Akademische Viertelstunde – Woche 4

Der Einstieg der großen Conferences SEC und Big 12 mit den ersten Conference-Spielen sowie gleich mal einigen richtigen Upsets hat der College-Football-Saison 2020/21 am Samstag eine Art „jetzt geht’s richtig los“-Feeling gegeben.

Ich habe nicht alles gesehen. Daher erstmal ein paar Eindrücke.

K-State überrascht die Oklahoma Sooners

(Highlights)

Wieder einmal. Verrückte Partie in Norman. Oklahoma führte knapp 19 Minuten vor Schluss schon souverän 35-14 gegen die kleinen K-State Wildcats von Headcoach Chris Klieman und hatte dabei alles im Griff, ehe der Underdogs noch eine sensationelle 24-0 Serie hinlegte und Oklahoma am Ende noch knapp 38-35 schlug.

Schon letztes Jahr hatte K-State Oklahoma sensationell geschlagen – damals nach klarer Führung, weil Oklahomas Comeback am Ende nicht mehr reichte. Diesmal comebackten die Wildcats selbst!

Das Ergebnis ist umso sensationeller, weil K-State erst letzte Woche überraschend  gegen das kleine Arkansas State verloren hatte. Oklahomas Favoritenstatus vor dem Spiel hatte in den Wettbüros bei gleich 4 Touchdowns gelegen!

Paar Eindrücke von den Sooners:

  • Die Defense war gerade während des Meltdowns im Schlussviertel nicht nur wackelig, sondern hatte richtig grobe Abstimmungsfehler, und wurde dann immer panischer.
  • Die Offense Line wackelte mehrfach bedrohlich.
  • Der in alle Höhen gelobte Freshman-QB Spencer Rattler ist zweifellos talentiert und hat ein paar NFL-Würfe drin. Aber eben auch noch genug mentale Fehler, die bei solchen Jungspunden eben passieren. Rattler mit 30/41 für 387 Yards und 4 TD, aber eben auch 3 INT und einen (letztlich nicht verlorenen) Fumble.

Next Up: @Iowa State und dann folgt die Red-River Rivalry gegen Texas. Lincoln Riley wird die nächsten Tage bestimmt fleißig dabei sein, seinem Team einzuimpfen, dass man schon des Öfteren in den letzten Jahren in so einer Situation gewesen sei, und dass man bestimmt auch dieses Male wieder aus dem Loch kommen würde und die Playoffs erreicht.

Mike Leachs Rückkehr in die SEC

(Highlights)

Leach ist seit Winter der Headcoach der Mississippi State Bulldogs – und damit zum ersten Mal seit den späten 1990ern als Coach in der SEC zurück, die er damals mit seinem Kumpel Hal Mumme und seiner Air-Raid-Offense aufgemischt hatte. Ich hatte darüber in meiner Buch-Review zu „The Perfect Pass“ geschrieben.

Es gab auch diesmal Zweifel daran ob Leachs noch immer ziemlich reinrassige, im Vergleich zum Original von vor 20 Jahren kaum veränderte Air-Raid-Auslegung in der SEC mit ihren pfeilschnellen Athleten überhaupt noch eine Chance haben würde. Die Antwort folgte am Samstag auf dem Fuß: Im SEC-Spitzenspiel bezwangen die Bulldogs den regierenden Landesmeister LSU in deren Stadion 44-34. Der von Stanford rübertransferierte QB K.J. Costello beging zwar 3 Turnovers, fabrizierte aber auch sage und schreibe 623 Passing-Yards und 5 Touchdowns!

Die LSU-Man Coverage wurde ein ums andere Mal in ihre Einzelteile zerlegt, und es hagelte gerade bei Mesh-Crossern und entlang der rechten Spielfeldseite ein Big Play nach dem anderen. Es mag sein, dass LSU haufenweise Spieler (sogar CB Derek Stingley musste kurzfristig aussetzen) und die wichtigsten Coaches verloren hat; dennoch war es eine brutal gute Performance der Leach-Air-Raid Offense, die mit +10 Punkten gewann, obwohl sie einen Pick-Six aufgab.

Über das Wie hat Seth Galina bei PFF detaillierter geschrieben.

LSU-QB Myles Brennan? Ziemlich meh. LSU wirkte wie erwartet nicht wie ein Team, das diese Saison um den SEC-Titel mitspielen kann.

Georgia Bulldogs mit Problemen trotz Kantersieg

(Highlights)

Georgia gewann 37-10 gegen Arkansas. Insofern kein auffälliges Ergebnis. Aber zur Pause hatte Georgia noch 5-7 zurückgelegen!

