Bittersüßer Montagsvorschauer – Woche 5

Letztlich dann doch nur ein Monday Night Game am heutigen Montag, weil die New England Patriots gestern noch einen weiteren Corona-positiven Fall meldeten und damit heute nicht antreten können.

Doch das ist nicht die schlechteste NFL-Nachricht am heutigen Montag.

Dak Prescott ist verletzt

Denn 2020 hat gestern mal wieder zugeschlagen, und zwar bei Dallas-QB Dak Prescott. Der knickte in der zweiten Halbzeit gegen die Giants böse um und musste unter Tränen aus dem Stadion gefahren werden. Die Fernsehbilder ließen schon schlimmstes vermuten – und dann twitterte Adam Schefter um 1h10 auch schon die dann gar nicht mehr überraschende Horrornachricht raus: Verrenkung und offener Bruch des Knöchels.

Dak ist wohl schon operiert:

Das bedeutet wohl Saisonaus für Dak. Und damit liegt die Cowboys-Saison auch in Trümmern, denn ein so guter Backup Andy Dalton auch sein mag, so gute Receiver Dallas noch immer hat und so schwach die NFC East auch ist: Die Cowboys waren mit der Ambition Superbowl in die Saison gegangen. Das kannst du dir jetzt abschminken.

Die andere Perspektive ist die Spielersicht. Prescott bekam in der Offseason nach langem Vertragspoker nicht den ersehnten fetten Vertrag und musste sich mit der Franchise-Tag zufrieden geben. Mit einem möglichen Knöchelbruch sieht Prescotts finanzielle Zukunft gleich einmal um ein paar Millionen erleichtert aus. Oder wird Jerry Jones mal wieder trotzdem so einen dieser fetten „Treuebonus“-Verträge auspacken – selbst nach dem langen und gescheiterten Vertragspoker der letzten beiden Jahre?

Die Verletzung hat dann natürlich auch noch etliche üble Reaktionen hervorgerufen, wie z.B. diese von Tony Dungy, die zeigt, dass auch Hall-of-Fame-Coaches sehr schlecht im Lesen der modernen NFL sein können:

Falcons feuern Headcoach und GM

Atlanta hat nach der nächsten Pleite gegen Carolina und dem damit feststehenden 0-5 Start gestern das seit dreieinhalb Jahren Überfällige gemacht und Head Coach Dan Quinn gefeuert. Wir hatten das schon ein paarmal: Die Falcons hätten prinzipiell Quinn nach der verlorenen Superbowl gegen die Patriots noch in den Katakomben feuern und OffCoord Kyle Shanahan ein Angebot unterbreiten sollen, das er nicht ausschlagen konnte.

Aber damals war ja Shanny der Depp, weil er mit Führung den Fuß auf dem Gaspedal gehalten hatte…

Auch GM Thomas Dimitroff musste gehen. Der war seit 2008 GM gewesen und in der ganzen Zeit nie um einen auffälligen Move wie den Julio-Jones-Trade verlegen gewesen. Dimitroff ist letztlich mit seiner Nibelungentreue zu Quinn und seinem Scheitern im Zusammenstellen einer einigermaßen passablen NFL-Defense gescheitert.

Die Feel-Good-Story

Washington-QB Alex Smith hat gestern nach dem Abschuss vom neuen Starting-QB Kyle Allen die ersten Snaps nach seiner schweren Beinverletzung, die ihn nach Infektionen fast Bein und sogar Leben hätte kosten können, gemacht.

Die Bilder von Smiths durch Sepsis abgefaultem und nur noch aus ein paar Knochen und zwei kleinen Klumpen schwarzem Muskel bestehenden Bein verursachen bei mir immer noch Gänsehaut. Dass Smith gestern wieder NFL-Football gespielt hat, ist allein sensationell. Dass seine Stats übel aussahen, tut nichts zur Sache.

Der NFL Comeback-des-Jahres-Preis 2020 ist mit gestern trotzdem bereits vergeben.

Kurz zur Corona-Politik der NFL

Die Richtung der NFL zeigt ganz deutlich dahin, dass die Liga zwar nicht gewillt ist, Spiele zu verschieben, wenn es nur max. einen positiven Test pro Team im Vorfeld einer Partie gibt. Doch sind es zwei oder mehr, oder ist die nachgewiesene Infektion zu kurz vor Spielbeginn um noch per Serientests weitere positive Fälle auszuschließen, gibt es Verschiebungen.

New England – Denver wurde nun vorerst auf nächsten Sonntag verschoben – ein Move, der zahlreiche weitere Spielplanänderungen nach sich ruft (siehe ESPN).

Die NFL will wohl auch aufs Verrecken keine Spielentscheidungen am grünen Tisch, weswegen man lieber Titans – Bills auf einen Dienstag schiebt – ein ungewöhnlicher Tag für ein NFL-Spiel! – als es ausfallen zu lassen.

