Raiders vs. Dolphins NFL

Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Der Bodensatz

Zeit für die Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21!

Spoiler voraus: Sie fällt dieses Jahr kürzer aus als gewohnt. Drei Gründe dafür:

  1. Ich habe schon für jedes Team eine Vorschau geschrieben, die am Ende ausführlicher wurde als geplant. Für Details zu den einzelnen Teams bitte auf die entsprechenden Links klicken – ich versuche hier mit möglichst wenigen Zahlen auszukommen.
  2. Die letzten Tage war noch schönes Wetter. Ich habe lieber Bergtouren gemacht als vor dem Computer zu sitzen.
  3. Eine Saison-Prognose ist 2020 eh besonders schwer. Zusätzlich zu aller Randomness und allen Verletzungen kommt nun auch noch die Freakiness von Geisterspielen und der Möglichkeit von Corona-Infektionen.

Wir wissen nicht, wer sich infizieren wird. Wir wissen nicht, welche (bzw. ob) Spieler dann aus dem Verkehr gezogen werden, und wir wissen nicht wie lange.

Wir haben kaum bis keine Zuschauer in den Stadien und wissen nicht wie es sich mit dem Heimvorteil verhalten wird.

Kurzum: Es wird die eigenartigste NFL-Saison ever. Natürlich hält uns das nicht davor zurück, nicht trotzdem mit dicken Nippeln die Prognosen rauszuhauen – und sei es nur um hinterher für die wenigen gelungenen Previews als großer Mann dazustehen.

Letztes Jahr war z.B. meine extrem pessimistische (und damals schwer kritisierte) Sicht auf die Bears der Verkaufsschlager. Dass ich bei den Browns und Eagles voll daneben gehauen habe, Steelers- und Panthers-Previews nach Quarterback-Verletzungen schnell für‘n Eimer waren und den 49ers-Ansturm auf die NFL-Spitze nicht habe kommen sehen, verschweigen wir mal lieber.

Was ich sagen will: Wenn du Prognosen in einem so unsicheren Feld wie der NFL machen musst, dann mach möglichst viele, und möglichst viele verschiedene. Dann kannst du hinterher immer die richtige herausziehen. Doch so einfach machen wir es uns nicht. Hindsight-Bias ist omnipräsent, und nur eine knackige Vorschau lässt uns hinterher Erwartung mit der Realität abprüfen.

Beginnen wir mit dem Bodensatz der NFL. Es sind die acht Mannschaften, die eher um den Top-Pick als um die Lombardi-Trophy competen. Es mag sein, dass eine von ihnen in die Playoffs gespült wird, weil ihnen Schedule oder Turnover-Glück hold sind, aber es wäre schon eine sehr große Überraschung, wenn sie wirklich leistungstechnisch unter den Top-Mannschaften rangieren würden.

Noch was: Ich habe die Kategorie umbenannt . Es heißt nicht mehr „Kellerkinder“. Ein Leser hatte mich letztes Jahr davon überzeugt, diesen behafteten Begriff auszutauschen.

NFC

Carolina Panthers

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 44%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 6%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Die Panthers befinden sich im Umbruch – wenn auch nicht in einem so krassen wie anfangs gedacht. Der neue Headcoach Matt Rhule scheint zwar langfristig zu denken, doch nicht komplett auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit.

In OffCoord Joe Brady hat man den Architekt der atemberaubenden LSU-Offense geholt, und die Verpflichtung von QB Teddy Bridgewater ist ein recht klares Zeichen dafür, dass man in den nächsten 1-2 Jahren versuchen wird, die Offense konzeptionell NFL-reif zu machen ehe man einen „echten“ Franchise-QB an den Start holt.

Receiving-Corps in Carolina ist mit Leuten wie D.J. Moore, Curtis Samuel oder deep threat Robby Anderson recht sexy. RB Christian McCaffrey ist einer der wenigen wirklich versatilen Runningbacks – wenn auch mit der Gefahr behaftet, dass man zu viel vom Gameplan über McCaffrey designt. O-Line ist passabel, nix Großartiges.

