Patriots Steelers

Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Kronprinzen

T-2 bis zum NFL-Saisonstart.

Teil 3 der Furchtlosen NFL-Vorschau 2020/21 mit den acht Mannschaften, für die Playoffs alles andere als unerwartet käme, bei denen aber doch einiges fehlt um ernsthafte Ansprüche auf die Vince Lombardi Trophy anzumelden.

NFC

Arizona Cardinals

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 24%
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Die Arizona Cardinals sind ein gängiger Breakout-Kandidat im Vorfeld der NFL-Saison 2020, und es ist einfach zu sehen, warum: Die Debüt-Saison von Headcoach Kliff Kingsbury und QB Kyler Murray brachte vor allem in der Offense einige schöne neue Impulse, und jetzt hat man sowohl in der Offense (in Form von WR Nuk Hopkins) als auch in der Defense einige Schwachstellen behoben.

Offense ist der Bereich, der die Cardinals in der Ära Kingsbury definieren wird, und die Ansätze der letzten Saison waren ermutigend. Murray brauchte zwar einige Zeit um sich in der Pocket zu einem souveränen QB zu entwickeln, doch er machte genug Plays und genügend „Fast-Plays“ um einigen Buzz für 2020 zu generieren.

Schematisch ging Kingsbury recht schnell von der angedachten 10-Personnel-Offense mit vier Receivern weg, weil er schlicht kaum brauchbare Optionen hatte. Mit dem Hopkins-Einkauf ist jetzt der Deal des Jahres gelungen – und mit Speedster Andy Isabella als #2, Slot-WR Larry Fitzgerald und Christian Kirk gibt es vielversprechende Möglichkeiten für echte Spread-Aufstellungen. Die könnten auch helfen, das zu den effizientesten der Liga gehörende Laufspiel stabil in den Top-10 zu behalten.

Kingsbury machte vieles richtig. Jetzt hat er besseres Personal und möglicherweise auch bessere Offense Line um weiter an seiner raffinierten Air-Raid-Version zu tüfteln. Dass Murray einen ordentlichen Sprung Leistungssprung machen wird, ist ziemlich wahrscheinlich.

Doch wie weit nach oben es für den Team-Record geht, muss man erst noch abwarten. Defensiv ist die wichtigste Neuerung die Einberufung von LB/S Isaiah Simmons, einer potenziell fantastischen Matchup-Waffe. Aber wie viel kann man von Simmons als Rookie erwarten? Wird DefCoord Vance Joseph ihn richtig einsetzen oder erst mal sanft testen ob er überhaupt in der NFL für eine Clemson-artige Rolle taugt?

Pass-Rush ist etwas eindimensional mit Chandler Jones plus (ni)x – es sei denn, der junge Zach Allen macht einen entscheidenden Schritt. DT Jordan Phillips ist neu und hatte letztes Jahr 10 Sacks, doch es wirkte schon extrem nach Ausreißer-Jahr.

In der Coverage hängt vieles daran, ob Patrick Peterson nach einem wackeligen 2019 wieder zu alter Form findet, ob Byron Murphy im zweiten Jahr den notwendigen großen Schritt nach vorne macht und somit den Slot passabel besetzen kann, und ob der aus Cincinnati geholte Dre Kirkpatrick als #2 für etwas mehr Stabilität sorgen kann. Safety Budda Baker hat eine sehr gute Saison gespielt und scheint mit einer fetten Vertragsverlängerung auch das Vertrauen des Front-Office zu besitzen. Bleibt die Frage, wie und ob Simmons schon als Rookie taugt, die letztes Jahr eklatanten Schwächen gegen Tight Ends zu beheben.

Es sind mehr als 8 Siege denkbar, und auch ein komplettes Aufmischen der NFL-Eliten wäre keine komplette Sensation. Doch die NFC West ist stark besetzt, die Defense ist noch suspekt und bei der Offense gibt es bei allem Optimismus auch die kleine Rest-Chance, dass die gigantische Verbesserung des letzten Jahres vor allem natürlicher Regression zur Mitte nach einem absurden 2018 zuzuschreiben war. So halte ich eine ausgeglichene Bilanz für am wahrscheinlichsten.

