Wie man Mahomes den Ball aus der Hand nimmt

Die Buffalo Bills haben ihr Monday-Night-Game mit 17-26 gegen die Kansas City Chiefs verloren. Trotzdem kann man aus ihrem Game-Plan einiges lernen.

Vorneweg: In den meisten Medien sehe ich Kritik an der Bills-Verteidigung, die gegen Kansas City am Montag 245 Rushing-Yards in 46 Run-Plays kassierte – ein Schnitt von 5.3 Yards/Carry. Das ist zweifellos ein hoher Schnitt gegen eine NFL-Rushing-Offense. Aber ich behaupte: Es ist ein Gewinn, gegen eine von Patrick Mahomes angeführte Offense so zu spielen!

Die Bills spielten ihre 73 Defensive-Snaps im Schnitt mit 4 Defense Linern, 1.8 Linebackern und 5.2 Defensive Backs. Es war also ein Mix zwischen 4-2-5 und 4-1-6 der Bills. Sie öffneten die Defensive-Box, um die Chiefs förmlich zum Laufen einzuladen. Was wir vormittags bei Twitter noch vermuteten…

…präsentierte Bills-Headcoach Sean McDermott am Nachmittag dann als Matchplan der Bills:

Die Chiefs haben das Geschenk dankend angenommen und sind 46x über die in der Mitte offene Bills-Defense drübergelaufen. Die in den letzten Jahren passlastigste Early-Down Offense der NFL (oft über 70% Early-Down Passing) war diesmal brutal lauflastig in 1st und 2nd Downs:

  • 32x Run (58%)
  • 23x Dropback (42%)

Doch letztlich gab das Resultat den Bills trotz der 17-26 Niederlage sogar recht. Die Chiefs machten bei allen 245 Yards „nur“ 0.09 EPA/Run in Early-Downs, bei 0.41 EPA/Dropback für Mahomes. In traditionelleren Maßstäben: 5.3 Yards/Run über alle Spielzüge standen 8.2 Yards/Pass gegenüber.

Bei aller gefühlter Dominanz für die Runningbacks Clyde Edwards-Helaire, Darren Williams oder Thompson: Die Chiefs haben sich mit dem Annehmen des Geschenks nicht unbedingt einen Gefallen getan. Eher haben sie dem Gegner in die Karten gespielt:

  1. So dominant das Laufspiel auch war: Das Spiel war bis 1:56 Minuten vor Schluss ein One-Score-Game, und viereinhalb Minuten vor Schluss waren die Chiefs nach einem bösen Fumble von Edwards-Helaire ein 3rd&12 davon entfernt, den Bills mit nur 6 Punkten Führung den Ball zurückzugeben. (Mahomes rettete das Spiel dann mit einem 37-yds Pass auf WR Byron Pringle. Eh klar)
  2. Lange Drives wie jene der Chiefs sind schön und gut, aber sie bewirken zwei Dinge: Verstärkten Fokus auf 3rd Downs – und die sind wesentlich instabiler als 1st und 2nd Downs. Und weniger Drives pro Spiel. Genau das willst du als Favorit nicht sehen! Als Kansas City Chiefs mit der potentesten Offense der NFL willst du es umso weniger sehen!
  3. Die Chiefs verzichteten auf den effizienten Teil ihrer Offense (8.2 Yards/Pass) zugunsten des ineffizienteren Teils (5.3 Yards/Lauf) und spielten eine 50/50 Run/Pass Ratio, obwohl das Spiel bis zuletzt knapp war.
  4. Einen Offensive-Gameplan so stark ums Laufspiel zu bauen, bedingt dreierlei: Man muss die Holding-Strafen auf ein Minimum reduzieren, darf sich fast keine negativen Plays erlauben und darf aufs Verrecken nicht fumbeln. Die Chiefs fumbelten einmal; sie hatten Glück, dass „3rd&long-Spezialist“ Mahomes sie herausriss. Mit einem Pass.

Die Bills haben die Chiefs also dazu eingeladen, auf den ineffizienten Teil ihrer Offense zu setzen, auf Stabilität in einer instabilen Situation und auf erhöhte Varianz zu setzen.

Der gut gedachte Plan ist letztlich an mehreren Dingen gescheitert:

  1. Mahomes machte trotz vergleichsweise weniger Snaps genug Big-Plays als Werfer und Scrambler.
  2. Die „Execution“ der Run-Defense war bei allen offenen Boxen nicht ganz ideal.
  3. Bills-QB Josh Allen spielte zum zweiten Mal in Folge suboptimal und weit weg von der Form der ersten Wochen.

Die Chiefs haben in 41 Spielen mit Pat Mahomes insgesamt 35 Mal 26 oder mehr Punkte erzielt. 26 Punkte gegen eine Mahomes-Offense einzustecken, ist also erstmal ein Gewinn und kein Punkt zur Kritik.

26 Punkte in acht Drives bedeuten natürlich insgesamt 3.25 Punkte pro Drive. Das ist viel – sehr viel sogar. Doch die Bills-Offense macht in ihren 9 Drives nur deren 17 Punkte. Das ist weniger als 2 Punkte/Drive und schlicht zu wenig. Hätte die Offense auch nur passabel gespielt, die Bills hätten eine Chance gehabt, die eingeschläferten Chiefs auf dem falschen Fuß zu erwischen.

So bleibt ein simples Fazit: Die Strategie von Sean McDermott könnte eine neue Blaupause für weniger talentierte Defenses sein, die wurfgewaltige Chiefs-Offense in die Schranken zu weisen – indem sie Andy Reid und Co. einfach dazu animiert, ihre beste Waffe zum reinen Statisten zu animieren, der einem Runningback nach dem nächsten den Ball in den Schoß drückt.

3 Kommentare zu “Wie man Mahomes den Ball aus der Hand nimmt

  1. Pingback: NFL Power Ranking 2020 – Woche 6 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Aber, aber, aber wenn man den Lauf nicht verteidigen kann, gewinnt man doch keine Spiele! Hat der Coach gesagt! Und hat ja OFFENSICHTLICH Recht, hat man in dem Spiel ja gesehen!
    Und für die Mathletics, die Statistik gibt ihm recht:
    Siegquote KC wenn Edwards-Helaire 137+ yards läuft: 100%
    Siegquote KC wenn Edwards-Helaire <137 yards läuft: nur 75%
    Siegquote KC wenn Edwards-Helaire 25+ Läufe hat: 100%
    Siegquote KC wenn Edwards-Helaire <25 Läufe hat: nur 75%
    Und das gilt schon seit seiner GESAMTEN Karriere…
    Wie ein angeblich so smarter Coach wie Andy Reid auf 25 Prozentpunkte Siegchance verzichtet mit diesem sinnlosen "Throw-The-Football"-Mantra, kann ich nicht begreifen…
    Let RBs cook!
    😉 😉 😉

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