklich… einen Opt-Out in Erwägung ziehen?

Nicht aussetzen wird wohl Joey Bosa: Er hat heute Nacht einen neuen Vertrag unterschrieben, der vorbei an aller Wirtschaftskrise und sinkender Salary-Cap für 5 Jahre und 135 Mio. mit über 100 Mio an guarantees unterschrieben hat – neuer Rekord für Verteidiger.

Wie es derweil zugehen kann, haben wir in den Parallel-Ligen gesehen: In der MLB infizierte sich bei den Miami Marlins in der Bubble gleich mal die halbe Mannschaft (17 Leute, darunter 12 Spieler) und sorgte beinahe für einen schnellen Saisonabbruch. In der NBA dagegen, auch eine Liga, die in der Blase leben möchte, schlich sich ein Spieler unter falschem Vorwand raus in einen Strip-Club und riskierte damit eine Ansteckung der ganzen Blase.

Die Chance, dass ähnliches in der NFL passiert, muss man leider als relativ hoch beziffern.

13 Kommentare zu “NFL Corona-Update am Mittwoch, 29.07.2020

  1. Kadergröße ist auch deutlich geringer bei Bundesligisten. Dementsprechend ist die Masse schon automatisch geringer. Und erste und zweite Liga haben gerade mal 6 Vereine mehr als die NFL Franchises hat.
    Dazu kommt sicherlich: die Bundesligisten haben ihr Teams in Quarantäne geschickt soweit dies möglich war. Dies tut die NFL nicht. Und selbst ohne Quarantäne: als die Bundesliga wieder startete war hierzulande noch keine Bar wieder geöffnet und auch Restaurants noch geschlossen. Ebenso Schulen. Da gab es schlicht auch deutlich weniger Möglichkeiten, sich zu infizieren bzw, dass sich ein Teamkollege oder Gegenspieler infiziert, du dich dann über diesen Weg ansteckst und das Virus so in deine Familie hineinträgst. Und natürlich die von kosakoff angesprochene Kultur.
    Zur auffällig hohen Opt-out Quote zu diesem frühen Zeitpunkt bei den Pats: einige gehen davon aus, dass BB seine Spieler aufgefordert hat, sich frühestmöglich zu entscheiden, um so bessern Handlungsspielraum zu bekommen, falls jemand nicht auflaufen möchte im Herbst.

  2. Das Rodgers Interview macht nicht den Eindruck als hätte da jemand Interesse an Diplomatie…

  3. AR Mangel an Diplomatie ist verständlich. Er hat seinen letzten Vertrag bereits abgeschlossen. Ich finde es nervig: der Mann ist 37 und mault, weil sein NFL-Team sich „schon“ nach einem Nachfolger umsieht. WR-Wunsch verständlich, aber bei dem Jahres-Gehalt ist der QB in der Bringschuld, aus Scheiße Gold zu zaubern 🙂 .

  4. @ Ahmser
    Ihm bleiben noch mindestens 2 Jahre und wenn es kein 1st RoundQB gehen hätte, dann wäre er wohl weniger sauer. Oder jemand wie Tua an der Stelle.
    Love war aber nirgends so hoch.

    Ich an ARods stelle würde ja dieses Jahr „wegen Corona“ aussetzen, dann GB ja schon mal für die Zukunft proben.

  5. Ironisch, wie manche Teams Jahrzehnte nach einem Franchise-QB suchen und ihn nicht finden. Die Packers haben einen und weigern sich ihm Waffen zu geben um ihnen einen Superbowl zu holen.
    Gerade dieses Jahr, wo bei der Draft so viele erstklassige WR dabei waren. Im schlimmsten Fall hätte GB schon einen Top-WR für den nächsten QB gehabt.

    Klappflügels Vorschlag würde ich unterstützen. Geld genug hat AR. Und dass Love in seiner ersten Saison soviel zustande bringt (mit diesen WR), dass er nächstes Jahr startet, halte ich für äußerst unwahrscheinlich.

  6. Klar wäre es aus Rodgers Sicht konsequent die Packers zu zwingen Love starten zu lassen, aber er manövriert sich damit auch in eine Ecke. Bisher signalisiert er deutlich, dass er sich wünscht dass sein Team 100% hinter ihm steht und er sich einen Wechsel vorstellen kann weil er das bei den Packers nicht sieht.
    Damit kann jedes NFL Team das überlegt für ihn zu traden leben, es gibt ja noch viel massiver geäußerte Tradewünsche. Aber wenn er jetzt Corona nutzt um den Packers ihren Plan für Love durcheinander zu werfen steht er ganz schnell in der Diva Ecke, und das mögen Teams eher nicht so sehr…

    Mal davon abgesehen sind das alles hypothetische Diskussionen, Vertragssituation und die vermutlich exorbitante Forderung der Packers schließen einen Trade mMn aus. Deshalb wird es von ARs Seite vermutlich einen Punkt geben an dem er die Sticheleien wieder einstellt, alles andere ist eine Sackgasse. Aber genau daher ist es amüsant zuzusehen 😉

  7. „Diva Ecke, und das mögen Teams eher nicht so sehr…“

    Wenn ich mir anschauen wie viele immer noch einen Antonio Brown wollen, nachdem er regelrecht beim rausgehen eben noch auf den Tisch vom Boss geschissen hat. Entschuldige meine Wortwahl.

    Rodgers hätte keine Probleme ein Team zu finden. Vor allem wenn es ihm am Ende mehr um den Sieg als die Kohle geht.

  8. Pingback: Das Teuflische am NFL Opt-In | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. @ milaidin
    Ob ihm seinen Verzicht wegen Corona negativ auszulegen, muss ihm gegenüber schon sehr negativ eingestellt sein.
    Die MLB zeigt eindrucksvoll dass es ohne Bubble nicht funktioniert und das auch Sportler vor Nachwirkungen von Corona nicht immun sind.

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