Samstagsvorschauer zum College Football

Kurze Einstimmung für den heutigen College-Football-Spieltag.

NB: Ich habe schon am Freitag ein bissl was über den letzten Spieltag geschrieben. Heute ein paar Notizen zu weiteren Spielen.

Frühschicht

  • 18h: #3 Florida – South Carolina
  • 18h: #9 Texas – TCU
  • 18h: #21 Tennessee – Mizzou
  • 18h: #24 Pitt – NC State

Florida hat sich mit seinem Auftaktsieg gegen Ole Miss letzte Woche ins Blickfeld gespielt: Defensiv absolut nicht sattelfest, aber mit einer Passing-Offense vor dem Herrn. Die beiden Kyles dominierten nach Belieben:

  • QB Kyle Trask mit über 400 Pass-Yards und gleich 6 TD
  • TE Kyle Pitts mit 8 Catches für 170 Yards und 4 TD

Trask ist kein spektakukärer QB mit einem brutalen Wurfarm, aber ein effizienter Ballverteiler. Pitts dagegen wirkt weniger wie ein reinrassiger Tight End. Er wird viel nach draußen geschoben, als Slot-WR, aber eben nicht ohne trotzdem die Aufgaben als klassischer In-Line Blocker komplett aufzugeben. Ein bissl geht dieser Offense zwar noch der letzte „Wow-Effekt“ ab. Aber wenn man den antrittsschnellen Kadarius Toney noch mehr mit Trick-Play-artigen Spielzügen einbaut, dann kann das noch werden.

Obwohl South Carolina in Headcoach Will Muschamp einen Defense-Spezialisten hat um theoretisch gegenzuhalten (noch dazu ist Muschamp ex-Florida-Headcoach), ist nicht zu erwarten, dass das Spielermaterial von der Gamebocks-Defense reicht.

Ich bin daher eher gespannt, wie lange die Gamebocks-Offense mithalten kann. Sie gilt als rundumerneuert mit dem einst hochgelobten OffCoord Mike Bobo und QB Colin Hill. Die beiden haben schon in den Rocky Mountains zusammen Offense gespielt und kennen sich.


Die andere Mannschaft „to watch“ ist Texas. Letzte Woche lieferten sich die Longhorns einen brutalen Shootout mit Texas Tech, der erst nach Overtime 63-56 endete. Es war ein Spiel der Serien, in dem immer wieder ein Team große Rückstände aufholen musste. QB Sam Ehlinger spielt bis jetzt durchaus wie der Heisman-Außenseiter, als den ich ihn erwartet hatte – aber in der neuen Offense scheint er auch ein klein bisschen entlastet worden zu sein; er ist nicht mehr der totale Alleinunterhalter wie in den letzten beiden Jahren.

Wenn Texas aber um den National Title mitspielen will, muss auch die Defense nachziehen – und die überzeugte bis jetzt nicht. TCU hat wohl nicht die Offense um Texas ein ganzes Spiel lang in Bedrängnis zu bringen, aber Nadelstiche setzen geht allemal. QB Max Duggan, letztes Jahr verflucht und nach seinem Herzfehler schneller wieder genossen als erwartet, belebte zuletzt die Offense merklich. Aber ein wirklich kompletter QB, dem man das Spiel allein aufschultern könnte, ist er nicht. Und die zahlreichen Run-Plays sind letztlich wohl zu ineffizient.

Spätschicht

  • 21h30: #2 Alabama – #13 Texas A&M
  • 21h30: Boston College – #12 UNC
  • 21h30: #15 Cincinnati – South Florida
  • 21h30: Kansas – #17 Oklahoma State
  • 21h30: SMU – #25 Memphis
  • 21h30: K-State – Texas Tech

Das wahre SEC-Topspiel findet zwar erst in der Nacht statt. Aber Alabama gegen Texas A&M hat auch was. Die beiden Headcoaches sind alte Gefährten: Jimbo Fisher war einst Nick Sabans Offensive Coordinator bei dessen erster Landesmeisterschaft bei LSU. Fisher gilt bis heute als großer Saban-Verehrer und versucht nach Kräften, Sabans Modell nachzuahmen. Große Erfolge gelangen ihm immer wieder – aber im Gegensatz zum knorrigen Saban scheint Fisher hinter den Kulissen doch ein eher schwieriger Mensch zu sein: 2018 wurde er bei Florida State mehr oder minder zur Tür hinauskomplimentiert. Bei FSU hatte Fisher immerhin eine Landesmeisterschaft gewonnen und mehrere Top-10 Abschlüsse verzeichnet. Seit seinem Weggang ist dort große Krise.

