Dienstagsvorschauer – NFL Woche 5

Tuesday Night Football – oder wie soll man das heute Nacht nennen, wenn ab 1h die Tennessee Titans und Buffalo Bills das lange in Frage gestandene Spiel endlich abhalten können? Das Spiel ist wegen der vielen Covid-Fälle bei den Titans von Sonntag auf heute verschoben worden, aber glauben wir Tom Pelissero vom NFL Network, dann wird das Ding heute Nacht über die Bühne gehen:

Folge: Das Thursday Night Game Bills – Chiefs wird von übermorgen auf den nächsten Montag geschoben. Die NFL-Versuche, den Spielplan auf Teufel komm raus doch irgendwie durchzupressen, gleichen zwar Feuerwehraktionen. Aber noch gelingt es.

Für Woche 6 wurden die Covid-Protokolle angepasst. Ab sofort werden alle Spieler und wesentliche teamnahe Offizielle am Spieltag einem PCR-Test unterzogen:

Zum heutigen Spiel

Titans – Bills ist das Duell zweier noch ungeschlagener Mannschaften im AFC-Playoffrennen. Die Titans sind 3-0 gestartet, die Bills gar 4-0. Gefühlt hätte ich zwar gesagt, zwischen den beiden Mannschaften liegen Welten, aber das kann auch daran liegen, dass Bills-QB Josh Allen ein extrem gutes erstes Saisonviertel spielt und das viele mögliche Schwachstellen bis jetzt überdeckt.

Zwischen Titans und Bills liegen nach den rohen Zahlen keine Welten:

  • Buffalo stellt die #2 nach EPA/Play in Offense und #20 nach Defensive EPA/Play.
  • Die Titans sind jeweils ein paar Plätze dahinter die #7 nach Offensive EPA/Play und #22 in Defense

Den gefühlten qualitativen Unterschied macht vor allem der bislang gespielte Schedule. Während sich die Titans nach drei extrem glücklichen Siegen gegen Denver (mit 16-14), Jacksonville (33-30) und Minnesota (31-30) und einem absurden Punktverhältnis von +6 wie eine ziemliche Zufallstruppe und ein „Fake 3-0“ anfühlen, haben die Bills immerhin schon die Rams und Raiders geschlagen. Doch in Summe hat man bei den Siegen über die beiden Teams plus Jets und Dolphins auch nur ein Punktverhältnis von +23 zustande gebracht.

Offense

Beide Mannschaften spielen extrem viel Play-Action: Die Bills haben mit 40% Play-Action Quote für Josh Allen die vierthöchste Quote, Tennessee mit 37% die fünfthöchste. Beide Offenses werden in etwa die gleich tiefen Pässe: Josh Allen hat einen aDOT von 8.3 Air-Yards pro Passversuch, Ryan Tannehill von 8.1 Yards/Passversuch.

Die Unterschiede in der Herangehensweise beider Offenses sieht man in drei anderen Facetten.

  1. Personnel Usage: Während die Titans nur 47% in 11-Personnel spielen, dafür aber 21% mit 12-Personnel und 8% in Heavy-Personnel mit 1 RB und 3 TE, sind die Bills ein ziemlich krasses Spread-Team: 71% in 11-Personnel und obendrauf nochmal 21% in 10-Personnel mit gar 4 WR am Feld.
  2. Snap-Motion: Die Bills sind ein wuseliges Team an der Anspiellinie mit extrem hoher Rate an Snap-Motion Plays (23%, Top-3), während Tennessee eher statisch agiert und mit nur 7% Snap-Motion in der unteren NFL-Hälfte rangiert.
  3. Pass-Location: Wo beide Offenses zwar stark mit Crossing-Routen (gerne auch in der tiefen Variante als Over-Route) arbeiten, visiert Titans-QB Ryan Tannehill diese Routen viel stärker „mittig“ (55% der Targets werden zwischen den Hashmarks angespielt), während Allen viel häufiger an die Seitenlinien spielt (56% der Targets außerhalb der Hashmarks).

