Josh Allen - Bills QB

All-32: Buffalo Bills 2020 Preview

The Bills: Super-Kader, super Coaching, gigantisches Quarterback-Fragezeichen.

Wir müssen keine Umschweife machen: Buffalo war eine der besten Mannschaft in der letzten Saison: Sie haben sich ihre 10-6 Bilanz redlich verdient. GM Brandon Beane hat einen tollen Kader zusammengestellt und Headcoach Sean McDermott kitzelt das Maximum vor allem aus der Defense heraus; er hat sich seine Sechsjahresverlängerung redlich verdient.

  • Bilanz 2019: 10-6
  • Pythagorean: 9.8 Siege (#10)
  • Close Games: 4-5
  • Offense EPA/Play: -0.02 (#20)
  • Defense EPA/Play: -0.08 (#5)
  • Turnovers: -+4
  • Adjusted Games Lost: #11

Es gibt Stabilität auf OffCoord (Brian Daboll) und DefCoord (Les Frazier). Unter McDermott waren die Bills in zwei von drei Jahren mit suspektem Quarterbacking in den Playoffs. Jetzt sind zum ersten Mal auch die Preseson-Erwartungen richtig hoch. Kann das Team liefern?

Offense

Wir müssen nicht lange um den heißen Brei herum reden: QB Josh Allen ist die Schlüsselfigur in der Offense und wird über Wohl und Wehe der Bills entscheiden. Ich meine: Auch mit einem Graupen-Allen ist der Kader gut genug um sieben, acht Siege zu holen. Aber das ist nicht mehr der Anspruch. Buffalo hat das Ziel die Division zu gewinnen und einen Playoff-Run hinzulegen.

Allen war schon immer ein mehr als suspekter Prospect, und er bleibt ein gigantisches Fragezeichen in der NFL. Seine Stats sind mehr als mickrig:

  • QBR #24
  • DVOA #28
  • EPA #24
  • CPOE #35 (-3.7%)
  • 14 Fumbles (Buffalo recoverte davon glücklicherweise 10)

Allens PFF Clean-Grade war nur die 28t-beste und verspricht ebenso wenig Gutes wie seine „Negative Play Grade“ (#35 von 35). Allen hatte nur in 2.8% der Plays einen Big-Time Throw, von allen Startern hatten nur Mason Rudolph, Jacoby Brissett und der im Shanahan-System zum Game-Manager gestutzte Jimmy Garroppolo eine geringere Quote. Und Allen warf in 3.7% seiner Plays ein Turnover-würdigen Pass.

Obwohl die Bills Allen auf einen Kurzpass-Wizard stutzten, der nur selten tief werfen darf, waren nur 73.5% seiner Pässe überhaupt fangbar. Das ist crazy – für einen Kirk Cousins oder Drew Brees kommt das der Completion-Rate nahe!

I know: Bills-Fans verteidigen Allen aufs Blut. Doch viel mehr als ein guter QB-Runner und recht passabel auf der 10-19 Yards Range war er bis jetzt nicht.

Man hofft nun, dass der eine große Star-Einkauf WR Stefon Diggs das Blatt in der Offense wenden kann. Diggs ist ein super „Separator“. Er ist ein guter Deep-Ball Catcher. Aber sollte man mehr tiefe Pässe aus dem ungestümen Wurfarm Allens wollen?

Diggs ist auf alle Fälle ein exzellenter #1 Receiver. Er komplettiert einen Receiving-Corps, der bislang viele gute Nummer zweien hatte: John Brown und Cole Beasley waren 2019 fantastisch, TE Knox ist ein junger Hoffnungsträger, vielleicht bringt es auch noch einer der beiden Late-Round Rookies Cephus/Hodgins.

O-Line ist personell nicht überragend, aber okay: #8 nach PBWR, viele Probleme wurden kaschiert, weil die Coaches Allen zum schnellen Werfen zwangen. Mit einem Diggs im Line-Up wäre dieser reine Kurzpass-„Wichsmodus“ aber Verschwendung. Die Line bleibt erstmal unverändert – sie sollte in etwa im Liga-Mittelfeld rangieren.

Laufspiel wird trocken. Der Rookie Zack Moss wird Starter, Devin Singletary ist der change of pace Back. Allein, dass der 73-jährige Frank Gore (jetzt bei den Jets) keine Carries mehr verbrennt, ist ein Plus.