Das Problem ist die sehr junge Defense, die den ex-Leader Luke Kuechly durch Rücktritt verliert. Gleich sieben Draftpicks wurden reingestellt, darunter DT Derrick Brown. Aber weder im Pass-Rush noch im Defensive Backfield wird man diese Saison gut genug aufgestellt sein um die monströsen Pass-Offenses von New Orleans, Tampa Bay und Atlanta zu stoppen.

Prognose: 5-11

Chicago Bears

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 14%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 41%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Bittere Zeiten für die Bears. Das Mannschaftsgerüst ist nicht mehr gut genug um trotz fragwürdiger Quarterback-Situation ernsthafte Träume ob eines langen Playoff-Run zu wagen. Doch das Gerüst ist auch zu gut für ein Jahr Tanking um einen radikalen Umbruch einzuleiten. Dazu kämpfen Head Coach Matt Nagy und noch mehr GM Ryan Pace um ihren Job.

Chicagos Defense ist nicht mehr so dominant wie noch vor zwei Jahren, hat aber mit einem Kern bestehend aus den Pass-Rushern Khalil Mack und Robert Quinn, LB Roquan Smith und FS Eddie Jackson trotzdem Top-10 Potenzial. Gerade Smith und Jackson tendierten in jüngerer Vergangenheit allerdings immer mal wieder dazu, ihr Leistungsvermögen nicht gänzlich abzurufen, und Quinn ist etwas eindimensional, aber in Summe ist das nach wie vor ein guter Kern.

Hätten die Bears einen Quarterback von Format, wären sie Division-Contender in der NFC North. Doch mit den Optionen Mitchell Trubisky und Nick Foles wird das schwierig. Der ehemalige Top-Draftpick Trubisky ist eigentlich nicht mehr als Starter vermittelbar, weswegen lange Zeit als sicher galt, dass Foles ran darf.

Foles ist ein alter Buddy vom Headcoach und wurde primär deswegen als Trubisky-Alternative eingekauft, weil er das System schon kennt – man hielt das für wichtig in der verkürzten Corona-Offseason. Doch auf all das geschissen: Seit Freitag gilt als fix, dass Trubisky die Saison als Starter eröffnet, und sei es nur, weil es mittlerweile einfacher ist ihn zu benchen als später Foles.

Banale Prognose: Ein Starter Trubisky geht nicht lange gut. Auch Foles ist keine überzeugende Lösung, doch immerhin bietet er etwas Upside: Foles ist launenhaft und hat oft lange Formkrisen, doch er bietet auch „himmelhochjauchzend“. Trubisky ist nur zu Tode betrübt.

Das Offensiv-Personal ist nicht weltbewegend. WR Allen Robinson ist der beste Receiver – und das ist kein schlechter Beginn. Aber dahinter wird es schnell etwas dünn: Ted Ginn ist eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot, WR Anthony Miller als #3 ist schon sehr wackelig, und von den zahllosen Tight Ends sind die meisten entweder zu jung oder zu alt; Offense Line ist nur Durchschnitt.

Ich war geneigt, die Bears in 7-9 Range zu sehen, doch wenn man jetzt wirklich ein paar Wochen mit Trubisky wegwirft, ist das nicht mehr realistisch.

Prognose: 6-10

New York Giants

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 14%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 41%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Die Giants sind wie ein Relikt aus alten Zeiten: Eine Offense gebaut um viel zu laufen, eine Defense gebaut um den Lauf zu stoppen. Damit hätte man 1960 zu den Topfavoriten gehört, doch 2020 droht maximale Frustration.

