College Football ist wundervoll. College Football ist abgefuckt. Covid bringt alles zum Vorschein.

Ich erkenne mich nicht wieder: Rund einen Monat vor dem eigentlich geplanten Start der College-Football-Saison suche ich noch immer verzweifelt nach meiner Motivation, mich mit einer ernsthaften Saison-Vorschau zu beschäftigen. Das ist mir noch nie passiert.

College-Football-Previews war zehn Jahre lang mein Lieblings-Bloggen. Doch obwohl die großen Conferences in den letzten Tagen fleißig damit beschäftigt waren ihre Spielpläne zu aktualisieren und den Public damit fürs erste beruhigten, rumort es unter der Oberfläche.

Der College Football lässt mich daher nicht los…

…weil ich ihn liebe – mehr als die NFL.

…obwohl er abgefuckt ist – mehr als die NFL.

…und weil er nicht zu durchdringen ist – weniger als die NFL.

Die dunkle Seite

Die Corona-Krise bringt dieser Tage die schwärzesten Seiten des College-Sportsystems zu Tage, und die Geschichte geht im Wesentlichen so:

  1. Große Conferences versuchen am gesunden Menschenverstand vorbei ihre Saison durchzupressen – notfalls ohne die non-Conference-Spiele, die gerade für die kleineren Universitäten so überlebenswichtig wären.
  2. Jene großen Conferences bereiten damit die Abspaltung vom geregelten College-Sportsystem vor – der zusammengefasst unter dem problematischen Dachverband der NCAA sowieso nur noch in Spurenelementen eine „logische“ Daseinsberechtigung fristet.
  3. Denn College Football ist nicht gleich College Football: In den Power-Conferences (SEC, ACC, Big Ten, Pac-12, Big 12) ist es professioneller Sport, der nur auf eines verzichtet – Bezahlung der Spieler. Doch schon die Mid-Majors sind auf die Geldströme von ganz oben angewiesen um überhaupt überleben zu können.
  4. Ohne Pay-Outs durch Interconference-Games sind die Mid Majors nicht überlebensfähig; eine Saison zu spielen wäre für die meisten von ihnen finanziell untragbar – schlimmer als sie nicht zu spielen. Folge: Die Power-5 würden ohne Konkurrenz spielen – mit der Möglichkeit, eventuell noch mehr Präsenz und noch mehr Kohle aus den TV-Töpfen abzuschöpfen.
  5. Schon heute leben Power-5 und Other-5/FCS/Division II und III in unterschiedlichen Realitäten. Eine reine Power-5-Conference-Saison spaltet diese Strukturen mutmaßlich auf ewig.

Zu diesem komplexen Thema der Verquickung von höherer Bildung und dem Big-Business des College Football und allen ethischen Zweifeln daran, Geld über die Gesundheit von unbezahlten College-Sportlern zu stellen und was das alles für die Zukunft bedeutet, kann ich drei fantastische Quellen anbieten, die sich dem Thema angenommen haben.

Lies dir den Kick

Einmal diesen Artikel von der 1b) meiner College-Schreiber (nach Michael Weinreb), Rodger Sherman vom Ringer: College Football’s Great Facade Is Cracking—and the Fracture Could Reshape the Sport.

College football is a lot of things, and a season exclusively for the Power Five is few of them. It’s clear that the Power Five teams have needs and goals that differ from everybody else’s. By playing games solely against each other, they will maximize both fan interest and profit. Maybe the Power Five schools will realize this arrangement is financially beneficial even in non-pandemic circumstances. But a few dozen teams with similar needs and goals making decisions that benefit each other isn’t college football. It’s a professional sports league. And professional sports leagues have to pay and provide fair treatment to their players. This feels like a lasting split, and the more bonds the College Football programs sever with the college football programs, the harder it will be for them to pretend they still have anything in common with the distant relatives they’re leaving behind.

Quelle: Ringer.


Den Guardian mit etlichen Links und Hintergrundinformationen: ‚We are being gaslit‘: College football and Covid-19 are imperiling athletes.

By now, you’ve probably heard some version of the story. Face to face, everything has been avoided like, well, the plague, at universities across the US this summer. But college athletes, particularly football players, have been expected to be on campus participating in workouts amid a coronavirus pandemic that has killed nearly 155,000 people in the US.

Even the vaunted Southeastern Conference has admitted behind closed doors that it cannot protect players from Covid-19. As one unidentified SEC official told player representatives on a private call: “We’re going to have cases on every single team in the SEC. That’s a given. And we can’t prevent it.”

Quelle: Guardian.


Und dann diesen epischen Twitter-Thread, der die Beziehung des US-Bildungssystems, dem Big-Sport-Business und den Profi-Sportligen in seine Einzelteile zerlegt (einfach draufklicken):

Quo vadis?

Es gibt freilich noch Hoffnung – die Footballer der Pac-12 haben sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen und drohen mit Streik, sollten die Verbände für den anstehenden Herbst nicht zumindest akzeptables Risikomanagement und Vergütung anbieten. Mit dieser Maßnahme bringen sie ein Milliarden-Business ins Wanken. Aber machen wir uns nichts vor: Es ist ziemlich tragisch, dass es so weit überhaupt kommen musste.

Moralkeule liegt mir fern, aber ich weiß grad wirklich nicht ob ich mir eine College-Football-Saison wünschen soll. Oder wünschen darf. Oder will. Zu viele Probleme, die auf die Rücken der Schwachen abgewälzt werden, während sich die Bonzen in den Hinterzimmern die Wampen vollstopfen.

College Football als Konzept ist so wunderbar wie er falsch und überholt ist. Dieser Dualismus ist systemimmanent und war bislang unantastbar. Jetzt droht die Corona-Krise aber das ganze Gebilde in seinen Grundfesten zu erschüttern, und ich stehe fasziniert davor. Ich habe grad keine Lust an College Football zu denken, aber umso mehr über College Football nachzudenken. Und was er in mir auslöst.

3 Kommentare zu “College Football ist wundervoll. College Football ist abgefuckt. Covid bringt alles zum Vorschein.

  1. Du sprichst mir aus der Seele: Man liebt den College Football mit all seinen Facetten und Ungereimtheiten einfach, aber derzeit bringt sich die dunkle Seite dramatisch in Stellung. Darf man sich noch auf eine Saison freuen, bei der sich junge, beeinflussbare und mehr oder weniger vom System abhangige junge Spieler in Gefahr begeben? Und nicht nur sich, auch ihre Familien? Bei einem College Campus kann man ja auch nicht von einer Bubble sprechen…! Herrje, verzwickte Situation. Auch und gerade im Hinblick auf die Zukunft des College Football werden in den kommenden Wochen vielleicht grundlegende Veränderungen auf den Weg gebracht. Nicht gut…!

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