Date am Donnerstag – Woche 7

NFL Thursday Night Games haben nicht den allerbesten Ruf. Da passt der heutige Divisionsschlager aus der üblen NFC East, Philadelphia Eagles – New York Giants, wirklich mal gut dazu. Dass die bittere Rivalität zwischen Giants und Eagles mutmaßlich mit Packers-Bears und Dallas-Washington zumindest auf einer Stufe steht, geht bei der Misere fast unter.

NFC East

Die NFC East ist in dieser Saison bis jetzt wirklich komikhaft schlecht. Man muss sich das mal vorstellen: Da spielen heute die Eagles mit ihrer 1-4-1 Bilanz darum, mit einem Sieg die Divisionsführung zu übernehmen! Die Giants, aktuell bei 1-5 stehend, wären mit einem Sieg die #2 der NFC East.

Die vier Mannschaften stehen auch sehr weit unten in meinem Power-Ranking:

Dallas (2-4) steht an #25
Philadelphia (1-4-1) steht an #27
Washington (1-5) ist die #30
Die Giants (1-5) sind die #31

Bis zur Dak-Prescott-Verletzung vor 10 Tagen wirkte Dallas trotz horrender Defense wie das klar beste Team in dieser Division, doch dann wurden die Cowboys am Sonntag von den ebenso wenig überzeugenden Arizona Cardinals mit 10-38 förmlich abgeschossen. Nicht nur spielte Backup-QB Andy Dalton einen Stuss zusammen. Vor allem versagte auch RB Zeke Elliott erneut auf ganzer Linie und fumbelte dem Gegner die Partie fast im Alleingang in die Hände.

Schon wetzen die Gegner vom neuen Headcoach Mike McCarthy die Messer, und es gibt Gerüchte über eine Meuterei:

Eagles

Unter diesen Umständen sind die Eagles bei allem miesen Saisonstart wohl schon jetzt der neue Favorit in der Division. Philly ist zwar mal wieder ein unglaubliches Lazarett mit zahlreichen verletzten Schlüsselspielern:

  • In der O-Line sind LT Andre Dillard und OG Brandon Brooks für die ganze Saison raus. OT Jason Peters und OG Isaac Seumalo sind ebenso auf IR. Damit fehlen 3/5 der geplanten Starter und der wichtigste Ersatzmann.
  • Auf Receiver fehlten in den letzten Wochen immer wieder WR Alshon Jeffery, WR Jalen Reagor und TE Dallas Goedert, und jetzt wo diese angedachten Stammspieler langsam (Betonung auf „langsam“) wieder genesen, fallen TE Zach Ertz und RB Miles Sanders aus.
  • In der Defense sind DT Malik Jackson und LB Edwards die wichtigsten Ausfälle.

Aber weil die Iggles sowohl gutes Coaching in der Offense Line als auch erstaunlich gute Tiefe dort besitzen, hat die Line trotz aller Ausfälle gehalten (u.a. #6 in Pass-Block Win-Rate), und weil QB Carson Wentz sich in den letzten drei Spielen dann doch aus dem allertiefsten Loch herausspielen konnte, geht es gefühlt langsam aufwärts mit den Eagles.

Wentz in den ersten drei Wochen (von 36)

  • EPA/Play: -0.12 EPA/Play, #35
  • CPOE: -6%, #34
  • PFF Grading: #35

Wentz in den letzten drei Wochen (von 36)

  • EPA/Play: +0.05 EPA/Play, #28
  • CPOE: -2%, #28
  • PFF Grading: #10

Solche Splits darf man natürlich nicht überbewerten, aber: Es geht aufwärts! Vor allem im PFF-Charting bekommt Wentz nun bessere Bewertungen – wenn seine Skill-Player dann auch wieder vollzähliger sind, watch out.

In den letzten beiden Wochen verloren die Eagles zwar gegen Steelers und Ravens. Aber beide Niederlagen „fühlten“ sich zumindest nicht mehr so desaströs wie der Saisonstart an. Gerade gegen die Baltimore Ravens biss die ganze Mannschaft die Zähne zusammen und hätte nach hartem Kampf am Ende fast noch den Ausgleich geschafft. Am Ende verlor man 28-30. Schön war’s natürlich nicht. Aber die Eagles sind jetzt wieder „dran“ – und können sich zumindest an den guten Vorstellungen von unbekannten Jungspunden wie WR Travis Fulgham hochziehen.