Die Kombination aus dem neuen Headcoach Joe Judge („we want to be the toughest football team badasses„) und OffCoord Jason Garrett liest sich als wäre sie von GM Dave Gettleman höchstpersönlich auserwählt worden… und welch Zufall: Sie sind von Dave Gettleman ausgewählt worden!

Ziel scheint eine unaufgeregte run first Offense um RB Saquon Barkley herum aufzuziehen, um dazwischen die „gute“ Seite von QB Daniel Jones herauszukitzeln. Der geht in sein zweites Jahr. 2019 war er als Rookie ein rücksichtsloser Gunslinger. Das heißt positiv ausgelegt: Ein Playmaker. Negativ ausgelegt: Eine potenzielle Interceptions- und reelle Fumble-Maschine.

Quarterbacks tendieren ihren größten Leistungssprung im zweiten Jahr zu machen. Für Jones alles nicht undenkbar, aber mit dem gigantischen Coaching-Downgrade von Pat Shurmur auf Garrett eher unwahrscheinlich.

Gelingt Jones der Breakout, hätte er im Receiving-Corps um WR Golden Tate, WR Sterling Shepard, WR Darius Slayton, TE Evan Engram und auch RB Barkley als Ballfänger auch die entsprechenden Waffen um Effizienz zu maximieren. Diese Gruppe spielte letztes Jahr verletzungsbedingt nicht einen einzigen Snap zusammen.

Doch selbst wenn Jones am oberen Ende seines Leistungsvermögens spielt, gibt es etliche kritische Punkte. So ist die Pass-Protection an beiden Flanken der Offense Line fraglich: Links spielt mit OT Andrew Thomas ein Rookie, rechts ist nach Nate Solders „corona opt-out“ alles offen.

Die Defense ist mit Defensive-Tackle-Bolzen wie Dexter Lawrence oder Leonard Williams eine Wand gegen den Run, aber Pass-Rush und Secondary sind Sollbruchstellen. Gerade „hinten“ gibt es nicht viele hochwertige Optionen. Der aus Carolina geholte CB James Bradberry ist eigentlich ein Zone-Corner (Judge wird aber mehr Man-Coverage spielen lassen). S Jabrill Peppers und CB Julian Love sind die beiden einzigen anderen verbliebenen Starter mit NFL-würdigen Anlagen. Rookie-Safety Xavier McKinney fällt mit gebrochenem Fuß lange aus und CB Deondre Baker droht ein langer Knastaufenthalt wegen bewaffnetem Raubüberfall.

Prognose: 6-10

Washington

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 51%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 6%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Einen 2nd-Year QB haben auch die Washington Exskins: Dwayne Haskins. Der ist noch umstrittener als Giants-Jones. Haskins hat als Rookie wenig gespielt – und es ist nicht klar wie seine gut 200 Passversuche zu interpretieren sind. War es gut, dass er sich nach Katastrophen-Start schnell gebessert hat und am Saisonende schon richtig passabel spielte? War es schlecht, weil er im Schnitt noch immer miese Stats hatte? Oder ist eh alles wurscht und man kann nix aus der Saison schließen, weil Haskins eh vom hauseigenen Trainerstab torpediert wurde und 200 Pässe keine valide Testmenge sind?

Diese Sabotage will man abstellen, indem man Headcoach Ron Rivera und OffCoord Scott Turner einstellte. Rivera kämpft jetzt allerdings mit einer Krebsdiagnose und so wirklich wunderprächtige Waffen hat man Haskins nicht zur Seite gestellt. Die einzige hochklassige ist WR Terry McLaurin, der als Rookie eine Augenweide war. Dahinter gibt es nur zahllose Runningbacks und unerprobte Receiver wie Kelvin Harmon oder Antonio Gandy-Golden. Auch Left Tackle bleibt ein Knackpunkt.

