Date am Donnerstag – Woche 2

Bevor wir zum Thursday Night Game kommen, die Footballnachricht des gestrigen Tages vorausgeschickt: Die Big Ten Conference spielt jetzt doch Herbst-Football! Season-Opener ist für 24. Oktober geplant.

Stimmungsbild zu dem Zick-Zack-Kurs gefällig? Annie Agar is your friend:

Und damit zur NFL, wo heute zwei Ex-Superstars des College Footballs aufeinandertreffen. Die NFL hat gestern die nächste Runde an Corona-Testergebnisse rausgelassen: Von über 40.000 Tests waren nur zwei Spieler und fünf Betreuer Covid-positiv. Das sind erstaunliche Nachrichten.

Battle of Ohio heute Nacht mit Cleveland Browns vs. Cincinnati Bengals. Beide haben ihre Auftaktspiele verloren, aber die Reaktionen auf diese Niederlagen könnten viel unterschiedlicher nicht sein.

Während die Bengals durchaus angetan waren von der halbwegs gelungenen Debütvorstellung von Rookie-QB Joe Burrow, schrillen in Cleveland nach dem 6-38 in Baltimore schon sämtliche Alarmglocken.

Ist es die berühmte Überreaktion auf den ersten Spieltag, dass QB Baker Mayfield schon nach Woche 1 deutlich angezählt ist oder dass schon die ersten Gerüchte um einen Trade von Star-WR Odell Beckham jr. schwirren? Oder ist da wirklich was dran?

Zum Beginn: Nicht alles am Browns-Spiel war Graupe. Es gab durchaus ein paar lichte Momente in der ersten Halbzeit, und für einige Spielzüge sah die Browns-Offense zwischendrin auch immer mal wieder aus wie ein angehender Juggernaut. Aber es waren eben sehr wenige Plays – und das mit dem Juggernaut ging vermutlich auch nur mir so. Ich hatte hohe Erwartungen an die Browns-Offense, und in den wenigen funktionierenden Momenten sah ich Anzeichen für in sich greifende Ketten. Aber Punkt ist auch: Solche brillanten Plays streut jede NFL-Offense hie und da ein – sogar ein Trubisky.

Fakt ist: Das Basis-Spiel der Browns bestand aus Outside-Zone Rushing. Es gab locker 15 solcher Rushes in der ersten Halbzeit, und einige von ihnen gingen sehr weit downfield. Doch es fehlte eklatant an Play-Action Passing. Das inklusive der Rollouts hatte ich als zweite große Säule der neuen Stefanski-Offense erwartet. Aber da kam nix. Nur zweimal (!!) Play-Action für Mayfield in der ersten Halbzeit. Meistens einfach straight Dropback, und dann war schnell zu merken, dass Baker dem ganzen System überhaupt nicht traut.

Auffallend auch: Es gab kaum Motions. Die Browns waren statisch wie 2019 unter Freddie Kitchens.

Diese wenigen Pre-Snap Motions könnten durchaus Stefanski-immanent sein, denn Minnesota, wo seine Lehrmeister coachen, hatte frisch nicht eine einzige.

Zusammenfassend: Das war brutal enttäuschend nicht nur von den Spielern, sondern auch von den Coaches. Ich hatte mir viel mehr erwartet.

Seth Galina hat bei PFF schon die detaillierte Analyse geschrieben und viele der genannten Punkte mit Beispielen untermauert.

Nun bleibt natürlich die Frage, ob diese mickrige Performance vielleicht auch dem Umstand dem kurzen Trainingslager und der fehlenden Vorbereitungsspiele geschuldet sein könnte. Schließlich waren die Browns längst nicht das einzige Team, das am Sonntag Grottenkick anbot. Ehrlicherweise haben mit Chiefs und Ravens nur zwei Mannschaften voll überzeugt – und mit Seahawks und mit Abstrichen Packers zwei weitere als spielerisch positive Überraschungen herausgestochen. Alles andere war meh.

Die optimistische Interpretation der Week-1-Browns lautet: Stefanski hatte noch nicht genug Zeit um alle Punkte seiner Offense zu installieren und es konnte ganz einfach nur halbgar sein. So ließ man erstmal einige Plays aus Bakers Vergangenheit im Play-Book. Erst in den nächsten Wochen wird das System sukzessive ausgebaut. Und Baker hatte ganz einfach einen gebrauchten Tag gegen eine der mutmaßlich besten Defenses in der NFL.

Die negative? Stefanski war wirklich nur Kubiaks Stift und ist vor allem wegen seiner Krawatte und flotten Sprüche zum Chefcoach bestellt worden. Bakers tolles NFL-Debüt 2018 war Strohfeuer; jetzt ist er nach permanenten OffCoord-Wechseln cooked.

