Carson Wentz Eagles

All-32: Philadelphia Eagles 2020 Preview

Die Philadelphia Eagles sind der „Titelverteidiger“ der NFC East.

Das allein kommt einem Treppenwitz gleich, wenn wir uns anschauen wie Eagles und Cowboys performt haben:

  • Pythagorean: DAL 10.9, PHI 8.8
  • Punktverhältnis: DAL +113, PHI +31
  • Net EPA/Play: DAL +0.14, PHI +0.04
  • Verletzungen: DAL #4, PHI #21

Ehrlicherweise überrascht es mich, dass Philly auf der Adjusted Games List nicht abgeschlagen als Letzter rausgeht, sondern „immerhin“ als #21. Das Pech hat ziemlich punktuell zugeschlagen – namentlich auf Receiver, wo gegen Saisonende sogar der Postbote als Starting-Option aufgestellt werden musste.

  • Bilanz 2019: 9-7
  • Pythagorean: 8.8 Siege (#11)
  • Close Games: 3-4
  • Offense EPA/Play: +0.01 (#17)
  • Defense EPA/Play: -0.03 (#11)
  • Turnovers: -3
  • Adjusted Games Lost: #21

Angesichts der Misere bin ich mir nicht sicher wie man das Coaching der Eagles einschätzen sollte. Ist es respektabel, dass Doug Pederson das Team auch 2019 in die Playoffs führte? Oder soll man ihn dafür kritisieren, dass er nach dem Superbowl-Sieg zweimal in Folge deutlich „underachievt“ hat?

Wie soll man es bewerten, dass die Eagles letzte Saison plötzlich nur mehr im Mittelfeld der NFL nach Early-Down Passing waren? Muss man in der Retrospektive den mittlerweile abgewanderten Assistenten wie Frank Reich (Indy) oder John DeFilippo mehr Credit am Titel-Run von 2017 geben als Pederson selbst?

Prinzipiell bleibe ich hinsichtlich Pederson optimistisch. Coaches können letztlich nur mit dem arbeiten was sie haben, und wenn Pederson mit einem WR1 Greg Ward antreten muss, ist eben schwierig eine vernünftige Offense zu spielen. Oder mit einem kaputten Defensive Backfield eine vernünftige Defense.

Beide dieser krassen Needs wurden in der Offseason von GM Howie Roseman jetzt zur Genüge adressiert.

Offense

Auf Receiver hat man mächtig nachgelegt:

  • 1st-Round WR Jalen Reagor, einer der geilsten Picks im ganzen Draft
  • Late-Round WR John Hightower und Quez Watkins
  • Trade für WR Marquise Goodwin (allerdings seither mit Corona Opt-out)

Speed, Speed, Speed war das dominierende Thema. WR Desean Jackson (deep-threat des Jahrzehnts) kehrt auch wieder zurück, und sollte einen Stammplatz sicher haben solange er sich nicht wieder verletzt oder in Holocaust-Diskussionen einmischt. WR Alshon Jeffery (wenn von PUP runter) sowie das famose Tight-End Duo Ertz/Goedert tun ihr Übriges, diesen Receiving-Corps auch in Punkto Physis auf einen NFL-tauglichen Level zu hieven.

In der Hinterhand hält man noch WR Arcega-Whiteside, einen physischen Bolzen für RedZone und 3rd Downs. Als Rookie hat er letztes Jahr krass enttäuscht. Vielleicht kommt noch ein Leistungssprung. Auf RB ist Miles Sanders ein guter Ballträger, aber auch ein vernünftiger Ballfänger fürs Kurzpassspiel.

Offense Line gehört auch nach der schweren Verletzung von OG Brandon Brooks zur NFL-Oberklasse; man hat einfach den 38-jährigen Jason Peters reaktiviert – Peters ist jetzt als Guard eingeplant. Wenn das total schief geht bzw. der junge LT Andre Dillard sich als nicht NFL-tauglich erweist, könnte man Peters auch auf Left-Tackle schieben und Right Guard anders besetzen.

Bleibt die Schlüsselfigur QB Carson Wentz. Wentz wurde in Rookie Jalen Hurts schon ein klein wenig die Rute ins Fenster gestellt, doch vorerst kann er sich mit seinem fetten Vertrag seiner Sache noch sicher sein. Wentz hat in vier Jahren als NFL-Starter ein durchwachsenes CV: Ein Jahr als MVP-Kandidat, ein Jahr im guten Mittelmaß, zwei im echten Mittelmaß, und drei Jahre mit Verletzung beendet.

Letztes Jahr war Wentz in fast allen Kategorien im Durchschnitt. Auffällig war seine enttäuschende #20 PFF-Grade aus sauberer Pocket und sein unterdurchschnittlicher CPOE (-1.4%). Wentz hat nur durchschnittlich tiefe Pässe geworfen (wie auch bei dem WR-Corps?), er hat sogar weniger als durchschnittlich viele Pässe in enge Deckungen geworfen (was ich bei dem Receiving-Corps nicht gedacht hätte) und seine Präzision war dennoch auch nach PFF-Charting deutlich unterdurchschnittlich.

Wentz ist ein Playmaker, dem am liebsten aggressiv spielt und sehr gut in 2nd-Reaction Plays ist. Trotz aller Präzisionsprobleme wirft er relativ wenige INTs, fabriziert aber zu viele Fumbles.

