Monday Night Game im Rückblick – Woche 5

Analyse des NFL Monday Night Games Saints – Chargers am Montag.

New Orleans Saints 30, L.A. Chargers 27 (OT)

Der Spielverlauf zeigt: Die Saints haben als deutlicher Favorit begonnen, mussten dann aber nicht nur schwitzen, sondern sogar einen deutlichen Rückstand aufholen um nach einer wilden Schlussphase noch zu gewinnen.

Die Saints scorten spielten in der allerletzten Minute den Ausgleich, spielten mit dem Extrapunkt auf Overtime. Das sieht angesichts des eher konservativen Game-Managements der Chargers im allerletzten Drive im Rückspiegel wie eine gute Entscheidung aus. Chargers-Kicker Badgley versemmelte in der letzten Sekunde aus 50 Yards, wodurch es in die Overtime ging.

Damit wieder eine knappe Niederlage für die Chargers, die trotz 1-4 Bilanz einen immer besseren Eindruck machen. Die Bolts führten bei den Saints schon 20-3, nur um dann doch noch mal wieder zu verlieren.

Justin Herbert

Zu QB Justin Herbert: Wieder einmal eine Partie mit glänzenden Momenten, aber auch ein paar Wacklern. Herbert packte vier, fünf tiefe Bomben aus, brillante Pässe, die schon nach wenigen Wochen zu seinem Markenzeichen geworden sind. Sie kommen genau so, wie sie Draftexperten à la QB-School (J.T. O’Sullivan) im Draft-Vorfeld aufgezeigt hatten.

Manche sehen Herbert nun gar schon auf Augenhöhe mit einem Joe Burrow, aber ich bin da noch skeptisch. Herbert hat immer wieder Leerlauf in seinem Spiel. Es gibt immer die Tendenz zum unpräzise Ball, für den die Receiver viel mehr arbeiten müssen als ihnen lieb ist. Gerade das Kurzpassspiel über die Mitte und zur Backside wirken nicht immer stabil.

Seth Galina sieht das ähnlich und analysiert es dankenswerterweise auch in die Pipette: Herbert ist gemessen an der NFL-Konkurrenz super gegen Pressure, sehr gut downfield und stark bei normalen Dropback-Pässen ohne Play-Action Fake oder ähnliches. Aber er hat ähnlich Accuracy-Probleme wie bei Oregon am College.

Aber vielleicht unterschätze ich bei Herbert die Umstände. Die sind nach wie vor nicht wirklich gut:

Support Cast. Die Ausfälle bei den Chargers waren und sind massiv. Es fehlten mal wieder mehrere wichtige Starter:

Herbert mit nur 2 Targets für den angeknockten Keenan Allen, dafür mit z.B. 8 für RB Jackson, je 3 für WR Guyton und 7th-Round Rookie WR Hill oder je einem für Parham, Kelley du Virgil Green. Das sind Leute, die nur Freaks kennen.

Play-Calling. Die Bolts in dem Spiel mal wieder mit crazy Run/Pass Ratio in Early-Downs:

  • 28x Run, -0.20 EPA/Run
  • Nur 24x Pass, 0.07 EPA/Pass

In 15 der 17 3rd Downs musste Herbert dann werfen – häufig dritter und lang. Resultat: 0.25 EPA/Play. Prinzipiell fallen Anthony Lynn und sein Trainerstab damit mal wieder in die Falle „wir müssen unserem Rookie-QB mit viel Rushing Game helfen, ihn entlasten“ ohne zu berücksichtigen, dass dieses ineffiziente Early-Down Playcalling letztlich kontraproduktiv ist.

Lynn fällt damit wohl in diejenige Kategorie Headcoaches, die gut im Entwickeln von Spielern sind, die im Spielzugdesign auch vieles richtig machen und mit einer waidwunden Mannschaft wettbewerbsfähig bleiben – aber eben auch mit absurdem In-Game Management vieles von ihrer ansonsten starken Arbeit wieder kaputt machen.

Der Hoffnungsschimmer: Lynn war in den letzten Jahren zwar kein passlastiger Early-Down Playcaller, aber doch immerhin Liga-Durchschnitt. Vielleicht nutzt er die Zeit in der Bye-Week nun um Self-Scouting zu betreiben und wieder ein paar Pässe mehr zu callen:

Herbert gibt in Summe trotzdem einigen Grund zum Optimismus für die nächsten Wochen. Selbst wenn die Chargers auch weiterhin ein knappes Spiel nach dem anderen wegschenken, so hat die Saison 2020 mit ihm auf QB einen Sinn, und Herbert hat nach Mahomes und Brady mit dem dritten namhaften QB mithalten können:

Quelle für die Grafiken: rbsdm.com

Brees und die Saints

Auf der Gegenseite eben wieder massive Fragezeichen um Drew Brees. In der ersten Halbzeit war ich mehrmals dran an eine Auswechslung zu glauben. Brees‘ Passing war mausetot. Zur Pause hatte Brees über 20 Dropbacks für nichtmal 100 Yards plus INT.

