Der NFL-Woche-1-Nachklapp

Thursday-Night-Game spoilerfrei noch ein paar hoffentlich nicht abgelutschte Nachträge zu Woche 1.

Punkt 1: Die ersten Trauben sind gepflückt. Es gibt wieder ein paar Tage Football.

Early Down Passing

Punkt 2: Early Down Passing am 1. Spieltag.

Natürlich ist datt ganze noch nicht komplett ernst zu nehmen, weil wir über die Sample-Size von einem einzigen Spiel sprechen, aber es gibt doch ein paar interessante Takeaways. Die Seahawks zum Beispiel waren brutal passlastig in 1st und 2nd Down – wer hätte das gedacht? Ob sich Brian Schottenheimer, der obendrauf noch einen 4th Down per Deep-Pass zu einem sehr mitentscheidenden Touchdown verwerten ließ, das nur gegen die extrem miese Pass-Defense der Atlanta Falcons ausgedacht hat oder auch am Sonntag gegen New England fortführen wird, zeigt uns nur die Zeit.

Packers auch sehr passlastig. Erstmal nix zu sehen vom A.J.-Dillon-Rushing-Wahn. Auch hier gilt noch Vorsicht: Die Vikings als Gegner waren projected als ein Team mit extrem junger Secondary.

Bills bleiben passlastig, wie schon 2019. Dem suspekten QB trauen ist besser als Run Game aufs Verrecken zu forcieren.

Die Buccs mit dem dritt-lauflastigsten Early-Down Gameplan. Und das mit diesen Waffen, obwohl sie Tom Brady gekauft haben und obwohl sie die meiste Zeit über in Rückstand gelegen hatten! Das ist einfach Wahnsinn.

Vikings #32 in Passlastigkeit, obwohl das ganze Spiel einem Rückstand nachlaufend. Der vermeintlich eher passorientierte neue OffCoord Kubiak? Zumindest in dem Spiel ein Mythos.

Motion

Punkt 3: Motion. Das hatten wir schon gestern kurz. 2020 ist unterwegs zu einem vielversprechenden Start, was Motions zum Snap angeht. Sample-Size natürlich noch klein, aber die Kurve zeigt nach oben:

Einige wenige Teams nutzten stark die Option der Snap-Motion, die als ziemlich effizient gilt um die Intentionen der Defenses kurz vor dem Spielzug offenzulegen.

Dallas enttäuschend. Die Offense galt als modernisiert. Headcoach Mike McCarthy bliebt statisch. Hat McCarthy sich bei seinem Ausflug in die Analytics-Welt von Ben Baldwin überzeugen lassen, dass Rodgers der mieseste QB unter der Sonne ist und daraus geschlossen, dass sein Scheme in Green Bay bestimmt nicht das Problem war?

Spannenderweise haben weder die Browns noch die Vikings (deren ex-OC Stefanski jetzt die Browns coacht) viele solcher Motions genutzt. Die Bengals auch ziemlich weit unten – aber der Lehrmeister von Bengals-Headcoach Zac Taylor, Sean McVay von den Rams, war der Motion-lastigste Coach in Woche 1.

Hier auch mal ein bissl Tape zur McVay-Offense am ersten Spieltag. Ich liebe viele Elemente an dieser Offense, weil sie a) effizient, aber b) auch optisch ansprechend sind. Diese Single-Wing-artigen Moves kurz vor und mit dem Snap haben es in sich: Jet-Motions, immer die gleiche Aufstellung condensed in der Mitte, aber trotz gleichem Look immer ein anderer Fake und ein anderes Play daraus:

4th Downs

Punkt 4: 4th Downs. Schon in Woche 1 hatte Andy Reid einen coolen 4th-Down-Call in der eigenen Hälfte, und zwar in der ersten Halbzeit.

Die Cowboys verloren u.a., weil sie in der Crunch-Time bei 17-20 lieber ein kurzes 4th Down ausspielten anstatt das Fieldgoal zum Ausgleich zu nehmen. Es scheiterte. Die Rams dagegen punteten kurz danach später lieber als der eigenen Offense eine kurze Conversion zuzutrauen. Ein Beispiel von „falsche Entscheidung führt zum guten Ergebnis, während richtige Entscheidung zum schlechten Ergebnis führte“.

Nix toppt aber die Giants, die ein 4th&1 an der gegnerischen 40 hatten und dann nach einer 5-Yards-Strafe punten mussten…

…so schien es zumindest. Tatsächlich gab die Offense bewusst die Strafe per Delay-of-Game auf, um dem eigenen Punter mehr Platz zu verschaffen. Just als du dachtest die dunklen Zeiten sind überwunden, kommt ein Joe Judge daher.