Prognose: 8-8

Green Bay Packers

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 42%
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Die Packers bleiben die sicherste Tüte der NFC North, doch nur weil die Konkurrenz stagniert. Um nicht zum eintausendsten Mal die Leier von der überschätzten 13-3 Bilanz des letzten Jahres zu wiederholen, lass mich kurz begründen, warum ich Green Bay auch diesmal, nach all der Kritik der letzten Monate, als Favoriten der NFC North sehe.

Die Packers waren bei allen Offense-Problemen ein Team mit 10-6 Pythagorean. Sie waren vielleicht ein Zufallsprodukt als #2 Seed der NFC, aber bestimmt nicht als Playoff-Kaliber. Sie haben eine aufstrebende, junge Defense mit gutem Coordinator (Mike Pettine) und in Aaron Rodgers bei allen berechtigten Kritiken einen noch immer überdurchschnittlichen Quarterback. Mehr haben Bears, Lions und Vikings auch nicht zu bieten.

Das Problem an den Packers ist die eingeschlagene Richtung, in die man die Offense offensichtlich entwickeln möchte: Anstatt sich in einem Receiver-lastigen Draft einiger Anspielstationen für Rodgers zu bedienen um dessen letzte Jahre noch einmal richtig mit einem aufgemotzten Receiver-Corps auszuschlachten, draftete man dessen Nachfolger, einen Big-Bruiser auf Runningback und einen Fullback/H-Back Hybrid.

Da ist der Assoziationssprung zu „49ers-Kopie“ nicht weit: Viel Early-Down Rushing, viel Wide-Zone-Running, Quarterback wird zum Game-Manager reduziert und streut höchstens noch gelegentliche tiefe Pässe aus Play-Action mit ein – wenn die Receiver downfield weit offen sind.

Die Sache hat nur einen Haken: Headcoach Matt LaFleur ist kein Shanahan, und wenn er denkt, dass er die Niners-Offense nachbauen kann, droht uns ein ähnliches Szenario wie mit den eintausend gescheiterten Patriots-Assistenten, die niemals Belichick zu replizieren vermochten, weil sie immer nur nachmachen, nie vormachen.

Die Frühversion dieser Offense droht uns schon 2020. RB A.J. Dillon ist seit dem Draft da und dürfte dem eigentlich effizienten RB Aaron Jones Carries wegnehmen. Anstatt 56% Early-Down Passing werden es 50% und weniger sein.

Wenn es dumm läuft, wird es Passspiel eher in homöopathischen Dosierungen geben. Rodgers maulte schon in der Offseason mehrfach deutlich an, keine besseren Anspielstationen bekommen zu haben. WR Davante Adams ist der einzige Receiver von Format. Bei TE Sternberger kann man auf den 2nd-Year-Leap hoffen, aber auf Receiver ist das ganze schon sehr mau: St. Brown, Lazard, Valdez-Scantling. Selbst ein Mahomes würde sich damit schwertun.

Defense ist guter Durchschnitt mit Potenzial auf mehr. Pass-Rush ist zu beiden Flanken Kandidat für leichten Rückschritt, weil sowohl Zadarius als auch Preston Smith ihren 2019-Level nur schwerlich halten können. NT Kenny Clark ist einer der besseren seines Fachs. EDGE Rashan Gary geht ins zweite Jahr – seine Entwicklung ist kritisch. Macht er den nächsten Schritt, könnte die Defense ohne allzu viele zusätzliche Blitzes auskommen. Wenn nicht, dann muss Pettine Defensive Backs schicken.

