Cincinnati Bengals Denver Broncos

Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Mittelklasse

T-3 bis Saisonstart.

Teil 2 der Furchtlosen NFL-Vorschau 2020/21 mit den acht Mannschaften, die im unteren NFL-Mittelfeld erwartet werden.

Siehe hier Teil 1 der Vorschau-Serie mit dem NFL-Bodensatz.

NFC

Atlanta Falcons

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 32%
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Die Atlanta Falcons sind einfach zu lesen, aber schwer zu interpretieren. Die Offense ist potenziell top, die Defense ein ewiges Mysterium.

Zuerst zur Offense. Ihre Quarterback/Receiver-Kombo QB Matt Ryan, WR Julio Jones, WR Calvin Ridley hat das Potenzial für Top-5 nach EPA/Play. Doch für effektives Ausschöpfen des Möglichkeiten müssen ein paar Rahmenbedingungen passen.

So müssen sich die beiden jungen O-Liner OG Lindstrom und RT McGary zu validen Startern entwickeln um endlich besser als #29 nach Pass-Block Win-Rate zu sein. So sollte OffCoord Dirk Koetter mehr Play-Action Passing und aggressiveres Early-Down Passing bringen.

Und so sollte zumindest einer der „zweite-Reihe-Waffen“ um TE Hayden Hurst oder WR Russell Gage sich zu einem Contributor entwickeln.

Aus der Defense wird man eh nicht mehr schlau. Vor ein paar Jahren wegen ihres Speeds als angehendes Modell gepriesen, doch dann Jahr für Jahr abgestunken. 2019 war es wieder ganz schlimm und trotz gutem Pass-Rush kollabierte die Secondary in schöner Regelmäßigkeit.

In Darqueze Dennard und Rookie A.J. Terrell hat man zwei neue Cornerbacks, und bei FS Keanu Neal hofft man nach mehreren brutalen Verletzungen noch einmal auf ein letztes Aufflackern des früheren Talents. Aber solange mit CB Isaiah Oliver oder einem der Safetys Kazee/Allen/Wreh-Wilson nicht noch zwei anderen Defensive Backs einen Schritt nach vorn machen, muss der gemeine Falcons-Fan weiter bei jedem Dropback Fingernägel beißen.

Defensive Line sieht zwei Neuzugänge in EDGE Dante Fowler und DT Marlon Davidson. Ob DT Grady Jarrett Fowler so viele Räume schaffen kann wie zuletzt Aaron Donald in Los Angeles, muss man abwarten; ein sehr Guter ist Jarrett auf jeden Fall. Dahinter ist mit entscheidend, ob LB Deion Jones noch einmal die Form von 2017 finden kann. Jones hat seither nicht „schlecht“ gespielt, doch die Falcons-Defense braucht absolute Höhe seines Schaffens um wirklich effizient genug für die passgewaltige NFC South zu sein.

Ich bin seit Jahren schuldig, die Falcons zu überschätzen. Ich gebe langsam aus und versuche es mit dem Reverse-Jinx: Falcons-Defense mit Dan Quinn, datt wird nüscht mehr.

Prognose: 8-8

Detroit Lions

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 17%
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Oft genanntes Dark-Horse im Vorfeld der NFL-Saison: Die Lions aus der NFC North. Hauptgrund für all den Optimismus ist QB Matthew Staffords optisch wie faktisch sensationelle halbe Saison 2019: Tiefste Pässe der Liga, Top-5 nach EPA/Pass, erstklassig aus sauberer Pocket, mit die meisten Highlight-Würfe der NFL. Stafford spielte lights out und es passt irgendwie zu dieser Pechvogel-Franchise, dass sich der QB ausgerechnet inmitten seiner bis dahin besten Profisaison schwer an der Schulter verletzte.

Das Problem an dem ganzen Hype: Stafford muss diesen Level auch halten, wenn Detroit sich wirklich ins obere Liga-Mittelfeld entwickeln will. Und das ist recht unwahrscheinlich, denn Stafford war vor dem Breakout zehn Jahre lang nur guter Durchschnitt.