Aber gut: das war eine Episode. Tatsächlich stellte diese Woche 1 einen neuen Rekord an ausgespielten 4th Downs für ein Season-Opening-Wochenende auf:

Overreaction

Punkt 5: Überreaktion an Spieltag 1 gehört dazu wie der Süßsenf zur Weißwurst. Also lass mich mal kurz ein paar Gefühle zusammenfassen:

  1. Chiefs und Ravens waren super und wirken extrem mächtig; der Rest war Schrott.
  2. Okay, nicht ganz. Seahawks und mit Abstrichen Packers haben auch noch ganz gut gefallen.
  3. Pats und Rams mit interessanten Offense-Vorstellungen. Viel Potenzial, das da noch auszureizen ist.
  4. Jacksonville, Washington und Chargers mit überraschenden Auftaktsiegen gegen z.T. besser eingestufte Gegner, aber letztlich auch mit einigem Glück dabei. Bei den Jags schossen sich die Colts mehrfach ins Knie, Washington profitierte von einem Meltdown des Eagles-QB Wentz und die Chargers fingen erst eine hirntote Burrow-Interception, ehe der Bengals-Kicker den entscheidenden Kick so weit daneben setzte, dass er sich gezwungen sah sofort eine Verletzung vorzutäuschen (die Docs konnten hinterher nix feststellen)
  5. Arizona mit Überraschungssieg in San Francisco; aber längst nicht überzeugende Offense. WR Hopkins mit so vielen Catches, dass einem Bill O’Brien das Herz aufgeht, aber hätte Niners-QB Garoppolo wie ein halbwegs NFL-tauglicher QB gespielt, die Cards hätten das Ding bestimmt verloren. Offensiv von beiden Teams mau.
  • Ach ja, die Bears mit einem mickrigen Sieg gegen die Lions. Detroit unterirdisch und ich bin bereit schon jetzt alles in den Senkel zu stellen und Matt Patricia auf den Mond zu schießen. Erst lässt man ein Comeback von Mitchell Trubisky („Ich konnte jede Deckung der Lions problemlos entziffern“) zu, dann droppt der 2nd-Round Runningback, der einen anderen 2nd-Round Runningback ersetzen sollte weil er so gut den Ball fangen kann, den entscheidenden Touchdown in der vorletzten Sekunde, und dann stellt sich Matt Patricia hinterher vollen Ernstes in der Pressekonferenz hin um seine NFL-Tauglichkeit mit dem Superbowl-Goalline Stand von vor fünfeinhalb Jahren zu untermauern.
  • Katastrophe total.
  • Saints mit klarem 34-23 Sieg gegen Bradys Tampa Bay, aber irgendwie hatte niemand eine Freude damit. Von den beiden schwachen QB-Oldies war Brees der weniger überzeugende, vor allem weil er so gut wie keinen Pass über 3 Meter versuchte. Das wirkte alles sehr steril.
  • Titans-Offense ein Schrotthaufen, weil Tannehill einfachste Konzepte nicht lesen konnte. Der 16-14 Sieg war trotzdem zu knapp, weil Kicker Gostkowski glaube ich 10 Punkte verschossen hat. Richtig verwachst haben es sowieso die Broncos, deren QB Lock ziemlich furchtbar ausgesehen hat. Auch bitter: Solche autistische Play-Designs:
  1. Ach ja, die Bills gewannen gegen die Jets. Gegen jene Jets, denen ich am Sonntag null Punkte gegen eine 49ers-Defense ohne Richard Sherman und mutmaßlich auch ohne Akhello Witherspoon zutraue.

Ick freu mir aufs Wochenende… mit hoffentlich qualitativ besserem Football als letzten Sonntag.

Wer noch Analyse von kritischen Schiri-Entscheidungen lesen will, ist beim Lead-Blogger drüben genau richtig; im Laufe des Vormittags sollte der Artikel dort online gehen.

3 Kommentare zu “Der NFL-Woche-1-Nachklapp

  1. Coach Payton(Saints Coach) hat die Verantwortung für die miserable Offensive gegen die Bucs voll auf seine Kappe genommen. Ob es stimmt sei mal dahingestellt

    Payton very complimentary of the Saints defense and special teams on the offense:“That’s as bad of a game that I have had as a play caller. Trying to find a rhythm and tempo. It was awful.“ pic.twitter.com/QtXCQZMFwr— New Orleans Saints (@Saints) September 14, 2020

    https://platform.twitter.com/widgets.js

  2. Pingback: Sonntagsvorschauer – Woche 2 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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