In eben jener Secondary ist man mittlerweile ganz gut aufgestellt. CB Jaire Alexander ist nicht super-stabil, aber in lichten Momenten einer der besten Cornerbacks in der NFL. Kevin King oder Chandon Sullivan sind eine passable zweite Reihe. Auf Safety ist man mit Darnell Savage oder Adrian Amos im ersten Anzug schon sehr gut besetzt.

Langfristig bin ich mit Blick auf die Packers deutlich pessimistischer als rein mit Blick 2020. Denn dort tritt man immerhin noch mit validem Quarterback an. Wenn dann erstmal Dillon/Deguara eingewärmt sind und Jordan Love die Bälle verteilt – dann viel Spaß Packers-Nation. Das vermaledeite 2020 könnte das letzte Jahr zum Lachen für einige Zeit sein.

Prognose: 9-7

Seattle Seahawks

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 58%
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Ich habe vor einer Woche ausgeführt, warum ich überlege, die Seahawks als #1 der NFC West zu tippen, obwohl es so viel Regressionspotenzial für dieses häufig „in game“ suboptimal gecoachte Team gibt – Close Game Bilanz, übertriebenes Early-Down Rushing, Pythagorean eines 8-8 Teams.

Meine Begründung dafür, Seattle trotz allem sehr gut zu sehen, fußte auf zwei Faktoren:

  1. QB Russell Wilson
  2. Eine massiv verbesserte Secondary

Ich habe es nicht geschafft mich durchzuringen. Die Gründe sind auch schon da.

Wilson ist ein superber QB, aber ich fühle, dass er leicht überschätzt wird, wenn ihn Leute auf eine Stufe mit Mahomes hieven wollen. Kevin Cole hat dieses Gefühl am Samstag ganz gut zusammengefasst.

Die Seahawks lassen Wilson auch nur ungern von der Leine. Einen Ferrari reizt man aus, bevor man einen Rückstand aufholen muss – nur nicht in Seattle. 2019 war in Sachen Early-Down-Passing besser als im episch üblen 2018, aber noch nicht genug. OffCoord Schottenheimer müsste zu seinem Glück gezwungen werden. Aber von wem? Von Pete Carroll bestimmt nicht.

Offensive Line bleibt ein Problem. Wilson ist ein exzellenter Scrambler und übertüncht viel Scheiße, aber er hat trotzdem hohe Sack-Quoten, und auch das Laufspiel rennt zu oft in eine Wand. RB Carson ist zudem ein etablierter Fumble-König.

Die Secondary ist gerade nach den Einkäufen von S Jamal Adams und CB Quinton Dunbar klammheimlich zu einer der besten der NFL geworden – und gerade im Verbund mit dem hübschen Linebacker-Trio Wagner / Wright / Jordyn Brooks potenziell fantastisch – aber wer soll ihr die Zeit verschaffen, wenn der mit Abstand beste Pass-Rusher ein Bruce Irvin ist? Trauen wir Carroll und Co. wirklich zu, schematisch vom altbewährten Cover-3 wegzugehen und ein paar Kniffe wie Blitzing einzubauen um dieses laue Lüftchen etwas anzufachen?

Dazu kommt der recht weite Weg hoch von einem 8-Siege-Pythagorean zur NFL-Elite. Wilson wäre da. Die Wide Receiver wären da (wenn auch als ganzer Haufen deep threats ein wenig eindimensional). Die Secondary wäre da.

Doch um wirklich ganz vorne anzugreifen, sollte man in der gegenwärtigen NFL alle Hebel ausreizen. Pete Carroll macht das seit Jahren nicht mehr – im Gegenteil: In Puncto Roster-Building und in-Game Coaching agiert er als würde er mit selbstauferlegtem Handicap antreten um allen zu zeigen was für ein toller Coach er doch ist. Das ist am Ende des Tages dann doch zu wenig für ganz vorne.

Prognose: 9-7

AFC

Houston Texans

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 37%
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Die Houston Texans werden zum Lackmus-Test von wegen „wie weit kann ein echter Franchise-QB eine unterdurchschnittliche Mannschaft tragen?“. Die Texans sind im Jahr 2020 das Team von QB Deshaun Watson, der nach zweieinhalb exzellenten Jahren als Starter nicht zufällig mit einer fetten Vierjahres-Vertragsverlängerung für 160 Mio. belohnt wurde.