Das Offense-Framework wäre natürlich da: Gute Offensive Line und zwei exzellente Receiver in WR Kenny Golladay und WR Marvin Jones. Doch schon dahinter wird es dünner: Slot-WR Danny Amendola geht auf die Mitte 30 zu und TE T.J. Hockenson ist ein Jungspund im zweiten Jahr. Auf Runningback hat man RB D’Andre Swift hoch gedraftet, weil Kerryon Johnson immer verletzt ist, und am Sonntag holte man noch Oldie Adrian Peterson – das alles deutet auch darauf hin, dass OffCoord Darrell Bevell bei seinem überaus lauflastigen Game-Plan bleibt.

Noch mehr Fragezeichen in der Defense, die in der Ära von Headcoach Matt Patricia nicht aus dem Liga-Keller herauskommt. Es wurden zahlreiche ex-Patriots wie Danny Shelton, Jamie Collins oder Duron Harmon geholt, aber der einzige potenziell höherklassige Pass-Rusher neben EDGE Trey Flowers ist mit Julian Okwara ein Rookie.

In der extrem Manndeckungs-lastigen Secondary hat CB Darius Slay das Team verlassen; sein 1:1 Ersatz soll der mega-talentierte Jeffrey Okudah werden. Der ist allerdings Rookie. Immerhin sieht die Cornerback-Tiefe nach dem Einkauf von ex-Falcon Desmond Trufant besser aus. Slot-CB Justin Coleman und 2nd-Year Corner Amani Oruwariye haben Luft nach oben.

In Summe hätte Detroit durchaus die personellen Möglichkeiten um die eher schwache NFC North zu gewinnen, doch meine Skepsis gegenüber dem Coaching (in Offense und Defense) sowie gegenüber der Kombination aus „Matt Stafford“ und „Elite“ ist letztlich zu groß um immense Sprünge zu erwarten. Es wird nicht wieder ein Top-3 Pick, aber 7-9 halte ich für plausibler als 10-6.

Prognose: 7-9

Minnesota Vikings

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 54%
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Ähnliches gilt auch für Minnesota: Divisionssieg wäre keine Sensation, aber *erwarten* kann man ihn nicht. Die Vikes kommen aber verglichen mit den Lions aus der Gegenrichtung: Sie waren 10-6 inklusive einer Playoff-Überraschung bei den Saints, und ihr Pythagorean von 10.8 Siegen impliziert, dass sie sogar besser waren als ihr Record. Sie waren wohl sogar besser als die 13-3 Packers.

Doch in der Offseason gab es massive personelle Umwälzungen. Nicht nur verliert man OffCoord Stefanski, der Headcoach in Cleveland wird. Nein, auch der Kader flog Cap-bedingt auseinander: EDGE Griffen, DT Joseph sowie das CB-Trip Rhodes, Alexander und Waynes verließen den Laden, WR-Diva Stefon Diggs wurde nach Buffalo getradet. Ersetzt werden die meisten dieser Abgänge durch Rookies.

Die Defense z.B. ist ziemlich ausgedünnt. In Harrison Smith und Anthony Harris hat man nur zwei Safetys im Kader (wenn auch sehr gute), und auf Cornerback ist hinter Mike Hughes NFL-Kita: Cam Dantzler und Jeff Gladney sind Rookies. Immerhin hat man den Pass-Rush durch den Last-Minute Einkauf von EDGE Yannick Ngakoue als Nebenmann von Danielle Hunter noch einmal aufgehübscht, doch bei Letzterem droht Regression und Ersterer war in Jacksonville nie mehr als die #2.

Während man in der Defense dank des exzellenten Coachings von Mike Zimmer noch erwarten kann, dass der Level einigermaßen gehalten wird, wäre ich mir in der Offense nicht ganz so sicher. Klar, OffCoord Gary Kubiak war schon zuletzt geistiger Vater des Schemes, und Kubiak ist kein ultra-lauflastiger Play-Caller.

