All-32: Las Vegas Raiders 2020 Preview

Las Vegas Raiders Vorschau 2020. Memo to me: LAS VEGAS, nicht OAKLAND. Ich werde es noch oft falsch machen, wenn ich mich erinnere, wie oft ich noch am liebsten „San Diego Chargers“ schreiben würde.

Die Raiders waren 2019 zwar 7-9 und lange im Playoffrennen irgendwo mit dabei, aber es spricht einiges dafür, dass ihr wahres Leistungsvermögen deutlich drunter war: Pythagorean von nur 5.2 Siegen.

  • Bilanz 2019: 7-9
  • Pythagorean: 5.2 Siege (#28)
  • Close Games: 6-3
  • Offense EPA/Play: +0.04 (#10)
  • Defense EPA/Play: +0.12 (#31)
  • Turnovers: -2
  • Adjusted Games Lost: #26

Offense war soweit ganz passabel, aber die Defense ein Trümmerhaufen. Doch man hat dort jetzt zahlreiche Einkäufe gemacht.

Offense

Einziger nennenswerter Zugang in der Offense ist, wenn man den TE-Oldie Jason Witten mal außer Acht lässt, WR Henry Ruggs, den die Raiders auf #12 drafteten. Auf Ruggs lastet großer Druck, denn er wurde vor den profilierteren Receiver-Kollegen Jeudy und Lamb gedraftet. Er ist eine Art Al-Davis-Gedächtnispick: Speed, Speed, Speed.

Warum die Raiders ausgerechnet Ruggs wollten, ist eigentlich offensichtlich: Sie wollen ihre Offense ein wenig mehr in die Tiefe entwickeln. Haken an der Sache: Dafür hat man in Derek Carr den komplett falschen Quarterback!

Vor ein paar Tagen geisterte diese sensationelle Grafik durch Twitter, die Carr besser beschreibt als jede andere Situation. Egal ob es 1 Yard oder 15 Yards braucht: Carr wirft im Schnitt in jeder Distanz gleich weit. Brauchste 1 Yard, Carr wirft aDOT = 7.5. Brauchste 15 Yards? Carr wirft 7.5 Air-Yards.

Wenn man beschreiben will, warum die gesamte Analytics-Community so wenig von „Captain-Checkdown“ Carr hält: Diese Grafik zeigt warum. Und sie zeigt, wo die „Film-Study-Community“ den blinden Fleck hat: Sie mag Play für Play gut erklären können. Doch das was diese Grafik so unglaublich gut auf den Punkt bringt – fehlendes Spielgefühl – habe ich in sechs Jahren Derek-Carr-Gewurstel noch nie von einem Footballexperten erklärt bekommen.

Carr selbst hatte vor ein paar Wochen ein Social-Media-Skandälchen an der Backe, als sein Burner-Twitter-Account aufflog – ein Account, der allein ihn selbst zum Thema hatte und nix außer Lobeshymnen postete. Die anschließenden Carr-Statements über „fehlenden Respekt“ wurden in den sozialen Medien aus dem Kontext gerissen. Sie sind aber untrüglicher Hinweis, dass Carr die Zeichen der Zeit verstanden hat: Besser spielen oder fliegen.

Die Raiders scheinen auch nicht so sehr von ihm überzeugt zu sein, haben sie ihm doch nun Marcus Mariota als Backup in den Nacken gesetzt; der kennt die Situation mit einem namhaften Backup-QB wie seine Westentasche: Letztes Jahr wurde ihm selbst Ryan Tannehill in Tennessee zur Seite gestellt – und nach wenigen Wochen zur neuen #1 befördert.

Offensiv-Waffen sind in Las Vegas kein Problem: O-Line ist stark (#4 PBWR, #15 PFF Pass Blocking), dazu Ruggs, WR Tyrell Williams, TE/WR Darren Waller und die beiden Rookies Lynn Bowden und Bryan Edwards für die Tiefe und ein RB Josh Jacobs, der erst 2019 erstaunlich selten im Passspiel mit eingebunden wurde, aber seit College-Zeiten aus dual thread gilt.

Ausreden hat Carr keine mehr. Allein: Ich glaube nicht an Carr. Sein Ceiling ist so limitiert, dass 2020 wie das Jahr aussieht, an dem Jon Gruden die Geduld mit ihm verliert und früher oder später shiny Marcus einwechseln wird.

Defense

2019 horrend, jetzt personell massiv aufgebolstert mit allerlei Free Agents und Rookies:

  • LBs Littleton und Kwiatkowski machen aus einer absoluten Schwäche fast schon eine Stärke auf dem Papier
  • DT Maliek Collins und EDGE Nassib für Tiefe „vorne“
  • CB Prince Amukamara, S Demarious Randall und S Jeff Heath plus die beiden Rookies CB Damon Arnette und Amik Robertson für Tiefe „hinten“

Dass die Defense damit den Sprung ins Liga-Mittelfeld schafft, glaube ich eher nicht – dafür ist das Personal zu unerprobt und der recht unveränderte Pass-Rush (#29 nach PBWR) zu mau. Aber gerade Leute wie Amukamara oder Randall erlauben es den Coaches, einen Mann wie Lamarcus Joyner wieder passender einzusetzen; dazu sind ein Jonathan Abram und Clellin Ferrell jetzt in Jahr 2. Dass man wieder als abgeschlagene #32 nach EPA/Play abschließt, halte ich für unwahrscheinlich.

Ausblick

Defense etwas verbessert, Offense mit QB-Handicap: Mit Carr schreibt alles an den Raiders nach 6-10 bis 8-8. Playoffs mit Carr sind nur mit extremem Glück drin – so wie 2016, als man sich 9-1 Bilanz in Close-Games zum Divisionssieg lavierte.

Prinzipiell erwarte ich aber irgendwann im Verlauf der Saison aus blanker Frustration einen Wechsel auf Mariota. Ob es dann besser wird, keine Ahnung. Aber allein, dass es dann anders wird, dürfte den Verantwortlichen reichen.

4 Kommentare zu “All-32: Las Vegas Raiders 2020 Preview

  1. Kann es sein, dass Carr und die vielen Tape-Aficionados zwar verstehen wie ein Play auf dem theoretischen Blatt Papier aussieht und das auch auf dem Feld umsetzen (beziehungsweise so scouten wie sie es gelernt haben), aber ganz einfach vergessen, dass Football von Situationen abhängt.

    Brady, Mahomes und die ganze QB-Elite wissen, dass das Gelernte nicht ausreicht. Man muss auch sein eigenes Spielgefühl mit reinpacken.

    Carr ist nach der letzten Kursstunde in Theorie stehen geblieben und macht alles richtig was er gelernt hat. Aber er hat keinen Football-„Hausverstand“. Ein Football-Bürokrat eben.

  2. @Archer: „Fehlender Football-Hausverstand“ – ja, ich glaube, das ist es!

    Für sich macht er wohl alles „richtig“ wie es gecoacht wird: Progressions, Wurf, Präzision. Aber manchmal muss man eben auch sich selbst einbringen anstatt stur Checkliste X abzuklappern.

    Ich glaube, sowohl Carr als auch jene, die das was er spielt, gut finden, verstehen das nicht.

  3. Carr hat kein gutes Gefühl beim Lesen der gegnerischen Defense und ist nicht in der Lage bei Bedarf vom geplanten Schema abzuweichen. So langsam gehen ihm die Ausreden aus. Ich befürchte, er wird es mit Gewalt erzwingen wollen und sich damit rausschießen.

  4. Pingback: Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Der Bodensatz | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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