All-32: Detroit Lions 2020 Preview

Die Detroit Lions sind ein oft genannter Sleeper im Vorfeld der NFL-Saison 2020. Gleich mehrere Portale schreiben über den Lions-Kader als sei er der beste in der NFC North. Ich bin entgegen all dem Optimismus noch etwas skeptisch – v.a. weil wir das Thema „Coaching“ letztlich in unsere Erwartung mit integrieren müssen.

Trotzdem: Man kann ohne Umschweife eine deutlich bessere Bilanz als 3-12-1 erwarten.

  • Bilanz 2019: 3-12-1
  • Pythagorean: 5.9 Siege (#24)
  • Close Games: 3-7-1
  • Offense EPA/Play: -0.03 (#22)
  • Defense EPA/Play: +0.08 (#26)
  • Turnovers: -5
  • Adjusted Games Lost: #24

Denn jenes 3-12-1 war leicht freakig: Aus einer sehr guten ersten Saisonhälfte, in der man u.a. mögliche Siege gegen Arizona, Kansas City und Green Bay verschenkte, kam man nur mit 3-3-1 Bilanz raus, und dann verletzte sich QB Matthew Stafford mitten in seiner mit Abstand besten Profisaison. Mit unterirdischen Quarterbacks hatte man danach keine Chance mehr und verlor alle neun Spiele; 3.5 Siege schreien bei einem Pythagorean von 5.9 Siegen aber förmlich nach klarer Verbesserung!

Jetzt gehen GM Bob Quinn sowie Headcoach Matt Patricia samt Coordinators als dead men walking in die Saison – seit die greise Ownerin Martha Firestone das Zepter an ihre Tochter übergeben hat, könnte auch von ganz oben herab ein neuer Wind wehen. Es droht nach zwei Jahren des Kaderumbaus auf die Wünsche und Träume Patricias ein erneuter radikaler Kurswechsel 2021.

Offense

Alle sind sich einig: Die Stafford-Offense 2019 war geil:

  • Höchster aDOT der NFL (11.4 Air-Yards/Versuch) und höchste Quote an Pässen über 20 Yards (19.6%)
  • #4 nach EPA/Play (0.20 EPA/Play) und #5 nach CPOE (+3.4%)
  • Höchste Rate an PFF Big-Time Throws (8.2%) und #2 PFF Grade nach Quarterbacking aus sauberer Pocket, was eine eher stabile Metrik ist.

Und das alles, obwohl OffCoord Darrell Bevell es Stafford mit 27% Play-Action (13t-höchster Wert) gar nicht mal soooooo einfach machte. Stafford selbst hatte auch keinen Schiss: 27% seiner Pässe gingen in enge Deckungen (<1 Yard) – Spitzenwert der NFL!

Ästhetisch war es also ein Traum. 2020 bleibt Stafford die Schlüsselperson: Kann er diesen Level annähernd halten, hat Detroit die potenteste Offense in der NFC North. Doch auch wenn zahlreiche der Metriken relativ stabil ausschauen: 2019 war auch ein klarer Ausreißer in Staffords Karriere.

Positiv: Der Receiving-Corps um das Juwel Kenny Golladay sowie Marv Jones und Danny Amendola gehört zu den besseren in der NFL, vom hoch gedrafteten TE Hockenson kann man einen mächtigen Leistungssprung erwarten und die ziemlich genau durchschnittliche Offense Line (zwischen #15 und #17 in PFF Grade, PBWR und Pass-Block Productivity) wird kein Problem darstellen.

Aber negativ: Auch wenn Stafford weiter produziert, besteht die Gefahr einer zu konservativen Offense. Bevell setzte schon 2019 Patricias Vorstellungen von „run first“ sehr präzise um mit der 6t-höchsten Run-Rate in Early-Downs in spielneutralen Situationen (20-80% Siegwahrscheinlichkeit). Dass Detroit im Draft dann auch noch zum wiederholten Male einen Runningback mit einem 2nd-Round Pick holte (D’Andre Swift), deutet nicht auf einen Kurswechsel hin.

Defense

Eine der speziellsten Defenses in der NFL – und eine, die bislang trotz eigentlich guter Grundidee (von hinten nach vorne bauen, wenig Base-Defense) in der Patricia-Ära nur sporadisch funktionierte: Mit 19% spielte Detroit kaum Base-Defense, dafür mit 45% Nickel und 29% Dime-Defense die höchste Rate an Plays mit vielen Defensive Backs. Detroit spielt mit die höchste Rate an Man-Coverage und spielt vorne fast ausschließlich 3-Man Passrush. Das führte aber zu absurden 24% Pass-Rush Win-Rate, mit Abstand der mieseste Wert in der NFL – und zu aufgegebenen 0.20 EPA/Pass, #26 der NFL.

Nach zahlreichen Offseason-Einkäufen hat Patricia aber keine Ausreden mehr: Die Front wird mit NT Shelton und LB Jamie Collins aufgebolstert, und im Defensive Backfield hat man den unzufriedenen CB Slay verkauft und in Top-Rookie CB Jeff Okudah sowie den Free Agents CB Trufant und S Duron Harmon gleich drei neue „shiny starter“ – dazu kehrt Slot-CB Coleman von IR zurück. Tiefe ist jetzt eigentlich da.

Auf dem Blatt klingt die Defense jetzt besser, aber in DE Flowers gibt es immer noch nur einen Passrush-Individualisten von Format, und die Hoffnung, dass LB Jarrad Davis mehr als ein ewiges Talent bleibt, schwindet.

Ausblick

Simpel gesagt: Zündet Stafford wie letztes Jahr und bleibt fit, ist Detroit wahrscheinlich der Favorit in der NFC North. Aber darauf kann man sich nicht ganz verlassen. Es gibt dann doch einige kritische Punkte – die befürchtete Regression zu Career-Level bei Stafford, das zu konservative Offense-Coaching, die zu inkonstante Defense, deren Schlüsselspieler in Okudah auch noch ein Rookie sein wird.

Die realistische Erwartung ist 8-8 oder 9-7. Je nachdem wie die Würfel in den anderen Divisionen fallen, könnte das für einen Wildcard-Playoffplatz reichen.

3 Kommentare zu “All-32: Detroit Lions 2020 Preview

  1. Schöne Preview, bin allerdings etwas pessimistischer. Das größte Fragezeichen steht für mich immer noch an der Seitenlinie. Ich habe wenig Hoffnung, dass die Defense wirklich signifikant besser wird diese Saison.
    Und das muss sie werden, wenn man in die Playoffs kommen will. Vor allem wenn man, wie du schreibst, mit einer Regression von Stafford rechnet von einem Top7-QB zu einem Top12 (weiter unten würde ich ihn nicht schätzen).
    Der positive Gedanke bleibt für mich, entweder Playoffs oder Bye,Bye Patricia

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