Doch kann man von QB Kirk Cousins noch einmal annähernd Top-5 Effizienz erwarten, wenn die potenziellen Passempfänger hinter Adam Thielen in Justin Jefferson ein Rookie und in Irv Smith und Kyle Rudolph eher durchschnittliche Tight Ends sind, und wenn dahinter kein weiterer NFL-Spieler von Format Routen läuft?

Offensive Line hat sich einigermaßen gut weg vom NFL-Bodensatz entwickelt, aber von „Stärke“ zu reden wäre noch immer vermessen. Dabei bräuchte es eigentlich gutes Blocking, wenn man dahinter gut 50% Early-Down Rushing über RB Dalvin Cook treiben will.

Katastrophal ist das alles nicht und Minnesota hat noch immer einen relativ hohen „Floor“. Aber die Änderungen sind mir dann doch zu groß und da hängt zuviel an Rookies und daran, dass Cousins wieder mega-effizient spielt als dass ich Minnesota mit dicken Nippeln auf die vorderen Positionen im Playoff-Rennen posaunen könnte.

Prognose: 8-8

Los Angeles Rams

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 45%
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Hach, die Rams. Letztes Jahr waren sie eine ziemliche Enttäuschung, aber es gab mit zunehmendem Saisonverlauf ein paar gute Gründe für Optimismus, weil Headcoach Sean McVay die Offense mit einigen Adjustments weg vom radikalen 11-Personnel Approach hin zu mehr Diversität entwickelt hat.

Offensive Line ist als Basis allerdings noch immer ein deutlicher Knackpunkt: Selbst wenn LT Andrew Withworth mit bald 39 Lenzen noch einmal seinen Level halten kann und RT Rob Havenstein sein katastrophales 2019 vergessen machen kann, hat man noch immer drei unterdurchschnittliche Interior Offense Linemen. Gerade mit Blick auf das in diesem Scheme so prominente Laufspiel (Cam Akers wurde als neue Bellcow gedraftet) und die Probleme von QB Jared Goff gegen QB-Pressure wäre gutes Blocking essenziell.

Goff selbst bleibt natürlich die Schlüsselperson. Ist er wieder nur dann fantastisch, wenn alle Rahmenbedinungen passen, oder kann er auch selbst mal etwas kreieren, ganz unabhängig davon ob ihm McVay alles offen schemt?

Receiving-Corps ist noch immer gut, aber nicht mehr so tief. Prinzipiell wurde WR Brandin Cooks durch Rookie Van Jefferson ersetzt; in Robert Woods, Cooper Kupp und Josh Reynolds hat man eine gute Basis, und auch das Tight-End-Duo Higbee/Everett ist echt gut.

Defense ist viel dünner als zuletzt. DT Aaron Donald und CB Jalen Ramsey sind als Schlüsselspieler in Passrush und Coverage natürlich absolute Liga-Elite, doch hinter ihnen gibt es mittlerweile viele Lücken. Edge-Rush ist verwaist genug um auf ex-Busts wie Leonard Floyd oder Rookie Terrell Lewis bauen zu müssen, auf Linebacker hat man gar nix, und die Secondary hat zwar durchaus etwas Potenzial – aber eben kommend von bislang eher unerprobten Spielern wie CB David Long, S Terrell Burgess oder S Taylor Rapp.

Weil auch DefCoord Wade Phillips in den Ruhestand geschickt wurde um schematisch in eine neue Richtung zu gehen, droht eine durchaus wechselhafte Defense.

Szenarien wie eine Turbo-Zündung der Offense mit stark verbesserter O-Line und einem QB Goff on fire sind denkbar – und dann wäre L.A. im NFC-Rennen vorne dabei. Doch wahrscheinlicher ist ein weiteres Jahr des Strauchelns, vielleicht verbunden mit neuen schematischen Kniffen wie Quick-Game (kürzere Routen). Weil auch die Defense in Selbstfindungsphase ist, dürften die Rams zwar recht hohen Floor haben, aber näher an ihrer Leistungs-„Untergrenze“ agieren als am Ausschöpfen des ganzen Potenzials.

