All-32: Houston Texans 2020 Preview

Die Houston Texans haben eine crazy Offseason hinter sich.

Die Bilanz von „GM“ Bill O’Brien ist so verrückt, sie muss hier noch einmal kurz zusammengefasst werden:

  1. WR Nuk Hopkins für einen 2nd Rounder und den Megavertrag von RB David Johnson verkauft
  2. 2nd Rounder für WR Brandin Cooks ausgegeben
  3. WR Randall Cobb für 3 Jahre, 27 Mio geholt
  4. LT Tunsil zum mit weitem Anstand teuersten Offense Tackle ever gemacht (22 Mio/Jahr)
  5. OffCoord gefeuert; DefCoord ausgetauscht

Stuff for Legends, würde man sagen. Ob O’Brien damit den Divisions-Titelverteidiger geupgradet hat? Sehr zweifelhaft. Vielmehr droht nun 2020 massive Regression, denn schon 2018 waren die Texans 10-6 trotz eines negativen Punktverhältnisses; eine 8-3 Bilanz in One-Score Games und das drittbeste Fumble-Glück der Liga erwiesen sich als recht hilfreich:

  • Bilanz 2019: 10-6
  • Pythagorean: 7.8 Siege (#15)
  • Close Games: 8-3
  • Offense EPA/Play: +0.06 (#7)
  • Defense EPA/Play: +0.06 (#23)
  • Turnovers: +/- 0
  • Adjusted Games Lost: #19

Offense

Der Superstar ist natürlich QB Deshaun Watson. Watson ist ein Juwel, und ich bin Fan-Boy der ersten Stunde, aber ich bin mir nicht ganz sicher ob er nicht mittlerweile einen Tick überschätzt wird. Watson ist alles andere als ein perfekter QB.

Er ist ein Play-Maker (5t-höchste Big-Time-Throw-Rate der NFL), hält dafür natürlich sehr lange den Ball (3.0 Sekunden im Schnitt), und das führt neben den Big-Plays auch zu einer hohen Pressure- und Sack-Rate von 7.5%.

Watson ist #11 in PFF Clean-Pocket Grade, #12 in Pressure-Grade, hat aber auch eine der höchsten Raten an negativen Plays (25t-schlechtester QB). CPOE ist mit 1.5% leicht positiv, was für gute Präzision trotz eher schwieriger Würfe spricht.

Auch hat Watson immer mal wieder Spiele mit drin, in denen einfach nix geht. Die Spiele können die Texans als fixen Loss einbuchen, denn ohne ihren QB ist das Team total verloren.

Es gibt viel Gemunkel darüber, dass der Hopkins-Verkauf für Watsons Entwicklung sogar positiv sei – schließlich ist sein „Sicherheits-Ziel“ jetzt weg, er muss neue Optionen finden, wenn die Offense stagniert.

Der WR-Corps ist diesbezüglich nicht uninteressant: WR Fuller, WR Cooks, WR Stills und WR Cobb – das liest sich wie verrückter Speed für Deep-Balls; es sind im Prinzip jetzt vier „Nummer 2“-Receiver Typen. Weil die Texans ihr Passspiel auch über die Johnson/Johnson Runningbacks aufziehen wollen, könnte uns eine hopp-oder-topp Offense blühen: Entweder tief oder Checkdown. Oder straight 5-verts mit Einbau von Watsons Rushing-Qualität.

O-Line wird gefordert sein; trotz nicht unbedingt überragender individueller Qualität war die Line schon 2018 und 2019 wesentlich besser als ihr Ruf; 2019 war man #8 nach PBWR und sogar #6 nach PFF Pass-Block Grade. Jetzt könnte auch der letztjährige 1st Rounder OT Tytus Howard erstmals starten. Nachteil: Die Line muss auch so gut sein, wenn Watson weiterhin den Ball so lange hält.

Oder kommt alles ganz anders, und Watson ist ohne den „sicheren Hafen“ Hopkins eh gezwungen, schneller Entscheidungen zu treffen und zu werfen? Ist das dann besser oder schlechter?

Zwei Dinge noch: O’Brien mag ein Horror-GM sein. Er ist aber auch ein ziemlich guter Offense-Coordinator. Spielzug-Design ist kein Problem, zuletzt war sogar die Early-Down Pass-Rate mit 53% im Durchschnitt – und in 4th Downs ist O’Brien der 4t-aggressivste Coach in denjenigen Spielsitutionen, in denen der 4th-Down Bot Ausspielen empfiehlt.

Defense

Kommen wir zur Achillesferse. Die Texans-Defense ist ziemlich übel, und es gibt kaum Hoffnung, dass es heuer besser wird.

Die Secondary sieht in Mid-Round CB John Reid eine einzige Verstärkung, dazu wurde Safety Gipson durch Eric Murray ausgetauscht. CB Lonnie Johnson war 2019 als Rookie ein Desaster; wenn irgendetwas in der Coverage besser werden soll, dann müssen er und noch zwei Leute aus dem Trio enttäuschender ex-1st Rounder Hargreaves, Conley und Bradley Roby plötzlich ein Breakout-Jahr haben.