Spannend ist die Washington-Defense. Sie ist „anti-Analytics“ gebaut: Fünf (!) ehemalige 1st-Round-Picks in der Defensive Line (EDGE Chase Young, Ryan Kerrigan, Montez Sweat plus DTs Jon Allen und DaRon Payne), aber abseits von FS Landon Collins nicht einen Defensive Back von Format.

Grund zur Hoffnung geben die Coaches: Sowohl Rivera als auch dessen DefCoord Jack DelRio haben in Vergangenheit schon häufiger mit dieser „Bauweise“ Top-Defenses herausgebracht, weil sie es gut verstehen, minderwertiges Cornerback-Material schematisch zu kaschieren.

Doch wie soll die Saison ablaufen, wenn Rivera wegen seinem Krebs aussetzen muss? Die eh schon unruhige Grundstimmung in der Franchise mit Namenswechsel und massiver Kritik wegen Frauenfeindlichkeit gegen Owner Dan Snyder tut ihr übriges, dass in Washington momentan keiner von Football spricht und man sich mit allerlei Off-Field-Kopfschmerzen herumplagt.

Jetzt fehlen nur noch ein schwacher Saisonstart von QB Haskins und schnelle Rufe nach dem QB-Oldie Alex Smith, der mit einer Art „Comeback des Jahrzehnts“ immerhin für die eine herzerwärmende Story sorgen könnte, aber sportlich mit seinen 36 Lenzen halt auch nimmer die große Aufbruchstimmung bringt.

Prognose: 5-11

AFC

Jacksonville Jaguars

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 66%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 4%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Bei den meisten Buchmachern sind die Jaguars der Favorit auf den #1 Pick. Es ist einfach zu sehen warum: Das Team steckt im kompletten Umbruch. Selbst die Stärken in dieser Mannschaft sind von Spielern besetzt, die eher Prädikat „Potenzial“ als „Weltklasse“ verdienen.

In den letzten 12 Monaten wurden fast alle einstigen Defense-Stützen wie die CBs Jalen Ramsey und A.J. Bouye, DT Marcell Dareus oder DL Calais Campbell verkauft. Die jetzige Stammformation sieht prominente Rollen für Rookies wie EDGE K’lavon Chaisson oder CB C.J. Henderson vor. Die wenigen arrivierten Spieler sind Passrusher Josh Allen und LB Joe Schobert.  

Viele Lichtblicke gibt es auch in der Offense nicht. QB Gardner Minshew war einer von ihnen. Für einen 5th Rounder hat er eine gute Rookiesaison gespielt – doch in den meisten wesentlichen Metriken wie EPA/Play oder CPOE war er dennoch außerhalb der Top-20 klassiert.

Der einzige Receiver von Format ist WR D.J. Chark. Selbst wenn andere Jungspunde wie Rookie Laviska Shenault oder Dede Westbrook besser als gedacht performen, bleibt der Receiver-Corps unterdurchschnittlich.

Haben wir schon erwähnt, dass Headcoach Doug Marrone und GM Dave Caldwell quasi lame ducks sind? Denn Jacksonville hat sich für die langfristige Kaderplanung mit zahlreichen hohen Draftpicks in den nächsten Jahren ganz gute Karten ins Haus geholt. Doch für diese anstehende Saison gibt es nur zwei greifbare sportliche Hoffnungsschimmer: Dass Minshew einen gewaltigen Sprung nach vorn macht und mindestens zwei von drei Divisionskonkurrenten einen unerwarteten Einbruch erleben.

Prognose: 4-12

Las Vegas Raiders

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 19%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 22%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Die Raiders haben den Umzug nach Las Vegas hinter sich, doch viele Hoffnungen kann man der neuen Fan-Base noch nicht machen. Letztes Jahr war das Jon-Gruden-Team 7-9, hatte aber das Punktverhältnis eines 5-11 Teams.

