All-32: Los Angeles Rams 2020 Preview

Freunde der Blasmusik: Die Rams.

Ich fand es ja ziemlich geil, dass vor ein paar Tagen bekannt wurde, welches Ausmaß die finanziellen Sorgen bei den Rams haben. Der Stadionbau in Inglewood scheint um die 5 MILLIARDEN (!!) US-Dollar verschlungen zu haben, mehr als das Doppelte wie geplant.

Stadionbauten in den USA nehmen schier unfassbare Kosten-Dimensionen an. Ein Teil dieser astronomischen Summen ist übrigens den mafiösen Strukturen auf dem Bau geschuldet: Du bist verpflichtet, irgendwelche lokalen Gewerkschaften für Stundenlöhne jenseits von Gut und Böse anzustellen – und weil du den Jungs dann vor Ort noch nichtmal einen Schraubenzieher mit gutem Gewissen in die Hand drücken kannst, schickst du sie am besten zum nächsten Starbucks und lässt deine eigenen Leute montieren. Ach ja: Du bezahlst dann natürlich beide.

Zum Thema: Wenn man sich die negativen Vibes um die Rams-Saison 2019 in Erinnerung ruft, dann möchte man gar nicht meinen, dass L.A. 9-7 ging, und sich diesen Record auch „verdient“ hat:

  • Bilanz 2019: 9-7
  • Pythagorean: 8.8 Siege (#12)
  • Close Games: 3-3
  • Offense EPA/Play: +0.04 (#11)
  • Defense EPA/Play: +0.04 (#20)
  • Turnovers: +/- 0
  • Adjusted Games Lost: #10

Ich hätte ja angesichts der Stimmung eigentlich eher an 6-10 oder 7-9 gedacht. Aber Sean McVay hat im Laufe der Saison einen guten Coaching-Job gemacht und sein Offense-Scheme an die Bedingungen angepasst: Weit weniger 11-Personnel Offense, dafür viel mehr 12-Personnel und andere Aufstellungen.

Offense

Trotz dieser Evolution bleiben ein paar markante Fragezeichen.

#1 Jared Goff: Goff bekam kurz vor der letzten Saison eine monströse Vertragsverlängerung, die schon damals Fragen aufwarf. Er ist ein sehr guter QB, wenn die Situation um ihn herum, aber genau diese Situation hat 2019 gefehlt. Er ist generell eher schwach unter Druck – und scheint dabei einer der Fälle zu sein, bei dem es sich nicht nur um ein volatiles „Sample-Size“ Problem handelt.

Auffällig bei Goff: Obwohl er 33% Play-Action bekam und mit 56% Würfen auf offene Receiver mit die einfachsten Würfe in der NFL geschemt bekam, hatte er eine der höchsten „Turnover-worthy-Plays“-Raten der NFL (4.1%). Sein CPOE mit -3.6% war unterdurchschnittlich. Er war 2019 auch nicht gut bei Plays ohne Pressure. It was one of these years…

#2 Offensive Line: Jahrelang eine der Rams-Stärken, doch 2019 die #22 nach PBWR, gar nur #31 in den PFF-Block Metriken. Und etliche Probleme bleiben: LT Whitworth wird im Dezember 39, auf Guard und Center sind nur zweitklassige Optionen, RT Havenstein kommt zurück von einem horrenden Jahr – galt davor aber als grundsolide. Werden also zumindest die beiden Tackles Schutz bieten?

#3 Es gibt kein Quick-Game. Klappt die O-Line zusammen, hatten die Rams zuletzt keine Chance zu kontern. Die Offense war dann tot, weil es kaum kurze Routen gibt. Baut McVay das jetzt ein? Es wäre zumindest ein logischer nächster Schritt. McVay ist kein Shanahan – doch er hat wie eingangs beschrieben immerhin auch letztes Jahr schon Adaptivitätsvermögen bewiesen.

#4 Was passiert mit dem Laufspiel? Mit dem allerersten Pick im Draft zogen die Rams… EINEN RUNNINGBACK! Cam Akers. Und das ein Jahr nach Montgomery, und wenige Wochen nachdem man den Poster-Boy für „runningbacks don’t matter“ Todd Gurley zum Teufel gejagt hatte. Was ist da der Plan? Gibt es überhaupt einen?

Die eine Position, die passt: Receiving-Corps. Robert Woods und Cooper Kupp gelten als kongeniales Duo, die beiden Tight Ends sind souveräne Starter, und einer aus dem Duo Van Jefferson (Rookie) oder Josh Reynolds dürfte in dem Scheme den Abgang von deep threat Brandin Cooks einigermaßen auffangen.

Defense

Die eine wichtige Änderung: DefCoord Wade Phillips wurde gefeuert. McVay will mehr Kontrolle über alle Aspekte seines Teams haben. Langfristig könnte das ein verständlicher Move sein, nachdem Phillips mit 73 Jahren sowas wie der „Whitworth unter den Coaches“ ist. Aber kurzfristig wirft das die Unit bestimmt eher zurück.