Bei Texas A&M beginnt nach zwei mäßigen Jahren auch schon die Ungeduld. A&M startete letzte Woche mühsam 17-12 gegen Vanderbilt. QB Kellen Mond hat sich immer noch nicht vom „Episoden-QB“ emanzipiert: Lichte Momente, aber dann wieder viel Schatten. Gegen die knackige Alabama-Defense muss man aber 60 Minuten möglichst fehlerfrei durchkommen.

Spannender ist also die Alabama-Offense. Letzte Woche machte Tua-Nachfolger QB Mac Jones einen soliden Eindruck. Die Offense sieht konzeptionell immer noch gleich aus wie in den letzten Jahren: Viel RPO, viel Spread, Bälle kurz und lang auf die Superstar-Receiver verteilt: Jaylen Waddle und Devonta Smith zeigten mal wieder warum sie jeder als 1st oder 2nd Rounder listet. So wirklich sehe ich nicht wie die Aggies-Coverage hier gegenhalten will. Und Jones wirkt zu gefestigt um mit simplen Konzepten oder einfach nur viel Passrush allein aus dem Konzept gebracht zu werden.

Nachtschicht

  • 1h30: #4 Georgia – #7 Auburn
  • 1h30: #11 UCF – Tulsa
  • 1h30: #16 Mississippi State – Arkansas
  • 1h30: Iowa State – #18 Oklahoma
  • 1h30: Vanderbilt – #20 LSU
  • 2h: #1 Clemson – Virginia

Der echte SEC-Kracher ist Georgia gegen Auburn, eine ewige Rivalität, die normalerweise immer erst Anfang/Mitte November stattfindet und gerade in den letzten Jahren immer mal wieder massivste Implikationen im Rennen um BCS und Playoffs hatte. Gerade Chaos-Agent Auburn brachte Georgia immer wieder in die Bredouille.

Beide sind letzte Woche mit Auftaktsiegen gestartet – und beide haben offensiv nicht extrem geglänzt. Über Georgias Probleme gegen Underdog Arkansas habe ich schon geschrieben. Auburn wirkte beim 29-13 über Kentucky solider, aber auch nicht wirklich explosiv.

Aus Scheme-Sicht ist der spannendste Aspekt der Partie die Auburn-Offense. Dort coacht Gus Malzahn seit nunmehr auch schon fast 10 Jahren mit kurzer Unterbrechung – und die Malzahn-Offense ist immer ein Hingucker gewesen: Spread-Rushing Attack galore, mit viel Bewegung im Backfield und einem Mix aus hartem trockenen Laufspiel und zahlreichen Kurzpässe mit Yards-after-Catch.

Ich habe letzte Woche kaum was gesehen, aber dem Vernehmen nach soll die Auburn-Offense auch mit dem neuen OffCoord Chad Morris (früher Clemson-OC, dann Headcoach bei SMU) nicht wesentlich anders ausgesehen haben. Allein QB Bo Nix soll stark verbessert ausgesehen haben. Ob das auch gegen die knackige Georgia-Defense reicht?

Die Georgia-Offense war letzte Woche zwei Viertel lang unansehnlich. Erst mit der Einwechslung von 4th-Stringer QB Stetson Bennett wurde es besser – aber bis jetzt hat sich kein Georgia-Coach in die Karten blicken lassen ob Bennett den Starterposten für diese Woche behalten darf. Vielleicht braucht die ganze Offense ja einfach auch noch etwas Zeit um den Mischmasch an Air-Raid/traditional-Pro-Style Offense vom neuen OffCoord Todd Monken, einem Wandervogel, den es in den letzten Jahren über Oklahoma State auch in die NFL nach Tampa Bay und Cleveland verschlagen hat, zu verinnerlichen.

Frage ist halt, wie lange das dauert. Gegen Auburns Defense reicht nicht bloß ein gutes Viertel. Die individuelle Klasse allein, die gegen Arkansas letztlich locker reichte, wird diesmal nicht ausreichen. Da ist die Auburn-Defense mit ihrer aggressiven Front zu gut dafür.


Das Alternativprogramm um 1h30 steht klar im Schatten des Krachers in Athens. Vielleicht könnte man einen Blick drauf werfen wie sich Oklahoma nach dem Fiasko letzte Woche gegen Iowa State erholt hat – aber just die kleinen Cyclones waren ein anderes dieser Teams, das Oklahoma in den letzten Jahren schon einmal besiegen konnte.