Wie viel das ganze heute Nacht wert ist, muss man abwarten. Gerade Tennessee konnte sich absolut nicht ungestört vorbereiten und könnte mit zahlreichen Ausfällen auch eher konfus agieren. Aber auf die konzeptionellen Ähnlichkeiten und Unterschiede wollte ich doch mal hingewiesen haben.

Defense

Nur wenige Worte dazu. Beide sind erstaunlich weit unten im Effizienz-Plateau. Aber die Bills haben immerhin ein paar ordentliche Offenses gespielt.

Die Titans-Defense war schon in Vollbesetzung eine ziemliche Lachnummer. Sie wirkt maximal instabil. Buffalo hat immerhin einen gescheiten, tiefen Passrush – und wenn sie mit ihrer üblen Run-Defense die Titans zum „Derrick-Henry-Pounden“ einladen können, haben’s immerhin schematisch schon etwas erreicht.

Punkt ist: Beide Defenses haben in den ersten Wochen enttäuscht. Tennessee, weil sie noch nichtmal die von mir erwartete Range im unteren Mittelfeld zu werden drohen. Die Bills, weil sie weit entfernt vom durchaus denkbaren Top-10 Niveau agieren.

Doch die Bills sind trotzdem die bis jetzt stärkste Verteidigung, die Tennessees Offense heuer gesehen hat. Wenn sie den Titans die Crosser auf dem ersten Read für Tannehill wegnehmen können – und theoretisch hat man die Deckungsspieler dazu! – dann möchte ich erst mal sehen ob OffCoord Arthur Smith die notwendigen Antworten hat.

Ausblick

Favorisiert ist das Auswärtsteam: Die Bills sind in den Wettbüros um die 3.5 Punkte vorn. Das fühlt sich wie ein passender Spread an. Aber ich würde mich hier nicht trauen einen Tipp abzugeben, selbst unter Beachtung der bisher mäßigen Titans-Vorstellungen und der langen Pause für Tennessee.

Beide Offenses können schnell und massiv punkten, wenn die Rahmenbedingungen passen und die Defenses zu heftig auf den Play-Action Fake anbeißen. Wenn das Spiel zehnmal gespielt wird, gewinnt Buffalo aber wahrscheinlich sechsmal.

(Übrigens: ProSieben Maxx überträgt die Partie heute Nacht ab 1h)

8 Kommentare zu “Dienstagsvorschauer – NFL Woche 5

  1. Danke für die Vorschau!

    Gibt es die Statistiken zum Personnel Usage eigentlich auch wo frei verfügbar?

  2. Bezüglich der Gameday-Tests; das würde ja möglicherweise sehr kurzfristige Spielabsagen zur Folge haben…
    Ist denn bekannt, wann am Spieltag die Ergebnisse dann vorliegen bzw. wann die Tests genau erfolgen?

    Es gibt ja wohl auch schon die Überlegung, die Playoffs ab der Divisional Round in einer „Bubble“ durchzuführen.

  3. Buffalo Bills – Tennessee Titans
    Eine unterhaltsame erste Hälfte mit 31 Scorerpunkte, wobei eine Interception zu Beginn das Score eröffnete.

    Mag beide Teams, einfach, weil sie oftmals unberechenbar sind, ihr Spielstil eher unkonventionell, nicht spektakulär, für den Gegner schwer einschätzbar.
    Beide können unnachgiebig und hartnäckig dem Gegner auf die Pelle rücken..
    Es gibt nicht den Star, sondern sie identifizieren sich als Team, genauso wie sich der Coachingstaff nicht in den Vordergrund stellt.

    Bin gespannt, ob und mit welche Korrekturen das zurück liegende Team die 2 Halbzeit vornimmt.

  4. Gewonnen hat das Taem, dass wenig Fehler fabrizierte und keine dummen Strafen zum ungünstigen Zeitpunkt/Feldposition leistete.
    Der eine QB war ein klein wenig Off zu seinen bisher guten Leistungen.

    3 Min.57 Sek. vor Ende war das Ding gegessen.

    Für @Korsakoff: „Zwischen Titans und Bills liegen nach den rohen Zahlen keine Welten“
    Bei der heutigen Auswertung dürfte sich der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage am deutlichsten zur Klärung beitragen.

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