Watson ist ein Juwel, aber er muss auch mindestens wie ein solches spielen, wollen die Texans mit einer miserablen Defense und mit neuer Offense-Herangehensweise weiter oben mitspielen.

Schon letztes Jahr gewann Houston die AFC South, aber es war hauchdünn und mit einem Pythagorean eines 8-8 Teams auch nicht wirklich verdient. In den Playoffs folgte nach einem glücklichen Heimsieg über Buffalo schließlich im Viertelfinale der fällige KO-Schlag bei den Chiefs.

Die Texans-Offense wird nach dem Verkauf von WR Nuk Hopkins nach Arizona dezent anders aussehen und hat mit Will Fuller, Kenny Stills, Randall Cobb und Brandin Cooks nun vier „Wide-Receiver-2“ artige Anspielstationen, die sich schematisch alle ähneln. Gefährlich, dass die Texans viel Passspiel über die Runningbacks Duke und David Johnson aufziehen wollen – es wäre nicht die effizienteste Herangehensweise.

Offense Line ist durchaus okay, war zuletzt sogar Top-10 in Pass-Protection nach Win-Rate, leidet aber in der Wahrnehmung darunter, dass Watson so lange den Ball hält. Oder anders: Die O-Line wäre eigentlich ganz gut, doch sie müsste beim Spielstil der Offense noch besser sein.

Defense ist ziemlich horrend. Wenn der Edge-Rush mit J.J. Watt und Whitney Mercilus nicht zündet wie zu besten GOAT-Zeiten, dann geht das Licht aus. Defensive Backfield ist ziemlich unterirdisch – wenn Bradley Roby mal mit Abstand der beste Corner ist, dann weißt du dass es 13 geschlagen hat.

So hängt fast alles an Watsons Performance. Play-Design wird einigermaßen passen, denn der Headcoach Bill O’Brien coacht in einer anderen Liga als der General Manager Bill O’Brien dealt. Aber Watson, in den letzten Jahren bei allem berechtigten Lob immer mal wieder für einen Stinker gut, muss diese Saison annähernd perfekt sein, soll es wieder zum Divisionssieg reichen.

Prognose: 8-8

Indianapolis Colts

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 59%
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Mein Favorit in der AFC South ist mit den Indianapolis Colts eine andere Mannschaft. Die Colts haben das Andrew-Luck-lose Jahr halbwegs gut überstanden und waren länger als gedacht im Playoffrennen. Jetzt hat man in Philip Rivers wieder einen Quarterback mit Highend-Potenzial verpflichtet um die Blütezeit ihres noch jungen Kaders nicht komplett zu verschwenden.

Rivers mag cooked ausgesehen haben. Aber in Effizienz war er nach wie vor überdurchschnittlich gut. Er mag mit 20 Stück zuletzt zu viele Interceptions geworfen haben, aber die meisten davon kamen gegen Spielende in Rückstand. Und da hab ich lieber einen QB, der was riskiert als einen, der den gleichen Stiefel wie immer runterspielt und ohne Bolzen (und Chance) untergeht.

Rivers sieht in Indianapolis die womöglich beste Offensive Line seiner ganzen Karriere; für viele ist die Colts-Line die beste in der NFL. Receiving-Corps ist nicht ganz so hochklassig, aber mit einem fitten T.Y. Hilton, einem vielversprechenden Rookie in Michael Pittman und der Möglichkeit Parris Campbell in den Slot zu schieben, im ersten Anzug durchaus attraktiv.

Es besteht gerade nach der frühen Einberufung von RB Jonathan Taylor die Gefahr von zu viel Early-Down-Rushing, aber Headcoach Frank Reich hat schon 2018 bewiesen, dass er mit dem richtigen Quarterback gewillt zu sehr hohen Pass-Raten in 1st und 2nd Down ist. Letztes Jahr war er offensichtlich konservativ, weil Jacoby Brissett nicht zu trauen war.