Erst ganz kurz vor der Pause erfing sich Brees, legte einen lebenswichtigen TD-Drive zum 10-20 mit wenigen Sekunden auf der Uhr vor, und nach der Pause sah Brees wie ausgewechselt aus. Gerade WR Emmanuel Sanders sah ein Target nach dem anderen, und plötzlich gab es auch tieferes Passspiel – sogar mit Completions!

Die offensichtlichsten Auffälligkeiten an der Saints-Offense:

  • 40 zu 21 Split im Playcalling in Early-Downs: Fast doppelt so viel Passspiel wie Laufspiel.
  • Laufspiel durch die Bank eine Katastrophe.
  • „Quarterback of he Future“ Taysom Hill mal wieder mehr Bremsklotz als Nützling. Hill hatte einen TD-Run zwischen vier massiv negativen Plays.
  • WR Michael Thomas kann nicht schnell genug zurückkommen. Ein Sanders ist zwar an helllichten Tagen ein kompetenter Retter in der Not. Aber jede, wirklich jede Hilfe in dieser schwer atmenden Offense ist willkommen.

Saints sind damit 3-2 nach Siegen. Man möchte angesichts der eklatanten Unsicherheiten in der Offense gar nicht glauben, dass New Orleans in vier der fünf Spiele über 30 Punkte gemacht hat:

  • 34:23 gegen die Buccs
  • 30:37 gegen die Packers
  • 35:29 bei den Lions
  • 30:27/OT gegen die Chargers

Doch: Gegen Tampa halfen 2 Brady-INTs, darunter ein Pick-Six. Gegen die Packers verkürzte man erst ganz am Ende in der Garbage-Time. Die Lions sind die Lions. Und gegen die Bolts brauchte es einen enormen Kraftakt in der zweiten Halbzeit.

Positiv: Man groovt sich langsam rein. Negativ: Die meisten Yards kommen so hart erkämpft, dass man zwangsläufig Regression erwarten möchte, weil die Fehlertoleranz so klein ist. In Kürze kommt Thomas nach Verletzungen und Team-Sperren zurück. Vielleicht findet sich Brees langsam besser mit seinen physischen Limitierungen zurecht. Aber so richtig „sold“ bin ich noch nicht.

Ausblick

Am Sonntag Bye-Week für die Saints und Chargers. Danach geht es für New Orleans gegen Carolina weiter – ein Spiel, das heute viel offener aussieht als es noch vor Saisonstart gewesen wäre. Brees war zuletzt immerhin gut genug, dass es in der Spielpause immerhin keine lauten Quarterback-wechsle-dich-Diskussionen geben wird.

Die Chargers können einige ihrer unendlich vielen Blessuren auskurieren, am Gameplan mit Herbert feilen, und sehen danach Jacksonville, dann @Denver, Raiders, @Miami und Jets. Wer weiß, vielleicht sprechen wir Ende November ja auch schon über ein 5-5 oder gar 6-4 Team mit Außenseiterchancen im Playoffrennen?

Ein Kommentar zu “Monday Night Game im Rückblick – Woche 5

  1. „Kelley du Virgil Green“ … ich hatte erst gedacht das sei wieder einer von diesen halb-französischen Namen wie „Duvernay-Tardiff“. Aber nein, nur der gute alte Virgil Green. 🙂
    Apropos „alt“. Ich war immer ein großer Brees-fan, aber wie er diese Saison die tieferen Pässe Rivers-like rauswuchten muss, da wird mir Angst und bange. Taysom ist ganz offensichtlich nicht die Antwort. Aber da sitzt doch noch jemand auf der Bank, der Saft im Arm hat… Gibt es Statistiken, mit denen man Winstons Zahlen im Saints-system projezieren könnte? Z.B. via Schedule, Stärke von WRs, Pass-tiefen, Route-concepts…? Bei Draftprospects wird doch immer versucht, anhand solcher Metriken auf die NFL zu projezieren, ginge das nicht (einfacher) mit potenziellen QBs?

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