Es gibt etliche Abgänge zu verkraften: EDGE Fowler, LB Littleton, Slot-CB Robey-Coleman. Die einst gefürchtete Front-Seven hat nur mehr DT Aaron Donald und einen Haufen Mittelmaß. Im Edge-Rush hat man noch ex-Bears-Bust Leonard Floyd und Rookie Terrell Lewis, auf Linebacker ist komplette Ebbe.

Spannend dagegen das Defensive Backfield: CB Jalen Ramsey ist ein Superstar, Troy Hill eine passable #2. Dahinter gibt es nicht allzu viel Tiefe, aber zahlreiche talentierte junge Prospects:

  • CBs David Long (2019 Klasse), Darious Williams, Don’t’e Daeyon
  • Safetys Terrell Burgess (Rookie), Taylor Rapp, John Johnson

Wenn drei aus diesem Sextett NFL-Tauglichkeit erweisen, sprechen wir personell über eine passable Defense und die Fragen verlagern sich in Richtung des neuen DefCoords Brandon Staley.

Ausblick

Die Rams haben sich mit zu kurzfristiger Denke von GM Les Snead irgendwie in die Scheiße gemanagt, und mit den vielen Trades ihren Kader ausgeblutet. Ich glaube noch nicht mal, dass das 2020 schon so extrem einschlagen wird, denn ich halte das Team gerade offensiv gut genug aufgestellt um wieder um die acht oder neun Siege zu holen. Anders: Ich glaube nicht wie viele andere, dass die Rams zwingend das klar schlechteste Team der NFC West sein werden.

Bitter wird es aber dann nächstes Jahr, wenn Ramsey seinen Vertrag will, wenn Whitworth endgültig fertig ist und die Offense Line einen Rebuild braucht. Und wenn sich bis dahin herauskristallisiert haben sollte, dass Goff vielleicht doch nicht die ach so tolle langfristige Lösung ist.

16 Kommentare zu “All-32: Los Angeles Rams 2020 Preview

  1. Tolle Reihe mit den Kurzübersichten. Macht wie immer Spaß zu lesen. Was meinst Du mit: „Und das ein Jahr nach Montgomery, „? Stehe da gerade auf dem Schlauch 🙂

  2. Das Teil ist ganz schön teuer geworden, die Raiders haben wohl 1,84 Mrd und die Rangers aus der MLB sogar nur 1,1 Mrd bezahlt. Wobei deren Stadion nur 20 Jahre alt war.

    Von den Rams bin ich sportlich auch nicht überzeugt. Mal schauen ob sie überhaupt in die Playoffs kommen.

  3. Alles klar! Jetzt verstehe ich es. War auch entsetzt, als sie Runningback gezogen haben. Komplett ausgebluteter Kader, echt schade…

  4. @Öwi: Mögliche weitere Kostenfaktoren (pure Spekulation meinerseits) sind Grundstückspreise, Labor-Cost, Urban-Development (ich meine mich zu erinnern, dass Kroenke mehr als ein Stadion wollte, sondern auch das ganze Gebiet drumherum mit Geschäften usw. aufpäppeln wollte), Parkhäuser/Zufahrten, Umplanungen usw.

    Kann sein, dass das bei Kroenke alles mit in den „Stadion“-Bau mit eingerechnet wurde.

  5. Eine sehr unreflektierte Saisonvorschau. Ja die O-Line war die ersten 10 Spiele schlecht, aber am Ende des Jahres die mit den wenigstens zugelassenen Sacks.
    Philipps wurde nicht gefeuert sondern nicht verlängert.

    Meine Sicht zu Snead ist komplett anders: Ja der Gurrley Vertrag war schlecht und unnötig. Aber schauen wir Mal weiter: Goff heftiger frontloaded Contract wird nächstes Jahr besser aussehen, Donalds Vertragsverlängerung für 6 Jahre und 136 Mio $ ist ein Schnäppchen (vgl. Bosa und Garrett), Higbee wurde für 9 Mio verlängert. So what? Jalen Ramsey wird einen Top Deal wie jeder Shut down corner bekommen. Der Cooks Trade war bei der Kombination Cap Hit und den Leistung richtig und gut. Ganz nebenbei Gurley hat immernoch nicht den Med Check bestanden….

  6. @korsakoff: Ich verstehe es immer so, dass die Zahlen die Peripherie nicht beinhalten. Es soll ja u.a. auch das NFL Network im Hollywood Park einziehen, Büros, Hotels, usw.
    Es gibt ja wohl auch noch verstärkte Auflagen bezüglich Erdbeben, usw. trotzdem schon ein signifikanter Unterschied…

  7. @Daniel

    Snead hat den Rams-Kader ausgeblutet. Der letzte 1st Round Pick war Goff 2016, der nächste kommt frühestens 2022. So baut man keinen tiefen Kader.

    Die Goff-Verlängerung hat niemand verstanden als sie gemacht wurde, und sie sieht heute noch schlechter aus als damals.

    Cooks-Verkauf war finanziell notwendig. Für 1st eingekauft, für 2nd verkauft, 38 Mio. Cash für zwei Jahre gezahlt (oder 19 Mio/Jahr, was absolute WR-Elite gleichkommt), fast 22 Mio Dead-Money am Cap für Cooks. „Gut“ ist dafür nicht die Vokabel, die ich verwenden würde.