Defense ist stilistisch mit ihren imposanten Athleten markant, aber qualitativ hie und da noch nicht ganz auf der Höhe. DefCoord Matt Eberflus war 2019 Man-Coverage-lastig unterwegs, doch es gibt Anzeichen dafür, dass ein Zone-Deckungs-lastiges System die viel bessere Idee wäre. Dafür braucht es dann mächtigen Pass-Rush.

EDGE Justin Houston ist ein starker Pass-Rusher, und mit dem (etwas sehr teuren) Einkauf von DT DeForest Buckner aus San Francisco hat man auch etwas für „innen“ gemacht. Aber es braucht prinzipiell einen zweiten guten Passrusher. Vielleicht bleibt Kemoko Turay mal länger fit.

Linebacker ist solange richtig fett, solange Darius Leonard spielt. Bobby Okereke ist ein guter Nebenmann.

Im Defensive Backfield hat man in den letzten Jahren viele Zone-Cornerbacks geholt (Draft und Free Agency). Marvell Tell setzt wegen Corona aus, aber in Khari Willis, Rock Ya-Sin, Kenny Moore oder T.J. Carrie gibt es einige brauchbare Optionen. Auch der aus Minnesota geholte Xavier Rhodes wäre in Zone-Deckung denkbar, soll wohl aber auch als Safety Einsatzzeit bekommen. Deep-Safety Malik Hooker ist kein guter Scheme-Fit, aber noch immer fantastischer Athlet.

In Summe erwarte ich viel. Rivers ist eine feine Einstellung, die Effizienz in Andrew-Luck-Sphären auflegen kann. Coaching ist eh super und die Defense muss nur schauen, „nicht-katastrophal“ zu spielen. Dann reicht das für den AFC-South-Gewinn.

Prognose: 9-7

New England Patriots

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 60%
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Erstes Jahr ohne Tom Brady im 21. Jahrhundert und erstes Jahr ohne Titelfavoritenstatus seit mindestens 15 Jahren für die New England Patriotseine neue Zeitrechnung hat begonnen! Dass die Pats trotz aller Umwälzungen und Defense-Abgänge jetzt noch immer als Favorit in der AFC East antreten, liegt an drei Dingen:

  1. Die AFC East ist qualitativ richtig schwach.
  2. Bill Belichick ist noch der Headcoach.
  3. In Cam Newton hat man den besten QB der Division.

Newton ist ein extrem spannender Fit in der Josh-McDaniels-Offense, und weil er auch als Runner so einzigartig ist und damit viele Räume öffnet, könnte er sogar besser zu dieser ansonsten recht talentarmen Offense passen als Brady.

Warum?

Es gibt kaum Receiver von Format. Julian Edelman ist 34. N’Keal Harry hat als Rookie nicht wie eine NFL-taugliche Lösung ausgesehen. Jacoby Meyer? Please. Mo Sanu war letzten Herbst ein so schwacher Einkauf, dass ihn Belichick schon vor Saisonstart feuerte. Die Tight Ends Asiasi / Keene sind blutjung.

Offense Line ist auf Guard klasse, aber auf beiden Tackle-Positionen ein Fragezeichen. LT Isiah Wynn hat in zwei Jahren kaum gespielt. RT Cannon sitzt wegen Corona auf der Couch. O-Line-Coaching Legende Dante Scarnecchia genießt seit neuestem seinen Ruhestand.

Es hängt also vieles an Newton. Seine Präsenz als mobiler QB-Runner allein wird Platz schaffen auch für die zuletzt extrem ineffizienten Patriots-Runningbacks. Es wird notwendig sein…

…denn die zuletzt so sensationelle Defense wird ihren Level nicht halten können. Sie war mit weitem Abstand die #1 der NFL, doch jetzt verliert sie eine ganze Latte an Spielern in DT Shelton, LB Jamie Collins, EDGE Kyle Van Noy und S Duron Harmon durch Abgang sowie LB Donta Hightower und S Chung durch Corona.