Oder der Pass-Rush (zuletzt #28 in PRWR) bringt ein büsschen mehr Hilfe. DE J.J. Watt ist in den 100% fitten Momenten noch immer eine Augenweide, wenn auch nicht mehr jener Superstar, der 2012-2015 GOAT-Hymnen heraufbeschwor. Er allein ist aber zu wenig; Counterpart Whitney Mercilus muss ebenso auf Pro-Bowl Level spielen.

Bleibt ein kleines Fragezeichen auf Defensive Interior: DT Reader ist dort weg; er wird in Justin Blacklock durch einen Rookie ersetzt.

Ausblick

Auf die Defense ist fast sicher kein Verlass, dazu schreien mehrere Faktoren nach natürlicher Regression und der vielleicht beste Receiver der NFL wurde für lau verscherbelt: Man kann sich das Texans-Desaster eigentlich gar nicht so wirklich schönreden.

Deshaun Watson ist der einzige Strohhalm, an den man sich klammern kann. Er bietet noch immer die höchste „Upside“ der AFC South. Sagen wir, Watson macht im Vergleich zu den beiden starken letzten Jahren noch einmal einen Sprung nach vorn: Könnte Houston dann wirklich ins Divisionsrennen eingreifen?

Ich meine ja. Colts und Titans sind nicht stark genug aufgestellt um einen klaren Vorsprung auf Houston zu beanspruchen. Es braucht natürlich wieder einiges Glück, und Indianapolis ist mit dem ollen Phil Rivers diesmal auch mit einem sehr guten QB ausgestattet und damit wohl zu favorisieren.

Aber Houston ganz abzuschreiben traue ich mich mit Watson nicht. 8-8 oder 9-7 halte ich zwar für wahrscheinlicher als den Durchbruch. Aber wenn die notorisch instabile Defense aus welchen Gründen auch immer leichte Verbesserung zeigt und Watson statt drei schwachen Spielen diesmal nur eins einstreut, ist auch mehr drin – bis rauf zu Wildcard-Platz oder knappem Divisionssieg.

6 Kommentare zu “All-32: Houston Texans 2020 Preview

  1. Ross Blacklock und nicht Justin…Schöner Text wie immer, deine Seite macht echt Spaß.

    Ich hoffe, dass die Texans wieder die Divison gewinnen und sehe sie ein bisschen besser als die Mehrzahl. Rivers und Tannehill traue ich nicht so recht über den Weg und ich kann mir mit den schnellen Recievern und den Johnsons eine spannende Offense vorstellen. Vorausgesetzt halt, die verletzungsanfälligen Spieler bleiben halbwegs gesund.

  2. Glaube nicht, dass Watson überschätzt wird. Angesichts der Umstände in Houston macht er sich immer noch ganz gut, auch wenn dieser Satz in der nächsten Saison vermutlich noch stärker zutreffen wird, als in den letzten Jahren. Ist halt etwas inskonstant. Mal super, dann wieder kacke. Top 10 QB ist er dennoch, vermutlich besser wenn man das Alter berücksichtigt und das Missmanagement in Houston.

    Wenn ich Watson wäre, würde ich mir den neuen Vertrag sehr gut bezahlen lassen und vermutlich auf einen kurzen Deal pochen. Kann mir gut vorstellen, dass er sich ein neues Team sucht irgendwann.

  3. Natürlich ist Watson Top-10.

    Wahrscheinlich ist er Top-5 oder sehr knapp außerhalb. Aber er wird oft in einem Zug mit Mahomes (oder knapp dahinter) genannt. *Das* ist leicht überschätzt.

  4. Interessante Einordnung zu Watson. Da waren ja auch mehrere Stinker dabei in den letzten Jahren, und gab es nicht diese Statistik, daß er ohne Will Fuller viel ineffizienter war?

    Auf der anderen Seite welcher QB ist wirklich eindeutig besser als Watson?
    Mahomes, Russell Wilson, Lamar Jackson, kann man Drew Brees und Tom Brady noch dazuzählen, aber sonst…

    Matt Ryan vielleicht noch. Rodgers ist eingebrochen in den letzten Jahren. Ben und Rivers haben auch abgebaut.

    Wentz, Dak, Kyler Murray, Baker Mayfield, Jimmy G, Kirk Cousins, Stafford, Goff sind alle im Mid Tier.

    Ryan Tannehill ist nur in Watsons Range, wenn er sein Level halten kann, was man getrost bezweifeln darf (Situation ideal, viel mehr History von mediocre play…).

    Watson ist imo Top 5 oder mindestens Top 7, aber klar ein Tier unter Mahomes und vielleicht Wilson. In etwa gleichauf mit Lamar, Brees, Brady, Ryan.

    Oder?

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