Samstagsvorschauer – Woche 7: Alabama gegen Georgia

Bevor wir zum College Football kommen, hier der Verweis auf den „Sunday Watch“ beim Lead-Blogger, wo ich mit Fabian Sommer auf einige kritische Matchups des morgigen NFL-Spieltags geblickt habe: Sunday Watch – NFL Week 6.

Und damit zum College Football, 7. Spieltag: Heute Abend mit einem möglichen vorgezogenen National Championship Game.

#2 Alabama Crimson Tide – #3 Georgia Bulldogs

Ladys und Gentlemen, ab 02h nachts: Georgia Bulldogs @ Alabama Crimson Tide! Ich verschweige an dieser Stelle mal lieber, dass ich mich in diesen ersten Wochen noch nicht so recht für die College-Football-Saison erwärmen kann. Im Gegensatz zur NFL fehlen mir die Zuschauer ganz massiv – den Spielen geht das ganze Flair ab.

Doch immerhin: Trotz einiger Ausbrüche scheinen die Mannschaften das Coronavirus besser im Griff zu haben als man noch vor ein paar Wochen befürchten musste. Es müssen zwar immer mal wieder Spieler aus dem Verkehr gezogen werden, und es gab bereits etliche Spielabsagen und -verschiebungen, doch zur großen Krise ist es zumindest in der FBS noch nicht gekommen.

Unter der Woche hat sich nun der bislang größte Name im College Football infiziert: Alabama-Headcoach Nick Saban. Saban ist Ende 60, soll aber einen asymptomatischen Krankheitsverlauf haben und massiv darum werben, dass er an den NCAA-Regularien vorbei zumindest von zuhause aus Coaching-Einfluss auf die heutige Partie in Tuscaloosa nehmen kann.

Doch ein Coach Saban heute, auch nur via Whats-App, gilt trotz negativem Test heute Nacht als unwahrscheinlich. So soll wohl OffCoord Steve Sarkisian die Leitung übernehmen. Überfordert wird Sark damit nicht rein; er war jahrelang Headcoach bei Washington und USC.

Bild und Ebenbild

Alabama – Georgia ist seit ein paar Jahren auf einer Stufe mit Alabama – LSU. Es wird wegen der Zugehörigkeit zu verschiedenen SEC-Divisionen (Alabama spielt in der SEC West, Georgia in der SEC East) nur selten in der Regular Season gespielt (zuletzt 2015, dann erst wieder 2026), doch dafür waren die Aufeinandertreffen der letzten Jahre sportlich meistens zum allerbesten Zeitpunkt:

  • 2017/18 war es das National Championship Game, das durch Tuas epischen 4-verticals Overtime-Pass entschieden wurde.
  • 2017/19 war es das SEC-Finale, das über die Playoffteilnahme entschied, und erneut gewann Alabama hauchdünn nach großem Rückstand.

Alabama ist ein bissl das Kryptonit von Georgia-Headcoach Kirby Smart, der rein zufällig früher Nick Sabans Lieblingsassistenz war, bevor er 2016 zum Georgia-Headcoach wurde. Saban hat interessanterweise in seiner College-Coaching-Karriere noch nie gegen einen ehemaligen Assistenten verloren! Doch Smarts Version von Georgia kam Saban bis jetzt am nächsten.

Georgia rekrutiert seit Smarts Ankunft auf Top-3 Niveau. Seine Defense spielt konstant auf Top-5 Niveau. Georgia spielt beständig auf Top-10 Niveau – aber zum ganz großen Schritt hat es bis jetzt nicht gereicht.

Es ist gar nicht vermessen zu behaupten, dass der Unterschied zwischen den beiden Programmen in den letzten Jahren primär ihre Herangehensweise an den Offensiv-Football war. Im letzten Spiel, in dem Smart noch an Sabans Seite in Alabama coachte, war Jake Coker der Alabama-Quarterback – ein typischer Quarterback in Sabans Historie: Unauffälliger Game-Manager, macht kaum Fehler, muss aber auch nicht mehr machen als ein paar Sicherheitspässe bei 2nd und 3rd Down anbringen. Den Rest erledigten Laufspiel und Defense.

Georgias Offense fungiert im Kern bis heute so: 65% Quote Laufspiel, viel Defense, der Quarterback ist zum Verwalter degradiert – selbst Jake Fromm, 5th Round Draftpick 2020!

Doch Alabama hat den nächsten Evolutionsschritt prinzipiell direkt im Anschluss an jenes gewonnene National Championship Game 2015/16 eingeleitet. Saban hat seine Offense modernisiert. In den letzten Jahren spielte Alabama mit Tua Tagovailoa Spread-Offense mit vielen RPO, schnelle Slants und Crosser auf weit offene Receiver, hohe Early-Down-Pass-Quoten und Vollgas auch bei 20 Punkte Vorsprung.

Damit blieb Alabama sportlich voll auf Kurs, erreichte drei weitere Male das National Championship Game – bei einem Sieg, eben 2017/18 gegen Georgia. Die Bulldogs dagegen hatten eine eher unglückliche Geschichte mit ihren Quarterbacks. Die besten haben sie weggeschickt, wie Justin Fields (heute Ohio State, morgen NFL) oder Jacob Eason (ging nach Washington und wurde eine Runde vor Fromm in die NFL gedraftet). Fromm war Verwalter mit angeflanschter kleiner Big-Play Option, aber nie mehr.

