NFL Woche 4 Rückblick – Teil 2

Noch ein paar kurze Blicke auf den vierten NFL-Spieltag – und dann drauf, wie gut die Teams nach einem Saisonviertel performt haben.

Kansas City Chiefs 26, New England Patriots 10

Interessante Partie. Nach dem Corona-bedingten Ausfall von QB Cameron Newton konnte man keinen offensiven Schlagabtausch mehr erwarten, aber dass es letztlich lange Zeit so defensiv werden würde, war dann doch etwas überraschend. Zur Pause z.B. führten die Chiefs nur 6-3. Erst als die Pats-Offense zum wiederholten Male nix zustande brachte, nahm das Übergewicht der Chiefs-Offense überhand.

Die Chiefs-Offense ist irgendwie frustrierend, aber dann auch wieder extrem effizient. Mit Ausnahme des Ravens-Spiels wirkte sie heuer bis jetzt ziemlich schaumgebremst – als ob sie ihr wahres Potenzial nicht abrufen wollte. Warten bis zum Moment, an dem es wirklich braucht?

Oder war es starke Defense-Vorstellung der Patriots? Die Coverage schien über weite Strecken ziemlich gut zu sein. Immer wieder zögerte Pat Mahomes in der Pocket, rannte nach links und rechts, obwohl es keinen rechten Pass-Rush gab. Dem Tracking nach hielt Mahomes den Ball im Schnitt fast 3.6 Sekunden lang – eine Ewigkeit in der NFL. Trotzdem gab es wenig Druck.

Mahomes groovte sich nach der Pause in die Partie und legte den einen oder anderen schönen Drive auf, aber da waren auch 1-2 ungewöhnlich abstruse Würfe dabei, die locker einen zweiten Turnover hätten bedeuten können. Die Chiefs-Stars Kelce, Hill und Edwards-Helaire waren effizient „nur“ im Sinne von „Ketten bewegen“. Die aus den letzten Jahren gewohnte Explosivität fehlte erneut.

Wie schon gesagt: Ohne das Ravens-Spiel könnte man sich langsam beginnen zu fragen, warum die Chiefs heuer so gebremst wirken. Aber letzte Woche haben sie ja gezeigt, dass sie können, wenn sie nur wollen… und wenn wir ehrlich sind: Die 0.20 EPA/Pass für Mahomes in diesem Spiel sind noch immer ziemlicher Elite-Level.

Am Ende reichte es trotzdem locker, weil die Pats-QBs katastrophal spielten.

Brian Hoyer – meine Fresse. 27 Dropbacks mit -0.28 EPA/Play sind selbst für einen Backup eine ganz bittere Geschichte. Hoyers Turnovers waren brutal, aber das schlimmste Play war sein Sack wenige Sekunden vor der Pause – in der Chiefs-Redzone, ohne Timeouts.

Anstatt eine Chance auf Fieldgoal und Ausgleich zum 6-6 bekommen, mussten die Pats ohne Chance auf Punkte in die Halbzeit trudeln. Das sind die Bolzen, die die Pats in der 19-jährigen Ära von Tom Brady als Starting-QB so gut wie nie gemacht haben. Manchmal wäre auch einfach nur gut, solche kapitalen Aussetzer zu unterlassen, dann kannst du in der NFL schon einigermaßen mithalten.

Der für Hoyer eingewechselte „Quarterback of the Future“ (O-Ton Twitter) Jarrett Stidham schaffte es, die von Hoyer gelegte Messlatte noch einmal zu unterbieten: 15 Plays, -0.63 EPA/Play. Man kann Stidham natürlich nicht wegen drei Handvoll Plays verdammen. Aber das sah horrend aus. Wie konnten so viele Experten Stidham über Newton ranken?

Hier die Quarterback-Performances von rbsdm.com. Mahomes mit 0.20 EPA/Pass, aber extrem wertvollen Scrambles und somit erneut extrem effizienten 0.33 EPA/Play. Allerdings deutet der niedrige CPOE (Completion Percentage over Expectation) schnell an, dass die Pass-Performance eher mau war:

Team Tiers – Woche 4

Schauen wir uns die Performance der Mannschaften nach vier Wochen mal im EPA/Play Sheet an. Die Daten aller Offense- und Defense-Spielzüge dieser Saison, ohne Preseason-Projections.

Die Tiers setzen sich zusammen aus Offensiv-Effizienz und Defensiv-Effizienz im Verhältnis von 1.5 zu 1. Dieses Verhältnis wird durch die Querstriche dargestellt. Ich persönlich würde nach meinen Analysen eher ein Verhältnis von 1.6 zu 1 als korrekt erachten, aber Ben Baldwin hat es hier einfach gehalten.

Die Packers sind das #1 Team. Beste Offense der NFL. Chiefs und – Achtung – Rams sind kurz dahinter mit besserer Defense, aber weniger explosiver Offense.

Der zweite Tier wird von zahlreichen Mannschaften gebildet: Seahawks, Bills, Ravens, 49ers (!), Steelers, Buccs, Colts. Wichtig: Hier gibt es kein Adjustment für die Stärke der bisherigen Gegner. Überwältigend aussagekräftig ist datt ganze noch nicht.

