Montagsvorschauer – Woche 3: Baltimore Ravens – Kansas City Chiefs

Abschluss einer bis jetzt extrem unterhaltsamen NFL-Woche 3 mit einem der besten Regular-Season-Matchups der ganzen Saison: Baltimore Ravens – Kansas City Chiefs. Beide sind mit 2-0 in die Saison gestartet und haben damit erstmal ihren Favoritenstatus in der AFC untermauert.

Es ist noch ein bisschen schwierig, die Tendenzen der ersten beiden Wochen zu interpretieren. Aber zu behaupten, dass es vielleicht schon das „Spiel des Jahres“ ist, ist keine allzu große Übertreibung. Es könnte der #1 Seed in den AFC-Playoffs auf dem Spiel stehen, und obwohl der Playoff-Heimvorteil in dieser Saison ohne Zuschauer wohl kein so großer Vorteil ist wie gewohnt, so hat der #1 Seed trotzdem eine übergeordnete Bedeutung: Schließlich ist er im neuen Playoff-Format der einzige Seed mit Freilos in der ersten Playoffrunde.

Es steht also einiges auf dem Spiel.

Die letzten Male

Ravens vs. Chiefs fühlte sich schon letzte Saison wie das „logische AFC-Finale“ an, ehe Baltimore von den Titans überraschend eliminiert wurde. Beide Mannschaften dominierten die AFC nach Belieben. Du hast es bestimmt schon gehört: Die Ravens haben die letzten 14 Regular-Season-Spiele en suite gewonnen; die Chiefs die letzten 11.

In den letzten beiden Jahren endete Ravens vs. Chiefs jeweils knapp. Beide Male gewannen die Chiefs: 2018 mit 27-24 nach Overtime, als erst der mittlerweile berühmte Mahomes-Pass für Tyreek Hill überhaupt erst die Verlängerung erzwang. Und letztes Jahr 33-28 für die Chiefs, in einer Partie, die sich etwas deutlicher anfühlte als der Endstand. Es war auch das einzige Saisonspiel 2019, in dem QB Lamar Jackson wirklich etwas verloren aussah.

Und 2020?

Die Ravens sind das bis jetzt überzeugendste Team, sofern man darüber schon nach zwei Wochen schreiben möchte. Sie haben in Woche 1 Cleveland mit 38-6 abgefertigt und dann die Texans locker 33-16 geschlagen.

In der Offense wirkt das Passspiel noch eine Spur reifer als letztes Jahr – wenn auch in Woche 2 mit einigen liegen gelassenen Chancen für Jackson, der nicht immer den einfachen Weg zu gehen schien.

Laufspiel ist nach den ersten Eindrücken ein kleines bisschen harziger als letzte Saison, als Baltimore über alles drüberlief. Die Defense spielt weiterhin stilistisch „total football“.

Kansas City ist offensiv bis jetzt merkwürdig un-explosiv geblieben. QB Patrick Mahomes hat einen der niedrigsten aDOT-Werte der NFL, heißt: Er wirft mit die kürzesten Pässe in der NFL. Von dem deep-pass-Feuerwerk der letzten zwei Jahre war noch nicht viel zu erkennen. Dass es sich dabei um einen Trend und keine kleine Abweichung handelt, glaube ich erst, wenn es noch fünf Wochen so weitergeht.

Defensiv fällt an den Chiefs ihr Tackling-Problem auf: Wenn ich die Zahlen bei PFF richtig interpretiere, dann haben Chiefs-Verteidiger in zwei Spielen bislang 29 Tackles verpasst – gegen die Rushing-Offense der Ravens ist das natürlich ein kritischer Punkt!

Coaching gehört auf beiden Seiten zum aggressivsten der NFL. Gerade John Harbaugh hatte letztes Jahr gegen die Chiefs sein Coming-Out als der Coach, den es nicht scheißt, Mahomes eventuell tief in der eigenen Platzhälfte den Ball zu überlassen; er spielt mit die meisten 4th Downs in der NFL aus. Auch Andy Reid übrigens. Er ging in Woche 1 im ersten Viertel in der eigenen Hälfte als Favorit bei einem 4th&1 aufs Ganze. Und gewann.

Matchups

Theoretisch sind die Ravens ganz gut aufgestellt um den Chiefs Paroli zu bieten. Das viele trockene Laufspiel dürfte gegen die notorisch schwache Chiefs-Laufverteidigung einen der besseren Tage des Jahres erleben.