Größter Schwachpunkt war dabei die unterirdische Defense, die personell jetzt aufgepäppelt wurde: Man steckte zwei Draftpicks in Cornerback (Damon Arnette und Amik Robertson) und verpflichtete zwei neue Starting-Linebacker (Corey Littleton und Nick Kwiatkowski). Das führt unter anderem dazu, dass man Lamarcus Joyner vielleicht wieder auf Free Safety schieben kann.

Doch die Neuen sind nicht die einzige Hoffnung auf Defense-Besserung. Die 2019 gedrafteten Defensive Backs Jon Abram und Trayvon Mullen bekommen prominentere Rollen im zweiten Jahr; außerdem erwartet man von EDGE Clellin Ferrell jetzt mehr als solide Performance in Run-Defense. Dass die Defense erneut als #32 nach EPA/Play rauslaufen wird, ist damit eher unwahrscheinlich, aber für einen sehr großen Leistungssprung fehlt es nach wie vor an Stabilität in der Secondary sowie an Punch im Pass-Rush.

In der Offense bastelt Gruden weiter an seiner Idee. Die beiden Rookie-WRs Henry Ruggs (Speed) und Bryan Edwards (Physis) sind Indikatoren dafür, wohin Gruden seine West-Coast-Offense entwickeln will: Mehr Downfield-Routen, noch mehr Fokus auf das Passing-Game. In Ruggs und Tyrell Williams hat man zwei echte deep threats im Kader; Edwards und TE/WR Darren Waller sind die beiden Big-Bodys.

Offense Line ist recht solide, mittlerweile auch auf beiden Tackle-Positionen, auf Runningback ist Josh Jacobs eine der ligaweit besseren Besetzungen. Doch der große Bremsklotz bleibt QB Derek Carr. Carr soll sich im Training-Camp locker gegen Einkauf Marcus Mariota durchgesetzt haben – doch ich weigere mich das als gutes Zeichen zu lesen.

Carr ist kein ganz übler QB. Aber er ist keiner, mit dem man eine beständig höherklassige Offense aufbauen kann, denn dafür mangelt es ihm ganz einfach an Spielverständnis. Captain-Checkdown ist mit das deprimierendste an Quarterback, was es in der NFL aktuell gibt. Dass die ganzen neuen Anspielstationen und mehr Downfield-Speed aus Carr noch einmal einen ganz neuen Typ Quarterback machen, ist unwahrscheinlich.

Dass Gruden zuletzt trotzdem Top-10 Effizienz nach EPA/Play aus dieser Offense herauswringen konnte, ist Testament für seine an sich ganz gute Arbeit. Eigentlich wäre eine ganz solide Saison für die Raiders absolut denkbar. Doch die Deckelung durch Carr, der doch große Sprung von einem Pythagorean von 5.2 Siegen und das krasse Auftaktprogramm lassen mich dann doch an Las Vegas zweifeln:

Woche 1 @Carolina
Woche 2 vs New Orleans
Woche 3 @Patriots
Woche 4 vs Bills
Woche 5 @Kansas City
Woche 6 Bye Week
Woche 7 vs Tampa Bay
Woche 8 @Cleveland

Ein 2-5 Start ist durchaus denkbar – mit allen entsprechenden Folgen wie einem möglichen Quarterback-Wechsel. Was wäre dann noch der Incentive mit einem Carr weiterzumachen?

Prognose: 7-9

Miami Dolphins

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 40%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 14%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Lass dich vom 5-11 Record und der guten zweiten Saisonhälfte nicht zu sehr blenden: Die Dolphins waren leistungstechnisch 2019 die #31 oder #32 der NFL. Head Coach Brian Flores hat seine erste Feuertaufe bestanden und einen sehr guten Eindruck hinterlassen, aber das Spielermaterial gibt zumindest für heuer noch keine allzu große Hoffnung auf Playoffs her.