Iowa State ist allerdings mehr als wackelig in die Saison gestartet: Auftaktpleite gegen Louisiana (nicht Louisiana State!), dann letzte Woche TCU eher wenig überzeugend geschlagen. Aber gegen einen angeschlagenen Gegner hat Oklahoma schon letzte Woche verloren.

Ansonsten ist das „Spencer Rattler Watch“. Viel Licht, viel Schatten war das Motto bei Rattler. Sein Werdegang in der Lincoln-Riley-Offense ist noch spannender zu sehen als die Frage ob Iowa-State-QB Brock Purdy seine 1st/2nd Round Draft-Aktien noch verbessern kann.


Air-Raid-Watch auch bei Mississippi State gegen Arkansas. Letzte Woche überragender Auftakt für Mike Leach gegen LSU. SEC-Nachzügler Arkansas sieht heute eine bessere Offense als letzte Woche – und schon gegen Georgia konnten die Hogs nur zwei Viertel lang mitgehen.

8 Kommentare zu “Samstagsvorschauer zum College Football

  1. Für Offensive Freunde ist Mississippi State ein Hingucker. Was der QB KJ Costello rausgehauen gegen LSU hat mit seinen 623 Passing Yards zu seinen Empfängern war vom feinsten.
    Habe mir gestern das ganze Spiel angeschaut und es war schon erstaunlich, mit welchem Selbstvertrauen trotz 4 Interception und Fumbles und engem Spielstand sie ihren Gameplan umsetzten.
    Da bin ich mal gespannt wie sich dieses Team weiter entwickeln wird. Namhafte Gegner werden sie sicherlich herausfordern, aber ein 2 Rang hinter Alabama kann möglich sein vor Georgia.

  2. Ich würde da noch nicht so weit gehen. Nicht nur ist LSU ziemlich dezimiert angetreten. Sie haben auch den falschen Defense-Gameplan angewendet.

    Ich stimmt zu, dass Mississippi State beeindruckend gespielt hat, gerade auch angesichts der Fehler, die man immer wieder weggesteckt hat. Aber das alles ist nix neues für eine Mike-Leach-Offense. Das geht seit 20 Jahren so.

    Ich glaube nicht, dass die Bulldogs wirklich an Alabama UND Georgia (und Florida / Auburn) vorbeikommen. Dafür ist die Defense zu instabil. Die Offense wird nicht immer so viel auflegen können.

  3. Texas – TCU war soweit ein gutes Game. Zu Beginn des letzten Viertels lag TCU knapp vorn. Ich hatte so das Gefühl, denen geht die Puste aus, denn die Longhorns waren am drücken und kamen zur Führung, die dann wieder von TCU QB Max Duggan gekontert wurde. Allerdings vergaben danach die Longhorns an der 1.Yard Endzone die mögliche Entscheidung durch ein folgenschweres Fumble.
    Die restliche Ablauf hatte es in sich mit einem seltenen Schluss durch einen gewollten Safety und damit Sieg für TCU.

    Memphis gegen SMU war auch ein recht unterhaltsames Spiel bis zur Schlussekunde, das mich kurzweilig bei Laune hielt.

    Schau jetzt noch bei Arkansas gegen Mississippi rein, abwechselnd mit Oklahoma vs. Iowa State.

  4. Vielleicht eine blöde Frage, aber: wo kann man am besten die College Spiele schauen? Ich bin momentan auf DAZN beschränkt, was auf Dauer etwas wenig ist. Wie macht ihr das alle?

  5. @thomson – Tante Google hilft. Mittlerweile gibt es Super klare Streams in der Grauzone. Weis natürlich nicht wie es von Europa aus funzt, hier in Südostasien beste Qualität.

    Was heute wieder abging, war wieder mal überraschender College Football. Vermeintliche Favoriten, die sich oftmals selbst ein Bein stellen. BIG 12 und SEC West stellen die idealen Kandidaten dafür. Einfach krass auch bei bei Arkansas gegen Mississippi sowie Oklahoma vs. Iowa State.
    Was will man da Vorhersagen bei diesen Leistungsschwankungen. Beste Unterhaltung aber garantiert, genau das was mich als Konsument so fasziniert bei diesen Jungs.

  6. weiß nicht, ob das dieses Jahr anders ist, aber letzte Saison konnte man mit ein bisschen Geduld auch so gut wie jeden Livestream auf Youtube finden

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