All-32: Dallas Cowboys 2020 Preview

Der größte Underachiever der letzten NFL-Saison: Die Dallas Cowboys. Sehr viel spricht für einen Durchbruch 2020. Aber auch ein bissl was dagegen.

Mit den Zahlen ist es eigentlich Wahnsinn, dass Dallas nur 8-8 ging: Die #3 Offense nach EPA/Play und eine leicht überdurchschnittliche Defense obendrauf! Ein Pythagorean, der ein 11-5 Team impliziert – nur vier Teams waren besser!

Aber Dallas war extrem konservativ in kritischen Momenten der Offense und verlor alle One-Score Games, u.a. auch das entscheidende kurz vor Saisonende gegen die waidwunden Eagles. Dass Headcoach Jason Garrett gehen musste, war der einzige Lichtblick einer verkackten Saison.

  • Bilanz 2019: 8-8
  • Pythagorean: 10.9 Siege (#5)
  • Close Games: 0-5
  • Offense EPA/Play: +0.12 (#3)
  • Defense EPA/Play: -0.02 (#13)
  • Turnovers: -1
  • Adjusted Games Lost: #4

Der neue Coach ist ein alter Bekannter: Mike McCarthy, früher lange Jahre Packers-Coach. McCarthy wurde in Green Bay vor eineinhalb Jahren gefeuert. Die beiden großen Kritikpunkte: Offense-Stagnation und zu wenig Analytics-Affinität. In beiden Punkten ist er mittlerweile rehabilitiert: Nachfolger Matt LaFleur hat es mit Aaron Rodgers nicht besser gemacht, und in Sachen Analytics soll sich McCarthy nicht bloß fortgebildet haben; seinen hohen Early-Down Passquoten sind jetzt auch im Common-Sense angekommen.

Offense

Denn in genau jenem Punkt war 4th-Down Schisshase McCarthy schon immer schon gut: Early-Down Passing. Dort rangiert er unter den drei passlastigsten Coaches des Jahrzehnts. Ein zweiter Winner: Er behält OffCoord Kellen Moore, unter dem die Dallas-Offense letztes Jahr zündete, ehe sie von Headcoach Garrett hintenrum wieder eingebremst wurde.

QB ist Dak Prescott, der durch seinen langen Holdout fast zu einem Ärgernis geworden wäre. Prescott spielte 2019 seine mit Abstand beste Profi-Saison. Er gilt als einer derjenigen QBs, die man per se nicht zur Liga-Elite zählt, die aber mit entsprechendem Waffenarsenal durchaus gut genug sind um Top-5 Effizienz aufzulegen.

Und Waffen ist das, was die Cowboys haben!

Der Receiving-Corps ist mit Amari Cooper, Michael Gallup und Rookie-1st Rounder CeeDee Lamb der mutmaßlich beste der NFL. Cooper ist ein Juwel als Route-Runner, Lamb galt für die meisten als bester Receiver in einem starken Draft und Gallup ist ein erstklassiger „dritter Mann“.

Auf Runningback hat man in Zeke Elliott einen Guten, aber viel wichtiger: McCarthy wird nicht in Verlockung kommen, Laufspiel nur deswegen anzusagen um Zeke seine Carries für die schönen nackten Zahlen zu geben.

Offense Line war schon mal besser. Als #11 nach PBWR ist sie aber immer noch grundsolide. In Center Frederick ist einer der bekanntesten Blocker zurückgetreten, aber Center ist auf der anderen Seite die verschmerzbarste Position, Frederick war schon zuletzt nur mehr im Liga-Durchschnitt, und in Tyler Biadasz hat man den möglichen Nachfolger 2020 gedraftet.

Die EPA/Play Zahlen 2019 waren so gut, dass sie eigentlich kaum zu halten sind. Aber selbst wenn sie etwas nachlassen: Das optimiertere Play-Calling eines McCarthy wird helfen, den Verlust aufzufangen – nach der Faustregel: Pass > Run, und auch wenn der Pass ein bisschen Effizienz verliert, dann sagst du einfach etwas mehr davon an um die Gesamt-Effizienz nach oben zu schrauben.

Defense

Die Defense war erstaunlich gut, doch jetzt sind in EDGE Quinn und CB Byron Jones zwei wichtige Leistungsträger weg. Gerade Jones‘ Abgang tut weg – aber er war finanziell nicht zu verhindern, nachdem Owner/GM Jerry Jones es priorisiert hatte, einem Runningback 15 Mio/Jahr nachzuwerfen anstatt die Pass-Defense zu stärken.

Das Defensive Backfield ist ohne Jones ein Fragezeichen. In CB Trevon Diggs hat man einen guten Prospect in Runde 2 abgreifen können, aber ein CB-Trio Awuzie, Diggs, Anthony Brown mit einem neuen Safety wie Clinton-Dix hintendran klingt für mich nicht so geil.

„Vorne“ ist man ganz gut besetzt: Linebacker ist mit Jaylon Smith und Vander Esch fantastisch. Im Pass-Rush war Dallas war die #1 nach Pass-Rush Win-rate. Quinns Abgang tut weh, aber man hat einige Neuzugänge um den Verlust einigermaßen aufzufangen: Aldon Smith, früher gleichermaßen All-Pro wie Sorgenkind in San Francisco, Randy Gregory (der Aldon Smith minus All-Pro gleichkommt), und dazu bleibt der Ankermann Demarcus Lawrence.

Stilistisch wird man ein bissl umstellen, mehr Man-Coverage spielen, nachdem Mike Nolan als DefCoord übernimmt. Total abstürzen wird man damit wohl nicht.

Ausblick

Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn Dallas diesmal erneut 8-8 geht. Ich erwarte nicht zwingend, dass Offense und Defense ihre rohen EPA/Play Zahlen halten können, doch allein das bessere Play-Calling von Moore/McCarthy in der Offense wird vieles auffangen.

Freilich müsste man sich schon sehr glücklich schätzen, wenn man noch einmal mit dem viert-gesündesten Team durchkommt und freilich ist ein neuer Coach immer ein bisschen Fragezeichen und freilich ist Lamb als Rookie-receiver noch keine sichere Tüte, und freilich sind die auch die Eagles ein Kandidat für Verbesserung, und freilich

…ach, komm: Wir können die Chancen der Cowboys zerreden wie lange wir wollen. Aber wenn sie die NFC East nicht gewinnen, dann werden sie knappe Zweite. Wenn Dallas diese Saison die Playoffs verpasst, wäre ich schon sehr, sehr erstaunt. Wie weit es dann mit dieser Firepower-Offense gehen kann? Abwarten und Tee trinken.

3 Kommentare zu “All-32: Dallas Cowboys 2020 Preview

  1. Danke für die Vorschau. Endlich kann man sich als Cowboys-Fan mit einer ordentlichen Portion Optimismus auf die neue Saison freuen.
    Schade ist, dass Gerald McCoy raus ist, aber mit Everson Griffen hat man noch etwas mehr Tiefe in der Front. Er sollte Quinn durchaus ersetzen können.

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