Das Teuflische am NFL Opt-In

Gestern Abend hat Jets-LB C.J. Moseley sein Opt-Out für die Saison 2020 erklärt:

Der Move ist interessanter als ich anfangs dachte.

Quasi-CBA für Corona

Zuerst kurz ein bisschen Info für drumherum: Das, was NFL und NFLPA letzte Woche als erlösenden Deal verkündeten, scheint in Wahrheit nur ein grobes Framework gewesen zu sein um überhaupt mit dem Trainingslager beginnen zu können und einen geregelten Saisonstart theoretisch zu ermöglichen.

Denn: Zahlreiche Fragen sind völlig ungeklärt. Vor allem in den Details. Es gerüchtelt, dass die beiden Verhandlungspartner klammheimlich eine Art neues CBA aushandeln – nur sechs Monate, nachdem die Owner die Spieler im März zu einem eher miesen Deal getrieben hatten.

Dieses neue „quasi-CBA“ soll nun die Bedingungen in der Corona-Krise mit berücksichtigen. Es gibt dabei momentan noch mehr Fragen als Antworten.

Spielen oder Nicht-Spielen

Spieler haben bekanntlich gerade die Wahl, sich gegen einen Saison-Einsatz zu entscheiden; sie werden in dem Fall mit einer Geldanleihe vergütet – ich hatte darüber schon geschrieben. Über 40 Spieler haben sich in den letzten Tagen schon zu einem Aussetzen entschieden, dabei ist die offizielle Anmeldeperiode dafür noch gar nicht eröffnet! Sie beginnt erst mit dem Unterzeichnen dieses „CBA“ / neuen Tarifabkommens.

Also hätten Spieler bis mindestens nächsten Sonntag, 9. August Zeit ihre Entscheidung einzureichen – was nur fair ist, denn diejenigen, die sich bislang entschieden haben, wissen noch gar nicht um die genauen finanziellen Implikationen dieser Entscheidung. „Hätten“, denn die NFL scheint die Spielergewerkschaft nun in die Ecke zu treiben und eine kürzere Periode (also Deadline Mittwoch oder Donnerstag 06.08.) rauszupressen.

Das ist dann total unfair: Spieler, die gerade (also letzte Tage und jetzt) überlegen auszusitzen und deshalb auch (folgerichtig) noch nicht zum Trainingslager erscheinen, gelten als unentschuldigte Absenzen und werden mit 50.000 Dollar Gehaltsstrafe pro verpasstem Tag abgestraft. Denn aktuell entscheiden Spieler noch unter großer Unsicherheit – die Konditionen sind schlicht noch nicht alle bekannt.

So weit, so gut.

Money-Talk

Möglicherweise massive Implikationen dagegen gibt es bei der Gehalts-Abwicklung. Jason Fitzgerald spricht im OTC Podcast darüber, und es ist total interessant. Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich alles richtig verstanden habe, aber hier kurz in Stichpunkten:

  1. Setzt ein Spieler aus, wird sein kompletter Vertrag inklusive aller Garantien und Boni um ein ganzes Jahr „ausgesetzt“,h. nach hinten geschoben.
  2. Diejenigen, die sich fürs Spielen entscheiden, behalten ihren Vertrag für 2020 – ohne allerdings einen Schutz für ihr nicht garantiertes Gehalt gegen eine verkürzte Saison zu haben!

Anders: Muss die NFL die Saison auf halbem Weg abbrechen, verlieren diese Spieler ihr nicht-garantiertes Gehalt. Nur die guarantees bleiben (und es gibt weitere teuflische Details, bei denen Spieler mit Langzeitverträgen auch ihr garantiertes Gehalt aufs Spiel setzen)!

Und dort wird C.J. Moseleys Vertrag wieder interessant: Er hätte diese Saison ca. 6 Mio nicht-garantiertes Gehalt gehabt, das er bei verkürzter Saison aufs Spiel gesetzt hätte; Moseley hat in seinem Langzeitvertrag hohe Vertrags-Garantien in den nächsten Jahren – er streicht sie nun einfach ein Jahr später ein, ohne allzu großen finanziellen Schaden.

Doch Spieler, die in der anstehenden Saison 2020 sehr hohes nicht-garantiertes Gehalt (P5-Money) bekommen, setzen viel aufs Spiel, wenn sie sich für Einsätze entscheiden: In jenem Fall lösen sich große Teile ihrer Gehälter in Schall und Rauch auf, wenn die Saison abgebrochen werden muss.

Die beste Versicherung zu spielen gibt es für junge Spieler um eine „accrued season“ (was ist das?) gutgeschrieben zu bekommen, wenn sie in Woche 1 im Kader stehen. Sie haben dann schneller die Möglichkeit, auf den Free-Agency Markt zu kommen.

Doch prinzipiell ermuntert die NFL-Regelung mit den weitergeschobenen Verträgen viele Spieler zum Aussetzen. Fitzgerald rät Spielern mit solchen hohen nicht-garantierten Gehältern, unbedingt vor Saisonstart eine Umwandlung in einen Roster-Bonus zu verlangen um die Kohle fix zu bekommen – ob die Owner da mitspielen, steht auf einem anderen Blatt.


Wie geschrieben, ich bin mir nicht ganz sicher ob ich das alles richtig verstanden habe – ich habe es nur nebenbei gehört – aber da scheinen ein paar kritische Details im Argen zu liegen und ein paar unerwünschte Nebenwirkungen auf der Verpackungseinheit dieses Corona-Deals zu stehen. Fortsetzung folgt.

3 Kommentare zu “Das Teuflische am NFL Opt-In

  1. Ergänzend sei mal wieder der Business of Sports Podcast empfohlen.
    Ganz spannend: die attestierten Opt outs bekommen das Jahr wohl angerechnet.

    Kommt mir irgendwie komisch vor, wie das mit den Garanties läuft; damit schießt man sich ins eigene Bein, wen die Spieler alle aus finanziellen Gründen sich ausklinken und nur die rookies übrig bleiben

  2. Dead-Line für Opt-Out soll nun Donnerstag oder Freitag sein:

    NFLPA scheint einzuknicken und eine sehr kurze „offizielle“ Opt-Out Phase im Gegenzug zu ein paar freundlichen Formulierungen im „Corona-CBA“ zu akzeptieren.

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