Möglicherweise wird GM Howie Roseman in den nächsten Wochen noch auf dem Trade-Markt aktiv werden und auf der ganz bitteren Sollbruchstelle Linebacker nachrüsten. Aber offensiv kann man allein durch die Gesundungen des Mannschaftsgerüsts auf Besserung hoffen.

Giants

Die Giants fühlen sich noch bitterer an. Ihr einziger Saisonsieg am Sonntag stand gegen das ähnlich desaströse Washington bis zur letzten Minute auf Messers Schneide. Nur dank hirntoter Interception und Pick-Sixes vom gegnerischen Quarterback Kyle Allen machte man überhaupt Punkte, und dann vergeigte Washington bei 19-20 eine 2pts-Conversion.

Die Giants fallen mit ihrem „Run First“-Approach in Offense und Defense momentan bitterlich auf die Fresse. In der Offense stellt man die ineffizienteste Early-Down Offense nach Conversion-Rate:

In der Defense ist man im „Passing-Down“ 3rd Down bitterböse: Die Giants kassieren dort 0.42 EPA/Play, #32 der NFL. So geht’s dir, wenn du zwar gute Run-Thumper, aber keine richtigen Passrusher und Coverage-Spezialisten hast.

QB Daniel Jones? Tut mir manchmal ein bisschen leid. Seine Offensive Line ist als #29 nach Pass-Block Win-Rate und als #32 im PFF Pass-Blocking Grading weiter ein Desaster. Sie hält in nicht einmal der Hälfte der Plays für mindestens 2.5 Sekunden die Pocket sauber. Gegen die massierte Eagles-Defensive Line könnte das heute zu einem besonders großen Problem werden.

Jones ist im PFF-Pass Charting immerhin die #17. Das ist besser als sein Ruf. Aber was willst du mit so einer „Protection“ und 13 Drops der Receiver in sechs Spielen auch machen?

Auch sonst ist die ganze Offense ziemlich steril. Es gibt kaum Snap-Motion, bei Play-Action ist man im unteren Mittelfeld, bei 1st und 2nd down eher lauflastig. Problem bleiben halt Jones‘ Fumbles. Von denen könnte es auch heute einen geben, wenn er gegen diese schnelle Defense Line seinen Mann stehen muss.

Ausblick

Die Eagles sind mit 4.5 Punkten favorisiert. Das fühlt sich wie ein guter Spread an. Philadelphia hat offensiv noch nicht die Waffen um die Giants wirklich verlässlich ein ganzes Spiel lang unter Druck zu setzen. Aber wenn Wentz nicht wieder kollabiert und dem Gegner mit zahlreichen Sacks und Interceptions das Spiel in die Hand drückt, dann sollte Philly letztlich doch genug im Petto haben um einen unspektakulären Sieg zu feiern.

3 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Woche 7

  1. Schwieriger Punkt.

    Die Offense an sich hat eigentlich bis Daks Ausfall gut performt, obwohl sie schematisch nicht ganz ideal war. Play-Action nur Mittelmaß, recht statisch, nur durchschnittlich viel Early-Down Passing.

    Passing-Offense war explosiv, aber auch Turnover-anfällig. Das hat sich nicht ganz ausgeglichen: #19 nach EPA/Play mit Dak.

    Dass beide Offense Tackles out for season sind, hat nicht geholfen. Vielleicht hätte man schematisch etwas mehr machen können.

    Rushing-Offense war mies v.a. wegen der endlosen Zeke-Elliott-Fumbles. Da kann der Coach erstmal nicht viel dafür – außer eben, dass Elliott noch immer so viel spielt.

    Problem ist die Defense, die keinen Stich macht. Zumindest im Pass-Rush wäre das individuelle Potenzial ja da, aber wenn man hinten so offen steht, ist halt kacke.

  2. Habe noch selten so ein grottenschlechtes Spiel gesehen. Was diese zwei QB aufführen, spottet jeder Beschreibung.
    Mitte 3. Viertel geht der Lahme gegen den Blinden in Führung – ich bin raus….

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