Passing-Game wird natürlich trotzdem entscheiden. 32% Play-Action Quote und zwar relativ wenig Deep-Passing (nur 5 von 49 Pässen), aber dafür noch besseres Intermediate-Passing auf die jungen WRs Hollywood Brown und Miles Boykin als letztes Jahr sind die Trademarks. Wer in der Chiefs-Defense auf TE Mark Andrews aufpassen soll, ist auch noch schleierhaft.

Bisschen aufzupassen ist in der Offensive Line: RG Tyre Phillips ist ein Rookie – gegen DT Chris Jones kein ideales Matchup. RT Orlando Brown wirkt nicht immer sattelfest – er trifft auf EDGE Frank Clark.

Auf der Gegenseite fragt man sich, wer in der Ravens-Defense nach dem season ending-Ausfall von Slot-CB Tavon Young den Star-TE/Slot-WR Travis Kelce decken soll? Wird man den nominellen Outside-CB Marlon Humphrey dafür abstellen, oder sogar Rookie-LB Patrick Queen mit der Aufgabe betreuen?

Pat Mahomes hatte letzte Woche in der 1ten Halbzeit eine schwache Vorstellung – den Chargers gelang es wie schon den 49ers im Superbowl nicht, ihn das ganze Spiel kaltzustellen. Aber man merkte durchaus wie Mahomes durch den starken Edge-Rush sowie die ständige schnelle Deckung des ersten Reads verunsichert war.

Baltimore hat nicht die Passrush-Individualisten wie die Chargers, aber eine ähnlich gute Secondary um Mahomes zum Lesen des ganzen Spielfelds zu zwingen, und einen DefCoord Wink Martindale, der keine Scheu davor hat, Blitzes von allen Seiten zu schicken. Kann er Mahomes damit ausreichend verwirren?

Und noch eins: Wird Andy Reid spezielle Plays kreieren um die berühmte Über-Aggressivität von CB Marcus Peters auszunutzen? Reid hat Peters immerhin ein paar Jahre lang in Kansas City gecoacht, ehe er ihn trotz Pro Bowls entnervt verkaufte.

Ausblick

Insgesamt eine spannende Sache. Baltimore ist in den Wettbüros mit 3.5 Punkten vorn, aber Mahomes war als Underdogs bis jetzt extrem gut. Gegen ihn zu wetten ist riskant, aber die Ravens sind eben auch so gut wie fast niemand anderes aufgestellt um Kansas City in Bedrängnis zu bringen.

Gefühl sagt: Ravens sind als Team etwas besser, aber Mahomes braucht nur ein paar wenige Big Plays um so einen Vorteil zu kompensieren.

Unabhängig vom Ergebnis interessiert mich an diesem Spiel, ob sich der etwas „passive“ Approach der Chiefs-Offense fortsetzt und ob Baltimore wirklich die Traute hat, gegen die Chiefs einfach radikal drüberzulaufen als bräuchte man tatsächlich kein Passspiel.

3 Kommentare zu “Montagsvorschauer – Woche 3: Baltimore Ravens – Kansas City Chiefs

  1. Erkenntnis des Spiels: Du kannst eine Defense so modern bauen wie du willst („positions los“, Fokus auf Secondary etc.) – das funktioniert gegen fast alle Teams, aber nicht gegen Mahomes, wenn du nicht auch einen gewaltigen 4-Men Pass-Rush hast.

    Die einzigen Gegner, bei denen Mahomes normalsterblich wirkt und Schwächen zeigt, sind die Teams, die ihm mit grandiosem Pass-Rush (ohne Blitzes) zusetzen, wie man gegen die 49ers oder Chargers immer wieder sieht.

  2. Mahomes 17-20 für 260 Yards und 3 TD gegen den Blitz. Man kann nicht besser spielen als Mahomes heute Nacht.

    Ravens, Mann. Ich weiß nicht ob sie ein richtiger Contender sein können mit der Art wie sie gebaut sind. Das Passing ist zu 1 dimensional, entweder tief oder gar nix, es gibt kein Screen Game. Rushing ist nicht so schwer kaltzustellen.
    4th Down Aggressiveness ist auch irgendwo hin verschwunden.

    Irgendwie witzig, dass Baltimore im 3Q das Spiel sogar wieder spannend machen konnte und den Ingram Drop davon entfernt war, vielleicht mit einem TD gleichzuziehen (oder man hätte die beiden FG ausgespielt und +1, +4 oder +8 Punkte gehabt).

    Stimme da den Vorrednern aber schon zu, dass der Ravens Defensive Way mit viel Man und wenig Up Front Passrush nicht der ideale ist um Mahomes zu stoppen. Wenn die Offense das Tempo nicht mitgehen kann und nichtmal die Uhr kontrollieren kann, dann ist das sehr bitter.

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