Sonntagsvorschauer – NFL Woche 6

NFL-Sonntag heute mit einem „unbalanced“ Schedule: Vollgepackte 19h-Schicht, hinten raus zwei Spitzenspiele, ansonsten gähnende Leere.

Unter der Woche gab es ein paar Meldungen über positive Covid-Fälle bei Falcons und Colts, doch beide Teams dürften heute spielen. Auch die Patriots planen um 19h aufzulaufen.

Über sechs der interessantesten Spiele habe ich mit Fabian Sommer schon beim Lead-Blogger geschrieben:

Sunday Watch – NFL Week 6

Hier noch ein paar Notizen zum Rest.

Frühschicht um 19h

  • Tennessee Titans – Houston Texans
  • Indianapolis Colts – Cincinnati Bengals
  • Minnesota Vikings – Atlanta Falcons
  • New England Patriots – Denver Broncos
  • New York Giants – Washington
  • Philadelphia Eagles – Baltimore Ravens
  • Pittsburgh Steelers – Cleveland Browns
  • Carolina Panthers – Chicago Bears
  • Jacksonville Jaguars – Detroit Lions

Texans-Defense gegen die sehr effiziente Titans-Play-Action-Offense klingt nicht unbedingt wie Matchup auf Augenhöhe. Aber schon letztes Jahr hatten die Titans im direkten Duell kurz vor Weihnachten Probleme, diese eigentlich so schwache Abwehr zu knacken.

Bei Colts-Bengals geht es für Joe Burrow um Rehabilitierung nach der wirklich schwachen Vorstellung letzte Woche gegen die Ravens. Bei der Colts-Defense ist man sich noch immer nicht sicher ob sie wirklich so stabil ist wie ihr Top-3 Ranking in den meisten Effizienz-Metriken suggeriert.

Vikes vs. Falcons – ein Spiel mit Trainereffekt bei Atlanta? Ich bezweifle. Es riecht nach zahlreichen Punkten, denn auch die Minnesota-Offense um QB Kirk Cousins ist jederzeit für hohe Punktzahlen zu haben.

Steelers – Browns ist ein hochklassiges Duell für die „Trenches“. Sportlich ist es absoluter Baker-Mayfield-Watch. Aber es ist auch das erste Aufeinandertreffen der beiden AFC-North-Rivalen seit dem „Helm-Schlag“ von Myles Garrett letztes Jahr gegen den damaligen Steelers-QB Mason Rudolph.

Garrett wurde damals für den Rest der Saison von der NFL aus dem Verkehr gezogen – eine Strafe, die manche für zu gering hielten. Garrett behauptete im Nachgang standhaft, von Rudolph als Nigger bezichtigt worden zu sein – eine Parole, die einen Schwarzen gerade auch wieder in unseren aufgeheizten Zeiten natürlich in Mark und Bein trifft. Beweise dafür gibt es nicht. Ob es eine Ausrede für das Austicken war oder nicht, wird sich nicht mehr eindeutig beweisen lassen.

Es war jedenfalls einer der denkwürdigsten Momente der letzten Saison – und ein bisschen Auswuchs der rohen Körperlichkeit, die in der Zone zwischen Offensive und Defensive Line herrscht. Der Schlag hätte böse enden können. Ich wundere mich aber manchmal sowieso, dass solche Fights in einem so brutalen Sport nicht häufiger passieren.

Garrett hat sich schon im Frühjahr in einem Interview mit ESPNs Mina Kimes wie ich finde recht dezidiert mit dem Vorfall auseinandergesetzt:

Wentz vs. Ravens? Ich glaube, das kann enger werden als der Public denkt.

Panthers gegen Bears und Jaguars vs. Lions klingt wie Rahmenprogramm. Niemand nimmt Chicago ernst, trotz 4-1 Bilanz. Die Panthers sind besser als in der Preseason gedacht, aber wirklich konkurrenzfähig in der NFC sind sie nicht. Bei Jacksonville – Detroit fällt mir nicht viel mehr ein, als dass einer gewinnen muss. Die simple Man-Coverage der Lions könnte wie gemacht für eine Art Bounceback-Spiel von Gardner Minshew sein.

Spätschicht ab 22h

  • Miami Dolphins – New York Jets (22h5)
  • Tampa Bay Buccaneers – Green Bay Packers (22h25)

In Miami mehren sich die Rufe nach einer Einwechslung von Tua Tagovailoa auf QB, aber Ryan Fitzpatrick spielt so gut, dass sich ein simpler QB-Tausch nicht ohne ein paar zusätzliche Ausflüchte nicht rechtfertigen lässt. Etliche Beobachter, auf die ich was gebe, halten es für die falsche Strategie, Tua sitzen zu lassen.