Gleichwertigen Ersatz sucht man vergeblich – die Front Seven ist jetzt ziemlich unbekannt. Rookies wie John Uche oder Anfernee Jennings könnten bereits für tragende Rollen vorgemerkt sein.

Ganz einbrechen wird die Unit trotz allem nicht, denn man hat nach wie vor eine fantastische Secondary. CB Stephon Gilmore ist als amtierender Defensiv-MVP unersetzlich. Die drei Manndecker hinter ihm – J.C. Jackson, Jason McCourty und Jonathan Jones – sind alle erstklassig, und der 33-jährige FS Devin McCourty sollte noch ein bissl was im Tank haben. Belichick kann noch immer hohe Manndecker-Quoten mit versteckten Blitzes spielen. Es ist halt einzig kaum zu denken, dass es nochmal 36 Turnovers werden.

Ich traue mich nicht, die Pats zu den echten Titelfavoriten zu zählen, denn zu viel Qualität hat die Defense verloren, zu wenig ist da in der Offense da um an einen totalen Umbruch mit Newton zu glauben. Aber die Patriots haben den besten Headcoach, den besten Quarterback und das beste Defensive Backfield in der AFC East; unmöglich, gegen sie als Division-Champ zu wetten.

Prognose: 9-7

Pittsburgh Steelers

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 58%
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Fantastisch in der Defense waren 2019 auch die Steelers. Sie war so gut, dass Pittsburgh trotz der #31 Offense 8-8 ging und um ein Haar die Playoffs gecrackt hätte. Jetzt kehrt der langjährige Franchise-QB Ben Roethlisberger zurück. Man möchte meinen, dass die Steelers damit quasi „Auto-Qualifier“ für die Playoffs sind.

Ganz so sicher wäre ich mir dessen allerdings nicht. Ben ist 38 und hat einen verletzungsanfälligen Spielstil; nicht ohne Grund hat er in seinen 16 Profijahren nur 4x alle Regular-Season-Spiele bestritten (und von denen die Hälfte mit Schmerzmitteln).

Offense Line ist sehr brauchbar und Ben hat in den letzten Jahren deutlich häufiger „schnell“ geworfen als in früheren Zeiten. Doch sind die Receiver gut genug um sich so schnell freizulaufen? Der Corps ist fraglos talentiert und vielseitig:

  • Dionte Johnson hatte extrem viele missed tackles
  • James Washington ist gut downfield
  • Juju Smith-Schuster ist Kandidat für Bounce-Back; seine größte Schwäche waren 2019 die Drops. Doch die verhalten sich üblicherweise nicht stabil.
  • Chase Claypool ist ein physischer Bolzen

Aber es gibt eben keinen richtigen WR1. Trotzdem erwarte ich einen Sprung zurück in die obere Offense-Tabellenhälfte.

Das ist aber auch notwendig, wollen die Steelers um die Playoffs spielen. Denn die Defense muss 38 Turnovers auffangen – ein Qualitätsverlust ist unausweichlich. Was allein S Minkah Fitzpatrick an entscheidenden Pick-Sixes gefangen hat, ist nicht zu wiederholen.

Pass-Rush ist um T.J. Watt und Bud Dupree herum richtig stark. D-Line mit Casey Heyward und Stephon Tuitt eine Wand. Linebacker ist eine absolute Stärke und Devin Bush ist in Jahr 2 prädestiniert für den Breakout. Im Defensive Backfield hat man mit Fitzpatrick und Terrell Edmunds zwei bockstarke Safetys. Auf Cornerback ist man „four deep“ – nicht so gut wie die Pats zwar, aber Nelson, Haden, Hilton und Sutton sind alles Leute, die man nicht so einfach verbrennt.