Prognose: 8-8

AFC

Buffalo Bills

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 61%
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Die Buffalo Bills erinnern mich an Jacksonville oder Chicago aus den letzten Jahren: Sehr gute Vorjahres-Saison, sehr guter Kader, sehr gutes Coaching, aber eine gigantische Sollbruchstelle just an der Stelle, wo man sie nicht haben will: Auf Quarterback.

Josh Allen war dort bis jetzt vielleicht nicht die befürchtete Vollkatastrophe, aber es reichte dennoch nur zu deutlich unterdurchschnittlichen Performances. Non-Svenko-Bills-Mafia verteidigt Allen mit Haut und Haar und hält ihn für einen möglichen MVP-Außenseiterkandidaten, doch die Realität könnte nicht ferner sein.

Obwohl trotz 15% Deep-Pass-Quote zu einem ziemlichen Kurzpass-QB degradiert, warf Allen nur 73% überhaupt „fangbare“ Pässe. Er war die #28 von 35 Quarterbacks in PFF-Grade aus sauberer Pocket und hatte die höchste Rate an negativ bewerteten Plays. Allen macht bis auf ein paar Highlight-Plays fast keine Big-Time-Throws und hat einen der schlechtesten CPOE (Completion Percentage over Expectation) von -4% in der NFL. „Schrotflinte“ ist bei Allens tiefen Pässen noch schöngeredet.

Es hätte den Playoff-Meltdown gegen Houston gar nicht mehr gebraucht um die Zweifel an Allen zu bekräftigen. Jetzt geben die Bills ihm in WR Stefon Diggs aus Minnesota noch einmal einen echten #1-Receiver. Buffalos Receiving-Corps gilt nun mit Diggs, WR John Brown, WR Cole Beasley sowie TE Dawson Knox als einer der besten, vielseitigsten ligaweit. Offensive Line ist längst nicht mehr der Knackpunkt früherer Tage und im Laufspiel tauscht man den 73-jährigen Frank Gore gegen Rookie Zack Moss aus.

Die Defense ist sowieso eine Augenweide und nach Effizienz eine der besten in der NFL. Sie ist gebaut um eine sehr breit aufgestellte Secondary um CB Tredevious White, Levi Wallace und Josh Norman sowie das Safety-Pärchen Poyer/Hyde.

Vorne hat man eine eh schon tiefe Defensive Line um DT Vernon Butler, DT Quinton Jefferson und Rookie-DL A.J. Epenesa ergänzt. DT Ed Oliver ist ein Kandidat für den next step, und auf Linebacker hat man in A.J. Klein einige Absicherung dagegen geholt, sollte der junge LB Tremaine Edmunds sich auch im dritten Jahr nicht zu dem Superstar entwickeln, als der er im Draft-Prozess ausgemacht worden war.

Letztlich ist Defense aber instabiler als Offense, und dort bleibt die nagende Frage ob die besten Receiver etwas nutzen, wenn Allen die Bälle links und rechts daneben wirft. Der Coaching-Staff um Headcoach Sean McDermott, OffCoord Brian Daboll und DefCoord Les Frazier ist zu hochklassig um einen Absturz der Bills zu prophezeien, aber gerade mit der Cam-Newton-Verpflichtung in New England sowie besserer Divisionskonkurrenz als zuletzt werden die Bills zu beißen haben. Ich fürchte, zu erneuten Playoffs reicht es erst, wenn man auf Quarterback ein Upgrade bekommt.

Prognose: 8-8

Cincinnati Bengals

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 7%
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Die Cincinnati Bengals hatten den schlechtesten Record der letzten Saison, und haben sich damit das Recht auf die Einberufung von QB Joe Burrow „verdient“. Der ist einer von prinzipiell vier Neuzugängen in der Offense. Die anderen sind WR A.J. Green (verpasste 2019 mit Verletzung), LT Jonah Williams (1st Rounder 2019, ebenso verletzt) und Rookie-WR Tee Higgins.

Dieses Quartett allein sollte dafür bürgen, dass die Bengals-Offense einen gewaltigen Schritt nach vorne macht. Headcoach Zac Taylor ist als Verantwortlicher dafür natürlich noch ein wenig viel Unbekannte, aber immerhin hat er schon schematische Adjustments weg von der originalen „McVay-Offense“ gemacht.

