Date am Donnerstag – Woche 6. Heute ohne Dinner und Kerzenlicht

Moin. Heute gibt es kein NFL-Donnerstagsspiel Bills – Chiefs. Die Partie musste verschoben werden, weil Buffalo bekanntlich ja erst am Dienstag bei den ehemals Corona-verseuchten Titans spielen musste. Zwei Tage Pause wäre in einer NHL akzeptabel und in einer MLB eine Ewigkeit. Aber im Football ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Trotzdem ein kurzer Mini-Mini Blick auf die beiden Teams, die heute hätten spielen können.

Kansas City Chiefs 32, Las Vegas Raiders 40

Die Chiefs verloren am Sonntag überraschend zuhause gegen die Raiders – meine Prognose von wegen „Schlafwandelsieg“ für Kansas City war komplett fürn After, weil die Chiefs zwar offensiv nicht total enttäuschten (wenn auch nicht begeisterten), aber in der Defense einen tiefen Pass nach dem anderen aufgaben.

Oder anders: Raiders-QB Derek Carr gleich sieben tiefe Pässe für über 200 Yards auspackte. Was so ein WR Henry Ruggs nur ausmacht! Im Nachgang lästerte Jon Gruden dann genüsslich:

Was es nur ausmacht, wenn die eigene Offense plötzlich das umsetzt, was Analytics seit Jahren predigt: Carr wäre kein übler Deep-Passer, hat aber einen zu konservativen Spielstil. Packt Carr die Dinger für einmal aus, geht die Post ab.

Chiefs-Defense? Besorgnis erregend. Aber das hatten wir ja schon die gesamte Offseason. Wenn du lieber Runningbacks draftest anstatt Cornerbacks zu kaufen, kann so eine Performance schnell passieren.

Pat Mahomes war offensiv ungewohnt unterwegs: Es gab einen atemberaubenden Pass zum vermeintlichen Touchdown, der wegen Strafe nicht zählte, aber auch überraschend viel Schatten gegen QB-Pressure. Mahomes wirkte ganz einfach nicht sattelfest, nicht wirklich komfortabel. Vielleicht trifft ja diese Kurzanalyse von Matt Bowen tatsächlich zu:

Trotzdem legte Mahomes mal wieder über 30 Punkte auf. Bills und Chiefs sind nun nach PFF-Passing-Grade und EPA/Dropback ziemlich gleichauf unterwegs:

Fazit: Die Chiefs-Offense, wenn auch im Herbst 2020 bis jetzt nur selten begeisternd, wird kein allzu großes Problem darstellen. Es ist die Defense, die für abgebissene Fingernägel sorgt.

Tennessee Titans 42, Buffalo Bills 16

Überraschend klarer Kantersieg für Tennessee, das jeden Redzone-Besuch zum Touchdown verwertete, keinen Turnover beging und keinen Sack kassierte. Beginnen wir mit dem Kommentar des Spiels: Jay Feely, der mal wieder über die Notwendigkeit von 54 „Completions und Runs“ als Schlüssel zum Sieg in der NFL referierte.

Dass sowas im Jahr 2020 noch ohne Rüffel durchgeht, spricht dafür, dass auch die Schere bei den Analysts so weit auseinander geht wie noch nie. Feely ist am unteren Ende zu finden.

Bei den Bills hatte QB Josh Allen gegen die eigentlich schwache Titans-Defense eine durchwachsene Partie mit mehreren Turnover-würdigen Plays. Da waren so spanische Dinger mit dabei:

Seine Effizienz-Stats sind nun ein bissl den Bach runtergegangen:

Über die Titans ist schon viel geschrieben worden. Ihr Fehlverhalten wurde von der NFL nicht abgestraft, sondern durchgewunken. Ihre Gegner mussten zuwarten und Bye-Weeks verbrennen und weitere Spiele absagen, und trotzdem bekam Tennessee sein Heimspiel gegen Buffalo und nutzte das für einen „Wir gegen alle“-Sieg. Man kann das „rational“ nennen, wenn es die NFL als Spielregel akzeptiert.

„Don’t put us into adversity” ist eine komische Formulierung für einen komplett selbstverschuldeten Vorgang.