Top-10 Effizienz ist für die Defense mehr als denkbar. Aber eben nicht mehr so schnell Top-3. Es braucht also starkes Quarterback-Play von Roethlisberger, damit die Steelers in der massierten AFC North mithalten können. Ich glaube an die Playoffs – aber Ravens und Browns fühlen sich insgesamt etwas besser aufgestellt an.

Prognose: 9-7

Tennessee Titans

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 55%
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Die Titans waren eine der großen Geschichten von 2019: Mittelmäßig gestartet, aber dann mit einem Sieg-Run in die Playoffs gestürmt und am Ende nach Upsets über die Granden New England und Baltimore erst im AFC-Finale von den überragenden Chiefs gestoppt. Das Husarenstück zu wiederholen wird schwierig.

Zu viel an dem Lauf war abhängig von Faktoren, an deren Fortsetzung man nicht so recht glauben will:

  • QB Ryan Tannehill war grandios – auch in “stabilen“ Metriken wie Play aus sauberer Pocket, Big Play-Rate oder Fehlervermeidung. Aber die dreiviertel Saison 2019 ist ein Leuchtturm für Tannehill; die anderen sieben Jahre deuten viel eher auf einen nur durchschnittlichen QB hin.
  • Extremer Run Fokus. Derrick Henry sieht geil aus, wenn er über Defenses walzt, aber sein superber Run begann erst nach der Tannehill-Einwechslung und muss damit mit dem Verdacht leben, Quarterback-getrieben zu sein. Und wenn nicht: In RT Conklin hat der wichtigste Run-Blocker das Team verlassen. Er wird entweder durch einen ewigen Backip (OT Dennis Kelly) oder einen Rookie (Isaiah Wilson) ersetzt.
  • RedZone Effizienz: 87% der Redzone-Besuche endeten in Touchdowns. Das ist nicht replizierbar.

OffCoord Arthur Smith hat eine wunderbare Offense designt, die Tannehills Stärken entgegen kommt. Die Play-Action Raten sind hoch. Ebenso die Rate an offenen Würfen – und dann hat man in Leuten wie WR A.J. Brown Yards-after-Catch Monster galore. Doch Tannehill nimmt mit 10% auch viel zu viele Sacks. 2019 spürte man das wegen der vielen komplettierten tiefen Bomben kaum. Doch das Problem ist accident waiting to happen.

Defense gilt (!) gerade nach der jüngsten Verpflichtung von EDGE Jadeveon Clowney als personell überragend besetzt – aber ich bin da skeptisch. Clowney ist kein weltbewegender Pass-Rusher. DT Jeffrey Simmons könnte ein vernichtender Interior-Rusher werden, aber sonst ist da nicht viel wovor man als Pass-Blocker Angst kriegt.

Auf Cornerback 1 ist mit Adoree Jackson ganz okay besetzt, aber dahinter hat man einen wackeligen ex-Superbowl-Winner Malcolm Butler, einen 36-jährigen Jonathan Joseph und 2nd-Round Rookie Kristian Fulton. Safety Kevin Byard ist ein Guter, aber Nebenmann Kenny Vaccaro ein permanentes Sicherheits-Risiko.

Also: Eine Offense wie aus dem Lehrbuch für „Regression zur Mitte“. Eine überjazzte Defense, die erstmal zeigen muss, dass sie besser als Durchschnitt ist. Ein Head Coach Mike Vrabel mit Hang zu konservativen In-Game-Entscheidungen. Immerhin haben die Titans keine offensichtlichen Schwachpunkte. Sie waren schon mit Marcus Mariota jedes Jahr 9-7. Ryan Tannehill in Normalverfassung dürfte auch in etwa das hergeben. Mehr wird das nur, wenn Tannehill wieder über sich hinauswächst.

Prognose: 9-7

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12 Kommentare zu “Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Kronprinzen

  1. Sehr schöne Vorschau wieder einmal.

    Ich versteh allerdings die Einordnung der Browns über den Steelers oder Colts nicht so ganz.