Ich weiß nicht, ob diese Art von Politik eine gute oder schlechte ist. Vorsichtsprinzip wird damit verletzt, aber das Virus verbreitet sich asymmetrisch, viele positive Getestete sind prinzipiell keine oder kaum Gefahr für eine weitere Verbreitung. Hotspots müssen unter Kontrolle gehalten werden, notfalls mit rigiden Maßnahmen. Doch solange sich nachvollziehen lässt, woher die ursprüngliche Infektion in ein Umfeld kam, lässt sie sich prinzipiell ganz gut kontrollieren.

Die letzten zwei Wochen ist immer wieder die Notwendigkeit einer Verlängerung der NFL-Saison diskutiert worden. Wir sind sehr kurz davor, dass die NFL solche Szenarien auspacken muss. Wenn Teams wie Tennessee oder New England nun auch nur mehr einmal ein Problem haben, dann bleiben nur mehr zwei Optionen:

  1. Spiel fällt aus
  2. Verlängerung der Saison

Eine weitere Frage bleibt auch noch: Sind die Titans „rational“ (in wirtschaftlicher Sicht) in dem was sie machen? Jetzt die halbe Mannschaft anstecken um dann in den Playoffs vollzählig aufzulaufen. Solange die NFL die momentanen Vergehen nicht hart abstraft und Tennessee seine Spiele einfach nachholen kann, könnten die Titans von der aktuellen Politik sogar profitieren.

On the other side: Wir sind in einer Pandemie, und es kann auch bei guten Vorkehrungen jeden treffen. Eine Dummheit wie ein gemeinschaftliches Training trotz Ansteckungen im Team geht zwar nicht, aber ansonsten kann es ganz einfach immer jemanden treffen, gerade in den USA.

New Orleans Saints – Los Angeles Chargers

Monday Night Game, 2h20

Justin-Herbert-Watch: Der Rookie hat drei starke Spiele zum Einstand hinter sich – nicht aber ohne trotzdem ein paar entscheidende Fehler gemacht zu haben. Herbert wurde nun unter der Woche tatsächlich auch offiziell zum Starting-QB ernannt, womit die Bolts-Saison nun auch einen schönen roten Faden bekommt.

Bei den Saints ist der rote Faden längst: Wie bekommt man Drew Brees wieder in die Spur? Beziehungsweise: Wie kaschiert man seinen rapide abfallenden Wurfarm?

Zuletzt gegen die Man-Coverage-lastige Defense der Saints hat die Saints-Offense wieder ganz gut ausgesehen, weil Brees einfach in die offenen Zonen geworfen hat und dann Receiver wie Emmanuel Sanders blind dorthin gelaufen sind. Aber geht das gegen die Cover-3 Defense der Chargers?

Prinzipiell würde ich an Chargers-Stelle versuchen, die kurzen Reads mit so vielen Ressourcen wie möglich zuzumachen und Brees zu zwingen, tiefer zu werfen bzw. in die Seam-Routen zu werfen. Gelingt es Brees, trotz seines schwächer werdenden Arms die Nahtstellen dort zu treffen – dann Gratulation. Haste uns geschlagen. Aber wenn nicht, dann hat man Brees genau an der wunden Stelle getroffen.

NB: WR Michael Thomas wird heute Nacht erneut fehlen, aber nicht mehr wegen Verletzung, sondern wegen eines Trainingsschlägerei mit Ceedy Duce/Chauncey Gardner-Johnson. Thomas sitzt eine teaminterne Sperre ab.

4 Kommentare zu “Bittersüßer Montagsvorschauer – Woche 5

  1. Nur mal zum merken:
    Der PCR Test weist KEINE Infektion nach!
    Er ist NICHT für diagnostische Zwecke ausreichend geeignet!
    …und alle Meldungen von steigenden Infektionszahlen sind wissenschaftlich, medizinisch unseriös.
    In der Medizingeschichte ist es einmalig und ganz und gar neu, das Millionen Symptomlose Menschen getestet werden.
    Symptomlose Menschen gelten zu 80% als nicht infektiös.
    Symptomlose Menschen muessen nicht getestet werden und schon gar nicht Kinder.
    Wenn wie Prof. Streek schon sagte, von 100% getesteten, müssen nur 5% der positiven überhaupt eine medizinische Behandlung in Anspruch nehmen -und da sei noch dahingestellt, ob das eher eine Beruhigungsmedizin ist, oder eine symptomatische Medizin ist, die sie in Anspruch nehmen mussten.
    Die enge Virologische Sicht von Labormedizinern, die kaum am Patienten arbeiten, also KEINE klinische Erfahrung haben, ist NICHT der goldene Standart der Medizin.
    https://www.bioscientia.de/home/aktuelles/2020/07/was-bedeuten-die-begriffe-dual-target-pcr-und-ct-wert
    Die Propagandamedien benutzen Synonym die Begriffe „positve Tests“, „Fälle“ und „Infizierte“, ohne diese Begriffe den Lesern gegenüber zu erläutern, denn dann würde ja offenkundig, dass ein positiver Test noch keine Infektion bedeutet!

  2. Pingback: Dan Quinns Entlassung in Atlanta, und die Nachwehen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Selten, dass ich einem Spieler so den Sieg gegönnt hätte wie QB Justin Herbert. Er hat Drew Brees ausgestochen. Doch es geht in die OT.

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