Option 2 klingt mir noch zu sehr nach klassischer Überinterpretation. Ich erwarte, dass die Browns heute einen Schritt in die richtige Richtung machen werden. Dass man Baker eine funktionablere Offense mit mehr Play-Action geben wird, in der es gegen eine deutlich schwächere Defense viel besser aussieht.

Baker ist spannend; aber das ist auch der andere der beiden ex-#1 Picks und ex-Heisman-Winner, der heute Nacht spielt: Burrow. Der litt am Sonntag unter der horrenden Offensive Line gegen die mächtigen Chargers-Passrusher. Immer wenn der Redzone-Kanal ins Bengals-Stadion schaltete, fraß Chargers-EDGE Joey Bosa den rechten Tackle zum Frühstück. Hier ein Beispiel von dem Wahnsinn:

Burrow wurde recht stark auf einen Kurzpass-QB limitiert. Linke Seite des Spielfelds blieb irgendwie komplett verwaist – alles lief (trotz des unterirdischen Right Tackles) über die rechte Seite. Burrow hatte einige feine Momente, aber auch etwas Bullshit, wie die verrückte Interception. Am Ende kostete der Kicker die Bengals die Chance auf eine Overtime.

Ich habe mir gestern alle Burrow-Pässe noch einmal angesehen. Downfield-Accuracy bei den wenigen Versuchen war a bissi shaky, aber das ist verzeihbar. Im Kurzpass-„Wichsmodus“ war Burrow ziemlich phänomenal. Sehr präzise – wenn er denn schnell zum Werfen kam. Schon mit einiger Deception der Defense, so zumindest meine Interpretation von den 1st/2nd Reads.

Zum Spiel von heute. Browns mit vielen Verletzten, aber wohl nur TE Njoku fällt erstmal länger aus. C Tretter, RT Conklin, WR Landry, LT Wills und EDGE Vernon waren gestern noch als „questionable“ gelistet.

Die Browns müssen trotzdem klar favorisiert werden. Wettbüros sehen einen 6-Punkte-Vorteil. Den sollte man heute auch am Feld sehen. Wenn nicht, riskiert dieses Strohfeuer vom ersten Spieltag schnell zu einem lichterlohen Vollbrand zu werden.

(Das klingt nun alles sehr negativ. Ich erwarte nach wie vor eine positive Browns-Saison. Aber es muss sich einiges schnell zum Besseren wenden)

7 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 2

  1. Ich hatte mich eigentlich auf einige Zusammenfassungen / Spielberichte auf dem lead-blogger für Week 1 gefreut, aber der letzte Artikel aus dem Bereich NFL ist schon über eine Woche alt. Gibt es dort Startschwierigkeiten oder kommt da noch was?
    Auch wenn deine Beiträge immer sehr lesenswert sind, hätte ich mir auch gerne andere Blickwinkel auf die Spiele angeschaut.

  2. Startschwierigkeiten. Jobs, unbezahltes Freizeitprojekt + Urlaube sind bei solchen Projekten immer für ein paar Probleme sorgen. Wird sich hoffentlich legen!

  3. Ich verstehe nicht, warum Stefanski keine Play-action nutzt. Er soll doch analytics-affin sein.
    Playaction ist weder kompliziert noch etwas, was Baker nie vorher gesehen hat. Ich denke, einen fake-handoff kann man in praktisch jedes Pass-play einbauen. Quasi über Nacht.
    Ist das wieder so ein „Browns“-ding? Den Erfolg meiden wie der Teufel das Weihwasser?

  4. Ja, das war extrem strange. Hat er letztes Jahr sehr häufig anders gemacht, und ich habe nur 3 mögliche Erklärungen:

    1. Letztes Jahr war Kubiak, nicht Stefanski
    2. Stefanski hat in Cleveland noch längst nicht das installiert was er wollte
    3. Intrige gegen Baker, weil er „not for real“ ist

    Für 3) spricht, dass er einige horrende Dinger mit drin hatte wie offensichtlich offene Receiver nicht gesehen. Dagegen, dass es einfach extrem eigenartig wäre, einen #1 Pick (und sei es einer von einem anderen Regime) so schnell zu verheizen.

  5. 12 Sekunden gespielt und Stefanski hisst die Fahne.
    Also die rote. Challenge weil die Refs übersehen haben dass der Receiver nur 1 Fuß im Feld hatte.

  6. Das Battle of Ohio entsprach den Erwartungen wie von @Korsakoff geschrieben. 65 Punkte ergaben ein kurzweiliges Spiel das den Unterschied offenbarte, wer das neuere Team stellte und noch etwas an der Ordnung und Präzision feilen muss, vor allem an der Def. im gesamten und an dem Schutz des QB.
    Hat mir so weit gefallen für ein Donnerstag/Freitag Game.

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