Eindeutige Guidelines „für und wider“ der Handhabe von Rookie-Quarterbacks gibt es bekanntlich nicht. Ich denke aber, dass es besser ist, den Rookie nicht zwingend ins Spiel werfen „zu müssen“, weil der Stammhalter nix reißt. Miami kann Tua sitzen lassen ohne eine Revolte im Team vom Zaun zu brechen. Wenn die sportliche Leitung nicht das Gefühl hat, dass Tua einsatzfähig ist, kann sie ohne große Bedenken auf Zeit spielen.

Die Jets spielen nur mehr um den #1 Pick, bzw. dagegen, nach 0-5 Start wieder die paar Siege zu viel für den Top-Pick einzufahren. Daher darf auch Adam Gase weiter coachen.


Buccs – Packers ist natürlich das dritte direkte Aufeinandertreffen von Tom Brady und Aaron Rodgers. Es ist die große verlorene Quarterback-Rivalry des letzten Jahrzehnts. Obwohl die Packers Anfang der 2010er Jahre wie ein angehender Juggernaut aussahen und die Patriots insgesamt fünf Superbowls erreichten haben Brady und Rodgers letztlich nur 2014 und 2018 gegeneinander gespielt. Sie haben sich nie in einer Superbowl gekreuzt.

Das wird auch dieses Jahr nicht passieren – aber immerhin treffen sie nun im Rennen um das NFC-Playoff-Ranking aufeinander. Beide QB-Oldies sind gut in die Saison gestartet – bei Rodgers ist „gut“ sogar ein Understatement.

Beide Offenses sind grundverschieden. Bei den Packers hat Matt LaFleur ein System geschaffen, das maximal effizient operiert:

  • Hohe Play-Action Rate (29.5%, #11 der NFL)
  • Top 5 Snap-Motion Rate
  • Dritthöchste Early-Down Passing Rate (62%)

Rodgers hat extrem oft offene Receiver – sogar in den Spielen, in denen Davante Adams verletzt fehlte (er ist jetzt wieder dabei). Das einzige, das wirklich vorhersehbar ist an der Packers-Offense: Gibt es keine Motion im Backfield, wird der Ball an RB Aaron Jones zum Lauf übergeben.

Dass die Packers diese Art von Offense spielen können, schreibt man weniger LaFleur zu, der es schematisch wohl schon immer so treiben wollte, sondern mehr Rodgers, der sich in den letzten Jahren dagegen gewehrt haben soll so zu spielen: Rodgers wehrte sich dem Vernehmen nach dagegen, „mit dem Rücken zur Defense“ beim Fake zu spielen, und wollte an der Anspiellinie kein Chaos durch Motion, sondern ein klares, statisches Bild der Defense.

Doch nach Einberufung seines Nachfolgers sowie Runningbacks und Tight Ends im Draft könnte es bei Rodgers doch noch einmal „klick“ gemacht haben – und selbst wenn er sich nicht wirklich „wohl“ mit Play-Action Passing fühlt, so ist der Erfolg der frühen Saisonphase wohl Balsam genug um die Transformation im Karriere-Herbst zu akzeptieren.

Die Buccs spielen keine Brady-Offense, sondern volle Pulle Bruce-Arians-Offense. Das heißt für Brady zum Beispiel auch: Nur 16% Play-Action, #30 der NFL. Für Brady, der in New England mit dem Fake aufgewachsen ist, muss das total ungewohnt sein. Aber trotz Verletzungsproblemen im kompletten Receiver-Corps (Evans immer angeschlagen, Godwin mehrere Spiele raus, Howard jetzt auf IR) war die Buccs-Offense immerhin Liga-Mittelmaß. Brady ist bei PFF einer der best-bewerteten Quarterbacks.

So wirklich traue ich der Buccs-Offense allerdings noch nicht. Nicht nur, weil die Yards alle zu hart erarbeitet aussehen. Sondern auch, weil OffCoord Leftwich IMHO zu häufig sinnloses Early-Down Rushing in die Mauer callt.

Prinzipiell hat die Partie Shootout-Potenzial. Die Buccs-Defense ist zwar eine der besten bis jetzt, aber sie hat noch keine Offense wie jene der Packers gesehen. Gegen das extrem effiziente Packers-Run Game fehlt nun in DT Vita Vea (out for season) der wichtigste Run-Clogger. Kann das Top-Linebacker Duo Lavonte David/Devin White die Lücke stopfen? Und im Defensive Backfield begehen die jungen Spieler zwar kaum Fehler, aber ob die Defense die Räume enger halten kann als die letzten Gegner der Packers? IDK.

Nachtschicht

  • San Francisco 49ers – Los Angeles Rams

Mein Take steht: Sean McVay ist kein Kyle Shanahan. Trotzdem ist es stark, was McVay zu dieser Saison an Adjustments gemacht hat um die vor einem Jahr so holprige Rams-Offense wieder in Schwung zu bringen. Was er genau macht, habe ich beim Lead-Blogger bereits ausführlicher geschildert.

Ein Kommentar zu “Sonntagsvorschauer – NFL Woche 6

  1. Pingback: NFL 2020 – Woche 6 im Liveblog: Die Frühschicht | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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