    Wenn ich z.B. die Kader der Browns mit dem der Steelers vergleiche, sehe ich dort keinen wirklichen Vorteil.

    QB – tie (beide mit unterschiedlichen Fragezeichen)
    WR – Browns
    RB – Browns
    OL – tie
    TE – Browns
    DL – Steelers
    LB – Steelers
    CB – Steelers
    S – Steelers
    Coaching – Steelers (Browns mit neuem Staff und stark eingeschränkter Vorbereitungszeit; Steelers sind eingespielt und ohne Changes)

  2. Ich gehe d’accord. Ich tippe auch beide auf 9-7. Es entscheiden auch Kleinigkeiten. Bessere Offense. Etwas mehr Highend-Potenzial. Browns waren bei allen massiven Problemen 2019 keine Lichtjahre von Playoff-Range entfernt.

  3. Und die Zeilen zu Big Ben nicht vergessen:
    – 38 Jahre alt
    – verletzungsanfälliger Spielstil;
    – in 16 Saisons nur 4x alle Regular-Season-Spiele bestritten
    Es ist also wahrscheinlicher als nicht, dass Ben ausfällt. Und auch wenn ich Bakers Performance nicht genau kenne, dürfte er ein wenig besser als Dobbs/Rudolph sein.

  4. Ich war ja schon etwas pikiert, als der Kollege beim leadblogger schrieb, dass die CBs der Steelers eine Problemzone wären. Die Einschätzung hier lässt mich dann doch ruhiger schlafen.

    Ansonsten sehe ich die Steelers natürlich auch vor den Browns, aber ich bin da auch parteiisch.

  5. Die Diskussion hier zeigt nochmal das die Division hinter den Baltimore schwer einzuschätzen ist.
    Die Bengals könnten schon Richtung 6-10 gehen, aber wenn es am Ende 1-15 heißt wird sich auch niemand wundern. Und Browns und Steelers schleppen beide Fragezeichen mit sich die sie, wenn es mies läuft, früh aus dem Rennen um die Wildcard nehmen können. Beide haben aber auch genug Potential im Kader um vielversprechende Starter in den Playoffs zu sein.

    Fest steht eigentlich nur: der Schlechtere der beiden wird von seiner Saison enttäuscht sein.

  6. Diese Serie ist jedes Jahr einer meiner Favoriten vor der Saison, danke!
    Mich beruhigt etwas, dass du die Texans hier einsortierst. Habe nicht wenig Seiten gesehen, die die Texans unter den 10 schwächsten Teams haben. Was ich alleine wegen Watson schon für kaum möglich halte.

    Schaust du dir die Verlängerung von Hopkins noch an? War ja wohl einer der Gründe für den Trade. Natürlich, das war einer der schlimmsten Trades des Jahrhunderts, die Verlängerung sieht aber auf den ersten Blick sehr teuer aus. Gerade wenn man den wohl sinkenden Cap Space sieht. Oder ist es bei Elite WR wie bei Elite QB? Eher noch unterbezahlt?

  7. @zidane: Ein Szenario mit 6-10 oder 7-9 ist immer denkbar. Houston hatte Pythagorean von 7.8 Siegen und gewann 8 von 11 One Score Games.

    Sagen wir, sie sind in etwa gleich gut und nicht super-glücklich, sondern minimal unglücklich und gehen in diesen Spielen 4-5. Schon bist du anstatt 10-6 nur noch 6-10.

    Leistungstechnisch erwarte ich die Texans *in etwa* dort, wo sie letztes Jahr waren. Das heißt dann grob 8-8.

  8. @dizzy: Dem würde ich Folgendes entgegenhalten: So schlecht Rudolph und Dobbs (kam jetzt für Hodges) auch sind, die Steelers sind trotzdem letztes Jahr mit 8-8 vor Baker und den Browns gelandet. In einem Jahr, in welchem man komplett auf Ben verzichten musste.

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