Tight End gibt es zwar nicht, aber hinter Green und Higgins hat man in Tyler Boyd und Speedster John Ross noch einige Flexibilität, was das Skill-Set im Receiving-Corps angeht. Offensive Line bleibt natürlich auf vielen Positionen ein wunder Punkt; aber wenn Williams in seinem ersten Jahr als Starter seinen Vorschusslorbeeren gerecht wird, ist zumindest die wichtige Position an den linken Flanke geklärt.

Die Defense kriegt einige Verstärkung: DT D.J. Reader, CBs Trae Waynes und Mackensie Alexander, dazu drei neue Rookie-Linebacker und LB Josh Bynes. Sie war im ersten Jahr nach Marvin Lewis eine enttäuschende Unit und Recken wie Geno Atkins oder Edge-Rusher Carlos Dunlap kommen langsam in die Jahre. Doch es ist nicht schwer an zumindest eine Verbesserung auf Platz 20 zu glauben.

Natürlich sind die Bengals ein bisschen Glaubensfrage – vor allem bei Burrow, der als Prospect durchaus mit ein paar Fragen kommt. Aber Burrow hat gute Pocket-Präsenz, ist ein furchtloser QB, der schon viel Scheiße überwunden hat, und er hat potenziell exzellente Anspielstationen. Zündet Burrow wie gedacht, haben die Bengals eine Außenseiterchance auf die Playoffs. Am Ende ist mir die AFC North zu eng um wirklich daran zu glauben. Aber unteres Liga-Mittelfeld sollte es schon werden.

Prognose: 7-9

Denver Broncos

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 33%
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Hype-Train auch in Denver, wo Drew Lock schon als nächster Quarterback-Superstar gefeiert wird. Auf Basis wovon ist natürlich der Punkt, den wir nicht so recht nachvollziehen können, denn Lock hat in seinen 150 Pässen als Rookie nicht viel Elite-Potenzial gezeigt.

Möglicherweise Elite sind seine Receiver: Courtland Sutton hatte 2019 seinen Durchbruch, und dahinter hat GM John Elway seinem jungen QB in den letzten beiden Jahren ein extrem sexy-es Arsenal zusammengedraftet: WR Jerry Jeudy und K.J. Hamler (1st und 2nd Rounder 2020), TE Noah Fant (1st Rounder 2020) sowie Albert O als extrem schneller Tight End.

Konzeptionell war das alles vom obersten Regal – doch man sollte sich bei so viel Fokus auf sehr junge Spieler natürlich einen Moment vor Augen rufen, dass das ganze Gebilde noch etwas Zeit brauchen könnte. Zumal man den OffCoord gewechselt hat: Rich Scangarello raus, Pat Shurmur rein. Shurmur ist ein Guter, aber er bringt ein völlig anderes System mit rein.

Offense Line ist nicht überragend und hat auf Right Tackle eine große Lücke, weil Ju’wan James die Saison aussetzt. Für Lock ist das ganze natürlich eine sehr gute Ausgangslage um im zweiten Jahr den erhofften Sprung zu machen. Aber es ist eben ein großer Sprung notwendig.

Defense hat einiges Potenzial. Headcoach Vic Fangio ist ein exzellenter Defense-Mind, und auch wenn man CB Chris Harris verloren hat, so ist in A.J. Buoye wenigstens passabler Ersatz aus Jacksonville geholt worden. Slot-CB Bryce Callahan kehrt nach Verletzung zurück – und somit sollte die Coverage keine rote Zone werden. FS Justin Simmons allerdings muss erst zeigen, dass seine krasse Breakout-Saison 2019 kein Zufall war.

Etwas fraglich ist der Pass-Rush. Von Miller spielte 2019 sein bis dato schwächstes Profijahr, und der junge EDGE Bradley Chubb war bis jetzt so la-la; seine Vorbereitung war auch nicht gut und es riecht ein wenig danach als hätte Chubb noch etwas länger Verletzungsprobleme. Immerhin konnte man den Abgang von DT Derek Wolfe mit Jurrell Casey aus Tennessee etwas abfangen.