2019 musste er notgedrungen ein wenig gezähmt werden, weil es auch kaum Möglichkeiten gab, die Offense in die Länge zu ziehen. Doch Wentz zu zähmen bringt auf lange Sicht nix. Man muss ihn von der Leine lassen! Und dafür hat man ihm jetzt die Waffen gegeben, bzw. kann bei Jackson/Jeffery zumindest auf mehr als comined 458 Snaps hoffen.

Punkt bleibt: Wentz ist langsam auf dem Prüfstand. Die Schonzeit läuft ab. In Kürze ist er ein 30 Mio/Jahr QB und wenn die Eagles in absehbarer Zeit noch einmal Titelträume wecken wollen, muss er liefern!

Defense

Die Defense ist rundumerneuert. Pass-Rush war dank der fantastischen und tief besetzten Defensive Line nie ein Problem (2019 z.B. #4 in Pass-Rush Win-rate, seit 2016 immer in den Top-5) und sieht in DT Hargrove aus Pittsburgh einen weiteren Ergänzungsspieler für die Tiefe.

Die Probleme waren immer „hinten“. Und dort wurde mit CB Darius Slay und Slot-CB Nickell Robey-Coleman massiv eingekauft. Slay kam für zwei Mid-Rounder aus Detroit; man sollte sich von einer enttäuschenden letzten Saison nicht täuschen lassen – er ist einer der besten #1 Corner in der Liga. Robey-Coleman gilt als reiner Slot-Corner, aber als guter, und kostet fast nix (1.1 Mio für ein Jahr).

In FS Jenkins verließ ein „emotional leader“ das Team, doch die vielen Verletzungsprobleme der letzten Jahre hatten auch ein Gutes: Viele zuvor unerprobte Jungspunde haben mittlerweile Erfahrung gesammelt – und einige von ihnen, wie CB Avonte Maddox, haben realistisches Starter-Potenzial.

Ex-CB Jalen Mills wird als Nebenmann von McLeod auf Safety geschoben, Will Parks ist der Safety für Big-Nickel. Linebacker bleibt ein weißer Fleck. Die plausibelsten Optionen dort sind der technisch feine, aber athletisch extrem limitierte TJ Edwards und Rookie Davion Taylor.

DefCoord Jim Schwartz musste die letzten zwei Jahre um eine miese Secondary herum arbeiten – und er hat vieles versucht, 2019 sogar untypisch für ihn viele Blitzes. Schwartz erlebte am eigenen Leib eines der momentan meistdiskutierten Analytics-Themen: Coverage > Passrush. Die Eagles haben eine der potentesten Defensive Lines in der ganzen NFL, aber wenn du hinten offen wie ein Scheunentor bist, nützt alles nix. Jetzt ist man personell so gut wie zuletzt im dominanten Superbowl-Jahr 2017 besetzt – vielleicht sogar besser!

Ausblick

Philly bleibt eines der spannendsten Teams in der NFL. Kollegin Jessica Fehlhaber sieht drüben beim Lead-Blogger 2019 eine Art „Jahr der letzten Chance“, bevor es einen Cap-bedingten Umbruch der aktuellen Generation braucht.

Für mich sind die Iggles seit langem eines der faszinierendsten Teams. Ich hatte sie die letzten beiden Jahre jeweils als meinen Superbowl-Tipp #1 auf dem Zettel – und beide Male wurde ich bitterlich enttäuscht. Beide Male hatten sie valide Entschuldigungen, z.B. krasses Verletzungspech oder kaputte Secondary.

Was soll ich 2020 erwarten? Es gibt schließlich brutal viele Optionen. Automatisches „Regressionspotenzial“ in Form von Fumble- und Turnover-Glück oder Close Games gibt es eher wenig, auf der Receiver-Position wurde zwar viel gemacht, aber drei der Moves sind Rookies und die Rückkehrer sind verletzungsgeplagt, alt oder unerprobt.

Sind Slay/Robey-Coleman genug um die Secondary zu schließen? Wird man viel Dime (6 DB) spielen um die kaputte Linebacker-Position zu kaschieren? Hat man dafür die Secondary-Tiefe? Wird man rotieren, auch wenn außer Slay keiner in der „Back-Seven“ eine wirklich bekannte Größe ist?

Und vor allem in der Offense: Ist Wentz mehr als ein Durchschnitts-Starter, dem hie und da mit glücklichen 3rd Downs eine hochklassige Saison ausrutscht? Kitzelt besseres Personal das ganze Potenzial aus Wentz heraus? Traut sich dann auch Pederson wieder mehr Aggressivität zu?

So viele Fragen. Ich bleibe aber auf der optimistischen Seite. Philly-Floor ist trotz eines schwierigen Saisonstarts eine Wildcard, als Ceiling sehe ich weiterhin den Superbowl. Tendenziell gibt es mehr Szenarien, in denen Dallas die NFC East gewinnen sollte, aber die Eagles haben nach wie vor die Firepower um die Division ihrerseits in Schutt und Asche zu spielen.

4 Kommentare zu “All-32: Philadelphia Eagles 2020 Preview

  1. Pingback: Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Titelfavoriten | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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