Die Defense spielte eine blitzsaubere Partie, aber die erste Offense-Halbzeit war total anämisch. Die ersten sechs Drives ohne Bennett hatten noch mit null Offense-Punkten geendet. 27 Plays für 36 Yards und ein Turnover. Die Quarterback-Probleme von Georgia schienen überhand zu nehmen:

  1. Der nominelle Starter, QB Jamie Newman, hatte vor ein paar Wochen seinen Corona Opt-Out verkündet.
  2. Sein Ersatz, J.T. Daniels, war verletzt.
  3. J’wan Mathis, der dritte Mann, strauchelte bitterböse.

Und so musste schon im zweiten Viertel schließlich der 4th Stringer, Stetson Bennett IV, ran. Ein Walk-on. Bennett schien neuen Schwung reinzubringen und die Offense deutlich zu beleben. Auch wenn die Bennett-Offense aus ihren ersten vier Drives auch nur insgesamt 3 Punkte mitnahm, so bewegte sie zumindest die Ketten, ehe im dritten Quarter drei TD-Drives en suite folgten.

Doch es war nur Arkansas.

Die schwierigen Aufgaben kommen erst noch – und wenn das, was Georgia hier angedeutet hat, so weitergeht, dann wird das eine weitere dieser Spielzeiten, in denen Georgia mit viel Defense 21-10 oder 21-17 gewinnen muss.

Und sonst?

Sportlich ist sonst nicht viel passiert. Alabama startete souverän 38-19 gegen Mizzou, Florida putzte Ole Miss trotz einiger Abwehrwackler zuviel letztlich locker 52-35, Auburn hatte beim 29-13 gegen Kentucky keine ernsthaften Probleme.

Texas musste gegen Texas Tech in einem wilden Shootout in die Overtime um 63-56 zu gewinnen. Texas A&M, vor dem Spiel an #10 gerankt, mühte sich zu einem unansehnlichen 17-12 gegen Underdogs Vanderbilt.

Boise State hat noch nicht gespielt, aber gestern Nacht einem seiner ex-QBs in der NFL zugeschaut. Spoiler: Man konnte es sogar anschauen!

Ein „under the radar“ Team, das vielleicht nicht mehr lange dort spielt, sind die Miami Hurricanes, deren neue Offense von OffCoord Rhett Lashlee und QB D’Eriq King mit 52-10 über FSU drüberfuhr. In acht Tagen geht es gegen Clemson.

Und damit noch ein paar Quickies zu den beiden Power-Conferences, die noch nicht spielen.

Big Ten

Schon seit zirka zehn Tagen bekannt, aber von mir alles noch kaum diskutiert: Die Big Ten kehrt am Wochenende des 23.-24. Oktober zurück auf die Bühne. In insgesamt 9 Spieltagen bis zum „Championship Weekend“ am 19. Dezember will die Conference ohne Unterbrechungen durchspielen und dabei ein neues Format testen:

8 Spiele gegen Conference-Gegner. Und dann ein neuntes Spiel am Championship-Wochenende, an dem jedes Team ein neuntes Spiel bekommt. Die beiden Divisionssieger spielen gegeneinander um den Conference-Titel. Aber auch die beiden Zweiten spielen gegeneinander, die beiden Dritten, die Vierten usw. So hat jedes Team, sofern alles laut Plan und ohne Corona-Ausfälle über die Bühne geht, am Ende neun Conference-Spiele bestritten.

Pac-12

Die Pac-12 kehrt erst Anfang November zurück, und sie will das Big-Ten-Format mit dem Championship-Weekend kopieren. Doch als Aufwärmrunde soll es nur sechs Spiele anstatt von acht geben. Mehr geht natürlich in der knappen Zeit auch gar nicht.

Trotz der kurzen Saison sollen beide Conferences auch „eligible“ für das College Football Playoff sein. Was für die Pac-12 wohl eh kaum relevant gewesen wäre… Aber in der Big Ten spielt mit Ohio State einer der ganz lauten Contender.

Covid-Update

Corona hat diese Woche in den kleinen Mid-Major Conferences zugeschlagen: Appalachian State muss die Partie gegen Louisiana auf Anfang Dezember verschieben.

Und natürlich schneite vor einer Dreiviertelstunde der positive Tests desjenigen Mannes rein, der Football im Alleingang wieder möglich gemacht hat:

Biologische Lösung im US-Wahlkampf? Abwaren. Zu Mittag folgt vielleicht noch ein kleines NFL-Update.

3 Kommentare zu “Akademische Viertelstunde – Woche 4

  1. Biologische Lösung, pff
    Trump wird das überstehen und das danach wie Boris und Bolsonaro ausschlachten um das Virus zu verharmlosen…

  2. Pingback: Einige NFL-Trends aus den ersten drei Wochen der Saison 2020 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Pingback: Samstagsvorschauer zum College Football | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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