Ich sehe Denver nicht viel besser als Cincinnati. Klar, die Broncos haben die bessere Defense und vielleicht die einfachere Division. Doch Cincinnati hat den talentierteren QB-Prospect bei in etwa für 2020 gleich gutem Support-Cast. Also auch gleiche Record-Prognose.

Prognose: 7-9

Los Angeles Chargers

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 34%
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Der NFL-Gott ist einfach nie gnädig mit den Chargers. Kurz bevor die Saison losgeht, erreichte uns wieder eine Horrormeldung aus dem Trainingslager: Superstar-Defensive Back Derwin James verpasst mal wieder die ganze Saison mit Verletzung. Das ist ein massiver Dämpfer für die ohnehin schon zwiespältigen Erwartungen an die Bolts.

Vor James‘ Verletzung hatte man die Chargers so sehen können: Sehr gut besetzt im Receiving-Corps, sehr guter Pass-Rush, fantastische Secondary – aber ein großes Quarterback-Fragezeichen. Jetzt müssen wir die Secondary als bislang größte Stärke des Teams downgraden.

Zwar bleibt Los Angeles mit einem Cornerback-Duo Casey Hayward und Chris Harris erstklassig besetzt, aber nun hat man neben dem Safety-Pärchen Nasir Adderley/Desmond King keine herumschiebbare Matchup-Waffe à la James mehr um das ganze Potenzial auszunutzen. Anstatt Hardcore-Dime-Defense muss DefCoord Gus Bradley nun vielleicht mehr Nickel spielen – z.B. mit mehr Snaps für Rookie-Linebacker Kenneth Murray.

Weil die Defense jetzt statischer wird, lädt man mehr Druck auf den Pass-Rush: Joey Bosa und Melvin Ingram sind natürlich ein famoses Edge-Rush Duo, aber es wird jetzt auch mehr Produktivität von innen brauchen – dort war Jerry Tillery als Rookie eine üble Enttäuschung.

Und in der Offense ist fraglich, wie man spielen will. Philip Rivers ist als langjähriger Franchise-QB weg und kann durch das Nachfolge-Pärchen Tyrod Taylor / Justin Herbert (Rookie) nicht gleichwertig ersetzt werden. Rivers war ein Play-Maker. Taylor und Herbert sind bestenfalls Verwalter.

Dabei hätten die Bolts in Leuten wie WR Keenan Allen, WR Mike Williams oder TE Hunter Henry großartige Anspielstationen, die man nur in Szene setzen müsste. Austin Ekeler ist ein vielseitig einsetzbarer Runningback aus dem Backfield um mit Screen-Game den Pass-Rush zu kontern – doch will man den beiden „slow processors“ Taylor/Herbert wirklich zutrauen, diese Offense effizient zu managen?

Ich meine eher nein. Dazu bleibt bei Anthony Lynn gerade 2020 die Befürchtung, dass er mit suspekten Quarterbacks zu sehr in einen ineffizienten run first Trott verfällt, der die Early-Downs verschenkt und dann viele Bälle wegpunten muss. Das reicht dann doch nicht für Playoff-Contention.

Prognose: 7-9

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6 Kommentare zu “Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Mittelklasse

  1. Kurze Frage: Wo kann man nachlesen, wer was für einen starken Schedule spielen muss?
    Hattest du die letzten Jahre immer mit eingefügt;-)

  2. Ja ich hab dieses Jahr drauf verzichtet, weil besonders viel Ungewissheit herrscht und sich die einzelnen Metriken teilweise massiv unterscheiden.

    Zb Colts bei einem Anbieter #32 Schedule, beim anderen #6.

    Kurz: Ich wusste nicht, welche Info nehmen und hab dann drauf verzichtet😀

  3. Update: Wahrscheinlich Saisonaus für Von Miller nach schwerer Verletzung im allerletzten Snap des Preseason-Trainings.

  4. Pingback: Vor dem NFL-Kickoff 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  5. Pingback: Die große NFL-Rückschau: Meine schlechtesten Takes 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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