Auch QB Ryan Tannehill, der auch gegen die nominell starke Bills-Defense komplett offene Play-Action-Targets bekam, der effizient scrambelte und den Blitz spielend leicht verbrannte und diese zu unendlich vielen sicheren Raumgewinnen und insgesamt 22.5 EPA ummünzte, schlug in dieselbe Kerbe:

Wichtiger aus sportlicher Sicht: Tannehills Offense ist ein Redzone-Monster:

Regression in Tennessee? Nie gehört. Zumindest bis jetzt.

11 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 6. Heute ohne Dinner und Kerzenlicht

  1. Gerade zum Ende seiner Bucs Zeit war Grudens Playcalling unterirdisch. Im Moment outcoached er aber ein arivierten Coach nach dem anderen. Schon ein bissl unerwartet und überraschend für mich.

  2. Hi Thomas,

    Eine Frage: Angenommen Dak müsste seine Karriere beenden. Jerry bekommt ein schlechtes Gewissen und will ihm als Wiedergutmachung einen Rentenvertrag als Grüss-Gott-August bei den Cowboys zu einem absurden Millionengehalt geben.

    Dürfe er das oder wäre das eine Cap-Violation? Gibt es klare Richtlinien wie Karenzzeiten oder dürfen bestimmte Referenzgehälter nicht überschritten werden? Es gibt ja schließlich durchaus immer wieder Spieler die nach ihrer Karriere andere Funktionen in der Organisation bekommen.

    Wäre es denn eine andere Situation wenn jerry eine solche Position einer Firma schaffen würde ?

    Weißt Du generell etwas über Deals, die an den Büchern vorbei gehen um den Cap zu umgehen oder passiert sowas aus Angst vor der Steuerbehörde eher nicht?

  3. Nachfrage:
    Wie sieht es denn beim Verkauf von Teamanteilen an ehemalige Spieler aus? Könnte Robert Kraft Brady Anteile zu beliebigen Preisen verkaufen? Wer würde denn einen angemessen Preis festlegen?

  4. Aus dem Kopf: war Brady nicht Miteigner eines Fitnesstudios, bei dem die PAtriots Trainingszeiten angemietet haben??

  5. „Der Brady-Deal bleibt im besten Fall ein (irregulärerweise im Spielervertrag nicht dokumentiertes) Schlupfloch, das die NFL mit hoher Wahrscheinlichkeit schließen wird.“ (Korsakoff 2015)
    Und? Ist es geschlossen worden? Wenn nein, stellt sich natürlich die Frage, warum andere Teams das Modell eigentlich nicht einfach kopieren und sich alles in den Kader holen, was All-Pro Format hat…

  6. So. Hier die Antworten zu den Fragen – ich habe mich heute auch noch mit Brad Spielberger (PFF, früher Over the Cap) kurzgeschlossen um meine Takes abzugleichen.

    Prämisse: NFL-Owner haben nicht so schnell ein schlechtes Gewissen 😉

    @Schlabbo: Deine Gedanken sind valide, aber sie wären gegen den Spirit der Salary-Cap. Es gibt im CBA eine ganze Sektion, die Zahlungen am regulären Gehalt vorbei abfängt und gegen die Salary-Cap zählen lässt (Leihen, Grundstücksdinger). Zahlungen unterm Tisch wären natürlich schwieriger, aber dann sprechen wir nicht nur von Fehlverhalten gegenüber der NFL, sondern von Steuerhinterziehung.

    Die TB12-Situation z.B. ist ein Schlupfloch, aber es hat sich dabei auch um eine legitime Firma gehandelt. Ich bin mir nicht sicher ob das Schlupfloch gestopft wurde, aber prinzipiell schaut die NFL da mit Argusaugen drauf.

    RE: Gehälter nach dem Karriereende. Ex-Spieler können sofort nach dem Karriereende von Ownern angestellt werden, aber es wird dann alles unter die Lupe genommen: Ob nun Coach oder Berater, das Gehalt wird verglichen mit dem von vergleichbaren Positionen, und wenn es Auffälligkeiten gibt, geht sofort eine rote Lampe an.

    O-Ton Brad dazu: „Can’t pull a fast one on the NFL“

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