Besonders die Colts finde ich faszinierend. Sie haben nach vier Spieltagen die #1 Defense nach EPA/Play. Im Athletic-Podcast hat Nate Tice die Colts-Defense auch schon als „for real“ als Top-3 Defense der NFL bezeichnet. Ich bin darüber einigermaßen überrascht.

So gut die rohen Stats sind, so suspekt waren die bisherigen Colts-Gegner:

  • Jacksonville
  • Minnesota an einem Graupentag
  • Die Jets
  • Chicago Bears

DT DeForest Buckner soll ein MVP-würdiges erstes Saisonviertel gespielt haben, und die sehr schnelle, athletische Defense dahinter hat die Gegner komplett abgewürgt. Bevor ich dieser Defense aber wirklich traue, möchte ich sie mal gegen einige der besseren Offenses in der NFL sehen. Am Sonntag gibt es die erste Chance dazu, denn die Colts spielen gegen das zuletzt offensiv extrem verbesserte Cleveland.

Tampa mit der #2 Defense bis jetzt. Die Buccs-Offense dagegen noch ein wenig suspekt. Sie rangiert nur im Liga-Mittelfeld. Wir haben in den letzten Tagen schon des Öfteren gesehen, dass sie mehr Probleme in Early-Downs hat als man denken würde.

Quelle: rbsdm.com

Ganz weit hinten sind übrigens die beiden New Yorker Teams, Philadelphia und Houston. Auch Dallas sieht nach vier Spielen in diesem Chart gar nicht so gut aus wie man meinen würde. Obwohl die Offense punktet wie verrückt, braucht sie dafür mehr Plays als erwartet. Dallas ist nur minimal überdurchschnittlich nach Offensive EPA/Play. Und das, obwohl die Cowboys bisher gegen suspekte Defenses wie Seattle, Atlanta und Cleveland gespielt haben. Die vielen Turnovers tragen natürlich ihren Teil zu bei.

Die genialen Stats in Punkto Early-Down Passing und Verhindern von 2nd&long Rushing liefert uns Baldwin höchstpersönlich. Die Takeaways:

  • Seahawks sind jetzt wieder die #1 in Early-Down-Passing. Ich hab das Loch für meinen Brian-Schottenheimer-Schrein schon ausgebuddelt.
  • Falcons in 2nd & long sind nur noch zum Schämen. Wenn ein Adam Gase über dich lacht…

Es gäbe noch viel zu schreiben. Was ist mit der Cardinals-Offense los, wo außer einigen wenigen explosiven Momenten pro Spiel nix los ist. Viel Kurzpassgewichse, ein verunsicherter Kyler Murray und alles was nicht über Nuk Hopkins geht, läuft ins Leere. Oder die Detroit Lions, bei denen Matt Patricia vielleicht schon eine Entlassung verdient hätte. Die Saints mit ihrem verzweifelten Versuch, Anschluss mit ihrer Offense zu finden – am Sonntag in Detroit sogar wieder mit gutem Deep-Passing von Drew Brees.

Die Buffalo Bills mit ihrem faszinierenden QB Josh Allen, der nicht nur erstaunlich effizient und präzise geworden ist, sondern auch die Fehler reduziert hat und damit in Schlagdistanz zu den Top-5 Quarterbacks agiert. AARON RODGERS und die „wide open“ Packers-Offense. Early-Down Seahawks. Die 49ers, die auf ihr Lazarett scheißen. Die Rams, deren offensive Identitätssuche vorbei scheint.

Die Bengals und Chargers mit ihren coolen Rookie-Quarterbacks. Die Eagles, bei denen Carson Wentz am Sonntag einen kleinen Schritt zurück ins Licht gemacht hat – einen sehr kleinen. Oder die etwas unterschätzten Vikings, Stefon Diggs bald nicht mehr vermissen werden, wenn Rookie-WR Justin Jefferson weiter so aufgeigt.

Aber ich komme heute nicht mehr dazu.

3 Kommentare zu “NFL Woche 4 Rückblick – Teil 2

  1. Ich stelle jetzt einfach mal eine ganz steile These in den Raum: Colin Kaepernick zu den Patriots?
    – Cap room haben sie
    – Kap wäre nicht teuer, das ist sicher
    – besser als Hoyer und Stidham? Child, please.
    – Cam Newton könnte eine Weile brauchen um wieder 100% zu Atem zu kommen

    Wenn Newton nächste Woche wieder fit ist, klar, dann nicht. Aber COVID19 hat manche Leute schon Monate den Atem gekostet. Und die Art wie Newton spielt, ist kein lockeres Jogging.

  2. Haskings ist nicht mehr Starting QB, (Kyle) Allen der Starter und Alex Smith Backup meldet The Atheltic.

  3. Bzgl Haskins: Von Starter direkt zu Third-stringer bei einem Firstroundpick ist schon krass. Wenn der Trainerstab so wenig von ihm hält, sollten sie ihn traden. Bekommen sie einen Pick und er eine neue Perspektive.

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