Auch schematisch hat Georgia in den letzten Jahren nicht viel unternommen. Es wirkt fast so, als ob Smart in den ersten Jahren in Athens einfach nur Saban kopieren wollte. Aber dass das Original in der Zwischenzeit schon den nächsten Schritt machte, übersah Kirby. Oder kam einfach nicht dazu, alles auf einmal zu fixen.

Und jetzt dominiert das Thema Offense

Tua und Fromm gingen heuer bekanntlich beide in die NFL. Alabama spielt jetzt mit #10 Mac Jones auf Quarterback – und Jones hat in den ersten Wochen die Beobachter durchaus verblüfft. Die meisten hatten in ihm nur einen Statthalter für das junge Supertalent Bryce Young gesehen, aber Jones spielt bis jetzt makellos. Man kann sogar Argumente aufbringen, dass er aggressiver spielt als Tua. Häufig hat er natürlich komplett offene Fenster, weil das Receiver-Trio Jaylen Waddle, Devonta Smith und John Metchie für die meisten College-Defenses zu überwältigend und zu schnell ist. Aber Jones hat auch keine Scheu vor dem Ball ins enge Fenster – und bringt ihn dort meistens an!

Bei Georgia hatte offensichtlich auch Smart erkannt, dass man im Jahr 2020 keine schwache Passing-Offense mehr durchschleifen kann – auch nicht mit der besten Defense. So holte er in der Offseason OffCoord Todd Monken aus der NFL zurück und verpflichtete zwei neue Transfer-Quarterbacks: Jamie Newman und J.T. Daniels.

Monken hat in seiner Coaching-Vita schon so ziemlich alles gecoacht, darunter Air-Raid bei Oklahoma State, aber auch die hyper-aggressiven Downfield-Passing-Offenses bei den Tampa Bay Buccaneers mit Jameis Winston und Ryan Fitzpatrick. Doch nun sind ihm die Hände gebunden, weil Newman wegen Corona die Saison aussetzt und Daniels nach Verletzungen so schwach trainierte, dass er bis jetzt keinen Pass geworfen hat und von Walk-On QB Stetson Bennett verdrängt wurde.

Bennett macht seine Sache für einen Walk-On gar nicht schlecht, aber er taugt wohl nicht um Shootouts in der SEC mitzugehen. Georgia hätte die individuelle Qualität in der O-Line und auf Receiver um mit einem adäquaten Offense-Scheme und einem Quarterback vom oberen Regal mit jedem Team mitzuhalten. Doch bei Bennett reicht es wohl nicht ganz dafür.

So riecht es heute nach einer deutlichen Sache für Alabama. Offense gewinnt gegen Defense. Die größte Hoffnung für Georgia ist, dass die Bama-Defense wirklich in der Spielfeldmitte so verwundbar ist wie letzte Woche angedeutet: Da attackierte Ole Miss (mit einem weiteren Saban-Schützling übrigens: Lane Kiffin) vor allem die Mitte des Feldes und ließ die Flanken, dort wo Alabama die Star-Cornerbacks wie einen Patrick Surtain platziert hat, außer Acht. Ole Miss scorte 48 Punkte gegen Alabama. Das war jahrzehntelang eigentlich unerhört. Aber nach der Offensiv-Revolution ist das auch in der SEC kein Jahrhundertereignis mehr.

Befürchtungsweise muss Georgia mal wieder ein Jahr warten bis es für ganz oben reicht. Erst wenn die Offense nicht nur gefixt, sondern schematisch und auf Quarterback auf Hochglanz poliert ist, reicht das gegen den Juggernaut Alabama.

Detailliertere Preview zu diesem und den wichtigsten anderen Spielen gibt es übrigens beim Triple Option Blog, wo Jan Weckwerth schreibt.

3 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – Woche 7: Alabama gegen Georgia

  1. Saban kann coachen heute Nacht:

    Viele False Positives bei diesen Coronatests…

  2. Das Spiel ist ja mal jetzt genau so gelaufen wie prognostiziert, chapeau.

    Mac Jones spielt wirklich grandios, ja die WR sind Spitze, aber auch die Defense. Hat traumwandlerisch gespielt.

    Bei Georgia Bennett as advertised.

    Bama für meinen Begriff damit neue #1, auch wenn Clemson mit 66 gewonnen hat.

  3. Wobei Georgia eh lange mitgehalten hat. Alabama allerdings sogar mit langen Fieldgoals um die Partie zur Pause knapper zu halten – wann hat man sowas zuletzt gesehen?

    So nebenbei: Ich liebe Scheme und Play-Calling in der Bama-Offense. Das ist noch einmal eine Stufe oberhalb der Tua-Jahre. Steve Sarkisian mausert sich nun wirklich zurück in die Riege der absoluten Top-Coaches – und das ist bemerkenswert, so übel seine Zeit bei USC und beim kurzen Intermezzo bei Bama um das Deshaun-Watson-NCG war.

    Ziemlich brillant. Jones ist super, hat aber auch nahezu ideale Bedingungen. Resultat: Offense-Monster.

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