Auf Quarterback muss man sich zwischen dem ollen Ryan Fitzpatrick und Rookie Tua Tagovailoa entscheiden. Fitzmagic kann ganz gut mit dem neuen OffCoord Chan Gailey, aber langfristiger gedacht wäre ein schneller Einsatz von Tua. Flores kann sich langfristiges Denken leisten. Dass Tua schnell glänzt, ist eher unwahrscheinlich.

Er ist Rookie-QB. Die Offensive Line ist zwar personell rundumerneuert, aber es starten in OT Austin Jackson und OG Robert Hunt zwei Rookies, und weder OG Flowers noch C Karras gehörten in Vergangenheit auch nur zu den durchschnittlichen Startern.

Im Receiving-Corps ist Devante Parker die einzige erprobte Nummer, und selbst der muss erstmal zeigen, dass sein starkes 2019 kein einmaliger Ausreißer war. Im Play-Calling ist die Luft nach oben auch eher limitiert: Mit 68% Early-Down Passing war man schon ziemlich durchoptimiert.

In der Defense investierte man an den richtigen Stellen (Defensive Backfield, Pass-Rush). Doch man darf zweifeln, ob das Cornerback-Trio Byron Jones / Xavien Howard / Noah Ighbenagheni so schnell greift wie notwendig. Ighbenagheni ist Rookie, Jones ist ein guter Zone-Corner besser, doch Miami ist extrem manndeckungslastig.

Es besteht natürlich berechtigter Grund zur Hoffnung, dass die Defense mit aufgehübschtem Pass-Rush und verbesserter Secondary einen deutlichen Sprung nach vorn macht.

Aber reicht das? Es sind einfach noch zu viele kritische Punkte. Zwei neue Coordinators, möglicherweise ein Rookie-QB und ein Team, das sich einen 5-11 Record erst einmal mit stabilerer Performance „verdienen“ muss: Vielleicht wird es leistungstechnisch besser. Aber viel weiter nach oben als 6-10 sehe ich noch nicht.

Prognose: 6-10

New York Jets

Top-5 Pick Wahrscheinlichkeit: 21%
Playoff-Wahrscheinlichkeit: 23%
Zur detaillierten NFL-Saisonvorschau

Schließlich die Jets. Sie waren 7-9, aber umweht von extrem negativen Vibes. Headcoach Adam Gase ist verhasst wie die Pest. Der wichtigste Verteidiger S Jamal Adams erzwang seinen Abgang und die Fragen in Offensive Line und Receiving-Corps sind noch immer drängend.

QB Sam Darnold ist die Schlüsselperson: Er ist ein zweifellos noch immer talentierter junger Quarterback mit „Franchise-Potenzial“, doch dieses Potenzial lag die letzten zwei Jahre brach. Die Zeit drängt schön langsam…

…aber viel Grund zum Optimismus gibt es nicht: Vier neue O-Line-Starter, aber keiner von ihnen ist sonderlich erprobt. Im Receiving-Corps tauscht man prinzipiell Robby Anderson durch Breshad Perriman/Denzel Mims aus: Der eine hat in fünf Jahren als Profi ein gutes halbes gespielt, der andere ist Rookie.

Die Defense hat keinen Pass-Rush und in Adams den mit Abstand wichtigsten Ankermann verloren. Die Hoffnung ist eine Leistungsexplosion bei Quinnen Williams, doch auch das passt ins Bild: Williams ist Defensive Tackle. Das ist die prinzipiell unwichtigste Position der Defense. Dass die Jets eine erstklassige Run-Defense stellen, ist nice to have. Doch in der wirklich wichtigen Disziplin, der Passing-Defense, schaut es düster aus.

Und dann haben wir noch den möglichen Sprengstoff: Den Blick in die Zukunft. GM Joe Douglas hat mit dem Adams-Verkauf die notwendige Draft-Munition für einen radikalen Kader-Umbruch akquiriert, der hoch gehen kann bis zum Quarterback. Das ist auch gefährlich für Gases Jobsicherheit: Geht der Saisonstart in die Hosen, dürfte die Neuausrichtung beschlossene Sache sein.