    Der Donald-Vertrag ist insgesamt okay, aber auch zwei Jahre mit >12.5% Cap-Anteil, und das für einen Defensive Tackle.

    Ach ja und zu Offense Line: 207 zugelassene Pressures in 16 Spielen, #29 der NFL. Und das, obwohl Goff untypischerweise im Schnitt nur 2.66 sek den Ball gehalten hat, 10t-niedrigster Wert in der NFL.
    Goff war gut im Verhindern von Sacks, aber die O-Line schlecht im Verhindern von Pressures.
    Dazu die drittmeisten Penaltys gegen die Rams-OL (46 Stück).

    Das mit dem „unreflektiert“ würde ich mir noch einmal überlegen.

  8. Ja faire Kommentare, aber:
    – Zur Verlängerung war Goff (mit Ausnahme des unfassbar schlechten Superbowls) statistisch ein Top5 Quarterback und der Vertrag vergleichbar mit Garoppolo
    – Der Punkt mit Defense Tackle bei Donald verfängt nicht, ihn würde ich immer lieber für 6 Jahre halten als Bosa oder Garrett für gleiches Geld (und dann auch noch 1 Jahr weniger)
    – Cooks hat seinen Job erfüllt, ich bin mir sicher, dass Jefferson schon im ersten Jahr seine Stats des letzten Jahres bricht. (+550 Yards, +2 Touchdowns)
    – Deadcap ist bei beiden Bitter, Cooks läßt such immerhin auf 4 Jahre strecken
    -1. Runden Picks brauchst du nicht für einen guten Kader, zeigen die Pats regelmäßig

    Danke für die gute Antwort, finde deine Perspektiven fair 🙂

  9. 1) Goff 2017+2018 war „perfect storm“: Top-3 Offense Line, exzellente Play-Maker auf Wide Receiver, höchste Play-Action Quote der NFL und das QB-freundliche System in der Interpretation von Sean McVay, der Goff bekannterweise quasi „fernsteuerte“.

    2) Edge-Rusher Pressure ist wesentlich effizienter als Interior-Pressure. Donald ist natürlich auf seiner Position unangetastet und Lichtjahre von der Konkurrenz entfernt, aber ein sehr guter Edge-Rusher ist tendenziell schon gleich viel wert wie der einzigartige DT Donald.

    3) Rams und Pats bei 1st Round Strategie zu vergleichen ist wie Tag und Nacht zu vergleichen. Die Rams zahlen ihre 1st Rounder für einen einzigen Spieler (manchmal für zwei), während Belichick die 1st Rounder für zahlreiche Mid-Rounder und damit mehr Wert verkauft (oder eben wegen Schummeleien von der NFL einfach gestrichen bekommt).

    Brandin Cooks war da die Ausnahme.

  10. Letzter Kommentar, dann geb ich Ruhe! Das Unreflektiert nehme ich zurück und entschuldige mich in aller Form.

    – Pats Vergleich hinkt, da hast Du Recht, mein Punkt war, dass man augenscheinlich in den runden 2-4 genug gute Leute findet

    – Dein Punkt zum Edge Rush stimmt auch, aber gerade Matthews hat die meisten seiner Sacks wegen und nicht trotz Donald geholt. Ich bin mir sicher, dass Matthews auf keinen Fall und Fowler wahrscheinlich diese Zahlen im kommenden Jahr nicht mehr auflegen.

  11. Kein Problem mit deinen Einwänden.

    RE: Runden 2-4. Das stimmt natürlich, aber die Rams hatten zuletzt ein paar Drafts mit arg wenig frühen Picks.
    2016 nach Goff nix mehr in Runde 2+3.
    2018 keinen 1st+2nd, nur ein 3rd.
    2019 zwar zwei 2nd, aber einer davon kam durch Verkauf eines Spielers, den man kurz davor per 1st geholt hatte *und* ihm einen fetten Vertrag gegeben hatte.

    Erste Picks der Rams in den letzten Jahren waren #52, #61, #89, #44. Nächstes Jahr wieder kein 1st. Man *kann* damit durchkommen, aber dann muss man schon außerordentliches Glück im Draften haben.

    Glück ist aber nicht planbar, und daher stehe ich dem Treiben von Snead mittlerweile eher skeptisch gegenüber.

  12. Was man mit 5Mrd $ alles hätte schaffen können…
    … einen vernünftigen Präsidentschaftskandidaten von Null aufbauen.
    … das öffentliche Bildungssystem der USA umkrempeln.
    … langfristige Streetworkerprogramme in allen amerikanischen Metropolen aufbauen um Drogen und Gewalt in den Griff zu bekommen.

    Aber nein. Sie bauen ein Stadion. Für eine Summe, die viele Volkswirtschaften der Erde in einem Jahr nicht erwirtschaften können.

  13. Pingback: Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Mittelklasse | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  14. Pingback: All-32: Los Angeles Rams 2021 Vorschau | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.