Montagsvorschauer – Woche 4

Guten Morgen. Lass uns heute mal Off-Topic mit dem Coronavirus beginnen.

Wie verbreitet sich das Coronavirus und was sind die Lehren daraus?

Keine ganz einfache Lektüre, aber eine lohnende: The Atlantic schreibt ausführlich über ein paar in auch in unserer Öffentlichkeit oft falsch verstandene Punkte zur Corona-Pandemie, und ich empfehle den Artikel wirklich wärmstens:

Ein paar Key-Takes aus dem Artikel, die meiner Erfahrung nach noch nicht alle Common-Sense sind. Zumindest hört man über einige Punkte sehr wenig in den Nachrichten – und auch die Aktionen der Politik zeigen noch immer in eine andere Richtung:

  • Die meisten Ansteckungen passieren in schlecht gelüfteten Räumen, wo viele Menschen auf engem Raum lange beisammen sind und laut miteinander reden. Familientreffen und Hochzeiten stehen ganz oben auf der Liste.
  • Infiziert sein heißt nicht automatisch infektiös sein. Die PCR-Tests sind dabei allerdings sehr sensibel und finden auch kleinste Spuren von Coronaviren.
  • Die Übertragungsketten des aktuellen Coronaviruses sind keine 1-zu-1 Übertragungen, sondern in erster Linie „Superspreader-Events“, d.h. die Übertragung funktioniert v.a. nach dem Pareto-Prinzip. Grob gesagt sind 80% der Übertragungen auf relativ wenige Events/Überträger zurückzuführen (ca. 20%), während die meisten Infizierten keinen oder maximal einen weiteren Menschen anstecken. Der Artikel liefert genauere Zahlen.
  • Deutlicher gesagt: Das Virus clustert extrem gut. Es verbreitet sich asymmetrisch, und das hat ganz bestimmte Auswirkungen auf dessen Bekämpfung und Spurenverfolgung.
  • Die Reproduktionszahl R ist relativ wertlos.
  • Die gesuchte Variable ist k, das Maß für die Streuung. Wo sind die Herde? Findet die Herde.
  • Es ist also wichtiger, die Infektionskette nach hinten zu analysieren um den Superspreader zu finden, als die letzten Kontakte des gerade Infizierten zu finden und alle diese zu testen; fast 70% der Infizierten werden keine große Gefahr sein, weswegen man viel Leerlauf haben wird ohne den wahren Ursprung zu finden.
  • Massentests (von Leuten oder auch von Abwassern usw.) sind trotz ihrem hie und da schlechten Ruf keine schlechte Idee um Herde zu finden. Massentests können immerhin ziemlich gut zeigen, wo gerade keine Herde sind. Wo es hingegen Anzeichen von Herden gibt, muss gezielt gesucht werden.
  • Nochmal: Räume lüften!
  • Eine weitere Schlussfolgerung in dem Artikel ist vielleicht nicht wirklich zufriedenstellend, aber das kennen wir z.B. von Close-Games in der NFL: Es ist oft schlichtes Pech, dass in bestimmten Regionen Ausbrüche kommen, in anderen nicht. Natürlich ist Glück und Pech nicht der einzige Faktor, aber der Artikel bringt das Beispiel von Daegu vs. Seoul: Beide Städte hatten prinzipiell die gleiche Chance für den Ausbruch. Aber der Superspreader-Patient-31 war eben dummererweise gerade in Daegu in einer Kirche, und nicht in Seoul.

Bitte nehmt euch die Viertelstunde oder halbe Stunde dafür!

Monday Night Football

Es gibt heute zwei Monday Night Games:

  • 01h05 Kansas City Chiefs – New England Patriots
  • 02h50 Green Bay Packers – Atlanta Falcons

Die Pats treten mit QB Brian Hoyer an. Das immer schon unrealistische Narrativ mit einem Long-Term Starter Jarrett Stidham kriegt damit die nächste Delle. Die Chiefs sind turmhoch zu favorisieren – noch stärker als eh schon, hätte Newton gespielt. Beim Lead-Blogger habe ich ein wenig über das Spiel geschrieben, wenn auch unter anderer Prämisse.


Haushoher Favoritenstatus auch im anderen Monday Night Game: Die Green Bay Packers sollten sich klar gegen die Atlanta Falcons durchsetzen.

Die Packers sind eine der angenehmsten Überraschungen der ersten Wochen NFL 2020. Nach ihrem Draft, der eine Hinwendung zum Laufspiel befürchten ließ, folgte ein Saisonstart mit maximaler Effizienz im Passing-Game.

Aaron Rodgers spielt so hohe Play-Action Quoten wie lange nicht. Er akzeptiert sogar postmoderne Elemente wie Snap-Motion in der neuen Offense – und Headcoach Matt LaFleur spielt extrem passlastige Early-Down Offense. Rodgers selbst spielt auch „on fire“, macht fast keine Fehler und spielt rhythmisch perfekt wie lange nicht. Das Receiver-Problem, das nach dem Ausfall von Davante Adams zuletzt (und heute Allen Lazard) hätte problematisch werden können, wird durch die schematischen Tricksereien LaFleurs bislang perfekt kompensiert.

Das vermischt sich zu einer Offense, die in den ersten drei Wochen maximal effizient war:

  • 0.31 EPA/Play, #1 der NFL
  • 0.42 EPA/Pass, #2 der NFL
  • 0.15 EPA/Run, #3 der NFL

Viel besser geht nicht. Natürlich waren die bislang gespielten Defenses in Minnesota, Detroit und letzte Woche auch New Orleans noch nicht die Creme de la Creme. Aber es reichte allemal um alle der schlimmsten Befürchtungen von wegen radikale Hinwendung zum Laufspiel zu begraben (was wiederum die Frage aufwirft warum man dann den Draft so bestritten hat wie man es eben getan hat).

Natürlich wird es nicht ewig so weitergehen. Es werden Mannschaften kommen, die Gegenmittel finden. Aber das sind nicht die Atlanta Falcons mit ihrer legendär wehrlosen Defense.

Natürlich sind die Falcons mit dem 0-3 Start krass unterschätzt. Sie hätten locker zwei der drei Spiele gewinnen können. Ja eigentlich gewinnen müssen. Aber mit dieser Defense ist die einzige Chance auf Mithalten, einfach selbst hemmungslos zu scoren. Weil Atlantas OffCoord Dirk Koetter aber immer wieder fürs Einlullen der eigenen Offense (z.B. durch zu viel Early-Down Running) berüchtigt ist, wird das nicht passieren.

Ein Falcons-Sieg wäre eine Sensation.

4 Kommentare zu “Montagsvorschauer – Woche 4

  1. Danke für die Corona-zusammenfassung. Fand ich interessant.
    In other news: Die Eagles Defense bewegt den Ball, wenn es schon Wentz die letzten Wochen nicht getan hat. 😀

  2. Danke für Offtopic! Endlich mal ein guter, differenzierter Artikel…

    Irgendwie hab ich als Packers Fan immer Angst vor den Falcons Spielen…
    Aber die Bilanz ist eh knapp positiv…

  3. Pingback: NFL-Gaspedal | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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