Prognose: 7-9


Und sonst?

  • Jadeveon Clowney hat sich Stand Sonntagmorgen wohl für die Titans entschieden.
  • Die Raiders haben in der Nacht den 3rd-Rounder von 2020, Lynn Bowden jr., im Paket mit einem 6th Rounder 2021 nach Miami getradet und erhalten dafür einen 4th Rounder zurück. Miami hat jetzt Bowden und Malcolm Perry im gleichen Team – zwei dynamische College-QBs, die als NFL-Receiver gelten. Da ist bestimmt was für die Redzone-Packages mit dabei.
  • Zwei neue Artikel beim Lead-Blogger: Einmal meine Saison-Vorschau zu den Los Angeles Rams, und einmal College-Roundtable mit drängenden Fragen.

Werbeanzeigen

11 Kommentare zu “Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Der Bodensatz

  1. Tolles, abgespecktes Format!

    Ich wundere mich dass die Raiders anstelle der Chargers schon so früh aufscheinen. Wenn ich das richtig sehe, dann war die Offense mit Carr durchaus schon gut, und jetzt gibt es noch bessere Weapons und eine klar verbesserte Defense. Gruden als Coach ist wohl auch der beste im Trio mit Lynn und Fangio, da ist Platz 2 in der AFC West schon drin.

    Und noch etwas: Viele Teams mit 2. Jahr QBs so weit unten. Nehmen wir nicht an, dass sie den Break Out im zweiten Jahr haben? Wenn Haskins und Jones einen Step machen, sind WAS und NYG dann nicht mit einem Mal allein schon Contender in der NFC East.

    Jets dito. Wenn Darnold doch noch rockt, kann das schnell weit gehen.

  2. Warum tradet man den 3rd von diesem Jahr?
    Irgendwie wirkt das ein wenig seltsam. Kann mir nur internen Probleme mitspielen.

  3. Ja, kein gutes Zeugnis für Mike Mayock…

    @moris: Wentz ist jetzt auch nicht so der Burner, und die Eagles haben einen kaputten WR Corps. F7 sind beide gut, in Coverage die Eagles besser, also wenn Haskins rockt, dann ist das FT nicht weit hinter Philli.

    Zur Aufstellung: Gute Gruppe, außer den Jags die jeder ex Spieler hasst, gibt es kein offensichtlich mieses Team dieses Jahr. Chargers gegen Raiders tauschen wäre wohl auch mein Move gewesen…

  4. Was ist mit den Bengals?
    2-14, Rookie QB, Rookie WR, LT noch ohne NFL Snap, ein Coach den niemand kennt und der beste Spieler AJ Green von langwierigen Verletzungen zurück. Und das alles noch in der AFC North.

    Außer Jacksonville sehe ich keinen klareren Bodensatz Kandidaten als die Bengals.

  5. Trubisky ist einfach deprimierend aber wenn die Bears es schlau machen lassen sie ihn jetzt einfach viel scrambeln und laufen, das war das einzige wo er gut war und long Term müssen sie jetzt eh keine Angst mehr haben daß er sich verletzt.

    Ist halt bitter für Nagy, weil er wieder nicht das spielen kann, was er eigentlich möchte. Und Allen Robinson. Und die Bears Fans.

  6. Pingback: Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Mittelklasse | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  7. @Fabs

    Immerhin haben die Eagles auch einen Schwung WR gedraftet und geholt. Soviele Verletzungen wie letztes Jahr können sie kaum wieder haben. Dürften hinter den Cowboys relativ safe #2 sein. Wentz ist guter Ligadurchschnitt.

  8. Pingback: Vor dem NFL-Kickoff 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. Pingback: Sideline Reporter – NFL Coach des Jahres 2020/21 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  10. Pingback: Die große NFL-Rückschau: Meine schlechtesten Takes 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.