Defense

Sie war zuletzt ein Wort: Fantastisch. Und sie ist in der McDermott-Ära auch erstaunlich stabil:

  • 2017 #12 Pass-DVOA
  • 2018 #2 Pass-DVOA
  • 2019 #5 Pass-DVOA

Das Defensive Backfield sieht in CB Josh Norman einen guten Neuzugang für die Tiefe. Das Gerüst ist mit CB Tredevious White und dem fantastischen Safety-Pärchen Hyde/Poyer eh erstklassig. CB Gaines setzt wegen Corona aus, aber ein Levi Wallace ist eine sehr gute #2.

Dafür gibt es in der Front-Seven einige Wechsel: EDGE Shaq Lawson, DT Jordan Phillips und LB Alexander raus, DL Addison/Butler (aus Carolina), DT Quinton Jefferson und Rookie-EDGE A.J. Epenesa rein, dazu ein neuer Starting-LB in A.J. Klein: Man könnte argumentieren, dass diese Personaldecke 2020 sogar besser ist als jene im letzten Jahr – schon bevor man den erhofften Leistungssprung vom einstigen Top-Draftpick Tremaine Edmunds (drittes Jahr) mit einkalkuliert! DT Lotulelei machte wie Gaines den Corona-Opt Out, aber dafür kann man sich von DT Ed Oliver in seinem zweiten Jahr einen Leistungssprung erwarten.

Ausblick

„Non-QB“ Kader und Coaching allein sollten ausreichen für sieben, acht Siege. Was obendrauf kommt, entscheidet QB Allen. Ich hab‘s schon angedeutet: Ich bin da extrem skeptisch. Allen 2020 hat so viele „Trubisky-2019“ Vibes, ich habe gerade einen Flashback.

Neue Waffen sind schön und gut, aber die Historie zeigt, dass bei solchen grenzwertigen Quarterbacks am untersten Ende der Einsatzbarkeit die Qualität der Waffen irgendwann nicht mehr kriegsentscheidend ist. Deutlicher: Wenn die Bälle zu weit links und rechts und obendrüber segeln, kann auch ein Diggs nix ausrichten.

Dennoch: Die Bills sind erstmal auf Gedeih und Verderb an Allen gebunden; ich denke nicht, dass ein in-Season Wechsel auf einen Nudelarm wie Jake Fromm vertretbar wäre – nicht politisch, nachdem die Bills-Mafia bislang jeden Anflug von Kritik an ihrem QB im Keim erstickte.

Nicht falsch verstehen: Tief drinnen in meiner Herzkammer wünsche ich mir wenige NFL-Dinge sehnlicher als einen Durchbruch der Buffalo Bills. Aber ich habe es schon vor zweieinhalb Jahren gesagt und bis jetzt nix Verwertbares gefunden: Ich glaube, sie haben den falschen QB dafür. Also wird es in der AFC East kein Divisionsgewinn – und mit Wildcard wird es schwierig.

7 Kommentare zu “All-32: Buffalo Bills 2020 Preview

  1. Hey nicht alle Bills Fans haben die rosa Allen Brille auf😉 Es wäre echt schade wenn dieser, meiner Meinung nach beste Kader in Buffalo seid Anfang der 90er, nur durch diesen „QB“ von größeren erfolgen abgehalten wird, aber woher sollte man einen besseren kriegen.

  2. Wunsch für wenn du mal Zeit hast für einen Artikel:

    Was muss einer guter QB liefern bzw. was sollte ein zumindest durchschnittlicher QB deiner Meinung nach bringen? Am besten in absoluten Zahlen.

    Du schreibst immer wieder von Graupen, Mittelmaß und Top-QBs und in deinen Stats lieferst du meist ein Ranking (was ich gut finde und in der Grundeinschätzung meist teile, bzw. nachvollziehbar finde).
    Mein Problem mit Rankings ist aber, dass ich nicht erkenne, ab wann eine Leistung gut (genug) ist. Vor allem kann ja die Gesamtleistung aller QBs im Laufe der Zeit besser werden, das Ranking bleibt aber gleich. Ist also die Leistung des QB#16 Vergleichbar mit der des QB#16 vor 10 Jahren. Und welche groben Leistungsdaten sollte ein QB bringen, um ok zu sein in einer Liga, die offensichtlich daran scheitert, 32 solcher Menschen zu finden.

    Gibt es eine EPA oder DVOA ab der du sagst: „Ja, das reicht mir“?. bzw. gibt es Leistungen, ab der jemand Top ist, selbst wenn es 15 andere gibt, die besser sind?

    würde mich freuen, dazu mal ein paar Gedanken/Einschätzugen von dir zu lesen.

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